Tag Archive: Gesundheitskosten


Von Grundrechten und Obergrenzen


Die CDU kennt (bei dreisten Sprüchen) keine Obergrenze

meint Egon W. Kreutzer

Armin Laschet, nicht gerade der kleine Ortsvereinsvorsitzende der CDU, sondern ein Vize-Parteichef, findet die Debatte um eine „Obergrenze“ doch inzwischen sehr theoretisch. Darauf komme ich gleich noch.

Außerdem – und das ist die Dreistigkeit – meint er, es fehle der „Obergrenze“ an der Rechtsgrundlage, mit den Worten: „Ein Grundrecht kennt keine Obergrenze.“

Vielleicht sollte Herr Laschet einfach einmal einen Blick in das Grundgesetz werfen, wo die Grundrechte beschrieben sind. Er sollte sich ansehen, wie viele Grundrechte inzwischen ihre Obergrenzen erhalten haben. Das Post- und Fernmeldegeheimnis zum Beispiel. Da sitzt die Obergrenze so tief, dass das ehedem gemeinte Recht schon längst nicht mehr zu erkennen ist. Geheimhalten darf nur die Regierung, und sie tut es, zum Beispiel wenn wir nicht wissen dürfen, wer alles über die „Selek­to­ren­liste“ mit Hilfe des BND von den USA in seinen Grundrechten verletzt wurde. Mit der Meinungsfreiheit ist es nicht anders. Die Überwachung der korrekten Meinung ist inzwischen sogar privatisiert worden. Der Zensor ist nicht mehr Staatsbeamter, der sich an Recht und Gesetz zu halten hätte — der Zensor ist bei einer Stiftung beschäf­tigt, die sich ihre Auffassung von Meinungsfreiheit selbst zurechtgebastelt hat.

Es wäre also, lieber Herr Laschet, für Sie und Ihre Parteifreunde, samt dem immer mitziehenden Koalitionspartner ein leichtes, auch dieses Grundrecht zu beschneiden. Aber das ist ja gar nicht erforderlich.

Die Obergrenze ist klipp und klar im Grundgesetz formuliert – nur hat sich eben Ihre Parteivorsitzende, Fr. Dr. Merkel, leichterhand über eben dieses Grund­gesetz hinweggesetzt.

Diese Obergrenze ist nicht quantitativ formuliert, sondern qualitativ, denn da heißt es im Artikel 16a des Grundgesetzes: Weiterlesen

Die Pillendreher


von Egon W. Kreutzer

Der Scarabäus, auch als Mistkäfer oder Pillendreher bekannt, ist darauf programmiert, aus Mist Pillen zu drehen. Das ist Teil der Vorsorge für seine Nachkommen, und dass dieses Prinzip funktioniert, erweist sich alleine daraus, dass es diese Käfer, Jahrtausende nach der ägyptischen Hochkultur, die den Scarabäus verehrte, immer noch gibt.

Andere Pillendreher mussten in diesen Tagen die bittere Erkenntnis wahrnehmen, dass der Stoff, aus dem sie ihre Pillen drehen, wahrscheinlich nicht wirksamer ist als ein Placebo. Die Rede ist von Paracetamol, einem häufig eingesetzten Schmerzmittel, von dem eine neue Studie nun sagt, dass es bei Kreuzschmerzen praktisch wirkungslos ist. Der Stern berichtet darüber ausführlich. Allerdings bleibt auch der Stern in seinen Ausführungen in den schulmedizinischen Dogmen verhaftet, wenn er in diesem Artikel eine Broschüre der Bundesärztekammer zitiert, in der erklärt wird: „Da der Hexenschuss nur selten gefährlich ist, raten Ärzte vor allem zu Geduld. Die Beschwerden bei akuten nichtspezifischen Kreuzschmerzen bessern sich in der Regel nach kurzer Zeit von allein.”

Dieser Satz besagt zweierlei: Erstens, die Bundesärztekammer ist sich offenbar bewusst, dass Kreuzschmerzen – mit und ohne Behandlung – nach einer vom Allge­mein­zustand des Patienten abhängigen Zeitspanne wieder vergehen. Zweitens, dass es den Medizinern nicht sinnvoll erscheint, bereits bei ersten Kreuzschmerzen eines Patienten eine ausführliche Diagnose zu stellen und therapeutische Maßnahmen einzuleiten, die sich nicht, wie Paracetamol und Ibuprofen alleine auf die Linderung der schmerzhaften Symptome beschränken.

Der Versuch, wirklich herauszufinden, was die Kreuzschmerzattacke verursacht haben könnte und dementsprechende wirksame Therapien einzusetzen, könnte schließlich dazu führen, dass die von kreuzlahmen Patienten überfüllten Wartezimmer sich schnell leeren würden. Der alte Sinnspruch der leider nicht existenten Bundespatientenkammer bewahrheitet sich damit immer wieder:

Was bringt den Doktor um sein Brot?
a) Die Gesundheit,
b) der Tod.………
Drum hält er uns, auf dass er lebe,
stets zwischen beidem in der Schwebe.

Was unsere Politiker „Gesundheitswesen” nennen, ist im Grunde eine unersättliche „Krankheitsbranche”. Deutlich auch zu erkennen an den Informationen über die Zahl der „teuren Operationen”, die in unseren Krankenhäusern so oft durchgeführt werden, dass die herausragende Position unter den OP-Zahlen vergleichbarer Staaten erhebliche Zweifel am medizinischen Nutzen, jedoch keinerlei Zweifel am wirtschaftlichen Nutzen aufwerfen. Weiterlesen