Rohrbombe vor Haus mit syrischen Bewohnern in Eisenach gezündet

LPD Thüringen / 13.03.16 / TA

Eisenach. Unbekannte haben vergangene Woche vor einem Wohnhaus in Eisenach eine selbst gebaute Rohrbombe gezündet. Die Polizei wurde erst jetzt über diesen Vorfall informiert.

Unbekannte zündeten vor einem Wohnhaus in Eisenach eine selbst gebaute Rohrbombe. Foto: Tino ZippelUnbekannte zündeten vor einem Wohnhaus in Eisenach eine selbst gebaute Rohrbombe.
Foto: Tino Zippel

Eisenach. Vor einem Haus in Eisenach, in dem syrische Flüchtlinge wohnen, haben Unbekannte eine Rohrbombe gezündet. Der Vorfall ereignete sich bereits in der Nacht vom 3. auf den 4. März, ist der Polizei aber erst jetzt angezeigt worden.

Verletzt wurde niemand. Das Gebäude blieb unbeschädigt. Anzeige soll der Betreiber der Unterkunft erstattet haben. Die Rohrbombe ist nach Angaben der Polizei 40 mal acht Zentimeter groß. Auf dem Sprengsatz war ein Hakenkreuz aufgebracht. Die Kri­minalpolizei Gotha hat die Ermittlungen aufgenommen. Geprüft werde ein fremden­feindlicher Hintergrund.

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Eisenach: Rohrbombe war mit Hakenkreuz gekennzeichnet

Birgit Schellbach / 13.03.16 / TA

Explosion vor Haus mit syrischen Flüchtlingen hat sich vor mehr als einer Woche ereignet, ist aber jetzt erst angezeigt worden.

Vor einem Haus in der Planstraße, unweit der früheren FER-Fabrik, ist ein Sprengsatz gezündet worden. Foto: Birgit SchellbachVor einem Haus in der Planstraße, unweit der früheren FER-Fabrik, ist ein Sprengsatz gezündet worden.
Foto: Birgit Schellbach

Eisenach. Vor einem Haus in der Planstraße in Eisenach, in dem syrische Flüchtlinge wohnen, haben Unbekannte eine selbst gebaute Rohrbombe gezündet. Das teilte die Polizei am Sonntag mit. Der Vorfall hat sich bereits in der Nacht vom 3. auf den 4. März ereignet, ist aber erst jetzt angezeigt worden. Danach wurde der Brandsatz gegen 2 Uhr gezündet.

Niemand wurde verletzt. Das Gebäude blieb unbeschädigt. Im Zuge der Anzeige sind die Überreste der Rohrbombe übergeben worden. Der Sprengsatz misst nach Angaben der Polizei 40 mal acht Zentimeter. Auf einem Rohrstück ist ein Hakenkreuz ange­bracht. Die Kriminalpolizei Gotha hat die Ermittlungen aufgenommen. „Wir stehen am Anfang“, hieß es auf Nachfrage unserer Zeitung. Geprüft wird ein fremdenfeindlicher Hintergrund.

Oberbürgermeisterin äußert große Besorgnis

„Sollten sich die jetzigen Informationen bestätigen, ist es fürchterlich, dass die Saat der geistigen Brandstifter von rechts auf solche Art und Weise aufgeht“, sagte Ober­bürgermeisterin Katja Wolf (Linke) am Sonntag gegenüber unserer Zeitung. Es dürfe nicht angehen, dass Menschen, die gerade Kriegsgebieten entkommen sind, weil sie dort um Leib und Leben fürchten mussten, nun in Eisenach ihre körperliche Un­ver­sehrtheit als bedroht erleben. „Weil einzelnen Verbrechern Menschlichkeit offen­bar gänzlich abhanden gekommen ist“, so die Oberbürgermeisterin. Sie erinnerte an die „großartige Hilfsbereitschaft“, die viele Eisenacher in den vergangenen Monaten bei der Aufnahme und Betreuung der Flüchtlinge gezeigt hätten und immer noch zeigen. Es gelte, laut „Nein“ zu sagen, wenn rechtsextreme Gruppen wie die NPD auch in Eisenach versuchten, gegen Flüchtlinge zu hetzen. „Auf dem Rücken der Flüchtlinge sein politisches Süppchen kochen zu wollen, ist schäbig“, fügte Wolf hinzu. Man werde in der Flüchtlingsfrage „auf dem Eisenacher Weg des menschlichen Umgangs, der vernünftigen Unterbringung und des gegenseitigen Respekts und der Toleranz weiter gehen“. Maike Röder, die Eisenacher Ausländerbeauftragte, weiß aus vielen Gesprächen mit Flüchtlingen: „Sie merken, dass ihr Stand schwieriger wird.“ Zunehmend bekämen sie abfällige Äußerungen zu hören wie etwa: „Was wollt ihr hier?“ Auch Helfer würden angefeindet. Von dem Vorfall mit der Bombe habe sie gehört, ohne aber Genaueres darüber zu wissen. In Eisenach wohnen Flüchtlinge in den ersten Tagen in einer Gemeinschaftsunterkunft, in der es rund um die Uhr einen Wachdienst gibt. Sobald Wohnungen bereitstehen, ziehen sie dorthin um. Erhalten sie einen Aufenthaltsstatus, können sie Wohnungen selbst anmieten. 

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Fotos der Eisenacher Rohrbombe aufgetaucht

Katja Schmidberger / 14.03.2016 – 18:50 Uhr / TA

Die Syrer entdeckten den Gegenstand auf dem Hof des Hauses in der Planstraße. Eine Explosion haben sie nicht wahrgenommen, schilderten sie unserer Zeitung. Neben der Aufschrift ist ein großes Hakenkreuz auf dem Sprengkörper. Foto: privatDie Syrer entdeckten den Gegenstand auf dem Hof des Hauses in der Planstraße. Eine Explosion haben sie nicht wahrgenommen, schilderten sie unserer Zeitung. Neben der Aufschrift ist ein großes Hakenkreuz auf dem Sprengkörper.
Foto: privat

Eisenach. Das Landeskriminalamt Thüringen hat im Fall des gefundenen selbst gebauten Sprengsatzes vor einem privaten Mehrfamilienwohnhaus in der Planstraße am Sonntag die Ermittlungen übernommen. Das teilte die Sprecherin des Landes­kri­minal­amtes, Tina Büchner, am Montag mit. Ermittelt werde wegen des Herbei­führens einer Sprengstoffexplosion.

Die Ermittler sprechen bei dem sichergestellten Gegenstand inzwischen von einer unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung. Diese werde jetzt kriminaltechnisch untersucht, sagte Büchner. Wie gefährlich der Sprengkörper tatsächlich war, könnten erst die Ergebnisse der Untersuchungen belegen. Zu verwendeten Materialien gab es keine Angabe mit Verweis auf das laufende Verfahren. Auf dem Gegenstand befand sich ein Hakenkreuz und ein grüner Schriftzug „Verückter Mongo“. Auch hierzu halten sich die Ermittler bedeckt. Das Landeskriminalamt prüft in Zusammenarbeit mit den zuständigen Dienststellen auch, ob, in welchem Umfang und mit welcher Dimension am 4. März schon eine Meldung an die Polizei erfolgt sein könnte. Offiziell, so hieß es in der Erstmeldung, habe die Polizei erst am 12. März von dem brisanten Fund erfahren. Zwei Syrer hatten den Gegenstand auf dem Hof gefunden. Laut ihrer Aussagen wurden sie aber nicht durch eine Explosion darauf aufmerksam. Einer der Syrer hat seine Aussage mittlerweile bei der Polizei zu Protokoll gegeben. Zu Wort gemeldet hat sich am Montag das Bündnis gegen Rechtsextremismus. „Mit dieser Straftat wurde die rote Linie von rechtem Populismus zu rechtem Terrorismus überschritten“, heißt es in einer Erklärung. „Hinter dieser rassistischen Tat stecken Menschenverachtung und Frem­den­feindlichkeit.“ Damit solle eine Atmosphäre der Angst geschürt werden, für die Geflüchteten und die vielen helfenden Eisenacher. Man verurteile die Tat auf das Schärfste und fordere zugleich alle Eisenacher auf, zu zeigen, dass „Menschlichkeit und Achtung vor dem anderen in Eisenach fester Bestandteil der Gesellschaft der Bürger sind“.

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Vermeintlicher Sprengsatz in Eisenach entpuppt sich als Wasserpfeife

Katja Schmidberger / 17.03.16 / TA

Bei der kriminaltechnischen Analyse seien nur Rückstände von Cannabis und Tabak gefunden worden, so LKA-Sprecher Ringo Mühlmann. Das habe die Untersuchung zweifelsfrei ergeben.

Der Gegenstand war bereits am 4. März vor einem Wohnhaus in der Eisenacher Plan­straße gefunden worden, in dem Privathaus leben mehrere Flüchtlinge. Anfangs hatten LKA und Staatsschutz wegen des Verdachts der Herbeiführung einer Spreng­stoffexplosion ermittelt. Derzeit konzentrieren sich die Ermittlungen nur noch auf das Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Auf dem Gegen­stand, der anfangs für eine Rohrbombe gehalten wurde, befanden sich ein Hakenkreuz und der Spruch „Verrückter Mongo“

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lachen, totlachen

…kurz gesagt: Bong statt Peng!

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