Tag Archive: Peenemünde



Die Heeresversuchsanstalt Peenemünde war zwischen 1936 und 1945 eines der modernsten Technologiezentren der Welt. Im Oktober 1942 gelang von hier aus der weltweit erste Start einer Rakete ins All. In der benachbarten Erprobungsstelle der Luftwaffe wurden Flugkörper mit revolutionärer Technik getestet. Die in Peenemünde entwickelte Rakete A4 gilt heute sowohl als Vorläufer aller militärischen als auch aller zivilen Trägerraketen.

 

Der Flugplatz

war Bestandteil der Erprobungsstelle der Luftwaffe und gehörte mit seinem großen Rollfeld während des Zweiten Weltkrieges zu den größten Flugplätzen Deutschlands. Er wurde auf der so genannten Kaasewiese angelegt, die nur wenig über dem Meeres­spiegel lag und bei Hochwasser immer wieder überflutet wurde. Deshalb errichtete man einen Deich entlang der Küste und spülte dahinter das Gelände abschnittsweise mit Sand aus dem Greifswalder Bodden auf. Auf dieser teilweise bis auf 2 m angehobenen Fläche wurde das Rollfeld angelegt.

Die Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde West entstand parallel zur Heeres­ver­suchs­anstalt und beschäftigte sich ebenfalls mit der Erprobung von Waffensystemen z. T. auch mit Raketenantrieb. In den Jahren von 1938 bis 1945 wurden hier die ver­schie­den­sten Fernlenkwaffen, Flugzeuge mit Raketenantrieb und Starthilfsraketen getestet. Zu den bekanntesten erprobten Flugkörpern zählen die Fi103 („V1“), die He176 und die Me163.

 

Das Sauerstoffwerk

Der Ende 1938 beschlossene weitere Aus­bau der Heeres­ver­suchs­anstalt schloss auch die Serienfertigung von Raketen mit ein. Dies machte jedoch die Produktion von flüssigem Sauerstoff – der zweiten Treib­stoff­kompo­nente der Rakete A4 („V2“) neben mit Wasser verdünntem Alkohol – in indu­striel­lem Maßstab vor Ort notwendig. Von beiden Komponenten wurden für einen Raketenstart jeweils ungefähr 4 t benötigt. Die bisher vorhandene Sauerstoffanlage im Entwick­lungs­werk reichte für die nun benötigten Sauerstoffmengen nicht mehr aus. Ab Juli 1942 wurde daher ein zweites Sauerstoffwerk errichtet. Täglich wurde hier rund um die Uhr in drei Schichten 13.000 kg flüssiger Sauerstoff gewonnen. Weiterlesen


DER VERRAT AN DER FORSCHUNGSANSTALT PEENEMÜNDE

Otto-Ernst Remer

Während es den Saboteuren unter den Wissenschaftlern gelungen war, den Bau der Atomwaffe zu verhindern, gelang dies nicht bei den Fernkampfwaffen. Unsere Raketenforscher Wernher v. Braun und Dr. Dornberger waren während des Kriegs von anderem „Schrot und Korn“ als ihre Kollegen der Kernphysik. Als verantwortungsbewußte Deutsche dienten sie rückhaltlos ihrem Vaterlande, weil sie wußten, was sie diesem schuldig waren.

Bei der Entwicklung und Fertigung der Fernkampfwaffen (V l und V 2) hat es wie bei anderen Waffenarten aus verschiedenen Gründen technischer und auch personeller Natur von Anfang an immer wieder Rückschläge gegeben. Das war natürlich wie bei jeder Umsetzung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse in technische Wirklichkeit und Praxis. Die Entwicklung und Fertigung der V-Waffe jedoch wurde durch Verrat und Sabotage derart zurückgeworfen, daß ihre rechtzeitige und wirkungsvolle Frontverwendung nicht mehr möglich war. Die Feindseite wurde so lückenlos über die Herstellung unserer neuen Waffe unterrichtet, daß es dieser ein leichtes war, unsere Produktionsstätte durch gezielte Bombenangriffe zu zerstören.

Der Informant des Gegners war der Verschwörer Dr. Otto John, der die Forschungs- und Versuchsanstalt unserer V-Waffe, Peenemünde, an die Engländer verriet.

Das landesverräterische Treiben des Dr. Otto John wäre wohl kaum bekannt geworden, wenn nach seinem Überlaufen nach Ost-Berlin der englische Oberst Daniel Shapiro noch Grund gehabt hätte, seine bis dahin geübte Diskretion zu wahren. Dazu muß man wissen, daß dieser Oberst in Zusammenarbeit mit Sefton Delmer, der im damaligen Feindsender Calais mit etwa 300 Emigranten seine Hetzsendungen gegen Deutschland betrieb, der Betreuer des fahnenflüchtigen Dr. Otto John war. Sein Bericht wurde erstmalig am 8. August 1954 im „Stern“ veröffentlicht. Er lautete: „Zunächst wurde er (John) mir als Oskar Jürgens vorgestellt. Darunter konnte ich mir gar nichts vorstellen. Erst als dieser Herr Oskar Jürgens ohne jeglichen Zusammenhang auf Peenemünde zu sprechen kam, wurde ich hellhörig… Aber ich begriff immer noch nicht. Ich war einfach nicht darauf vorbereitet, plötzlich dem Mann gegenüberzusitzen, der uns Peenemünde mit seiner geheimnisvollen Versuchsstation für Wunderwaffen ausgeliefert hatte. Das war immerhin eine große Sache, bis dahin jedenfalls der größte Erfolg unseres Nachrichtendienstes. Ich erinnere mich ganz genau: Die Meldung stammte aus Berlin, aus gut informierten Luftwaffenkreisen. Über Spanien war sie zu uns gekommen, worauf die RAF zunächst Aufklärer vom Typ ‚Moskito‘ nach Peenemünde schickte und bald darauf 600 Bomber. Und der Mann, dem wir das alles zu verdanken hatten, saß jetzt mit schlecht gefärbten Haaren in meinem Büro.

Das war der Beginn meiner Bekanntschaft mit Dr. Otto John, der bei uns den Decknamen ‚Oskar Jürgens‘ erhalten hatte. In der nächsten Woche blieb er in meiner Obhut. Ich quartierte ihn in Knightbrigde in einer unserer sogenannten festen Häuser ein. Das war Vorschrift, auch mit Dr. John konnte bei aller Anerkennung seiner Verdienste keine Ausnahme gemacht werden. Ich hoffe jedoch, daß er sich bei uns wohlgefühlt hat. Die Villa war bequem und unterschied sich äußerlich durch nichts von den biederen, gutbürgerlichen Villen der Nachbarschaft. Das Personal war in Zivil gekleidet und erledigte die Überwachung unauffällig und unaufdringlich. In ganz London gab es damals bestimmt nicht viele Häuser, in denen besser gekocht wurde als hier. Und wenn wir ein Gästebuch geführt hätten, hätte sich Otto John unter prominenten Namen eintragen können.“

In diesem Bericht wird die Bedeutung des Verrats klar herausgestrichen und auf die Quelle des Reichsluftfahrtministeriums hingewiesen, wo ja auch die »Rote Kapelle“ ihr Tätigkeitsfeld hatte. Weiterlesen