In dieser Rede erläutert Adolf Hitler die Entwicklungen der geplanten Röhm-Revolte und rechtfertigt das harte Durchgreifen zum Schutze des jungen nationalsozialistischen Staates und des deutschen Reiches.

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Abgeordnete, Männer des deutschen Reichstags!

 

Im Auftrage der Reichsregierung hat Sie der Reichstagspräsident Hermann Göring heute zusammengerufen, um mir die Möglichkeit zu geben, vor diesem berufensten Forum der Nation das Volk über Vorgänge aufzuklären, die als eine ebenso traurige wie war­nen­de Erinnerung in unserer Geschichte für alle Zeiten fortleben mögen.

Aus einer Summe sachlicher Ursachen und persönlicher Schuld, aus menschlicher Unzulänglichkeit und menschlichen Defekten entstand für unser junges Reich eine Krise, die nur zu leicht von wahrhaft vernichtenden Folgen für eine absehbare Zukunft hätte werden können. Ihre Entstehung und Überwindung vor Ihnen und damit vor der Nation nahezulegen, ist der Zweck meiner Ausführungen. Ihr Inhalt wird ein rückhaltlos offener sein. Nur im Umfange mußte ich mir Beschränkungen auferlegen, die bedingt sind einerseits durch die Rücksicht auf die Interessen des Reiches, andererseits durch die Grenzen, die durch das Gefühl der Schande gezogen werden.

Angefangen bei den alten, treuen und unerschütterlichen Kämpfern unserer Bewegung wie zu den neugewonnenen Millionenmassen unserer Arbeiter stellen sie das gesunde Element unseres Volkes dar. Sie alle sind gerecht und innerlich anständig geblieben. Millionen von ihnen kämpfen auch heute in Deutschland bitter und schwer um ihr kärgliches tägliches Brot.
Hunderttausende an Bergarbeitern verdienen kaum das Notwendigste zum Leben. Hunderttausende andere waren bereit, ihren Arbeitsplatz mit noch ärmeren Volks­ge­nos­sen zu teilen. Und wir alle leben dennoch in der Zuversicht und im Glauben an den neuen Staat. Von Millionen schwer arbeitenden […] Menschen mußten wir Opfer fordern zur Rettung anderer deutscher Lebensstände. Und wir haben die Opfer gegeben. Das Wort „Deutsche Volksgemeinschaft“ hat gerade in den ärmsten Söhnen unseres Volkes seine erhabenste Verklärung gefunden. Millionen von Frauen, die lieber an diesen neuen Staat opfern, arbeiten und beten für ihn. Sie empfinden in ihrem natürlichen Instinkt seine Mission der Erhaltung unseres Volkes, dem sie selbst in ihren Kindern das lebende Unterpfand gegeben haben.
Hunderttausende von Mitgliedern unserer früheren bürgerlichen Gesellschaft, die bemü­hen sich, im neuen Staat den Weg zum deutschen Volk zu suchen und zu finden. Unzähligen erscheint ein neues Leben erschlossen, der Arbeit und das ewigen Streben und Ringen als höheres Ziel gesteckt. Wer das Glück hat, in dieses Volk hinein­zu­kom­men, der wird selbst erfaßt und getragen sein von der Welle des grenzen­lo­sen Ver­trau­ens und der durch nichts zu erschütternden Zuversicht, mit der sie alle am neuen Deutschland hängen.

Dieser positiven Welt des Deutschtums, der Verkörperung der wirklichen Werte unseres Volkes, steht freilich auch eine kleine negative Welt gegenüber. Am Werk der deutschen Genesung und Erhebung nehmen keinen inneren Anteil erstens: Die kleinen Schichten jener internationalen Volkszersetzer, die als Apostel des weltanschaulichen politischen und wirtschaftlichen Kommunismus planmäßig die Völker zersetzen, die Ordnung auf­lösen und sich bemühen, das Chaos herbeizuführen. Wir sehen die Zeugnisse des Wir­kens dieser internationalen Verschwörung um uns: Landauf, landab laufen die Flammen des Aufruhrs über die Völker. Straßentumulte und Barrikadenkämpfe, Massen­terror und individualistische Zersetzungspropaganda beunruhigen heute fast alle Länder der Welt.
Auch in Deutschland versuchen noch einzelne dieser Narren und Verbrecher immer wieder ihre destruktive Tätigkeit auszuüben. Seit der Überwindung der kommu­ni­sti­schen Partei erleben wir, wenn auch immer schwächer werdend, dennoch einen Versuch nach dem anderen, kommunistische Organisationen von mehr oder minder anar­chi­sti­schem Charakter zu begründen und arbeiten zu lassen. Ihre Methode ist stets dieselbe. Wenn sie das Los der Gegenwart als Unerträglich schildern, preisen sie das kommuni­sti­sche Paradies der Zukunft und führen praktisch doch nur einen Krieg für die Hölle. Denn die Folgen ihres Sieges in einem Land wie Deutschland könnten keine anderen als vernichtende sein. Der nationalsozialistische Staat aber wird in seinem Inneren – wenn notwendig – in einem hundertjährigen Krieg auch die letzten Reste dieser Volksver­gif­tung und Volksvernarrung ausrotten und vernichten.

Die zweite Gruppe der Unzufriedenen befehlen jene politischen Führer, die durch den 30. Januar ihre Zukunft als erledigt empfinden, ohne sich mit der Unwiderruflichkeit dieser Tatsache abfinden zu können.

Eine dritte Gruppe destruktiver Elemente ergibt sich aus jenen Revolutionären, die im Jahre 1918 in ihrem früheren Verhältnis zum Staate erschüttert und entwurzelt worden sind und damit überhaupt jede innere Beziehung zu einer geregelten menschlichen Gesellschaftsordnung verloren haben. Es sind Revolutionäre geworden, die der Revo­lu­tion als Revolution huldigen und in ihr einen Dauerzustand sehen möchten.
Wir alle haben einst unter der furchtbaren Tragik gelitten, daß wir als gehorsame und pflichtgetreue Soldaten plötzlich einer Revolte von Meuterern gegenüber standen, die es fertigbrachten, sich in den Besitz des Staates zu setzen. Jeder von uns war einst erzogen worden in der Achtung der Gesetze, im Respekt vor der Autorität, dem Gehorsam gegenüber den von ihr ausgehenden Befehlen und Anordnungen in einer inneren Ergebenheit gegenüber der Repräsentanz des Staates. Nun zwangen die Revolution der Deserteure und Meuterer die innere Loslösung von diesen Begriffen auf.
Nicht den Willen und das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes wollten wir vergewaltigen, sondern nur die Vergewaltiger der Nation verjagen. Für uns war die Revolution, die das zweite Deutschland zertrümmerte, nichts anderes als der gewaltige Geburtsakt, der das Dritte Reich ins Leben rief. Dennoch wollten wir den Staat schaffen, an dem jeder Deutsche in Liebe hängen kann; ein Regiment begründen, wo ein jeder mit Achtung emporzusehen vermag; Gesetze finden, die der Moral unseres Volkes entsprechen; eine Autorität befestigen, der sich Jedermann in freudigem Gehorsam unterwirft.

Ich habe unter den zahllosen Akten, die ich in der vergangenen Woche durchzulesen verpflichtet war, auch ein Tagebuch studiert mit den Aufzeichnungen eines Mannes, der 1918 auf die Bahn des Widerstandes gegen die Gesetze geworfen wurde und nun in einer Welt lebt, in der das Gesetz an sich zum Widerstand zu reizen scheint. — Ein er­schüt­terndes Dokument. Ein ununterbrochenes Konspirieren und dauerndes Ver­schwö­ren, ein Einblick in die Mentalität von Menschen, die ohne es zu ahnen, im Nihilismus ihr letztes Glaubensbekenntnis gefunden haben. Unfähig um jeder wirk­li­chen Mitarbeit. Gewillt, gegen jede Ordnung Stellung zu nehmen. Erfüllt vom Haß gegen jede Autorität, findet ihre Unruhe und Unrast nur Befriedigung in der dauernden gedanklichen und konspirativen Beschäftigung mit der Zersetzung des jeweils Bestehenden.
Viele von ihnen sind in der Frühzeit unseres Kampfes mit uns gegen den vergangenen Staat angerannt. Die meisten von ihnen aber hat schon im Laufe des Kampfes die innere Disziplinlosigkeit von der disziplinierten nationalsozialistischen Bewegung weggeführt. Der letzte Rest schien nach dem 30. Januar ausgeschieden zu sein. Die Verbundenheit mit der nationalsozialistischen Bewegung war in dem Augenblick gelöst, da diese selbst als Staat Objekt ihrer pathologischen Abneigung wurde. Sie sind aus Prinzip Feinde jeder Autorität und daher überhaupt nicht zu bekehren. Leistungen, die den neuen deutschen Staat zu festigen scheinen, erregen ihren erhöhten Haß — wie denn über­haupt all diesen Oppositionellen als Grundsatz eines gemeinsam ist: Sie sehen vor sich nicht das deutsche Volk, sondern die ihnen verhaßte Institution der Ordnung. Sie erfüllt nicht der Wunsch, dem Volk zu helfen, als vielmehr die brennende Hoffnung, der Regie­rung möchte ihre Arbeit zur Rettung des Volkes mißlingen. Sie sind daher nie bereit, den Segen einer Handlung zuzugeben, als vielmehr erfüllt von dem Willen, aus Prinzip jeden Erfolg zu bestreiten und aus jedem Erfolg die möglichen Fehler und möglichen Schwächen herauszuspüren. Diese dritte Gruppe pathologischer Feinde des Staates ist deshalb gefährlich, weil sie für jeden Versuch einer Revolte ein Reservoir williger Hilfskräfte solange darstellen, als sich nicht aus dem Zustand der […] Aus­ein­an­der­set­zung eine Neuordnung herauszukristallisieren beginnt.

Ich muß nun aber auch der vierten Gruppe gedenken, die manches Mal vielleicht sogar ungewollt, aber dennoch eine wahrhaft destruktive Tätigkeit ausübt. Es sind dies jene Menschen, die einer verhältnismäßig kleinen Gesellschaftsschicht angehören, im Nichts­tun Zeit und und Anlaß finden zur mündlichen Berichterstattung über alles das, was der eigenen Sicht eine ebenso interessante wie wichtige Abwechslung in ihrem im übrigen vollständig belanglosen Leben verbringen. Denn, während die überwältigende Zahl der Nation sich in mühevoller Arbeit das tägliche Brot zu verdienen hat, gibt es in verschiedenen Lebensschichten immerhin auch Menschen, deren einzige Tätigkeit es ist, nichts zu tun, um sich von diesem Nichtstun dann wieder zu erholen. Je armseliger das Leben einer solchen Drohne ist, umso begieriger wird das aufgegriffen, was dieser Leere einen interessanten Inhalt geben kann. Persönlicher und politischer Tratsch wird dann begierig aufgefangen und noch begieriger weitergegeben.

Da diese Menschen infolge ihres Nichtstuns eine lebendige Beziehung zur Millionen­masse der Nation nicht besitzen, ist ihr Leben abgesteckt durch den Umfang ihres eigenen Lebenskreises. Jedes Geschwätz, das sich in diesen Zirkel verliert, wird wie zwischen zwei Hohlspiegeln immer wieder einander zurückgegeben. Sie sehen, weil ihr eigenes „Ich“ von einer Nichtigkeit erfüllt ist, die sie bei ihresgleichen stets bestätigt finden, die ganze Umwelt davon betroffen. Die Auffassung ihres Kreises verwechseln sie mit der Auffassung aller. Ihre Bedenken – bilden sie sich ein – seien die Sorgen der ganzen Nation.
In Wirklichkeit ist dieses Drohnenvölkchen nur ein Staat im Staat — ohne jeden leben­digen Kontakt mit dem Leben, den Empfindungen, Hoffnungen und Sorgen des anderen Volkes. Sie sind aber gefährlich, weil sie förmliche Bazillenträger sind der Unruhe, der Unsicherheit, der Gerüchtebehauptungen, der Lügen und Verdächtigungen, Verleum­dungen und Befürchtungen, und so beitragen zur Erzeugung einer allmählichen Ner­vo­si­tät, bei der es am Ende schwer ist, die gegebene Begrenzung im Volke zu erkennen oder zu finden.
So wie sie in jedem anderen Volke ihr Unwesen treiben, so auch im Deutschen. Für sie war die nationalsozialistische Revolution genauso interessantes Gesprächsthema, wie umgekehrt der Kampf der Feinde des nationalsozialistischen Staates gegen diesen. Eines aber ist klar: Die Arbeit des Wiederaufbaus unseres Volkes und dadurch die Arbeit unseres Volkes selbst ist nur möglich, wenn das deutsche Volk in innerer Ruhe, Ord­nung und Disziplin seiner Führung folgt und vor allem, wenn es seiner Führung ver­traut!

Denn nur das Vertrauen und der Glaube an einen neuen Staat haben es ermöglicht, die großen Aufgaben in Angriff zu nehmen und zu lösen, die uns die früheren Zeiten bestellt hatten. Wenn auch das nationalsozialistische Regime von Anfang an sich mit diesen verschiedenen Gruppen abfinden mußte und auch abgefunden hat, so trat doch seit einigen Monaten eine Stimmung auf, die man endlich nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen konnte: Das erst vereitelte Geschwätz von einer neuen Revolution, von einer neuen Umwälzung, von einem neuen Aufstand, wurde allmählich so intensiv, daß nur eine leichtsinnige Staatsführung darüber hätte hinwegsehen können. Man konnte nicht mehr alles das einfach als dummes Gerede abtun, das in hunderten und endlich tausenden Berichten mündlich und schriftlich darüber einging.
Noch vor drei Monaten war die Parteiführung überzeugt, daß es sich einfach um das leichtsinnige Geschwätz politischer Reaktionäre, marxistischer Anarchisten oder aller möglichen Müßiggänger handeln würde, denen jede tatsächliche Unterlage fehle. Mitte März habe ich veranlaßt, Vorbereitungen zu treffen zu einer neuen Propagandawelle. Sie sollte das deutsche Volk gegen den Versuch einer neuen Vergiftung immunisieren. Gleichzeitig damit aber gab ich auch an einzelne der Parteidienststellen den Befehl, den immer wieder auftauchenden Gerüchten einer neuen Revolution nachzugehen und wenn möglich, die Quellen dieser Gerüchte aufzufinden. Es ergab sich, daß in den Reihen einiger höherer SA-Führer Tendenzen auftraten, die zu ernstesten Bedenken Anlaß geben mußten. Es waren zuletzt allgemeine Erscheinungen, deren innere Zusammen­hänge nicht ohne weiteres klar waren.

Erstens: Entgegen meinem ausdrücklichen Befehl und entgegen mir gegebener Erklärungen ist beim früheren Stabschef Röhm eine Auffüllung der SA in einem Umfange eingetreten, die die innere Homogenität dieser einzigartigen Organisation gefährden mußte.

Zweitens: Die nationalsozialistische, weltanschauliche Erziehung trat in den erwähnten Bereichen einzelner höherer SA-Dienststellen mehr und mehr zurück.

Drittens: Das naturgegebene Verhältnis zwischen Partei und SA begann sich langsam zu lockern. Mit einer gewissen Planmäßigkeit konnten Bestrebungen festgestellt werden, die SA von der ihr von mir gestellten Mission mehr und mehr zu entfernen, um sie ande­ren Aufgaben oder Interessen dienstbar zu machen.

Viertens: Die Beförderungen zu SA-Führern ließ bei Nachprüfung eine vollständig einseitige Bewertung eines rein äußeren Könnens oder auch nur einer vermeintlichen intellektuellen Befähigung erkennen. Die große Zahl ältester und treuester SA-Männer trat immer mehr bei Führerernennungen und Stellenbesetzungen zurück, während der in der Bewegung nicht sonderlich hochgeachtete Jahrgang 1933 eine unverständlich Bevorzugung erfuhr. Eine manches Mal nur wenige Monate dauernde Zugehörigkeit zur Partei, ja nur zur SA, genügte zur Beförderung in eine höhere SA-Dienststelle, die der alte SA-Führer nicht nach Jahren erreichen konnte.

Fünftens: Das Auftreten dieser zum großen Teil mit der Bewegung überhaupt nicht verwachsenen einzelnen SA-Führer war ebenso unnationalsozialistisch wie manches Mal geradezu abstoßend. Es konnte aber nicht übersehen werden, daß gerade in diesen Kreisen eine Quelle der Beunruhigung der Bewegung auch dadurch gefunden wurde, als ihr mangelnder praktischer Nationalsozialismus sie in sehr unangebrachten neuen Revolutionsforderungen zu verschleiern versuchte. Ich habe auf diese und eine Reihe weiterer Mißstände den Stabschef Röhm hingewiesen. Ohne daß irgendeine fühlbare Abhilfe, ja auch nur ein erkennbares Eingehen auf meine Aufstellungen eingetreten wäre.

Im Monat April und Mai kamen mir diese Klagen ununterbrochen zu. Zum ersten Mal erhielt ich zu dieser Zeit aber auch aktenmäßig belegte Mitteilungen über Bespre­chun­gen, die von einzelnen höheren SA-Führern abgehalten worden waren und wenig anders als mit grober Ungehörigkeit bezeichnet werden mußten. Zum ersten Mal wurde in einigen Fällen unableugbar bewiesen, daß in solchen Besprechungen Hinweise auf die Notwendigkeit einer neuen Revolution gegeben wurden, daß Führer die Auf­for­de­rung erhielten, sich für eine solche neue Revolution innerlich und fachlich vorzu­be­rei­ten.
Stabschef Röhm versuchte alle diese Vorgänge in ihrer Wirklichkeit abzustreiten und erklärte sie als versteckte Angriffe gegen die SA. Die Belegung einzelner dieser Vorfälle durch Angaben Beteiligter führte zur schwersten Mißhandlung dieser Zeugen, die meist aus den Reihen der alten SA stammten. Schon Ende April war sich die Führung der Par­tei sowie eine Anzahl davon berührter staatlicher Institutionen im klaren darüber, daß eine bestimmte Gruppe höherer SA-Führer bewußt zur Entfremdung der SA von der Partei sowie den anderen staatlichen Einrichtungen beitrug oder zumindest diese nicht verhinderte.

Der Versuch, auf dem normalen Dienstweg Abhilfe zu schaffen, blieb immer wieder erfolglos. Stabschef Röhm sicherte mir persönlich stets die Untersuchung der Fälle sowie die Entfernung der Schuldigen beziehungsweise deren Maßregelung zu. Eine sichtbare Wandlung trat nie ein. Im Monat Mai liefen bei einigen Partei- und Staats­stellen zahlreiche Anklagen über Verstöße höherer und mittlerer SA-Führer ein, die aktenmäßig belegt, nicht abgestritten werden konnten. Von zersetzenden Reden bis zu unerträglichen Ausschreitungen führte hier eine gerade Linie der Entschlossenheit der nationalsozialistischen Staatsführung solchen Exzessen einzelner unwürdiger Elemente, die Partei und SA nur mit Schande beladen, ein Ende zu bereiten.
Das führte zu sehr häßlichen Gegenwirkungen von seiten des damaligen Stabschefs. Erste nationalso­zia­listische Kämpfer, die zum Teil fast 15 Jahre lang für den Sieg der Bewegung gerungen hatten, nun als hohe Staatsbeamte an führenden Stellen unseres Staates die Bewegung repräsentierten, wurden wegen ihres Vorgehens gegen solche unwürdigen Elemente zur Verantwortung gezogen. Das heißt, Stabschef Röhm ver­suchte diese ältesten Streiter der Partei durch Ehrengerichte, die sich zum Teil aus jüngsten Parteigenossen oder sogar aus Nichtparteigenossen zusammensetzten, maß­regeln zu lassen.

Diese Auseinandersetzungen führten zu sehr ernsthaften Aussprachen zwischen dem Stabschef und mir, in denen in mir zum ersten Mal Zweifel in die Loyalität dieses Mannes aufstiegen. Nachdem ich viele Monate jeden solchen Gedanken von mir zurück­gewiesen hatte, nachdem ich vorher jahrelang mit meiner Person diesen Mann in unerschütterlicher treuer Kameradschaft gedeckt hatte, begannen nun allmählich Warnungen, vor allem auch meines Stellvertreters in der Parteiführung Rudolf Heß, mir Bedenken einzuflößen, die ich selbst beim besten Wollen nicht mehr zu entkräften vermochte. Es konnte vom Monat Mai ab keinen Zweifel mehr geben, daß Stabschef Röhm sich mit ehrgeizigen Plänen beschäftigte, die im Falle ihrer Verwirklichung nur zu schwersten Erschütterungen führen konnten.

Wenn ich in diesen Monaten immer wieder zögerte, eine letzte Entscheidung zu treffen, dann, meine Parteigenossen, geschah es aus zwei Gründen:

Erstens: Ich konnte nicht so ohne weiteres mich mit dem Gedanken abfinden, daß nun ein Verhältnis, das ich auf Treu aufgebaut glaubte, nun Lüge sein sollte.

Zweitens: Ich hatte noch immer die stille Hoffnung, der Bewegung und meiner SA die Schande einer solchen Auseinandersetzung zu ersparen und die Schäden ohne schwer­ste Kämpfe vielleicht doch beseitigen zu können.

Allerdings brachte das Ende des Monats Mai immer bedenklichere Tatsachen an das Tageslicht:
Stabschef Röhm begann sich nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich mit seinem gesamten Leben von der Partei zu entfernen. Alle die Grundsätze, durch die wir groß geworden waren, verloren ihre Geltung. Das Leben, das der Stabschef und mit ihm ein bestimmter Kreis zu führen begonnen hatte, war für jede nationalsozialistische Auf­fassung unerträglich. Es war nicht nur furchtbar, daß er selber und sein ihm zugetaner Kreis alle Gesetze von Anstand und einfacher Haltung brachen. Aber schlimmer noch, daß dieses Gift sich nunmehr in immer größeren Kreisen auszubreiten begann. Das schlimmste aber war, daß sich allmählich aus einer bestimmten gemeinsamen Veran­lagung heraus in der SA eine […] zu bilden begann, die den Kern einer Verschwörung nicht nur gegen die moralischen Auffassungen eines gesunden Volkes, sondern auch gegen die staatliche Sicherheit abgab.
Die im Monat Mai vorgenommenen Durchprüfungen der Beförderungen in einigen bestimmten SA-Gebieten führten zur schrecklichen Erkenntnis, daß Menschen ohne Rücksicht auf nationalsozialistische und SA-Verdienste in SA-Stellungen befördert worden waren, nur weil sie zum Kreis dieser besonders Veranlagten gehörten. Einzelne, Ihnen wohl bekannte Vorgänge, zum Beispiel der des Standartenführers Schmidt in Breslau, enthüllten ein Bild von Zuständen, die als unerträglich angesehen werden mußten. Mein Befehl, dagegen einzuschreiten, wurde theoretisch befolgt, tatsächlich aber sabotiert.

 

Allmählich entwickelten sich aus der Führung der SA drei Gruppen. Eine kleine Gruppe, von durch gleiche Veranlagung zusammengehaltenen Elementen, die zu jeder Handlung fähig sich blind in der Hand des Stabschefs Röhm befanden. Es waren dies in erster Linie […] den Führern in der obersten Leitung selbst, die SA-Führer Ernst aus Berlin, Heines in Schlesien, Heinz in Sachsen, Heinebrecht in Pommern. Neben diesen stand eine zweite Gruppe von Führern der SA, die innerlich nicht zu diesem Kreis gehörte, allein aus einfacher soldatischer Auffassung sich dem Stabschef Röhm zum Gehorsam verpflichtet fühlten. Und diesen gegenüber stand eine dritte Gruppe von Führern, die aus ihrer inneren Abneigung und Ablehnung keinen Hehl machten —  wohl zum Teil, weil sie ja von verantwortlichen Posten entfernt worden waren, zum anderen Teil be­wußt beiseite geschoben und in vieler Beziehung außer Betracht gelassen wurden. An der Spitze dieser infolge ihrer grundsätzlichen Anständigkeit abgelehnten alten SA-Führer stand der heutige Stabschef Lutze sowie der Führer der SS Himmler.

Ohne mich jemals davon zu verständigen und ohne daß ich es zunächst auch nur ahnte, hat Stabschef Röhm durch Vermittlung eines durch und durch korrupten Hochstaplers, eines Herrn von A. – ihnen allen bekannt – die Beziehung zu General Schleicher aufge­nommen. General Schleicher war der Mann, der nun dem inneren Wunsch des Stabs­chefs Röhm den äußeren Ausdruck verlieh. Er war es, der konkret die Auffassung […] vertrat, daß erstens das heutige deutsche Regiment unhaltbar sei. Daß zweitens vor allem die Wehrmacht und sämtliche nationalen Verbände in einer Hand zusammen­ge­faßt werden müßten. Daß drittens der dafür allein gegebene Mann nur Stabschef Röhm sein könnte. Und daß viertens Herr von Papen entfernt werden müßte und er bereit sein würde, zunächst die Stelle eines Vizekanzlers einzunehmen. Daß weiter aber auch noch andere wesentliche Veränderungen des Reichskabinetts vorgenommen werden müßten.
Wie immer in solchen Fällen begann nunmehr das Suchen nach den Männern für die neue Regierung — immer unter der Annahme, daß ich selbst in meiner Stellung – wenig­stens für zunächst – belassen würde. Die Durchführung dieser Vorschläge des Generals von Schleicher mußte schon im Punkte „Zwei“ auf meinen nie zu über­win­den­den Widerstand stoßen. Es wäre mir weder sachlich noch menschlich jemals möglich gewesen, meine Einwilligung zu einem Wechsel im Reichswehrministerium zu geben und die Neubesetzung durch den Stabschef Röhm vorzuschlagen.

Erstens aus sachlichen Gründen: Ich habe seit 14 Jahren unentwegt versichert, daß die Kampforganisationen der Partei politische Institutionen sind, die nichts zu tun haben mit dem Heere. Es wäre sachlich in meinen Augen eine Desavouierung dieser Auf­fas­sung und 14jähriger Politik gewesen, an die Spitze des Heeres nun den Führer der SA zu berufen. Ich habe auch im November 1923 an die Spitze der gesamten Armee einen Offizier, General Ludendorff, vorgeschlagen, und nicht meinen damaligen SA-Führer Hauptmann Göring.
Zweitens wäre es mir menschlich unmöglich gewesen, jemals in diese Gedankengänge des Generals von Schleicher einzuwilligen. Als diese Absichten mir indirekt bewußt wurden, war mein Bild über den inneren Wert des Stabschefs Röhm schon derart, daß ich ihm vor meinem Gewissen und um der Ehre der Armee wegen erst recht niemals mehr für diese Stelle hätte vorschlagen oder zulassen können. Vor allem aber: Die Spitze der Armee ist der Generalfeldmarschall und Reichspräsident. Ich habe als Kanzler in seine Hand meinen Eid abgelegt. Seine Person ist für uns alle unantastbar. Mein ihm gegebenes Versprechen, die Armee als unpolitisches Instrument des Reiches zu bewah­ren, ist für mich bindend aus innerster Überzeugung und aus einem gegebenen Worte.
Es wäre mir aber weiter eine solche Handlung auch menschlich unmöglich gewesen gegenüber dem Wehrminister des Reiches. Es gibt Pflichten der Loyalität, die man nicht verletzen darf und nicht verletzen soll. Und ich glaube, daß vor allem der Mann, der in seinem Namen die Nation zusammengeführt hat, unter keinen Umständen treulos handeln darf, wenn nicht ansonsten nach innen und außen jedes Vertrauen in Treu und Glauben schwinden müßte.

Da der Stabschef Röhm selbst unsicher war, daß Versuche in der bezeichneten Richtung wohl bei mir auf Widerstand stoßen würden, wurde der erste Plan festgelegt zur Erzwin­­gung dieser Entwicklung. Die Vorbereitungen hierzu wurden umfangreich getroffen:
Erstens sollten planmäßig die psychologischen Voraussetzungen für den Ausbruch einer zweiten Revolution geschaffen werden. Zu diesem Zwecke wurde durch neuge­gründete SA-Propagandastellen selbst in die SA hinein die Behauptung verbreitet, die Reichswehr beabsichtige eine Auflösung der SA, und später wurde ergänzt, ich sei leider für diesen Plan auch persönlich gewonnen worden. Eine ebenso traurige wie niederträchtige Lüge.
Zweitens: Die SA müßte nunmehr diesem Angriff zuvorkommen und in einer zweiten Revolution alle diese Elemente und Widerstände beseitigen. Die Staatsgewalt habe die Führung der SA selbst anvertraut. Zu diesem Zwecke sollte die SA, drittens, in kürzester Frist alle notwendigen sachlichen Vorbereitungen treffen.

Es ist dem Stabschef Röhm gelungen, unter Verschleierungen – unter anderem der lügenhaften Angabe, soziale Hilfsmaßnahmen für die SA durchführen zu wollen – Millionenbeträge diesem Zwecke zuzuführen. Und noch die nach seinem Abgang vorgenommene Revision ergab insgesamt […] Geheimkonten in Höhe von rund 12 Millionen Mark für diesen Zweck. Um die Entscheidung […] rücksichtslos führen zu können, wurde die Bildung bestimmter, nur hierfür in Frage kommender, einge­schwo­re­ner Terrorgruppen unter dem Titel „Stabswachen“ gebildet.
Während der brave alte SA-Mann sich über ein Jahrzehnt für die Bewegung durch­ge­hungert hatte, wurden hier besoldete Truppen gebildet, deren innerer Charakter und deren Zweckbestimmung durch nichts besser erhellt wird als durch die geradezu furchtbaren Strafpflichten der darin geführten Elemente. Wie denn überhaupt der alte und treue SA-Führer und SA-Mann nunmehr schnell in den Hintergrund trat gegenüber den für solche Aktionen mehr geeigneten, politisch ungeschulten Elementen. In bestimmten Führungs[…] sowohl als bei Erholungsfahrten wurden allmählich die in Frage kommenden SA-Führer zusammengezogen und individuell behandelt. Das heißt, während die Mitglieder der inneren Sekte die eigentliche Aktion planmäßig vorbe­rei­te­ten, wurden dem weit größeren Kreis der SA-Führer nur allgemeine Mitteilungen gemacht des Inhalts, daß eine zweite Revolution vor der Tür stünde, daß diese zweite Revolution kein anderes Ziel besitze, als mir selbst die Handlungsfreiheit zurückzugeben. Daß daher die neue und diesmal blutige Erhebung – die „Nacht der langen Messer“, wie man sie grauenvoll bezeichnete – meinem eigenen Sinn entspräche. Die Notwendigkeit des eigenen Vorgehens der SA wurde begründet mit dem Hinweis weiter auf meine Entschlußunfähigkeit, die erst dann behoben sein würde, wenn Tatsachen geschaffen wären.
Vermutlich unter diesen unwahren Vorwänden wurde die außen­po­li­ti­sche Vorbereitung der Aktion Herrn von Bethgen übertragen. General von Schleicher nahm das außen­politische Spiel teilweise persönlich wahr, beziehungsweise ließ es durch seinen Kurier, General von Bredow, praktisch betreiben. Gregor Strasser wurde beigezogen.

Anfang Juni ließ ich als letzten Versuch Stabschef Röhm noch einmal kommen zu einer nahezu fünfstündigen Aussprache, die sich bis Mitternacht hinzog. Ich teilte ihm mit, daß ich aus zahllosen Gerüchten und aus zahlreichen Versicherungen und Erklärungen alter treuer Parteigenossen und SA-Führer den Eindruck gewonnen hätte, daß von gewissenlosen Elementen eine nationalbolschewistische Aktion vorbereitet würde, die über Deutschland nur namenloses Unglück bringen könnte. Ich erklärte ihm weiter, daß mir auch Gerüchte zu Ohren gekommen seien über die Absicht, die Armee in den Kreis dieser Pläne einzubeziehen. Ich versicherte dem Stabschef Röhm, daß die Behauptung, die SA solle aufgelöst werden, eine niederträchtige Lüge sei. Daß ich mich zur Lüge, ich selbst wolle gegen die SA vorgehen, überhaupt nicht äußern könnte. Daß ich aber jeden Versuch, in Deutschland ein Chaos entstehen zu lassen, augenblicklich persönlich abwehren würde, und daß jeder, der einen Staat angreift, von vornherein mich zu seinen Feinden zählen muß.

Ich beschwor ihn zum letzten Mal, von sich aus diesem Wahnsinn entgegenzutreten und seine Autorität mit anzuwenden, um eine Entwicklung zu verhindern, die nur so oder so in einer Katastrophe enden konnte. Ich führte erneut schärfste Beschwerde wegen der sich nun häufenden unmöglichen Exzesse und forderte ihn nunmehr direkt um die Ausmerzung dieser Elemente der SA, um nicht die SA selbst – Millionen anstän­dige Parteigenossen und hunderttausende alte Kämpfer – durch einzelne minder­wer­tige Subjekte um ihre Ehre bringen zu lassen. Stabschef Röhm verließ diese Unterredung mit der Versicherung, die Gerüchte seien teils unwahr, teils übertrieben. Er werde im übri­gen alles tun, um nunmehr nach dem rechten zu sehen.

Das Ergebnis der Unterredung aber war, daß Stabschef Röhm in der Erkenntnis, auf meine Person bei seinen geplanten Unternehmungen unter keinen Umständen rechnen zu können, nunmehr die Beseitigung meiner Person selbst vorbereitete. Zu diesem Zwecke wurde einem größeren Kreise der hinzugezogenen SA-Führer erklärt, daß ich selbst mit dem in Aussicht genommenen Unternehmen wohl einverstanden sei, aber persönlich davon nichts wissen dürfe beziehungsweise den Wunsch hätte, zunächst auf 24 oder 48 Stunden […] nach der Erhebung in Haft genommen zu werden, um so durch die vollzogenen Tatsachen der unangenehmen Belastung entzogen zu sein, die sich im anderen Fall für mich auch außerpolitisch ergeben müßten. Diese Erklärung erhält ihre letzte Illustration durch die Tatsache, daß […] bereits der Mann gedungen war, der meine spätere Beseitigung durchzuführen hatte. Standartenführer Uhl gestand noch wenige Stunden vor seinem Tod die Bereitwilligkeit zur Durchführung eines solchen Befehls.

Der erste Plan vom Umsturz basierte auf dem Gedanken einer Beurlaubung der SA. In dieser Zeit sollten mangels greifbarer Verbände unfaßbare Tumulte ausbrechen in der Art der Zustände im August ’32, die mich zwingen müßten, den Stabschef – der allein in der Lage wäre, die Ordnung wiederherzustellen – zu rufen, um ihn mit der voll­zie­hen­den Gewalt zu betrauen.
Nachdem sich unterdes eindeutig ergeben hatte, daß mit einer solchen Bereitwilligkeit von mir wohl unter keinen Umständen gerechnet werden konnte, wurde dieser Plan wieder verworfen und die direkte Aktion ins Auge gefaßt. Sie sollte in Berlin schlagartig einsetzen mit einem Überfall auf die Regierungsgebäude, mit einer Verhaftung meiner Person, um dann die weiteren Aktionen als in meinem Auftrag stattfindend abrollen lassen zu können. Die Verschwörer rechneten damit, daß in meinem Namen an die SA gegebene Befehle im gesamten Reich die SA nicht nur sofort auf den Plan rufen würde, sondern daß damit auch eine Zersplitterung aller dagegen eingesetzten sonstigen Kräfte des Staates automatisch eintreten würde.

Sowohl Stabschef Röhm als auch Gruppenführer Ernst, Obergruppenführer Heines, Hein und eine Reihe anderer haben vor Zeugen erklärt, daß zunächst eine mehrtätige Aus­ein­andersetzung blutigster Art mit den Kräften und Überresten ihrer Widersacher statt­fin­den sollte. Die Frage nach der wirtschaftlichen Seite bei einer solchen Entwick­lung wurde mit geradezu wahnsinnigem Leichtsinn unter dem Hinweis abgetan, daß der blutige Terror sich die notwendigen Mittel so oder so schaffen würde. Was aus Deutschland im Falle eines Sieges dieser Kräfte geworden wäre, ist schwerlich aus­zu­den­ken.

Die Größe der Gefahr wurde aber erst recht erwiesen durch die Feststellungen, die nun vom Ausland nach Deutschland kamen. Englische und französische Zeitungen began­nen immer häufiger von einer bevorstehenden Umwälzung in Deutschland zu reden, und immer mehr Mitteilungen ließen erkennen, daß von den Verschwörern eine plan­mäßige Bearbeitung des Auslandes in dem Sinne vorgenommen wurde, daß in Deutsch­land die Revolution der eigentlichen Nationalsozialisten vor der Türe stünde und das bestehende Regiment nicht mehr zu handeln fähig sei.
General von Bredow, der als eine Art außenpolitischer Agent des Generals von Schlei­cher diese Verbindungen besorgte, arbeitete nur entsprechend der Tätigkeit derjenigen reaktionären Zirkel, die, um mit dieser Verschwörung vielleicht direkt in Zusammen­hang zu stehen oder nicht, sich zum bereitwilligen unterirdischen Meldekorps für das Ausland mißbrauchen ließen. Ende Juni war ich daher entschlossen, dieser unmöglichen Entwicklung ein Ende zu setzen — und zwar, ehe noch das Blut von Zehntausend Unschuldigen die Katastrophe besiegeln würde.

Da die Gefahr durch die auf allen lastende Spannung allmählich unerträglich geworden war und gewisse Parteistellen und Stabstellen pflichtgemäß Abwehrmaßnahmen treffen mußten, erschien mir die eigenartige, plötzliche Verlängerung des Dienstes der SA vor dem Urlaub bedenklich und ich entschloß mich daher Samstag, den 30. Juni, den Stabs­chef seines Amtes zu entheben, zunächst in Verwahrung zu nehmen und eine Anzahl von SA-Führern, deren Verbrechen klar zutage lag, zu verhaften.
Da zweifelhaft war, ob angesichts der drohenden Zuspitzung Stabschef Röhm über­haupt noch nach Berlin oder anderswo hingekommen wäre, entschloß ich mich, zu einer nach Wiessee angesetzten SA-Führerbesprechung persönlich zu fahren. Und auf die Autorität meiner Person und auf meine immer vorhandene, notwendig gewesene Entschlußkraft wollte ich dort um zwölf Uhr Mittags den Stabschef seiner Stellung entheben, die hauptschuldigen SA-Führer verhaften und in einem eindringlichen Appell die übrigen zu ihrer Pflicht zurückrufen. Im Laufe des 29. Juni erhielt ich aber so bedrohliche Nachrichten über letzte Vorbereitungen zu Aktionen, daß ich mittags die Besichtigung der Arbeitslager in Westfalen abbrechen mußte, um mich für alle Fälle bereitzuhalten.

Um ein Uhr nachts erhielt ich aus Berlin und München zwei dringendste Alarm­nach­rich­ten. Nämlich erstens, daß für Berlin um vier Uhr nachmittags Alarm angeordnet sei, daß zum Transport der eigentlichen Stoßformationen die Requisition von Lastkraftwagen befohlen und bereits im Gange sei und daß Schlag zwölf Uhr die Aktion überfallsmäßig mit der Besetzung der Regierungsgebäude den Anfang nehmen sollte. Gruppenführer Ernst war zu dem Zweck auch nicht nach Wiessee gereist, sondern zur persönlichen Führung der Aktion in Berlin zurückgeblieben. Zweitens wurde mündlich die Alarmie­rung der SA bereits für 19 Uhr Abends angeordnet. Die SA-Formationen wurden nicht mehr nach Hause entlassen, sondern in die Alarmquartiere gesetzt. Das ist Meuterei! Denn der Befehlshaber der SA bin ich und sonst niemand!

Unter diesen Umständen konnte es für mich nur noch einen einzigen Entschluß geben. Wenn überhaupt das Unheil noch zu verhindern war, dann mußte blitzschnell gehandelt werden. Nur ein rücksichtsloses und blutiges Zugreifen war vielleicht noch in der Lage, die Ausbreitung der Revolte zu ersticken. Denn es konnte dann keine Frage sein, daß besser hundert Meuterer, Verschwörer und Konspiratoren vernichtet wurden, als zehn­tausend unschuldige SA-Männer auf der einen und zehntausend Unschuldige auf der anderen Seite verbluten zu lassen. Denn wenn die Aktion des Verbrechers Ernst in Berlin erst abzurollen begann, waren die Folgen ja unausdenkbar.

Wie das Operieren mit meinem Namen gewirkt hatte, ergab sich aus der beklemmenden Tatsache, daß es diesen Meuterern zum Beispiel gelungen war, in Berlin unter Berufung auf mich von nichtsahnenden Polizeioffizieren sich für ihre Aktion vier Panzerwägen zu sichern. […] die Verschwörer Heines und Hein, Polizeioffiziere in Sachsen und Schlesien und wie […] angesichts ihrer Aufforderung bei der kommenden Auseinandersetzung sich zwischen der SA und den Hitlerfeinden zu entscheiden. Da war mir endlich klar, daß dem Stabschef nur ein einziger Mann entgegentreten konnte und entgegentreten mußte. Mir brach er die Treue und ich allein mußte ihn dafür zur Verantwortung ziehen.

Um 1 Uhr nachts erhielt ich die letzten Alarmdepeschen, um 2 Uhr morgens flog ich nach München. Ministerpräsident Göring hatte unterdes von mir schon vorher den Auftrag bekommen, im Falle der Aktion der Reinigung seinerseits sofort die analogen Maßnahmen in Berlin und Preußen zu treffen. Er hat mit eiserner Faust den Angriff auf den nationalsozialistischen Staat niedergeschlagen, ehe er zur Entwicklung kam.
Die Notwendigkeit dieses blitzschnellen Handelns brachte es mit sich, daß mir in dieser entscheidenden Stunde nur ganz wenige Menschen zur Verfügung standen. Im Beisein des Ministers Goebbels und des neuen Stabschefs wurde dann die Ihnen bekannte Aktion durchgeführt und in München abgeschlossen.

Wenn ich noch wenige Tage vorher zur Nachsicht bereit gewesen war, dann konnte es in dieser Stunde eine solche Rücksicht nicht mehr geben. Meutereien bricht man nach ewiggleichem eisernen Gesetz. Wenn mir jemand den Vorwurf entgegenhält, weshalb wir nicht die ordentlichen Gerichte zur Aburteilung herangezogen hätten, dann kann ich ihm nur sagen: In dieser Stunde war ich verantwortlich für das Schicksal der deutschen Nation und damit des deutschen Volkes oberster Gerichtsherr.

Meuternde Divisionen hat man zu allen Zeiten durch Dezimierung wieder zur Ordnung gerufen. Nur ein Staat hat von seinen Kriegsartikeln keinen Gebrauch gemacht, und dieser Staat ist dafür auch zusammengebrochen: Deutschland.
Ich wollte nicht das junge Reich dem Schicksal des alten ausliefern. Ich habe den Befehl gegeben, die Hauptschuldigen an diesem Verrat zu erschießen, und ich gab weiter den Befehl, die Geschwüre unserer inneren Brunnenvergiftung und der Vergiftung des Auslandes auszubrennen bis auf das rohe Fleisch. Und weiter gab ich den Befehl, bei jedem Versuch des Widerstandes der Meuterer gegen ihre Verhaftung, diese sofort mit der Waffe niederzumachen.

Die Nation muß wissen, daß ihre Existenz – und diese wird garantiert durch ihre innere Ordnung und Sicherheit – von niemandem ungestraft bedroht wird! Und es soll jeder für alle Zukunft wissen, daß, wenn er die Hand zum Schlag gegen den Staat erhebt, der sichere Tod sein Los ist. Und jeder Nationalsozialist muß wissen, daß kein Rang und keine Stellung ihn seiner persönlichen Verantwortung und damit seiner Strafe entzie­hen. Ich habe Tausende unserer früheren Gegner wegen ihrer Korruption verfolgt. Ich würde mir innere Vorwürfe machen, wenn ich gleiche Erscheinungen bei uns dulden würde.

Kein Volk und keine Staatsführung kann etwas dafür, wenn sich Kreaturen, wie wir sie in […] und so weiter kannten, wie ihn der französische Erfolg […] kennengelernt hat, wie wir sie heute bei uns wieder erlebten, auftauchen, um sich an den Interessen einer Nation zu versündigen. Allein jedes Volk ist selbst schuldig, wenn es nicht die Kraft findet, solche Schädlinge zu vernichten. Wer Landesverrat übt, soll nicht bestraft werden nach dem Umfang und Ausmaß seiner Tat, sondern nach seiner zutage getretenen Gesinnung. Wer sich untersteht, im Inneren unter Bruch von Treu und Glauben und heiligen Versprechen eine Meuterei anzuzetteln, kann nichts anderes erwarten, als daß er selbst das erste Opfer sein wird.

Wenn drei Hochverräter in Deutschland mit einem auswärtigen Staatsmann eine Zu­sam­men­kunft vereinbaren und durchführen, die sie selbst als „dienstlich” bezeichnen, unter Fernhaltung des Personals durchführen und mir durch strengsten Befehl verheimlichen, dann lasse ich solche Männer totschießen, auch wenn es zutreffend sein sollte, daß bei einer vor mir so verborgenen Beratung nur über Witterung, alte Münzen und der­glei­chen gesprochen worden sein soll.

Die Sühne für diese Verbrechen war eine schwere und harte: 19 höhere SA-Führer, 31 SA-Führer und SA-Angehörige wurden erschossen. Ebenso drei SS-Führer als Mitbe­teiligte am Komplott. 13 SA-Führer und Zivilpersonen, die bei der Verhaftung Wider­stand versuchten, mußten dabei ihr Leben lassen. Drei weitere endeten durch Selbst­mord. Fünf Nicht-SA-Angehörige, aber Parteigenossen, wurden wegen Betei­li­gung erschossen. Um zu verhindern, daß die politische Leidenschaft und Empörung an weiteren Belasteten zu Lynchjustiz gereifen konnte, wurde, nachdem die Gefahr beseitigt und die Revolte als niedergebrochen gelten konnte, noch am Sonntag, dem 1. Juli, der strengste Befehl gegeben, jede weitere Vergeltung zu unterlassen.

Es ist damit seit Sonntag, dem 1. Juli nachts, der normale Zustand wiederhergestellt. Eine Anzahl von Gewalttaten, die mit dieser Aktion in keinem Zusammenhang stehen, werden den normalen Gerichten zur Aburteilung übergeben. So schwer diese Opfer auch sein mögen, sie sind dann keine vergeblichen, wenn aus ihnen einmal für immer die Überzeugung kommt, daß jeder Versuch eines Hoch- oder Landesverrates ohne Ansehen der Person getroffen werden wird. Die SA hat in diesen – für sie wie für mich – schwersten Tagen ihre innere Treue bewahrt. Sie hat damit zum drittenmal unter Beweis gestellt, daß sie mein ist! Genauso, wie ich es jederzeit unter den Eid stellen werde, daß ich meinen SA-Männern gehöre.

 

In wenigen Wochen wird das braune Hemd wieder die deutschen Straßen beherrschen und jedem eindeutig zu verstehen geben, daß das nationalsozialistische Deutschland nur noch stärker lebt, indem es eine schwere Not überwand. Als im März des ver­gan­ge­nen Jahres unsere junge Revolution durch Deutschland brauste, war es mein höchstes Bemühen, so wenig als möglich Blut zu vergießen. Millionen meiner ehemaligen Gegner habe ich für den neuen Staat und namens der nationalsozialistischen Partei einen General[…] angeboten. Millionen von ihnen sind seitdem zu uns gestoßen und arbeiten am Neubau des Reiches getreu mit. Ich hoffte, daß es nicht mehr nötig sein würde, diesen Staat noch einmal mit der Waffe in der Faust verteidigen zu müssen.

Indem das Schicksal uns diese Prüfung nun dennoch auferlegte, wollen wir uns aber alle geloben, umso fanatischer festzuhalten das, was mit soviel Blut unserer besten Männer erst erkämpft und heute wieder durch Blut deutscher Volksgenossen gehalten werden mußte. So wie ich vor anderthalb Jahren unseren damaligen Gegnern die Versöhnung angeboten habe, so möchte ich auch all denen, die mitschuldig waren an dieser Wahn­sinns­handlung, von jetzt ab ebenfalls das Vergessen zusagen. Mögen sie alle in sich gehen und in Erinnerung an diese traurige Not unserer neuen deutschen Geschichte sich mit aller Kraft der Wiedergutmachung widmen.

Mögen sie jetzt sicherer als früher die große Aufgabe erkennen, die uns das Schicksal stellt und die nicht gelöst wird durch Bürgerkrieg und Chaos. Mögen sie sich alle ver­antwortlich fühlen für das kostbarste Gut, das es für das deutsche Volk geben kann: die innere Ordnung und den inneren und äußeren Frieden. So, wie ich bereit bin, vor der Geschichte die Verantwortung zu übernehmen für die 24 Stunden der […] Entschlüsse meines Lebens, in denen mich das Schicksal wieder gelehrt hat, in banger Sorge mit jedem Gedanken das teuerste zu […], was uns auf dieser Welt gegeben ist:

Das deutsche Volk und deutsche Reich!

Quelle: Rede des Reichskanzlers Adolf Hitler vor dem Reichstag am 13. Juli 1934, Verlag M. Müller, 1934

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Quelle (ed.): Rede vom 13. Juli 1934 (Adolf Hitler) – Metapedia 

(bitte melden, wer die Lücken […] zu füllen vermag)

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