Eröffnung erst 2019? 

Von Axel Mörer-Funk

Das auch noch: Im neuen Flughafen Berlin Brandenburg sind die Wasserrohre der Sprinkleranlage zu dünn. Der Austausch wird weitere Monate dauern. Genauso wie die Reparatur der Automatiktüren, die nicht richtig funktionieren. Ist das jetzt nur noch eine Parodie auf ein Bauwerk?

ARCHIV - Blick vom Dach des Terminalgebäudes des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld (Brandenburg), aufgenommen am 18.03.2015. Foto: Patrick Pleul/dpa (zu dpa "Frischluft-Zufuhr: Hauptstadtflughafen baut zum Brandschutz Glastürme" vom 06.05.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Terminalgebäude des Flughafens Berlin Brandenburg:
Die Fertigstellung des Flughafens verzögert sich weiter. Jetzt wird 2019 angepeilt.
(
Foto: Patrick Pleul/dpa)

Natürlich macht jeder Fehler, auch Ingenieure. Aber die Fehlerkette beim Haupt­stadt­flug­hafen Berlin Brandenburg BER gleicht inzwischen einer Slapstick-Komödie und hat mit einem ernsthaften Bauwerk nichts mehr zu tun.

29.000 Sprinklerköpfe ausgetauscht

Gestern Nachmittag kam die Meldung, dass plötzlich 2 km Wasserleitungen in den Decken ausgetauscht werden müssen. Warum? Vergangenes Jahr waren 29.000 Sprink­lerköpfe ausgetauscht worden. Die sind größer, lassen im Brandfall mehr Wasser durch.

Empfangshalle des Terminalgebäudes des Flughafens Berlin Brandenburg

Empfangshalle des Terminalgebäudes des Flughafens Berlin Brandenburg:
Jetzt hat sich herausgestellt, dass die Wasserleitungen der Sprinkleranlage zu klein ausgelegt sind.
(
Foto: Patrick Pleul/dpa)

 

Klar, dass es in Berlin keinen Ingenieur gibt, der vorher einmal die neue Wasser­menge berechnet, die durch die Düsen fließen kann. Und jetzt stellt sich heraus, dass die „alten“ Wasserleitungen nicht genug Wasser herbeischaffen können. Deshalb müssen die Decken in allen Räumen noch einmal geöffnet werden, um die Sprink­lerrohre auszutauschen. Ein Wahnsinn.

Auch 1.200 Automatiktüren sind defekt

Doch die Leitungen sind nur der vorläufig letzte Vorhang der Komödie. Erst vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass die Automatiktüren im Flughafen immer noch nicht richtig funktionieren. Das ist kein Randproblem, denn es gibt im gesamten Flug­hafen 1.200 Türen, die über Sensoren automatisch öffnen und schließen.

ARCHIV - Blick in das Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) am 21.11.2013 in Schönefeld (Brandenburg). (zu dpa «Türprobleme bringen neue Verzögerungen am Hauptstadtflughafen» vom 17.01.2017) Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Automatische Türen des Flughafens Berlin Brandenburg:
Es wird Monate dauern, um die defekten Türen des Flughafens in Gang zu bringen.
(Foto: Patrick Pleul/dpa) 
 
 

Das Problem ist nach Medien­berich­ten aber schon seit 2012 bekannt.
Fünf Jahre lang hat man die fehler­hafte Verkabelung und Steuerung nicht in den Griff bekommen. Inzwischen sind neue Kabel gelegt. Aber die Neu­ein­stel­lung der Elektronik dauert noch mehrere Monate, da jede der 1.200 Türen einzeln geprüft und justiert werden muss. 

Bosch: Zu viele Änderungswünsche des Flughafens

Die Flughafengesellschaft hat den Lieferanten der Türen und Technik mit Schaden­ersatz­klagen gedroht. Eine der betroffenen Firmen, der Bosch-Konzern, weist jede Verantwortung zurück. Der BER habe ständig Änderungswünsche geäußert, so Bosch. „Allein im Dezember wurden uns 40 Änderungswünsche übermittelt. Und bis heute liegt uns vom Bauherren keine finale Ausführungsplanung vor“, sagte Bosch-Sprecher Christian Hoenicke der Berliner Zeitung. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hatte in einer Pressekonferenz öffentlich Bosch als eines der für die Türprobleme ver­ant­wort­lichen Unternehmen genannt.

Schon vor einem Jahr hatte Mühlenberg Bosch und Siemens mangelndes Teamwork vorgeworfen.

Das Problem ist, dass es immer wieder neue Vorgaben des Bauherrn gibt“, so der Bosch-Sprecher. Änderungen hätten aufwendige Abstimmungen mit anderen Firmen zur Folge. „Außerdem kann man nur das ausführen, wofür man finale Vorgaben hat“, so Hoenicke in der Berliner Zeitung. Daran fehle es jedoch. 

Politik wusste nichts von den massiven Problemen

Und wieder einmal war die Politik ahnungslos. Der Aufsichtsrat des Berliner Flughafens erfuhr erst im Dezember von den wahren Dimensionen der Probleme mit den Türen und der notwendigen Verschiebung des Eröffnungstermins.

Die Türen sind der Grund, warum Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller den noch für 2017 geplanten oder zumindest erhofften Eröffnungstermin ab­gesagt hat. Einen neuen Termin gibt es nicht. Und ob es 2018 klappt, das traut sich niemand zu sagen. SPD-Fraktionsvize Jörg Stroedter scheint schon mit 2019 zu rechnen:
„Selbst der Herbst 2018 ist schwer einzuhalten“, sagte er der Berliner Morgenpost. 2019 — das wäre sieben Jahre nach dem eigentlich geplanten Eröffnungstermin.

Hell erleuchtet ist am 28.01.2017 in Schönefeld (Brandenburg) der im Bau befindliche Großstadtflughafen BER. Am 7. Februar tritt der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH zu einer Sondersitzung zusammen. (zu dpa vom 05.02.2017) Foto: Paul Zinken/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Hell erleuchteter Flughafen Berlin Brandenburg: Zu kleine Wasserleitungen
und defekte Türen verzögern die Eröffnung um mindestens ein Jahr.
(
Foto: Paul Zinken/dpa)

Die unendliche Geschichte des Flughafens hatte schon eine Menge spektakuläre Zwischenfälle. So drohte 2015 Einsturzgefahr, sogar über einen Abriss und Neubau wurde schon diskutiert.

 

+ + + +

Noch ein bißchen mehr vom real existierenden Irrsinn:

2012…

2013…

2015…

 

2016…

 

Die Kosten (u. a.) bis 2016:

Eine Chronik der Verzögerungen (bis 10/2016):

 

Die Berliner haben ja sogar noch einen zweiten Knüller:

 

So „witzig“ die einzelnen Videos auch gemacht sind…

In der Gesamtschau muß man sich schon fragen:

Sind denn da oben NUR noch Geisteskranke am Werk???

 

Wenn’s um Projekte im Dritten Reich geht, ist ja in der veröffentlichten Meinung im allgemeinen von Hitlers „Größenwahn“ o. ä. die Rede… — aber deren Projekte (denkt euch die unerträglichen „Erklärungen“ der Klugscheißer weg) hatten Hand & Fuß! Und wurden FERTIG (solange man sie in Ruhe ließ)!

Was haben sie damals nicht alles geschafft! In kürzester Zeit! Allein, wenn ich an die Olympiade 1936 denke: das Stadion, das Dorf … alles in 3 Jahren! Oder die Reichs­autobahn 1937 … um nur zwei von unzähligen weiteren Projekten zu nennen.

So ein Pfusch wäre damals undenkbar gewesen!

Wenn DAS  „Größenwahn“ gewesen sein soll…?!?

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