aus: Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges – Weißbuch Nr. 2 des Auswärtigen Amtes, Berlin, 1939 (Viertes Kapitel)

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A.  Die Auswirkung der britischen Einkreisungspolitik auf die Haltung Polens

 

I.  Vernichtungsfeldzug gegen die deutsche Volksgruppe

Das vierte Kapitel bringt den Nachweis für den Mißbrauch Polens als Werkzeug des englischen Kriegswillens (Nr. 349 bis 482). Die Auswirkung der britischen Blankovollmacht war sofort zu spüren. Polen setzte zum Vernichtungsfeldzug gegen die deutsche Volks­gruppe an. Einen Tag nach dem polnischen Nein, am 27. März 1939, kommt es in Brom­berg unter Rufen wie „Weg mit Hitler“, „Wir wollen Danzig“, „Wir wollen Königs­berg“ zu deutschfeindlichen Demonstrationen (Nr. 349).
An anderer Stelle wird bei einem Kameradschaftsabend der Reichsdeutschen von ein­dringenden Polen Führerbild und Reichsflagge vernichtet (Nr. 350), wogegen schärfster Protest eingelegt wird (Nr. 351 und 352). Thorn und Posen müssen Ende März von neuer­licher Verschärfung der Hetze, Demonstrationen, tätlichen Angriffen und annexio­ni­sti­schen Forderungen berichten (Nr. 353, 354 und 355). In Posen halten die Ausschreitungen eine volle Woche an. Es kommt immer öfters zu Überfällen auf Volksdeutsche, wobei es Schwerverletzte gibt (Nr. 355 und 357).

Deutsche Proteste sind erfolglos (Nr. 360). Anfang April wird ein öffentlicher Aufruf in ganz Polen verbreitet, der das Generalprogramm für die Entdeutschung des Landes enthält (Nr. 358). Mitte April überschreiten die ersten deutschen Flüchtlinge die Grenze (Nr. 359). Den Konsulaten ist es fast unmöglich, alle Fälle einzeln aufzuführen (Nr. 361).
Auch in Oberschlesien tobt die Hetze ohne Maßen (Nr. 362). Terrorakte füllen die Berichte der deutschen Konsulate (Nr. 363). Der Aufständischenverband gibt die Terrorbefehle aus (Nr. 364). Am 6. Mai meldet Generalkonsulat Kattowitz 200 Terrorfälle (Nr. 365), am 19. Mai weitere hundert (Nr. 372) allein aus Oberschlesien. Kein Deutscher ist seines Lebens und seines Eigentums mehr sicher. Der Terror greift auch auf das kongreßpolnische Gebiet über und wird durch planmäßige Brandstiftung verschärft (Nr. 366). Die letzten kultur­politischen Stützpunkte des Deutschtums werden zerstört (Nr. 369, 373, 374, 377, 379, 383, 385, 390, 391, 399 usw.).
Die deutsche Volksgruppe wendet sich in ihrer Verzweiflung an den Polnischen Staats­präsidenten (Nr. 369). Die Englische Regierung wird durch die Deutsche Botschaft über diese friedensgefährliche Entwicklung auf dem laufenden gehalten (Nr. 368), ohne daß etwas geschieht.
Mitte Mai steigert sich die Hetze zu Deutschenpogromen, bei denen Tausende von Deutschen „wie Freiwild“ gejagt werden (Nr. 370 und 371). Die Flüchtlingsbewegung nimmt zu (Nr. 374), desgleichen das polnische Säbelrasseln, die Verkündung annexionistischer Kriegsziele (Nr. 367, 378) und die öffentlichen Verunglimpfungen und Beleidigungen des Führers, die erneut zu scharfen Protesten zwingen (Nr. 382). Auf dem wirtschaftlichen Sektor werden planmäßig deutsche Genossenschaften, Molkereien und Apotheken liquidiert (Nr. 380, 395). Lodz meldet am 7. Juni: „Die Bedrohungen der Volksdeutschen mit Totschlag, Folterungen usw. sind zu täglichen Selbstverständlichkeiten geworden.“ Ganze Familien bringen wegen der ständigen Morddrohungen ihre Nächte in den Wäldern zu (Nr. 381).

Proteste im Polnischen Außenministerium werden mit Achselzucken und still­schwei­­gendem Eingeständnis beantwortet, daß man gegenüber den Militärs machtlos und der Gefangene des polnischen Chauvinismus geworden ist (Nr. 382 und 385). Nach 2 ½ Monaten englischer Garantie faßt der Deutsche Botschafter in Warschau seine Eindrücke dahin zusammen, „daß die Verhetzung Ausmaße angenommen hat, wie er sie während seiner langjährigen Tätigkeit nicht habe beobachten können“ (Nr. 385).
Nach den Apotheken, Krankenhäusern und konfessionellen Vereinshäusern werden die Deutschen Heime in Posen, Bromberg, Lodz, Tarnowitz, Karwin und Oderberg ge­schlos­sen und enteignet (Nr. 377, 379, 385, 390).
Dann geht man zum Angriff gegen das religiöse und kirchliche Leben der deutschen Volksgruppe, vor allem gegen die evangelische Kirche, über. Ein Bethaus der Brüder­gemeinde wird demoliert. Polnische Bischöfe werden von einem General­stabs­oberst aufgefordert, dafür zu beten, daß den „polnischen Brüdern jenseits der Grenze ihre Probezeit verkürzt und sie durch ein zweites Grunwald aus der Unfreiheit erlöst wür­den“ (Nr. 392). Ein Bericht der Deutschen Botschaft vom 5. Juli schildert die Verfolgung der evangelischen Kirche und ihrer Diener, er zeigt, daß die Anschläge gegen Kirchen und Pfarrer zu einem System geworden sind (Nr. 394). Die theologische Hochschule des deutschen Protestantismus in Posen wird geschlossen (Nr. 411).
Das englische Christentum, dem diese Dinge bekanntgegeben wurden, schwieg dazu.

Immer mehr stellt sich heraus, daß die Behörden selbst die Träger des Liqui­da­tions­pro­zes­ses sind (Nr. 396). Die englische Mitverantwortung dafür stellt der Deutsche Bot­schaf­ter in Warschau fest, indem er schreibt, „die Polnische Regierung fühlt sich offen­sicht­lich durch die englische Blankovollmacht so stark, daß sie es nicht mehr für nötig hält, bei der Behandlung der Minderheit irgendeine Rücksicht auf die deutschen Interessen zu nehmen“ (Nr. 397). Konsulat Lemberg berichtet Mitte Juli, daß in seinem Amtsbezirk gegen das Deutschtum mit den Methoden vorgegangen wird, die bei den berüchtigten Pazifikationen 1930 gegen die Ukrainer angewandt worden waren (Nr. 400). Nun beteiligt sich auch das Militär an den Ausschreitungen (Nr. 403). Das Deutschtum in Galizien steht vor der Vernichtung. Es sieht keine Zukunft mehr und wird mit Brand­stiftung und Gefahr an Leib und Leben bedroht (Nr. 407). Was der offene Terror übersieht, wird durch Steuerterror und Behördenschikane nachgeholt (Nr. 408).

Im August 1939 nähert sich die Verfolgung des Deutschtums in allen Woiwodschaften ihrem Höhepunkt. Haussuchungen und Verhaftungen sind an der Tagesordnung (Nr. 410, 412). Die letzten deutschen Vereine werden geschlossen (Nr. 414). Eine Aufzeichnung des Auswärtigen Amts zeigt aus einer unübersehbaren Fülle von Terrorakten 38 typische und schwerwiegende Fälle (Nr. 415). Es ist eine Liste des Schreckens, die nur noch durch die Scheußlichkeit der Bromberger Mordnacht und die Hinschlachtungen der Deutschen in ganz Polen übertroffen wird, deren traurige Spuren die deutsche Armee verfolgen konnte. Die Volksdeutschen der Grenzgebiete werden ins Innere verschleppt oder in Konzentrationslager geworfen (Nr. 417). Die Zahl der Flüchtlinge überschreitet 70.000 (Nr. 416).

 

II.  Polnische Maßnahmen gegen Danzig 

Nachdem Polen jede Änderung des Statuts von Danzig als casus belli erklärt and dafür die englische Deckung gefunden hatte, mußte sich Danzig nach der Erteilung der bri­ti­schen Blankovollmacht an Polen auf alles gefaßt machen. Polnische Flugzeuge und polnisches Militär verübten schon im Mai 1939 Grenzverletzungen (Nr. 418).

Die Besatzung der Westerplatte wurde unter Verletzung der geltenden Verträge ver­stärkt, rings um die Danziger Grenzen wurden Truppen zusammengezogen (Nr. 419). Am 20. Mai wurde ein Danziger Staatsangehöriger in Kalthoff durch Schüsse aus dem Auto der Polnischen Diplomatischen Vertretung in Danzig niedergestreckt (Nr. 420) und dieser Mord dann von polnischer Seite noch zum Gegenstand eines herausfordernden Noten­wechsels gemacht (Nr. 421).
Der 23. Mai brachte einen weiteren Grenzzwischenfall (Nr. 422). Gleichzeitig erhöhte Polen planmäßig die Zahl der polnischen Zollinspektoren (Nr. 423), was den Danziger Senat zu Protestschritten zwang. Polen antwortete mit der Androhung einer weiteren Ver­stär­kung des polnischen Zollpersonals (Nr. 425). Diese polnischen Zollinspektoren wurden vor allem auch für Spionage eingesetzt (Nr. 424 und 426).

Im Juli ging Polen gegen Danzig mit wirtschaftlichen Druckmitteln vor. Die Einfuhr von Lebensmitteln aus Polen (Nr. 429) und die Ausfuhr von Produkten der Danziger Lebens­mittelindustrie nach Polen (Nr. 431) wurden verhindert. Danzig sollte wirtschaftlich blockiert werden.
Polen traf Vorbereitungen zur Provozierung von Zwischenfällen in Danzig (Nr. 428); der Vertreter der polnischen Minderheit im Danziger Volkstag erklärte bei einer Kund­ge­bung in Gdingen, „daß die polnische Bevölkerung Danzigs die Vereinigung Danzigs mit dem Mutterlande Polen mit Hilfe der polnischen Armee erreichen werde“ (Nr. 430).

Einen Höhepunkt erreichte die Spannung durch ein polnisches Ultimatum in der Nacht vom 4. auf den 5. August (Nr. 432, 433 und 434). Eine niemals erlassene angebliche Anord­nung des Danziger Senats wurde zum Vorwand für dieses Ultimatum und für Dro­hun­gen mit „unverzüglichen Vergeltungsmaßnahmen“ genommen. Seit dem 23. August wurden deutsche Verkehrsflugzeuge in sehr zahlreichen Fällen von polnischen Streit­kräften auf der Halbinsel Hela beschossen (Nr. 435 und 436).

Inzwischen war die vertragswidrige Militarisierung der polnischen Stützpunkte in Dan­zig fortgesetzt worden. Wie das Oberkommando der Wehrmacht nach der Nieder­wer­fung der Westerplatte feststellte, betrug hier die polnische Besatzung, die vertrags­mäßig auf 88 Mann festgesetzt war (vgl. Nr. 22), in Wahrheit 240 Mann; das Gelände war zu einem mit Artillerie und Maschinengewehren verteidigten Befestigungs­system aus­gebaut worden (Nr. 437, Anhang).

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B.  Die letzte Phase der deutsch-polnischen Krise

Die immer wiederholten englischen Zusicherungen hatten Anfang Juli in Polen zu einer ausgesprochenen Kriegsstimmung geführt. Die polnische Kriegslust konnte durch die Ausführungen, mit denen der Leiter der britischen Politik am 10. Juli im Unterhaus zu dem deutsch-polnischen Streitpunkt Stellung nahm, nur verstärkt werden. Chamberlain wiederholte und bekräftigte die britischen Zusagen an Polen, vor allem in der Danziger Frage (Nr. 438). Es geht aus dieser Erklärung hervor, daß England die polnische Lesart kritiklos übernommen und bei aller Beteuerung, man würde eine freundschaftliche Lösung begrüßen, nichts getan hat, um Polen zu einem Entgegenkommen zu bewegen. Im Gegenteil, die Rede Chamberlains vom 10. Juli 1939 zeigt, daß England durch die Einkreisungspolitik erst die Frage Danzig und Korridor mit jener Hochspannung gela­den hat, die zur Explosion führen mußte. Wir wissen heute, daß die englische Garantie in Wahrheit ausschließlich gegen Deutschland gerichtet war (vgl. S. 420, Anm.) und daß Polen später die größere Hälfte seines Staatsgebiets an Sowjetrußland verloren hat, ohne daß England irgend etwas unternahm.

Diese Tatsachen beleuchten erst vollends die bezeichnende englische Verant­wor­tungs­lo­sig­keit, mit der in der Erklärung Chamberlains die nationale Existenz und Unab­hän­gig­keit Polens als durch die bescheidenen deutschen Vorschläge zur Danzig- und Kor­ri­dor­frage bedroht hingestellt wurde. — Die gleiche Rede enthält auch das durch­sich­tige Spiel mit den Daten der deutschen Vorschläge vom 21. März, der polnischen Ableh­nung vom 26. und der englischen Garantieerklärung vom 31. März.

Vorstehend ist an Hand der Dokumente Nr. 269 bis 279 bereits der Nachweis geführt worden, daß man es hier mit einem bewußt gefälschten Arrangement der Zeitpunkte und ihrer Hintergründe zu tun hat. Eine Aufzeichnung des Staatssekretärs Freiherr von Weizsäcker vom 13. Juli (Nr. 439) nagelt den Englischen Premierminister, der behauptet hatte, Deutschland habe den Status quo in Danzig bis zum Jahre 1944 garantiert, auf einen zweiten Irrtum fest. Der Englische Botschafter in Berlin konnte nicht wider­spre­chen, als ihm Staatssekretär Freiherr von Weizsäcker vorhielt, daß öffentliche Erklä­run­gen dieser Art Polen lediglich „den Rücken stärken“ müßten, „statt es zur Besinnung zu bringen“ (Nr. 440).

Indessen wurden gegenüber Polen die Demonstrationen des britischen Kriegswillens wiederholt. Der Besuch des englischen Generals Ironside in Warschau diente diesem Zweck (Nr. 443). Die britische Kriegsentschlossenheit begegnete sich in Warschau mit der polnischen. Marschall Rydz-Śmigly legte sich in seinem ersten öffentlichen Interview, das zugleich einen unmittelbaren Eingriff in die Außenpolitik darstellte, vor dem eng­lischen Besuch absichtlich auf ein „Niemals“ in der Danziger Frage fest (Nr. 441, 442) und versperrte damit aufs neue die Möglichkeiten einer direkten Fühlungnahme.
Die Propaganda des polnischen Chauvinismus und das englische Antreiben hatten es Ende Juli so weit gebracht, daß das polnische Volk in allen seinen Schichten kriegsbereit war und der sicher erwarteten bewaffneten Auseinandersetzung mit Vertrauen und Zu­versicht entgegensah (Nr. 444).

Am 9. August teilte Deutschland der Polnischen Regierung mit, daß eine Wiederholung der ultimativen Forderungen an Danzig eine Verschärfung in den deutsch-polnischen Beziehungen herbeiführen würde, für deren Folgen allein die Polnische Regierung ver­antwortlich sein werde. Zugleich wurde die Polnische Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß die Aufrechterhaltung der von Polen gegen Danzig getroffenen wirt­schaft­­lichen Maßnahmen die Freie Stadt zwingen würde, sich nach anderen Ein- und Aus­fuhr­mög­lich­kei­ten umzusehen (Nr. 445). Die Polnische Regierung antwortete mit einem Aide-Mémoire, das in der Feststellung gipfelte, Polen werde jede Intervention der Reichsregierung in Danziger Angelegenheiten, die die dortigen polnischen Rechte und Interessen schädige, als Angriffshandlung ansehen (Nr. 446). Die polnische Antwort war mit Zustimmung Englands und Frankreichs erfolgt (Nr. 447).

England wurde vorbeugend auf den Ernst der Entwicklung hingewiesen (Nr. 448). Auch Frankreich kann nicht behaupten, daß es von Deutschland nicht vor dem Weg gewarnt wurde, den Polen eingeschlagen hatte. In der Unterredung des Staatssekretärs Freiherr von Weizsäcker mit dem Französischen Botschafter (Nr. 449) am 15. August wurde eine „sehr ernste, warnende Sprache“ geführt und nachdrücklichst auf die ultimativen Dro­hun­gen gegen Danzig und andere Exzesse aufmerksam gemacht. Polen zöge damit sein Schicksal über sich zusammen und brächte seine Freunde dazu, ihre Existenz aufs Spiel zu setzen. Der Botschafter lehnte es indessen für Frankreich ab, einen Druck auf War­schau auszuüben.

Dieselbe ernste Sprache führte Staatssekretär Freiherr von Weizsäcker am gleichen Tag gegenüber dem Britischen Botschafter, der aufs neue auf die Ermutigung der pol­ni­schen Überheblichkeit durch die britische Garantie und auf das Londoner Einverständ­nis mit der Drohnote an Danzig hingewiesen wurde (Nr. 450). Henderson wußte dagegen nichts Überzeugendes vorzubringen.
Den Rat, Polen in der Frage Danzig und in seinem Verhalten zum Reich zur Vernunft zu bringen, schlug England auch diesmal in den Wind. England hatte sich nicht nur kritik­los den polnischen Standpunkt zu eigen gemacht (Nr. 451), sondern sich auch bewußt auf die kriegerische Auseinandersetzung eingestellt. — Die Überzeugung davon war über Europa hinaus fühlbar (Nr. 452).

England ließ sich auch durch die historische Warnung davon nicht abbringen, die in der Ankündigung eines Nichtangriffspaktes zwischen Deutschland und der Sowjetunion ent­halten war (Nr. 453). Chamberlain beant­wor­te­te sie öffentlich (Nr. 453) und in einem Schreiben an den Führer (Nr. 454) mit der erneuten Wiederholung, daß man Polen im Ge­nuß der Blankovollmacht lassen werde. Aus diesem Schreiben und den Erläuterungen, die der Britische Botschafter am 23. August in einer Unterredung mit dem Führer in Berchtesgaden dazu gab (Nr. 455), geht hervor, daß England nicht bereit war, über unverbindliche Worte hinaus in Warschau diejenigen Voraussetzungen zu schaffen, die für eine Wiederaufnahme der direkten Verhandlungen mit Deutschland unerläßlich waren.
Man hatte nahezu fünf Monate verstreichen lassen, Polen in seiner Anmaßung bestärkt und schob nun Deutschland die Aufgabe zu, dem polnischen Übermut goldene Brücken zu bauen. Über die ganze Verantwortung Englands für die Zuspitzung der polnischen Frage ließ der Führer in dieser Unterredung keinen Zweifel. Der Führer wies darauf hin, daß England die Hand Deutschlands immer zurückgestoßen habe und „lieber den Krieg als etwas zum Vorteil Deutschlands“ geschehen lassen würde.

Der deutsche Standpunkt ist in der schriftlichen Antwort des Führers an Chamberlain vom 23. August 1939 zusammenfassend niedergelegt (Nr. 456): Das Fehlen der direkten Streitpunkte mit England, die Bescheidenheit und Billigkeit der deutschen Forderungen an Polen, die Auswirkung der britischen Garantie, die Zuspitzung der Lage in Danzig und die Verfolgung der deutschen Volksgruppe in Polen, die Kenntnisnahme von der Entschlossenheit Englands zum Krieg, aber auch die deutsche Entschlossenheit, die Interessen des Reichs wahrzunehmen und englische militärische Vorbereitungen mit der deutschen Mobilmachung zu beantworten. Das Schreiben schließt mit der Ver­si­che­rung, niemand würde glücklicher über eine Änderung der britischen Haltung gegenüber Deutschland sein als der Führer.

Obwohl das Schreiben des Britischen Ministerpräsidenten vom 22. August und die am folgenden Tage von den britischen Staatsmännern gehaltenen Reden jedes Verständnis für den deutschen Standpunkt vermissen ließen, machte der Führer am 25. August 13.30 Uhr einen neuen Versuch, sich mit Großbritannien zu verständigen (Nr. 457). Er wolle, so eröffnete er dem Britischen Botschafter, „heute England gegenüber einen Schritt unternehmen, der genau so entscheidend sei wie der Schritt Rußland gegenüber, der zu der kürzlichen Vereinbarung geführt habe“.

Nach Zurückweisung der Unterstellung von Weltherrschaftsplänen entwickelte er das polnische Problem in seiner ganzen Gefährlichkeit und Dringlichkeit. Deutschland sei entschlossen, die mazedonischen Zustände an seiner Ostgrenze zu beseitigen. Einen Zweifrontenkrieg werde es nicht geben, das Abkommen mit Rußland sei bedingungslos und eine Wende auf längste Zeit. Er sei bereit, nach der Lösung des deutsch-polnischen Problems England noch einmal ein umfassendes Angebot zu machen. Er bejahe das Britische Imperium und sei bereit, die Kraft des Deutschen Reiches für dessen Bestand einzusetzen, sofern seine begrenzten kolonialen Forderungen, die auf friedlichem Wege ausgehandelt werden könnten, erfüllt, seine Verpflichtungen gegenüber Italien und Sowjetrußland nicht berührt würden. Er sei ferner bereit, eine vernünftige Begrenzung der Rüstungen zu akzeptieren. Im Westen stehe jede Grenzkorrektur außer Erwägung. Sofort nach Lösung der deutsch-polnischen Frage werde er mit einem Angebot an die Britische Regierung herantreten. Es war ein Angebot von europäischem, ja weltweitem Ausmaß. Seine Ablehnung durch England erscheint im Lichte der späteren kriegerischen Ereignisse und der Lasten, die auf der neutralen Welt nunmehr liegen, um so verant­wor­tungs­loser. Englands Antwort auf die großzügigen Vorschläge ließ auf sich warten.
Vordem vollzog England die für die weitere Entwicklung folgenschwerste Handlung: Der nunmehr schriftlich niedergelegte britischpolnische Beistandspakt, mit dem England sein Schicksal endgültig mit dem Polens verband, wurde an dem gleichen 25. August in London vom Britischen Außenminister und vom Polnischen Botschafter gezeichnet (Nr. 459).

Die britische Stellungnahme zu den Vorschlägen des Führers vom 25. August war in dem Memorandum enthalten, das dem Führer vom Britischen Botschafter erst am 28. August, nach Verlust von 3 kostbaren Tagen, abends 22.30 Uhr überreicht wurde (Nr. 463). Die Britische Regierung lehnt es darin ab, die deutsch-englische Zukunft und die europäische Befriedung von der polnischen Intransigenz zu trennen.
Sie zeigt sich aber aller Gefahren bewußt, die der augenblickliche Zustand an der Ostgrenze in sich schließt und stimmt mit Deutschland in der Notwendigkeit einer raschen Lösung überein. Sie schlägt daher als nächsten Schritt direkte Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen vor und fügt hinzu, daß sie von der Polnischen Regierung bestimmte Zusicherungen erhalten habe, mit der Reichsregierung in direkte Verhandlungen über die deutsch-polnischen Fragen einzutreten, deren Ergebnisse von anderen Mächten garantiert werden müssen.

Wir wissen heute, daß die Englische Regierung hierbei nicht vor einer bewußten Irre­führung der Reichsregierung zurückgeschreckt ist. Aus dem inzwischen ver­öf­fent­lich­ten Schriftwechsel des Britischen Außenministers mit dem Britischen Botschafter in Warschau ergibt sich nämlich, daß die in der britischen Stellungnahme vom 28. August enthaltene Behauptung, eine definitive Zusicherung der Bereitschaft Polens zu direkten Besprechungen in Händen zu haben, nicht dem Sachverhalt entspricht.
In seiner Antwort, dem Britischen Botschafter am 29. August 18.45 Uhr überreicht (Nr. 464), nimmt der Führer den britischen Vorschlag an. Er macht aber England darauf aufmerksam, daß die Zustände im Osten für eine Großmacht unerträglich sind und ein Zustand erreicht ist, der ein weiteres Hinnehmen oder auch nur Zusehen ausschließe. Der Führer weist weiter darauf hin, daß vielleicht nur noch Stunden zur Verfügung stehen, um die Spannung zu beseitigen. Deutschland habe lange versucht, auf dem Weg friedlicher Verhandlungen weiterzukommen, ohne von der Polnischen Regierung unterstützt zu werden.
Trotz ihrer skeptischen Beurteilung der vorgeschlagenen direkten Besprechungen nehme die Reichsregierung den britischen Vorschlag an und erkläre sich damit einverstanden, daß durch Vermittlung der Englischen Regierung eine mit allen Vollmachten versehene polnische Persönlichkeit nach Berlin komme, mit deren Eintreffen die Reichsregierung für Mittwoch, den 30. August, rechne. Sie werde sofort Vorschläge einer für sie akzeptablen Lösung ausarbeiten und diese, wenn möglich, bis zur Ankunft des polnischen Unterhändlers auch der Britischen Regierung zur Verfügung stellen. — Die Antwort Polens war die Anordnung der allgemeinen Mobilmachung (Nr. 465).

Während die Britische Regierung noch über die Mitteilung des Führers vom 25. August beriet, fand ein Briefaustausch zwischen dem Französischen Ministerpräsidenten Dala­dier und dem Führer statt (Nr. 460 und 461).
Der Führer begründete in seiner Antwort wiederum ausführlich den deutschen Stand­punkt in der deutsch-polnischen Frage und wiederholte noch einmal seinen festen Entschluß, die gegenwärtige deutsch-französische Grenze als endgültig anzuerkennen.

Die Britische Regierung ließ sich mit ihrer Antwort auf die deutsche Anregung der Entsendung einer bevollmächtigten polnischen Persönlichkeit wiederum Zeit. Erst um Mitternacht des 30. August überbrachte Henderson ein Antwortmemorandum der Britischen Regierung (Nr. 466 Anlage I) und erklärte gleichzeitig, daß die Britische Regierung nicht in der Lage sei, der Polnischen zu empfehlen, einen bevollmächtigten Vertreter zu entsenden. Sie schlage vielmehr vor, Deutschland möge sich auf dem normalen diplo­ma­tischen Weg an Polen wenden.
Im Memorandum bestätigt die Englische Regierung, daß Deutschland seine Vorschläge angenommen hat. Obwohl sie sich der Gefahr bewußt sei, daß zwei mobilisierte Armeen einander in nächster Nähe gegenüberständen, halte sie es doch für untunlich, schon heute (30. August) die Fühlungnahme herzustellen. England hat demnach mehr als 24 Stunden verstreichen lassen, ohne den direkten Kontakt herzustellen.

Dem Reichsaußenminister blieb unter diesen Umständen nichts anderes übrig, als festzustellen (Nr. 466), daß Polens Antwort die Generalmobilmachung gewesen sei und daß man umsonst auf das Erscheinen eines polnischen Vertreters gewartet habe. Um zu zeigen, was Deutschland dem polnischen Vertreter vorzuschlagen beabsichtigt hatte, verlas der Reichsaußenminister die inzwischen ausgearbeiteten deutschen Vorschläge, die, in 16 Punkte zusammengefaßt, die fairste Lösung der Streitfragen darstellten (Nr. 466 Anlage II), und erläuterte sie im einzelnen.
Die amtliche deutsche Mitteilung (Nr. 468) stellt fest, daß Deutschland weitere 24 Stunden umsonst auf eine bevollmächtigte polnische Persönlichkeit gewartet habe und daß auch der Polnische Botschafter, der am 31. Au­gust 18.30 Uhr im Auswärtigen Amt erschien, keine Vollmacht zum Verhandeln besessen, sondern nur erklärt habe, Polen erwäge die britische Anregung im günstigen Sinne.
Der polnische Rundfunk (Nr. 469) und die gesamte polnische Presse haben die deutschen Vorschläge sofort als unannehmbar und „unverschämt“ abgelehnt. Von englischer wie von polnischer Seite sind zu diesen Vorgängen unrichtige Darstellungen verbreitet worden. Insbesondere wird englischer- wie polnischerseits behauptet, Polen habe die Vorschläge, die es angeblich abgelehnt habe, zur Stunde der Ablehnung noch gar nicht gekannt. Der Englische Botschafter, dem sie vom Reichsaußenminister „at top speed“ vorgelesen worden seien, habe sie nicht verstanden und nicht weiterleiten können, weil man sie ihm nicht ausgehändigt hätte.

Demgegenüber ist daran zu erinnern, daß der Hauptinhalt der deutschen Vorschläge schon in der Antwort des Führers vom 29. August (Nr. 464) enthalten war, die England im Laufe des 30. dem Britischen Botschafter in Warschau zur Übermittlung an die Polnische Regierung zugesandt hatte.
Im übrigen geht aus den inzwischen veröffentlichten amtlichen britischen Dokumenten einwandfrei hervor, daß Henderson die im einzelnen ausgearbeiteten deutschen Vor­schläge der sogenannten 16 Punkte sehr wohl verstanden und in der gleichen Nacht unmittelbar im Anschluß an seine Unterredung mit dem Reichsaußenminister deren Hauptinhalt zutreffend sowohl nach England als auch an seinen englischen Kollegen in Warschau weitergeleitet hat. Am Morgen des 31. August hat Henderson, wie er in seinem Abschlußbericht vom 20. September selbst zugibt, den Polnischen Botschafter in Berlin über die Einzelheiten der deutschen Vorschläge (16 Punkte) unterrichten lassen, die er inzwischen von einem Vertrauensmann auch schriftlich erhalten hatte.

Dem gleichen Hendersonschen Schlußbericht zufolge verbrachte der Polnische Bot­schafter im Anschluß an diese Mitteilung der 16 Punkte den Vormittag in Tele­phon­ge­sprä­chen mit Warschau. Die Polnische Regierung hat die Vorschläge demnach gekannt. Wenn England den guten Willen zur Herstellung eines Kontaktes in letzter Stunde gehabt hätte, wäre dies zeitlich und technisch auch in diesem Stadium noch möglich gewesen.
Aber nicht nur England hat es abgelehnt, Warschau die Annahme des deutschen Vor­schlags zu raten, sondern, wie aus den veröffentlichten englischen Dokumenten her­vor­geht, auch Beck hat erklärt, er werde einer deutschen Einladung selbstverständlich nicht folgen und Lipski nicht einmal ermächtigen, die deutschen Vorschläge ent­ge­gen­zu­nehmen.
Im übrigen war es, nachdem England fünf Monate darauf verzichtet hatte, trotz wach­sen­der Spannungen Polen zu einem direkten Kontakt mit dem Reich zu bewegen, von vornherein klar, daß sein letzter Vorschlag nur ein Versuch war, die Kulissen so zu arrangieren, daß es mit seinem polnischen Verbündeten nicht bei der Herbeiführung des Krieges in flagranti ertappt wurde. Dies zeigen die gleichfalls von England selbst veröffentlichten mehrfachen Ermahnungen des Englischen Außenministers an War­schau, “ im Hinblick auf die Weltmeinung“ äußerst vorsichtig zu sein. Es ging nicht um die friedliche Bereinigung der Spannung, sondern darum, der Weltöffentlichkeit gegenüber das „friedliche“ Gesicht zu wahren.

 

Nachdem somit alle Möglichkeiten zu einer friedlichen Regelung der deutsch-pol­ni­schen Krise erschöpft waren, sah sich der Führer genötigt, die von Polen schon seit langem gegenüber Danzig, dem Deutschtum in Polen und schließlich gegenüber Deutschland durch zahlreiche Grenzverletzungen (Nr. 470) angewandte Gewalt mit Gewalt abzuwehren. In der Rede des Führers vor dem Reichstag am 1. September (Nr. 471) ist der deutsche Standpunkt abschließend zusammengefaßt. Die polnische Herausforderung im Osten duldete kein weiteres Zögern. Es kam nun darauf an, ob die Westmächte frivol genug waren, auch Westeuropa in die Auseinandersetzung zu verwickeln.
Großbritannien war dazu entschlossen, wie endgültig durch die Note bestätigt wurde, die Sir Nevile Henderson am 1. September 1939, 21 Uhr, im Auswärtigen Amt über­reichte. Darin werden die Einstellung „jeglicher Angriffshandlung gegen Polen“ und Zusicherungen gefordert, daß Deutschland bereit ist, seine Truppen „unverzüglich aus polnischem Gebiet zurückzuziehen“, andernfalls würde Großbritannien ohne Zögern seine vertraglichen Pflichten gegenüber Polen erfüllen (Nr. 472). Um 22 Uhr überbrachte der Französische Botschafter eine Note gleichen Wortlauts (Nr. 473).
Der Reichsaußenminister wies den Vorwurf, Polen angegriffen zu haben, scharf zurück, erklärte sich aber bereit, den Inhalt der Noten dem Führer weiterzuleiten.

In diesem Augenblick setzte ein Vermittlungsversuch des Duce ein, wie aus Dokument Nr. 474 hervorgeht. Er enthielt den Vorschlag eines Waffenstillstandes und der Ein­be­ru­fung einer Konferenz in 2 bis 3 Tagen. Die Reichsregierung erklärte sich bereit, auf den Vorschlag einzugehen; auch die Französische Regierung hatte eine positive Antwort erteilt. Das Dokument Nr. 475, eine Mitteilung der Havasagentur vom 2. September 1939, ist in diesem Zusammenhang von historischer Bedeutung.
Diese Mitteilung wurde nämlich, wie sich herausstellte unter englischem Druck, später zurückgezogen. England hatte inzwischen die Französische Regierung gezwungen, sich der englischen Auffassung anzuschließen, die auf der Zurückziehung der deutschen Truppen bestand (Nr. 476). Damit war die Aktion des Duce in einem Augenblick tor­pe­diert, in dem sie kurz vor dem Erfolg stand.
Statt dessen sandte England am 3. September vormittags 9 Uhr ein auf 11 Uhr befri­ste­tes Ultimatum, in der es die Forderungen auf Einstellung der Kampfhandlungen und Zurückziehung der deutschen Truppen wiederholte und sich für den Fall der Ablehnung nach Ablauf dieser Zeit als im Kriege mit Deutschland befindlich erklärte (Nr. 477).
11 Uhr 15 desselben Tages unterrichtete Lord Halifax den Deutschen Geschäftsträger in London davon, daß sich England vom 3. September 1939, 11 Uhr vormittags ab, als im Kriegszustand mit Deutschland befindlich ansehe (Nr. 478).

Es war selbstverständlich, daß die Reichsregierung es ablehnen mußte, die ultimativen Forderungen Englands „entgegenzunehmen, anzunehmen oder gar zu erfüllen“. In einem Memorandum, vom Reichsaußenminister dem Britischen Botschafter am 3. Sep­tem­ber, 11 Uhr 30 überreicht, wies Deutschland diese Forderungen unter noch­ma­li­ger Entwicklung des deutschen Standpunktes und der englischen Ver­ant­wor­tung für eine kriegerische Auseinandersetzung zurück und erklärte, „jede Angriffs­hand­lung Englands mit den gleichen Waffen und in der gleichen Form zu beantworten“ (Nr. 479).
12 Uhr 30 desselben Tages erschien der Französische Botschafter im Auswärtigen Amt und überreichte eine Note des Inhalts, daß Frankreich sich verpflichtet sehe, vom 3. September 17 Uhr ab, die „vertraglichen Bindungen zu erfüllen, die Frankreich gegen­über Polen eingegangen sei“, eine Mitteilung, die sich nicht nur zeitlich von der eng­li­schen unterscheidet (Nr. 480). Der Reichs­außen­minister verwies auf die Zerschlagung des italienischen Vermittlungsversuchs durch England sowie auf die auf zwei Stunden be­fristete ultimative Forderung Englands und sprach sein Bedauern aus, wenn es trotz des gesuchten Ausgleichs mit Frankreich zu einem durch nichts gerechtfertigten Angriffs­krieg Frankreichs gegen Deutschland kommen würde. Die heutige Französische Regie­rung trage die Verantwortung für das Leid, das dann den Ländern zugefügt werde (Nr. 481).

In einem Rundtelegramm des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts an die deutschen diplomatischen Missionen wird die Verantwortung Englands für den Kriegsausbruch abschließend festgestellt (Nr. 482). Dieses Urteil wird vor der Geschichte Bestand haben.

Es wäre eine der vornehmsten Aufgaben europäischer Friedensarbeit gewesen, den seit Versailles an der deutsch-polnischen Grenze aufgehäuften Zündstoff rechtzeitig zu beseitigen.

England, als einer der Hauptverantwortlichen für den Gefahrenherd, hat in 20 Jahren nichts unternommen, um hier den von ihm so oft gepriesenen Grundsatz des „peaceful change“ in die Tat umzusetzen.
England hat hingegen eine Entgiftung des deutsch-polnischen Verhältnisses bewußt hintertrieben, indem es Polen mit seiner Garantie im gleichen Augenblick in die anti-deutsche Front lockte, als der Führer sich in Fortsetzung seiner mühseligen sechs­jäh­ri­gen Verständigungsarbeit um eine gütliche Regelung der zwischen Deutschland und Polen stehenden Fragen auf dem Verhandlungswege bemühte.
England hat die deutschen Bestrebungen, noch in letzter Minute einen friedlichen Aus­gleich herbeizuführen, sabotiert und Polen in seiner aggressiven Haltung ermutigt. England hat schließlich, nachdem die deutsche Selbsthilfe gegen die polnischen Provo­ka­ti­onen unabweislich geworden war, den Vermittlungsvorschlag des Duce allein durch sein Verhalten zum Scheitern gebracht und damit endgültig zu erkennen gegeben, daß ihm die polnische Frage lediglich als Vorwand diente, um den Ver­nich­tungs­krieg gegen die stärkste Macht des Kontinents zu entfesseln.

 

In der klaren Erkenntnis dieser Tatsache hat das deutsche Volk, seiner gerechten Sache und seiner Stärke bewußt, den ihm von England aufgezwungenen Krieg entschlossen aufgenommen. Sinn und Ziel des Kampfes ergeben sich aus seinen Ursachen von selbst. Sie sind vom Reichsminister des Auswärtigen noch einmal in seiner Rede in Danzig am 24. Oktober zusammengefaßt worden, als er ausführte, das deutsche Volk werde „nicht eher die Waffen niederlegen, als bis die Sicherheit des Deutschen Reiches in Europa gewährleistet und die Garantie dafür geschaffen wird, daß ein solcher Angriff auf das deutsche Volk für alle Zeiten ausgeschlossen ist“.

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(eigene Formatierung & Hervorhebungen)

Siehe auch:

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