dokumente-zur-vorgeschichte-des-krieges

Auswärtiges Amt, Berlin. © 1939.

Geleitwort des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop

Der Blick des deutschen Volkes ist unter der Führung Adolf Hitlers in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit gerichtet. Aber der uns aufgezwungene Kampf, den wir jetzt um das künftige Schicksal Deutschlands durchfechten, macht es zur gebieterischen Not­wen­dig­keit, uns in jedem Augenblick bewußt zu bleiben, wie es zu diesem Kampf gekommen ist und wo seine letzten Ursachen zu suchen sind.
Das liegt zwar für jeden, der sehen will, seit langem offen zutage und ist von maß­ge­ben­der deutscher Seite schon oft genug, vor allem durch die Reden unseres Führers, öffentlich klargestellt worden. Da aber die verlogene Propaganda unserer Feinde beharrlich bemüht ist, den wahren Sachverhalt immer wieder zu verschleiern und die Weltöffentlichkeit sowohl über die Ursachen des Krieges, als auch über die von ihnen verfolgten Ziele irrezuführen, ist es wichtig, durch authentische amtliche Dokumente noch einmal den unwiderleglichen Nachweis zu erbringen, daß es ausschließlich und allein England war, das den Krieg verschuldet und ihn gewollt hat, um Deutschland zu vernichten.

Nachdem das Auswärtige Amt bereits unmittelbar nach Kriegsausbruch in einem Weiß­buch die Urkunden veröffentlicht hat, die über die letzte Phase der deutsch-pol­ni­schen Krise Aufschluß geben, legt es nunmehr eine umfangreichere Sammlung von Doku­men­ten vor, die sich nicht auf die dem Kriegsausbruch unmittelbar vorhergehende Zeit beschränken, sondern die wesentlichsten politischen Ereignisse umfassen, aus denen sich zunächst der Konflikt mit Polen und dann der Konflikt mit England und Frankreich entwickelt hat.

Die 482 Dokumente, die in den Anlagen abgedruckt sind, sprechen eine so deutliche Sprache, daß sie keines Kommentars bedürfen. In ihrer diplomatischen Nüchternheit geben sie ein unmittelbares und ungeschminktes Bild von der politischen Entwicklung der letzten Jahre — ein Bild, das auch den, der diese Entwicklung in nächster Nähe miterlebt hat, immer wieder von neuem erschüttert und aufrüttelt.
Sie zeigen den systematischen Ausrottungskampf, den die Polen seit dem Weltkrieg gegen das Deutschtum in Polen und gegen Danzig geführt haben; sie zeigen das großzügige und unendlich geduldige staatsmännische Bemühen des Führers, die deutsch-polnischen Beziehungen auf eine dauerhafte, den Interessen beider Teile gerecht werdende Grundlage zu stellen; sie zeigen demgegenüber die kurzsichtige Verständnislosigkeit der polnischen Machthaber, die die ihnen von Deutschland immer wieder gebotene Möglichkeit, zu einem endgültigen Ausgleich zu kommen, zunichte machen.

Vor allem aber sehen wir, wie unmittelbar nach der Konferenz von München der Kriegs­wille Englands immer deutlicher offenbar wird — und wie die Britische Regierung dann schließlich die von ihr selbst absichtlich herbeigeführte Verblendung der Pol­ni­schen Regierung benutzt, um den seit langem geplanten Krieg gegen Deutschland zu ent­fes­seln.
Zwar würde es, um das heuchlerische und frevelhafte Vorgehen der englischen Politik in seinem ganzen Umfang zu entlarven, einer Darstellung der gesamten Nach­kriegs­zeit bedürfen, in der sich England jedem Versuche Deutschlands, sich aus den Fesseln des Versailler Diktats zu befreien, hemmend in den Weg gestellt und jede Möglichkeit, die Revision dieses Diktats auf dem Verhandlungswege herbei­zu­führen, immer wieder vereitelt hat.
Aber es genügt, an Hand der in diesem Weißbuch zu­sam­men­ge­stell­ten Dokumente die kurze Epoche seit dem Herbste 1938 ins Auge zu fassen, um zu erkennen, daß England von vornherein entschlossen war, mit Gewalt den Weg des Führers zu durchkreuzen, dessen genialer Staatskunst es gelungen war, schlimmste Verbrechen von Versailles ohne jedes Blutvergießen und ohne jeden Eingriff in die Interessen Englands zu besei­tigen — und der in der gleichen Weise auch eine friedliche Lösung der deutsch-pol­ni­schen Frage erzielt haben würde, wenn England nicht Polen als Werkzeug seines Kriegs­willens mißbraucht und durch diese verbrecherische Politik Europa in den Krieg gestürzt hätte.

Diese für immer feststehende historische Tatsache ist aufs neue dadurch erhärtet worden, daß England das großzügige letzte Friedensangebot, das ihm der Führer noch einmal in seiner Reichstagsrede vom 6. Oktober gemacht hat, mit einer unverschämten und beleidigenden Herausforderung Deutschlands beantwortet hat.
Im uner­schüt­ter­lichen Bewußtsein seines Rechts und in unbeirrbarer Überzeugung seines Endsieges hat das deutsche Volk diese Herausforderung angenommen und wird nun die Waffen nicht früher aus der Hand legen, als bis es sein Ziel erreicht hat. Dieses Ziel ist: Die militärische Vernichtung der Gegner und dann die Sicherstellung des dem deutschen Volke zukommenden Lebensraumes gegen jede zukünftige Bedrohung.

Berlin, den 3. Dezember 1939.

von Ribbentrop
Reichsminister des Auswärtigen

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Einleitung

Übersicht

Die nachfolgenden Dokumente sollen ein Bild von der Vorgeschichte des gegenwärtigen Krieges geben. Sie beschränken sich nicht auf die dem Kriegsausbruch unmittelbar vorausgehenden Wochen, sondern ermöglichen darüber hinaus die Bildung eines unabhängigen Urteils über die weiter zurückliegenden Ursachen des Konflikts.

Die Dokumente begleiten zunächst die Entwicklung der deutsch-polnischen Bezie­hungen von Versailles bis zur Ablehnung des deutschen Angebots zur gütlichen Lösung der Danzig- und Korridorfrage durch Polen. Hierbei sind die Ereignisse von 1933 bis zur Gegenwart eingehend belegt, während für die vorausgegangenen Jahre lediglich die Lage der deutschen Volksgruppe in Polen und Polens Vorgehen in Danzig an einigen besonderen Beispielen in Erinnerung gerufen werden.

Die Dokumente folgen sodann dem Gang der britischen Kriegspolitik seit der ge­mein­samen deutsch-englischen Erklärung von München. Eine Darstellung der Bemühungen des Reichs um Sicherung friedlicher Beziehungen zu seinen Nachbarländern schließt sich an. Damit sind die Grundlagen für das Verständnis der Schlußphase gewonnen, in der die britische Politik zur Auslösung des Konflikts führt.

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Siehe auch:

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