von Martin LichtmeszSezession im Netz

Erst jetzt habe ich auf Youtube ein lustiges Video vom Mai dieses Jahres entdeckt, in dem man sehen kann, daß auch Gregor Gysi der in diesem Blog vertretenen These vom „großen Austausch“ zustimmt, mit dem kleinen Unterschied, daß ihm die damit ver­bundenen Zukunftsaussichten offenbar mächtig gute Laune machen.


(Version: „Gegenaufruf“)
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Gysi gibt darin anläßlich einer bevorstehenden Demo „gegen Nazis“ (die in Neuruppin am 6.6. stattfand) mit einer verblüffenden Offenheit zu, daß das deutsche Volk sozu­sagen die moralische Pflicht habe, vom Erdboden zu verschwinden. Dabei zieht er alle üblichen demagogischen Register, so daß seine kleine Ansprache fast schon wie ein Parodie wirkt.

Hier aus Dokumentationsgründen der Text, versehen mit Kommentaren von meiner Wenig­keit:

quod-klein  Meine Damen und Herren, ich rufe Sie auf, an der Demonstration „Schöner leben ohne Nazis – Vielfalt ist unsere Zukunft“ am 6. Juni in Neuruppin teil­zu­nehmen.

Gleich zu Beginn der Klassiker mit der Scheinalternative: hier braunböse „Nazis“, dort spaßig­gutbunte „Vielfalt“, „Cake or Death“ und nix dazwischen. Dazu bemerkte Manfred Kleine-Hartlage in seinem Buch „Die Sprache der BRD“:

„Mit dem Wort »Vielfalt« – das mit ähnlich naiver Selbstverständlichkeit positiv verwendet wird wie das Wort »bunt«, ist in aller Regel die ethnische Vielfalt gemeint, das heißt die Umwandlung aller westlichen Länder in multiethnische Gesellschaften.“

Die Konflikte, die ein derartiges Unterfangen hervorruft, müssen schon im Vorfeld durch laufende Repressionen gedeckelt werden. Kleine-Hartlage weiter:

„Und so ist es nur folgerichtig, daß die erste Form von Vielfalt, die den selbst­pro­du­­zierten Sachzwängen einer multiethnischen Gesellschaft zum Opfer fällt, die Vielfalt der Meinungen ist. Was von früherer Liberalität geblieben ist, ist ein enger Meinungs­korridor, gesäumt von einfältigen, stereotypen Phrasen und bewacht von einer ganzen Armee offizieller und inoffizieller Meinungszensoren, die mit leiden­schaft­lichem Denunzianten­ehrgeiz darüber wachen, daß Vielfalt und Toleranz hinreichend gepriesen werden.“

Auch das bestätigt Gysi, der zur härtestmöglichen Keule greift, indem er alle jene, die diese „Vielfalt“ ablehnen oder kritisieren, kurzerhand zu „Nazis“ erklärt. „Vielfalt“ plus „Nazis“ — das hat in Deutschland so etwas wie die Funktion einer hypnotischen Signal­wortkombination, die blitzartig das Denken ausknipst.

Als nächstes befleißigt sich Gysi eines moralisch belehrenden, dabei gleichzeitig ran­schmeißerischen, gutmenschlich gepuderten Tonfalls, in dem unterschwellig eine Drohung an alle mitklingt, die sich seiner Moralpredigt verweigern:

quod-klein Wir müssen uns gegen die Nazis stellen. Schon aufgrund unserer Geschichte zwischen 1933 und 1945 sind wir verpflichtet, Flüchtlinge anständig zu behandeln. Außerdem muß deren Leben gerettet werden im Mittelmeer.

„Flüchtlinge anständig behandeln“ ist schon mal eine Gummiphrase, die vieles bedeuten und vieles verschleiern kann. Vor allem mischt Gysi hier routiniert eine standardisierte moralische Erpressung mit dem „Angebot“ eines „Wir“-Gefühls, das sich in dieser Form logischerweise nur an Abstammungsdeutsche richten kann. Da ist Gysi schon mal doppelt aus dem Schneider, da beide Eltern jüdischer Abstammung und zudem stramme Kommunisten waren. Zählt er sich selbst also wirklich zu diesem „Wir“, das er hier zu manipulieren versucht?

Daß er selbst wie andere bundesdeutsche Nationalmasochisten ein besonders schlech­tes Gewissen hat, was „unsere Geschichte zwischen 1933 und 1945″ betrifft, glaube ich jedenfalls kaum, zumal ihm offenbar auch seine bis heute weitgehend unter den Tisch gekehrte Rolle im Stasi-Apparat keine gröberen Gewissensbisse bereitet. Hier gibt es mit Sicherheit noch eine Menge peinliche Dinge, die der Aufdeckung harren.

Zweitens vermischt Gysi hier im Handumdrehen das „Vielfalts“-Mem mit dem aktuellen Flüchtlingsproblem, was sich keineswegs von selbst versteht. Gysi geht offenbar von vornherein davon aus, daß die „Flüchtlinge“ bleiben werden, „Vielfalt“ mit sich bringen, und daß die Deutschen moralisch verpflichtet seien, ihnen die Schleusen zu öffnen, wollen sie nicht auf einer Stufe mit „Naziverbrechern“ stehen.

quod-klein  Und es muß einen legalen Weg geben, um in Europa Asyl zu beantragen. Auch Länder wie Polen – sehr katholisch übrigens – müssen bereit sein, Flüchtlinge auf­zunehmen.

Witzig der Einschub „sehr katholisch übrigens“. Auch hier eine mikroaggressive mora­lische Erpressung: Gysi impliziert subtil, daß der katholische Glaube doch dazu verpflichte, der Politik der offenen Schleusen zuzustimmen, womit er natürlich auch die deutschen Katholiken und Christen beeinflussen will. Nun, die Polen werden ihm etwas husten.

Nun kommt der Moment, wo Gysi die Betroffenheitsfalten auf seiner Stirn glättet und richtig heiter wird, schmunzelnd mit den Augen rollt, als wäre ihm etwas besonders Witziges und Schlaues eingefallen:

quod-klein  Und dann gibt’s ja noch was. Jedes Jahr sterben mehr Deutsche als geboren werden (Gysi schupft keß die Augenbrauen), das liegt zum Glück daran, daß die Nazis sich auch nicht besonders vervielfältigen.

Dabei behält Gysi den kumpelhaft-verschwörerischen, augenzwinkernden Tonfall und Gestus bei. Rein logisch ist der Satz ein gedanklicher Clusterfuck erster Güte. Aber es ist weniger der Wortlaut als die begleitende Mimik und der Unterton, auf den es hier ankommt: frappierend ist die Wortwahl, die verräterische, fast schon unverhohlene Freude daran, daß „Deutsche sterben“; daß Deutsche „zum Glück“ sterben; daß „zum Glück“ mehr Deutsche sterben, als geboren werden; daß mehr Deutsche sterben, als geboren werden, weil „Nazis“ sich nicht „vervielfältigen“ (schmunzel); daß mehr Deut­sche sterben, als geboren werden, weil „Nazis“ sich „auch“ nicht „besonders ver­viel­fältigen“ (doppelschmunzel), usw.

Spätestens an dieser Stelle stellt sich die Frage, wen Gysi überhaupt mit „Na­zis“ [meint] — die 0,3 % NPD-Wähler mit ihren eher unpopulären Demos können es wohl nicht sein. Die könnten Kinder werfen wie die Karnickel und an der demo­graphischen Talfahrt würde sich rein gar nichts verändern.

Aber es ist wohl überflüssig, hier nach faktischer Stimmigkeit zu suchen: „Nazis“ ist schlicht und einfach eine Chiffre, bezeichnet den Popanz, der sich der „bunten“ Politik widersetzt, bedeutet die Androhung einer Stigmatisierung, die letztlich für jeden beliebigen Kritiker reserviert ist, der sich nicht wie Gysi darüber freut, daß „mehr Deutsche sterben als geboren“ werden, und der nicht gütig menschelnd lächelt, weil „Vielfalt“ „unsere“ „Zukunft“ ist.

War im letzten Satz noch objektivierend von „Deutschen“ und „Nazis“ die Rede, ist Gysi im nächsten Satz schon wieder bei seinem ominösen „Wir“ angelangt und dem argu­mentativen Kurzschlußklassiker:

quod-klein  Und schon deshalb sind wir auf Zuwanderer aus anderen Ländern angewiesen. Bis zum 6. Juni.

Um dann besonders exquisit zuckerschleimig-vertraulich zu hauchen:

quod-klein  Tschüß.

Klar: die „Deutschen“ sterben aus und die „Nazis“ bekommen nicht genug Kinder. Nicht: „wir“ Deutsche sterben aus, „wir“ bekommen nicht genug Kinder, aber „wir“ sind des­halb auf Zuwanderer aus anderen Ländern angewiesen, die uns die Kinder schon bringen werden. Alles klar? Auch dieser Schlußteil wird vorgetragen im freundlich-behaglichen Sound, als wolle er sagen: „Sie und ich, wir sind nicht nur anständiger und menschlicher, wir sind auch schlauer als die … Nazis!“

Nach Gysis Ansprache eine Grafik: bunte Sommerlandschaft, bunte Wölkchen, auf­gehende Sonne, aufsteigende lustige Luftballone, angedeuteter Sommergrillspaß, Country-Musik, Schnörkelschrift im Coca-Cola-Stil: „Schöner leben ohne Nazis“. Weitere Motti der Demonstration in Neuruppin: „Zukunft statt Überfremdung“, „Neuruppin bleibt bunt“ (was sonst?) mit dem üblichen Klimbimschlumpftralala:

Wir sind weltoffen und gastfreundlich und wir wollen Menschen Schutz geben, die vor Krieg, Not und Verfolgung fliehen mussten. Neuruppin ist bunt und soll es bleiben. Unsere Gesellschaft und besonders unsere Region leben davon, dass Menschen sich willkommen fühlen und bei uns eine neue Heimat finden. (…)
Lassen Sie uns gemeinsam mit demokratischen Mitteln auf vielfältige Weise protestieren. Wer singen und tanzen will, diskutieren, feiern oder beten, wer sich den Neonazis friedlich entgegen stellen will, ist uns willkommen. Vielfalt ist unsere Zukunft – Schöner leben ohne Nazis!

Und gleichzeitig hat Gysi schmunzelnd zugegeben, worum es am Ende wirklich geht: um das Aussterben und den ethnischen Austausch der Deutschen, die diesen Prozeß „wegen ihrer Vergangenheit“ auch noch aktiv voranzutreiben, mindestens aber nicht zu behindern haben.

Da ich nicht Akif Pirinçci bin, halte ich mich an dieser Stelle zurück. Der Ver­trot­te­lungsgrad der deutschen Lämmchen, wie immer vom Appell an die „An­ständig­keit“ verführt, hat ein beängstigendes Ausmaß erreicht. Regressiv und infantil berauschen sie sich an ihrer eigenen Niedlichkeit und merken dabei nicht, daß sie ihr eigenes Schicksal besiegeln. Und die sie zur Schlachtbank führen, wie Gysi, lächeln, säuseln, schleimen und schmunzeln dazu, was das Zeug hält, und wissen dabei offenbar genau, was sie in Wahrheit tun. Wie schon in der DDR ist Gysi weiterhin Protagonist einer zutiefst volksfeindlichen Herrschaftselite. Daß er dabei ein wenig den linken Oppositionellen spielen darf, ist nur eine systemische, wählerstimmenbindende Funktion, nichts weiter.

Übrigens hat nun auch Gysis charmante, blaßhäutige Stasi-Genossin Annette Kahane, Vorsitzende der berüchtigten „antirassistischen“ Antonio-Amadeu-Stiftung, allen Ern­stes beklagt, daß Deutschlands Osten „zu weiß“ sei. Daß dort frecherweise immer noch zu viele Biodeutsche mehrheitlich unter sich seien, sei gar „die größte Bank­rott­erklärung“ der deutschen Politik seit der Wiedervereinigung. Tja. Die Dame hat eben Prioritäten!

Auch hier wird recht deutlich eine ethnische Aggression, ein Ressentiment, sogar Haß sichtbar. Damit bestätigt Kahane den alten, in gefühlten 99% aller Fälle zutreffenden Slogan aus dem anglophonen Raum: „Antiracism is a code-word for anti-White“ — oder wie Kleine-Hartlage in seinem Wörterbuch lakonisch definiert:

Antirassismus ist Rassismus gegen Weiße

In diesem Lichte ist Gysis en passant abgefeuerter Seitenhieb gegen Polen sehr inte­ressant; immerhin sind die osteuropäischen Staaten in Europa generell die letzten weißen Länder, die weitgehend von den Zwangsbeglückungen der „diversity“ verschont geblieben sind. (Wer weiß, ob sie in Zukunft, wenn sich der Kontinent durch den Multikulturalismus immer weiter spaltet, nicht gar zu Rückzugsgebieten einer „white flight“ im großen Stil werden.) Unsere zuständigen „Rasse- und Siedlungsämter“ arbeiten jedenfalls im Namen des „Antirassismus“ fleißig daran, daß auch die Ost­gebiete im Sinne der gängigen Bevölkerungspolitik „bunter“ werden.

By the way, dieses Interview, das Gysi der taz apropos Israel gegeben hat, zeigt recht gut, wie sehr er in „völkischen“ Kategorien denkt:

[Frage:] Hannah Arendt und Martin Buber waren, auch es wenn lange her ist, für die Ein-Staaten-Lösung. Was ist schlimm daran?

[Gysi:] Wenn ein Palästinenser oder Israeli einen binationalen Staat fordert, ist das sein gutes Recht. Es darf auch in Ecuador jeder einen gemeinsamen Staat für Palästinenser und Juden fordern. Aber nicht in Deutschland.

[Frage:] Also gilt hierzulande ein Denkverbot in Bezug auf die Ein-Staaten-Lösung?

[Gysi:] Nein, kein Denkverbot. Aber wer das hierzulande fordert, ist ahistorisch. Die Juden waren 2.000 Jahre lang eine Minderheit in verschiedenen Ländern, die immer wieder verfolgt wurde. Die Nazis haben sechs Millionen Juden industriell vernichtet, um sie auszurotten. Trotzdem leben heute Deutsche in einem Staat, in dem sie die Mehrheit sind. Es geht nicht, dass Deutsche nach dem Holocaust Juden das Recht auf einen jüdischen Staat streitig machen.

Erneut die Gleichsetzung von „Deutschen“ und „Nazis“!

[Frage:] Warum?

[Gysi:] In einem jüdisch-palästinensischen Staat wären die Juden wieder eine Minderheit.

… was ein Deutscher von den Juden nicht verlangen darf – ein Palästinenser laut Gysi immerhin schon. Das leuchtet mir nur halbwegs ein, denn niemand darf von einem Volk, irgendeinem Volk verlangen, daß es freiwillig zur Minderheit in seinem eigenen Land wird.

Umgekehrt jedoch darf, soll, ja muß nach Gysi jeder „anständige“ Mensch den Deut­schen ihren deutschen Staat „streitig machen“ und daran arbeiten, daß sie in ihrem Staat zur Minderheit werden – vor allem, wenn er selbst Deutscher ist. Andernfalls muß er sich den Vorwurf gefallen lassen, „Nazi“ zu sein. Auch hier kann man ablesen, daß Deutsche für Gysi offenbar eine minderwertige, erblich auf ewig schuldbelastete Sorte Mensch sind, für die ganz besondere Regeln gelten. Ist das „Rassismus“? Nein, „Antirassismus“!

anti-racist

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Quelle: Gregor Gysi: Zum Glück sterben die Deutschen aus! | Sezession im Netz

Siehe auch:

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