Völkischer Beobachter, 31. März 1921

Dr. Gerlich, erst Mitglied der Vaterlandspartei, dann Demokrat, war einer der berüchtigtsten Vorkämpfer des Judentums. Er trieb es so schlimm, daß er schließlich den Eindruck erweckte, selbst Jude zu sein oder zum mindesten außerordentlich starke Bindungen zum Judentum zu haben. Darauf griff Dietrich Eckart Gerlich an. Mit dem daraus entstehenden Prozeß beschäftigte sich Alfred Rosenberg in seinem Aufsatz im „Völkischen Beobachter“ vom 31. März 1921. Späterhin trat Gerlich zum Katholizismus über und betätigte sich noch in der Zeitschrift „Der gerade Weg“ als einer der übelsten Vertreter der schwarzen Reaktion in Bayern, bis ihm das neue Reich das Handwerk legte.

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Von Alfred Rosenberg

Am 22. und 23. März spielte sich in zweiter Instanz der Prozeß Dr. Gerlich gegen Diet­rich Eckart ab. Eckart hatte in Gerlichs politischer Arbeit ein Wirken gesehen, das jüdischen Belangen Vorschub leiste. Er hatte ihn einen „Judentzer“ genannt und hinter seinen Namen geschrieben: (Gerson Ehrlich?). Darauf folgte ein Beleidigungsprozeß, in dem Dietrich Eckart wegen „übler Nachrede“ zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Beide Parteien hatten Berufung eingelegt.

Da in den Tageszeitungen – namentlich in der „Münchener Post“ und den „Münchener Neue­sten Nach­richten“ – sich einige merwürdige Zurechtstutzungen über den Verlauf der Verhandlung finden, bezeichnende Dinge aber einfach unter den Tisch geworfen worden sind, so sei hier einiges zur Zeichnung des Dr. Gerlich nachgetragen:

Eckart schilderte den Gang der Juden zur heutigen Geld- und Weltherrschaft, er wies auf die warnenden Stimmen vieler Geschichtsschreiber hin, führte die Großen aller Völ­ker an, die alle ausgesprochene Judengegner waren. Er schilderte anhand von Belegen die mit Absicht ins deutsche Volkstum hineingetragene Unsittlichkeit der fast ganz in jüdischen Händen befindlichen Theater, Kinos usw. Im politischen Leben habe der jüdische Bolschewismus auch dem Blödesten die Augen öffnen müssen. Wenn nun aber gar Männer im öffentlichen Leben ständen und Führerstellungen einnähmen, so sei es deren Pflicht, das deutsche Volk vor dem Judentum zu warnen, die Tatsachen zu nennen und zu kennzeichnen. Wer dies nicht tue, sei eben ein Judenpatron, ein Judentzer. Dr. Gerlich habe nach der Räterepublik auch die hauptsächliche Leitung des „Feuerjo“ in Händen gehabt und es dabei fertiggebracht, unter der Rubrik „Worte unserer Großen“ Gustav Landauer anzuführen. (Ich bemerke hierzu, daß der Jude Martin Buber auf dem Zionistenkongreß zu Prag 1920 sagte, der arme Landauer sei „inmitten eines feindlichen Volkes“ gezwungen worden, eine führende Stellung anzunehmen!) Dieses und verschiedenes andere habe ihn veranlaßt, Gerlich als Judentzer zu be­zeich­nen.

Dem Gericht lag ein Artikel Dr. Gerlichs aus den „Münchener Neuesten Nachrichten“ vor, in dem die Juden und die heutigen Deutschen als gleiche Charaktere bezeichnet wer­den. Eckart nannte dies eine Beleidigung des deutschen Volkes. Das Gericht nahm auf den Aufsatz keine Rücksicht, weil er nach Dietrich Eckarts Angriff geschrieben worden war.

Ich mußte als Zeuge auf eine merkwürdige Geistesanlage Dr. Gerlichs hinweisen: Der Mann, der den Marxismus und den Bolschewismus als kulturvernichtend schildert, der in ihm eine Entfesselung aller Gier sieht, benannte denselben Vortrag, in dem er das ausführte: „Der Marxismus als religiöse Bewegung!“ — Jedes Kind weiß heute, daß Trotzki einen jener fürchterlichsten Menschenhenker darstellt, wie die Geschichte sie nur selten aufweist; auch Dr. Gerlich schildert die Bolschewistenhäupter so. Und trotz­dem nannte er Trotzkis Lehre eine „mystisch begeisterte Predigt“. Ich habe mit dieser Aussage nicht behauptet, wie Dr. Gerlich mir die Worte herumdrehte, er treibe kom­mu­­nisti­sche Propa­ganda, sondern nur auf ein psychologisches Moment aufmerksam ge­macht und auf die merkwürdigen Gehirnwindungen des Leiters der „Münchener Neuesten Nachrichten“, die auch von Schwarz gelegentlich sagen, daß es doch Weiß sei. Es liegt hier eine Zwiespältigkeit vor, wie man sie auch bei vielen „guten Juden“ findet: „gutbürgerlich“ sonst, aber innerlich doch voll geheimer Anbetung vor dem Heiligen Marx und seinen gläubig begeisterten Nachfolgern.

Die Tatsache der jüdischen Bankherrschaft gibt Dr. Gerlich – wohl ungewollt – dadurch zu, daß er (laut Protokoll der ersten Verhandlung) „gegen den Antisemitismus aus welt­politischen Gründen“  sei, da Deutschland auswärtige Unterstützung, Anleihen usw. brauche. Folgerichtig dürfte Dr. Gerlich kein böses Wort gegen Franzosen, Engländer und Amerikaner sagen, die man doch in Anspruch nehmen muß, will man wirklich sein Heil in auswärtiger Hilfe sehen. Aber gegen diese Völker bläst man die nationale Tuba bis zum Bersten — nur für die Juden muß man „weltpolitische Gründe“ ins Feld führen. Oder geht Dr. Gerlich gar so weit, die Juden überhaupt als die einzige Macht der Welt zu betrachten, gegen die Franzosen usw. gar nicht in Betracht kämen?

Die deutschvölkischen Grundsätze hören – nach Dr. Gerlich – da auf, wo die Tantiemen beginnen. Eckart z. B. habe große Einnahmen durch seine „Peer-Gynt“-Nachdichtung. Hier ist zu sagen, daß das Berliner Schauspielhaus und andere Stadttheater Bil­dungs­stät­ten für das ganze deutsche Volk sind — und wenn ein Jude in ihnen sitzt, dies eben zu Unrecht geschieht. Außerdem zahlen noch die vielen Theaterbesucher, und nicht dieser oder jener jüdische Direktor. Darum: nicht Zurückziehung deutscher Werke, son­dern Hinauswurf jüdischer Leiter.

Dr. Gerlich gab den Deutschen Schuld an den heutigen Zuständen. Gut. Dann müßte er aber mit allen Kräften mithelfen, diese Fehler gutzumachen. D. h. er müßte kämpfen, damit nicht wieder – wie in Berlin – zum ersten Weihnachtsfeiertag 1919 die „Tribüne“ diesen Tag mit nackten Weibern auf der Bühne feiert und der Jude Altmann vom „Berliner Schauspielhaus“ die „Hose“ des Juden Sternheim auf die Bühne bringt, wo u. a. die Worte: „Heute noch sollst Du mit mir im Paradiese sein“  aufs Schlafzimmer ge­münzt werden. Oder daß auf allen in jüdischen Händen befindlichen Theatern der Reichs­hauptstadt in der Winterspielzeit 1918/19 Goethe einmal mit „Clavigo“, Schiller einmal mit „Maria Stuart“ zu Worte kamen, sonst nur Ausländer und Juden. Genau so war es 1919/20 — und so ist es auch jetzt noch. Auch hier steht der Kämpfer fürs Deutsch­­tum auf Seite der Juden. Er unterscheidet „scharf zwischen Juden und Juden“.

Es ist unsagbar niederschmetternd, mitten im Deutschen Reiche gegen Leute kämp­fen zu müssen, deren geistige und seelische Einstellung sie bei jedem Konflikt sich ins Lager der Hebräer stellen läßt.

Auch Dr. Gerlichs Verteidiger gehört hierher. Er sprach in seiner nichtssagenden Ver­teidigung einige Worte, die Dr. Kemmerich in seine „Kultur-Kuriosa“ aufnehmen müßte: Der Staat Friedrichs des Großen hätte über den Staat Maria Theresias gesiegt, weil der preußische König viele jüdische Geschäftsleute um sich gehabt habe! — Und dann bemitleidete er Magnus Hirschfeld, den „böse Antisemiten“ verprügelt hätten! Also: wenn einer der gefährlichsten Schmierfinken öffentlich „sexuale Vorträge“ hält, keine Regie­rung dies untersagt, und wenn sich ein paar Leute finden, die diesen Schmutz nicht mehr dulden, da stellt sich ein deutscher Akademiker auf die Seite des alten Pädera­sten. Und da wundert man sich, daß wir so weit gekommen sind!

Diese Judenpatrone können nicht scharf genug gebrandmarkt werden. Der Prozeß Gerlich-Eckart  hat diese Notwendigkeit nochmals gezeigt. Ein unbeugsames klares Deutschtum brauchen wir heute, damit die Erschütterungen unseres heutigen Daseins zum Stahlbad der Erneuerung werden — und nicht zum Sumpfe, der schließlich alles Aufrechte erstickt und verschlingt.

Für den Ausdruck „Judentzer“ billigte das Gericht Dr. Gerlich keinen gesetzlichen Schutz zu, nahm aber an, daß damit eine herabsetzende Absicht verbunden war und erkannte für Dietrich Eckart das alte Strafmaß von 100 Mark. Mit der „empfindlichen Strafe“, der „exemplarischen Bestrafung“, die Gerlich forderte, ist es also nichts geworden. Selbst die Formhaftigkeit unseres Gerichtes konnte hier nicht mehr mit.

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Text-Quelle

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