In einer Stadt wie überall auf der Welt begab es sich, dass sich ein alter Mann während der Adventszeit auf die Suche nach dem Adventszauber machte. Der alte Mann trug noch den Adventstraum seiner Kinderzeit in sich und glaubte, diesen verloren zu haben; so wollte er sich seinen Adventstraum wieder in Erinnerung rufen. Doch wohin der alte Mann in der Stadt auch kam: Sämtliche Straßen waren hell erstrahlt, grelle, gefüllte Schaufenster leuchteten mit den Marktbuden und dem ganzen glitzernden Tand um die Wette und aus den Kaufhäusern erklang weihnachtliche Musik, die jedoch niemand beachtete.
Die mit vollen Taschen beladenen Leute drängelten den Alten hektisch durch die Ein­kaufs­straßen und schoben ihn durch die überfüllten Budengassen, vorbei auch an Gasthäusern und Stehplätzen, in denen die Menschen sich eine kurze Verschnaufpause erhofften und vorbei auch an offenen Kirchentüren, die zu kurzer Besinnung einluden. Der Alte schüttelte verwundert den Kopf. Was war das für eine Adventszeit, in der die Menschen trotz des weihnachtlichen Anscheins nicht mehr zur Ruhe kommen konnten?

Deutsche_Weihnacht_1933Dabei dachte er an seine eigene Kinderzeit zurück.
Seine Eltern waren nicht reich gewesen, jede Münze wurde vor dem Ausgeben noch drei Mal umgedreht. Doch was herrschte bei den adventlichen Spazier­gängen der Familie immer für eine stille und heim­liche Vorfreude.

Und erst zu Beginn der Adventszeit roch es im Haus nach frisch­ge­backe­nen Plätzchen; der Nikolaus aber brachte Äpfel, Nüsse und einige langersehnte Leb­kuchen. Die Mutter aber versteckte die übrigen Plätz­chen und gab sie erst am Heiligen Abend zu den wenigen Geschenken, die unter einem kerzen­erhellten Christ­baum lagen, preis.
Das Evangelium von der Geburt Christi wurde noch vor dem Christbaum gelesen und anschließend sang die Familie, sich an den Händen haltend, das Lied der stillen Nacht. Und sie waren damals zu­frie­den, denn es herrschte Liebe und Eintracht in der Familie, trotz des Wenigen, was man besaß.

Heute aber schien es ihm, dass im Zeichen des Überflusses die ersten Nikoläuse, Weih­nachts­männer und Lebkuchen schon Mitte des Monats Oktober in die Regale der Kauf­häuser gestellt wurden; im Fernsehen wurde die Werbung schon ab Anfang November nicht mehr müde, den Menschen Dinge anzupreisen, derer sie gar nicht bedurften. Und am Weihnachtsabend, gleich nach der Bescherung, flohen nicht wenige Kinder aus dem Haus, um mit Freunden die so genannten x-mas-Weihnachtpartys zu feiern.

Vor lauter Nachdenken bemerkte der Alte gar nicht, dass man ihn einfach weiter­ge­scho­ben hatte. Er fand sich unversehens in einer ihm aus seiner Kinderzeit bekannten Gasse wieder, die abseits der lärmenden Zone ein stilles Dasein führte. Wie wohl ihm diese Ruhe tat; kein Lärm, keine Hektik, kein Gedränge — nur Beschaulichkeit. Die Gasse wurde von kleinen Lichtern erleuchtet, die aus den Fenstern der Häuser grüßten. Familien mit Kindern verweilten auf der Gasse; die Kinder hüpften froh und heiter um­her. Dabei geschah es, dass ein kleines Mädchen aus Versehen an ihn stieß und ihn mit leuchtend großen Augen und einer vor Kälte roten Nasenspitze erschreckt ansah.

Er lächelte und beugte sich zu dem Kind nieder: „Ich habe Dich wohl übersehen, kleine Prinzessin?“ Das Mädchen lächelte schüchtern zurück und ließ mit einer Antwort nicht auf sich warten: „Ich bin keine Prinzessin und ich war schuld. Ich habe getanzt, weil ich mich auf das Christkind freue, das bald kommen wird.“

„Was denn, Du freust Dich noch auf das Christkind?“ fragte der Alte erstaunt. „Und was wünscht Du Dir denn von ihm?“
Worauf das Mädchen antwortete: „Ich wünsche mir eine kleine Puppe oder ein Stofftier zum Spielen. Ich weiß aber nicht, ob das Christkind meinen Wunsch erfüllen wird. Papa sagt, dass das Christkind den Weg in unser Haus nicht finden kann, wir sind nämlich eine ganz große Familie.“ Das kleine Mädchen hielt dabei die Hände hoch und bewegte alle zehn Finger: „Ich habe noch sooo viele Geschwister. Und alle wünschen sich etwas vom Christkind!“

Der Alte lächelte das Mädchen an und erwiderte: „Ich bin mir ganz sicher, dass das Christkind auch Euch besuchen und den einen oder anderen Wunsch erfüllen wird!“ Da sprang das kleine Mädchen freude­strahlend davon. Die Augen des Alten aber begannen zu leuchten, denn er fühlte, dass er seinen verloren geglaubten Adventszauber wieder gefunden hatte. So beschloss er frohen Herzens, am nächsten Tag als Helfer des Christ­kinds in diese Gasse und zum Haus des Mädchens zurückzukehren.

Autor: Josef Albert Stöckl, Kirchdorf bei Haag/Oberbayern

Kerzenhalter

Dieses Jahr machen wir’s einmal anders!

Einfach so wie früher auch.

Wir machen unsere Weihnachtseinkäufe im Ort.

Somit haben wir es in der Hand,
ob in Zukunft unsere Ortskerne, unsere Stadtzentren
individuell bleiben oder der globalen Uniformiertheit weichen.

Wir kaufen in den heimischen kleinen Läden,
fragen dort auch nach möglichst heimischen Produkten
und stärken somit auch die Gewerbetreibenden im Land.

Und nebenbei zeigen wir so, dass wir keinen Billigschund
aus Entwicklungsländern mögen, der unter fragwürdigen Umständen
produziert wird, oft giftig ist und weither kommt.

Wir kaufen und verschenken, was aus unserer Umgebung kommt,
haben Freude am persönlichen Gespräch, das mehr Stimmung macht
als die Berieselung mit Weihnachtsmusik im Mega-Einkaufszentrum.

So wird der Advent wieder, wie er es früher war:

Beschaulich und voller Vorfreude auf ein Fest,
das kein Kommerzspektakel war.
Keine zweistelligen Zuwachsraten für die Großkonzerne,
sondern Umsatzplus für den Kleinhandel.

Und für uns: Einfach Advent-Genuss.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

TextQuelle (ed.): Der verlorene Adventszauber – netzfrauen– netzfrauen