von Kurt Eggers
aus: „Von der Heimat und ihren Frauen“

 

Als die Einsamen und Starken in trotziger Verbitterung zugrunde gingen, schlug auch den mütterlichen Frauen die letzte Stunde. Ein schwächliches Jahrtausend, das die kriegerischen Männer verdammte, mußte auch die mütterlichen Frauen hassen — die Frauen, die den Mann den Weg zum Heldentum um so sicherer finden ließen, als das Mannestum durch die Veredelung der Triebhaftigkeit eine unerhörte Steigerung zur vollkommenen Tat erhält.

Es ist ein uraltes, ewig wieder­kehrendes Lied des Nordens, daß der Held auszieht, um nach der Stunde der Bewährung, nach dem Bestehen aller Abenteuer und Gefahren, das letzte größte Erleb­nis zu suchen: die Frau, um die es zu kämpfen verlohnt.

Und wehe dem Manne, der nicht stark genug ist, eine edle Frau zu er­kämpfen! Ist er schwächer als die Frau, wird er von ihr oder ihren Bluts­ver­wand­ten getötet zur Strafe für den Versuch, eine hohe Frau zu er­niedrigen.

Dem edelsten Manne die edelste Frau! Das ist uralte nordische Forderung, um derent­willen selbst Kriege nicht gescheut werden, damit die besten Blutströme der Rasse in der Vereinigung der beiden Edelsten ein Neues, ein Höheres, ein Drittes ergeben.

Die Heldenlieder, die von wilden Abenteuern, kühnen Taten und harten Herzen künden, singen auch das Lob der harrenden, hoffenden Frau, die Jahre wartet auf den Einen, dem die Stimme ihres Blutes entgegenjauchzt.

Und dort, wo durch Trug, Verrat, Raub die Frau von einem Niederen geschändet wird, beginnt der erste Akt einer gewaltigen Tragödie, die ganze Stämme in den Untergang zu führen vermag.

Was liegt nicht allein in der Gestalt und dem Mythos der Kriemhild für eine erschüt­ternde Huldigung an eine überragende Frau, der Unrecht geschah, weil sie an einen Unterlegenen gebunden wurde!
Eine solche Frau kann selbst ihre Kinder hassen, wenn sie den Mann, der die Kinder in ihr erweckte, als unebenbürtig erkennen muß.
Medea, jene sagenumwobene Frau aus nordischem Blute, griff, als ihr Entführer Jason die Treue brach und einen unheldischen Charakter offenbarte, zu der fürchterlichen Tat, ihre Kinder zu schlachten und ihr Fleisch Jason vorzusetzen, um dann auf einem Drachenwagen zur alten Heimat  zurückzukehren.
Euripides, der große heidnische griechische Tragiker nordischer Geisteshaltung, setzte der Medea in seinem Drama ein gewaltiges Denkmal. Eine bürgerliche oder gar christ­liche Seele kann nur mit Abscheu von solchen überragenden Frauen sprechen, deren Ehre mit der Erfüllung des Lebens an der Seite des überlegenen Helden aufs engste verbunden ist, das aber sinnlos wird, wenn statt des Erfüllers der Enttäuscher kommt.

Mit der verlorenen Ehre wird auch das Leben selber verloren. Wohl erhebt sich noch einmal die geschändete Seele zur furchtbaren Rachetat, verlischt aber dann im Dunkel, wenn der Trank der Genugtuung ausgekostet ist.

Zu Unrecht hat eine verkommene Zeit, die in der Frau allein das Objekt hemmungsloser Begierde sah und ekelhaftes, wahlloses Wegwerfen als „Temperament“ bezeichnete, den nordischen Frauen Gefühllosigkeit vorwerfen wollen. Im Gegenteil: die nordische Frau ist der höchsten Leidenschaften der Liebe und des Hasses fähig, nur daß ihre Lei­den­schaf­ten sehr tief im Innern verankert sind, so daß die Stürme der Seele sich selten in lauten Äußerungen zeigen.

Man soll nie vergessen, daß das reinste Lied der Liebe und zugleich auch das leiden­schaft­lich­ste, der Sang von Gudrun, der nordgermanischen Kriemhild, kein Beispiel in der Weltliteratur – die Odyssee allenfalls ausgenommen – hat.

Was ist gegen dieses Menschentum des Nordens das von Juden und Christen verehrte sogenannte Hohe Lied Salomonis? Eine schwüle Lobpreisung der körperlichen Reize eines Weibchens, das der alternde Judenkönig Salomo seinem sehr umfangreichen Harem einzuverleiben gedachte. Darin hat sich zu allen Zeiten die deutsche von der jüdischen und judenhörigen Dichtung unterschieden, daß in der deutschen Dichtung die Frau auch in der liebesdurchglühtesten Schilderung niemals zum Weibchen herab­gewürdigt wurde. Ja, man kann und muß den Wert der deutschen Dichter mit den Maßen richten, mit denen sie die Frau zu messen pflegen.

Inmitten der Frauenverfolgungen durch die Kirche, die in ihrer lebenszerstörenden Lehre Eva, das Weibchen, als Gefäß der ersten und damit erbhaften Sünde bekanntlich ein für allemal mit ihrem ganzen Geschlecht verdammte und die königliche Frau, die lebensfrohe Mutter entthronte, erhoben sich die Minnesänger zum Schutze des Frauen­tums. Walther von der Vogelweide, der größte politische Künder jener Zeit, wird auch zum Schildhalter der Ehre der germanischen mütterlichen Frau. Nicht die weitab­gewandten „heiligen“ Frauen singt er an — er preist die deutsche Frau!

Die hohen, würdevollen, nur einem Mann sich gebenden Frauen sind der Lieder jener fahrenden freiheitssuchenden Männer wert. Das sind die stolzen Frauen, von deren Stirn der Glanz des überlegenen Muttertums strahlt — Frauen, wie sie schon in den hohen Hallen germanischer Höfe walteten, Frauen, in deren Gegenwart jedes freche Wort verstummte.
Solche Frauen waren Künderinnen der wahren Ewigkeit des schöpferischen Lebens, das in einer mütterlichen Frau zu lästern, todwürdiges Verbrechen sah.

Nur mit Ergriffenheit können auch heute die Verse der Odyssee gelesen werden, in denen königliche Frauen verherrlicht sind, die an der Seite des Mannes, ebenbürtig und unantastbar, Hüterinnen des Rechtes, des Hauses und Volkes waren.

Überall in der Weltliteratur, wo wir preisende Schilderungen hoher, mütterlicher Frauen treffen, können wir den Einfluß des Nordens, der großen arischen Rasse feststellen. Dem Juden wäre es völlig unmöglich, eine solche Frau zu verehren! Selbst der Kult der Jungfrau Maria, die, so oft sie im „Neuen Testament“ erwähnt wird, durchaus nichts „Heiliges“ an sich hat, dringt erst in die Religionsvorstellungen des Christentums ein, als es sich mit bestimmten arischen Mythen verschmilzt!

Die Frauen der „Bibel“ sind durchweg überaus fragwürdige Gestalten, nicht selten ausgesprochene Huren wie Esther. Nie hätte ein Sänger des Nordens seinen Genius mißbraucht, um die Schicksale einer Dirne zu schildern. Das liegt auch nicht zuletzt darin begründet, daß die von den nordischen Sängern verkündete Ethik ausschließlich dem höheren Zwecke der Volkserziehung diente.

Auf dem Sinai hauste der zu den unmöglichsten Mitteln greifende Wüstengott Jahwe — und es war nichts um ihn als eine zu allem Aberglauben verführende Atmosphäre des Grauens. Auf dem Olymp Griechenlands dagegen thronten Göttinnen, die zuweilen sogar den Göttern überlegen waren. Im Lande der Mitternacht aber, im hohen Norden, waren die Göttinnen Fleisch und Blut!

Und so, wie die Götter Germaniens nichts anderes waren als „Übermenschen“, als das alltägliche menschliche Maß überragende Helden, waren die Göttinnen Germaniens königlich denkende und königlich handelnde Frauen, deren Vorbild das Maß aller Frauen Germaniens wurde.

Zum Leben und seiner Erhaltung führen zwei schöpferische Pole: die Zeugung und die Geburt.
Einen dieser Pole gering zu achten, hätte den Untergang zur Folge. Der zutiefst in der Lebensinnigkeit verankerte Mensch des Nordens hätte aus seiner Erkenntnis des Geset­zes und aus seinem Wissen um die Ordnung nie die Entheiligung eines der Pole frev­le­risch gewagt. Weder hätte er ein instinktloses absolutes Männerrecht geschaffen, noch hätte er einen Amazonenstaat geduldet.

Bei Griechen und Römern war Sonne ein männlicher Begriff. Dieser männliche Schöp­fungspol befruchtet den weiblichen Schöp­fungs­pol, die Erde. Daraus entsteht das heilige Leben der Natur. Die Erde ist die Urmutter, ihr Schoß läßt hervorgehen, was zur Erhaltung des Lebens nötig ist. Darum wird die Urmutter Erde von einem ideelich und dichterisch gleich schönen Mythenkranz umgeben.

Das jüdische Denken ist, an den gewaltigen Ideen des Nordraumes gemessen, schon in seinen geradezu kläglichen Mythen so materialistisch, daß es keine „Mutter Erde“ kennt. Die Erde ist ihm nur Stoff, nichts weiter. Darum kann auch dieser Stoff von Jahwe ver­flucht werden, wie Jahwe auch die Sonne als Stoff, gewissermaßen wie eine Laterne, am Himmelsdach befestigen kann!

Man muß erkennen, welch ein Unterschied, welch eine nie zu überbrückende Kluft zwischen dem Nordraum und dem Sinai gähnt: Im Norden ist die Sonne Zeugungspol, der Sinai sieht in der Sonne einen der Beleuchtungskörper, die Jahwe seinen Juden zuliebe angebracht hat!
Ebenso hat auch der Mann des Sinai als Werkzeug der Willkür Jahwes keinen eigenen Schöpfungswillen. Ihm fehlt das Lichtbringende, Luziferische, Göttliche! Der Frau des Sinai fehlt das göttliche Urgesetz der Geburt, darum muß sie zwangsläufig ein Gefäß der Lust werden.

Ungöttliche, stoffliche Menschen kriechen durch den Staub des Sinai, die geborenen Materialisten! Im Norden dagegen schreiten die hohen, göttlichen, wissenden Men­schen, die selber Teil des ewigen Gesetzes sind.

Hier liegt auch das tiefe Wissen um die unmittelbare, gesetzmäßige Verbundenheit des nordischen Menschen mit dem All, die Gottesteilhaftigkeit, die Gottesbruderschaft be­gründet.
Das drängt selbst in den so häufig unklaren Ausbrüchen der Mystik, des Pantheismus, der Schwärmerei an die Oberfläche des Gedankens und der Tat. Gott ist dem Menschen des Nordens die Krönung des Gesetzes: der unendliche Wille zum ewigen Leben.

Er kann wohl mit der Sprache der Seele verehrt, niemals aber um ein „Wunder“ ange­bettelt werden. Der Gedanke an einen, der außerhalb des unerschöpflichen Schöp­fungs­rhyth­mus des Gesetzes zu stehen vermöchte, ist dem Menschen des Nordens unmöglich.

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Nicht Mann oder Frau heißt demnach die Kampfparole des Nordens, sondern Mann und Frau als Schöpfereinheit lautet das Gebot des ewigen Lebens von dieser Welt.

Solange der Norden gesetzestreu und wissend war, konnten keine Strömungen auf­kom­men, die forderten oder zuließen, daß ein Pol dieser Schöpfungseinheit minder geachtet wurde; zu natürlich und schon durch den Instinkt gegeben sind diese Er­kennt­nisse gewesen. Daß überhaupt Meinungsverschiedenheiten über diese Grund­vor­aus­set­zun­gen des Lebens aufkommen konnten, ist bereits ein Zeichen des Verfalls. Man möge erkennen, wie gefährlich, zersetzend und mörderisch alle Reli­gi­onen sind, die sich nicht auf dem Wissen um das Gesetz und seine lebens­erhal­ten­den Forderungen aufbauen. Bekanntlich aber entstehen die dogmatischen Religionen immer erst dann, wenn die Harmonie von Erkenntnis, Wissen, Seele und Blut, kurz, wenn das Erbgut der starken Rasse verschüttet ist!

Vor allem aber möge man auch hieran erkennen, daß es ebensowenig eine „Weltreli­gion“ geben kann wie eine „Weltkultur“. Jede Weltreligion müßte zur Voraussetzung ihrer Herrschaft die Vernichtung der Rassen und den völligen Völkerbrei haben. Es ist kein Zufall, daß die fanatischsten Anhänger der Weltreligionen in der Regel auch ebenso große Fanatiker der Rassenfeindschaft sind. Es ist auch kein Zufall, daß beispielsweise die Anhänger des Königreichs Jahwe – seien sie nun machtgierige Juden oder schwär­me­ri­sche Christen – eine Todfeindschaft gegen die Starken und Wissenden aller Völker haben. Denn diese Starken sind bewußte Träger eines Erbgutes, das der Gleich­macherei widersteht und wie ein Magnet alle gleichgearteten Kräfte anzieht.

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Gerade der kriegerische Norden, das Land der Pflicht, die Heimat der Starken, die in ihrer Ordnung das Gesetz verkörpern, wird die mütterlichen Frauen, die entthronten Königinnen des Lebens, in ihr Reich zurückführen. Der starke, gesetzesbewußte kämpferische Mann sehnt sich um der Vollendung der Schöpfungseinheit willen nach der mütterlichen Frau, die nicht sein Spielzeug, sondern seine Gefährtin, seine Mit­schöpferin sein soll.

      

Die Heimat der Starken wird den aus diesem vollendeten Bündnis der beiden verei­nig­ten göttlichen Pole heraufwachsenden jungen Menschen ein Land der Freiheit und der Herrlichkeit und damit des wahren Glückes sein.

Nach den mütterlichen Frauen haben die Starken dieser Welt Sehnsucht. Es ist die Sehnsucht nach Vollendung, die nichts mehr gemein hat mit der Gier.

Das ist das Ende des „Weibchens“, das aus der Heimat der Starken ausgestoßen wird, damit seine beleidigende Gegenwart nicht mehr das Heiligtum der mütterlichen Frau schände, die die Künderin der überwältigenden Botschaft des Gesetzes, die Trägerin des schönsten Beweises der gläubigen Lebensinnigkeit ist. In der Heimat der Starken hat die Dirne keinen Raum.

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Ist es wirklich ein Zufall, daß dieselben erbärmlichen und aus der Gossenperspektive schauenden, geistlosen „Witzblätter“ im selben Atemzug Krieger und Frauen höhnen? Der Pazifismus erniedrigt nicht nur die Helden zu verächtlichen Landsknechten, er entweiht auch die mütterlichen Frauen zu Dirnen. Es ist der gleiche Geist der Min­der­wer­tigen, die für ihr Reich und ihre Herrschaft kämpfen, der auch das Men­schen­tum, die Würde, den Stolz in den Schmutz zu ziehen trachtet, bis alles emporstrebende Leben eingeebnet ist.

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Der Tag ist nicht fern, an dem wieder die mütterlichen Frauen den Ehrenplatz in der Halle einnehmen werden.

Mit gütigen Händen werden sie dem Manne, dem Kameraden, die Sorgen des unvoll­kommenen Alltags aus der Stirn streichen, und das helle, unbeschwerte Lachen ihrer Kinder wird dem Manne immer wieder den Glauben an die Ewigkeit seiner Pflicht ins Herz geben. Das Menschentum, das aus dieser wissenden und stolzen Zweiheit erwächst, wird – wie in den alten Zeiten, da die Mythen Wirklichkeit waren – wieder wie Gott sein!

Aus dem Zusammenwachsen der beiden Schöpfungspole entsteht die lebendigste aller Zellen der Gemeinschaft: die Familie, deren Leben nirgends in der Welt so stark und kräfteerzeugend war und ist wie im germanischen Raume. Wo in der Welt vermag ein Kind bis in das Mannesalter hinein so an die Reinheit seiner Mutter zu glauben wie im Nordraum?

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In der Heimat der Starken gibt es keine „Eheprobleme“. Es gibt noch weniger Ehe­expe­ri­mente, wie sie die Zeit bürgerlicher Verkommenheit so gern anstellte. Die Frau hat ebensowenig ein Versuchsobjekt zu sein, wie der Mann ein Experimentator!

Die einzige Frage einer Eheschließung ist die, ob die beiden Schöpfungspole, die jetzt zueinanderstoßen, im wahrsten Sinne des Wortes für einander bestimmt sind. Das be­darf einer genauesten Prüfung aller vorhandenen Werte und eine Abschätzung jener Unwerte, die sehr häufig, wenn sie zu wenig beachtet werden, im Verlaufe des gemein­samen Lebens zu Klippen werden können, an denen das Schiff der Ehe scheitert. Das ganze Glück einer Ehe hängt davon ab, ob das Klingen der beiden Seelen, die sich zur Schöpfungseinheit vermählen, einen Akkord ergibt. Das feine Schwingen der Seele darf nicht übertönt werden vom lauten und grellen Geschrei der Triebhaftigkeit!

Die Erziehung zur Ehe beginnt schon beim Kinde, das zunächst zu sich selbst erzogen werden, das heißt, daß es den Weg in das eigene Herz finden lernen muß. Ein Mensch, der den Klang seiner Seele und die Sprache seines Herzens kennt, vermag auch die Stimme des Wesens seines Kameraden zu hören. Wie aber soll ein Mensch in der Zwei­heit seiner Lebensgemeinschaft die Harmonie finden, wenn er selber nicht sein Herz, sein Blut, seine Seele kennt?

Wohl werden auch im Leben der Starken Irrtümer in der Wahl des Lebenskameraden vorkommen. Solche Irrtümer werden aufgehoben, indem die beiden Menschen sich trennen, um in einer zweiten Ehe die Erfüllung zur Gemeinschaft zu finden. Solche Trennung geschieht ohne Haß; die Menschen aber, die zur Harmonie verschmolzen sind, führen in dieser Einheit eine untrennbare Ehe. Diese Einheit zu finden, ist die höchste Vernunft der Ehe.

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Wie weit schon scheinen die Jahre zurückzuliegen, in denen eine „Vernunftsehe“ das Gegenstück zu einer „Liebesheirat“ war! Grundsätzlich führten beide Ehen zum Unter­gang.
„Vernunft“ wurde als gleichbedeutend mit Geld betrachtet; „Liebe“ aber wollte besagen, daß Pflicht und Verantwortung ausgeschaltet waren, als der Trieb nach Befriedigung drängte.

Ebenso weit auch liegen scheinbar die Zeiten zurück, in denen man sich über das „System“ der Kinderzahl stritt. Das Kind als zwangsläufiges Übel, das nur nicht zu viel Arbeit machen sollte!
Ein fürchterliches Zeichen der Zersetzung völkischer Sittlichkeit! Der mütterliche Schoß, das heiligste Gefäß des ewigen Lebens, wurde auf das gemeinste entweiht. Kinder waren plötzlich nicht mehr das große Dritte, Neue, Bessere einer Zweisamkeit, sondern ein Luxus, der – gemessen an den Annehmlichkeiten des bürgerlichen Lebens – über­teuer schien.

Man möge nie vergessen, daß diese Zeiten des Niederganges immer latent sind, solange überhaupt Schwächlinge die erbärmlichen „Ideen“ ihrer Schwachheit verkünden dürfen.
Würden jemals die Starken wieder gegenüber den scheinbar getöteten, in Wirklichkeit jedoch nur schlummernden Gefahren sorglos und gleichgültig werden, so daß die Schwachen durch einen Handstreich an die Macht gelangten, würden im selben Augen­blick wiederum diese niederträchtigen Lehren ihr Medusenhaupt erheben.

Die Heimat der Starken muß auch die Heimat der Wachen sein — das heißt aber: nie darf das Schwert rosten!

Solange die Erde stehen wird und solange Menschen in diese Welt hineingeboren wer­den, solange wird es auch Tag und Nacht, Starke und Schwache geben. Nur, daß der Starke am Leben und an der Herrschaft bleibt, ist der Sinn des im Gesetz verankerten Schöpfungswillens.

Daß der Starke aber die Freude an der Pflicht habe, die ihn heißt, Leben um des ewigen Lebens willen zu erhalten, zu zeugen und zu pflegen, dazu verhelfe ihm das liebende Wesen der mütterlichen Frauen.

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Eine Frau, die in der Mutterschaft die Erfüllung ihrer Schöpferpflicht erlangte, überragt die kinderlosen Frauen wie der Held die Gefolgschaft. Keine Verachtung der Frauen, deren Schoß dem Leben verschlossen blieb, darf ihren Stolz mindern.

Was sind schon die „Bräute Christi“ in ihrer Gesamtheit gegen eine einzige mütterliche Frau, die ihrem Manne ein gesundes, lachendes Kind, aus dessen Augen der Glaube an die Welt leuchtet, entgegenstreckt?

Was sind alle verheißenen Wonnen des halleluja-erfüllten Himmels gegen das Mutter­glück, das unter dem ersten Schrei des Kindes aufglüht?

Mütter sind die wahren Künderinnen der Herrlichkeit des ewigen Lebens dieser Erde.

Wer das Leuchten eines Mutterauges sieht, das auf das Neugeborene einen Schein der großen inneren Beglückung strahlen läßt, sah hundert Sonnen und tausend Himmel aufschimmern.

Und der Mutter, deren Kind zum erstenmal die Ärmchen liebkosend aufstreckt, kann kein Gruß vom „Seelenbräutigam“ das Aufjauchzen des Herzens übertönen.

Mütter sind darum ihrer großen Schwester, der Erde, in tiefster Treue ergeben.

Wie können diese mütterlichen Frauen alle die beklagenswerten Weibchen, die geboren sein wollen, um das Glück der „freien“ Liebe zu genießen, von Herzen verachten, besten­falls bedauern!
Dieselbe Verachtung kennt nur der kriegerische Starke, der, wenn er gerüstet und bereitet der Stunde der Entscheidung entgegenzieht, einen palmenschwingenden Schwäch­ling trifft.

Auf den Höhen der Menschheit wandern Hand in Hand die Starken dieser Welt mit ihren mütterlichen Frauen.

Sie sind die Ersten in der Heimat der Starken.

Das Leuchten ihres Blickes ist ein Funke jenes Feuers der Ewigkeit, das die Schwachen verbrennt und die Starken zur letzten Reinheit läutert.

Die Welt wird schön, wo die Heimat der Starken beginnt.

Das frohmachende, helle Kinderlachen tönt durch die neue Heimat, die voller Güte ist, weil sie das Unwürdige zu töten weiß.

Die mütterlichen Frauen aber wachen an den Wiegen der Ewigkeit!

Aus: „Die Heimat der Starken“

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TextQuelle (ohne Hervorhebungen): Full text of „Von der Heimat und ihren Frauen“

 

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