von Jack Wikoff

Vom Werden einer Propagandazahl

Am 2. Dezember 1979 wurde am Broadway in New York im New Apollo Theater das Stück »Bent« uraufgeführt. In der Hauptrolle spielte Richard Gere.

Richard Gere

Richard Gere spielte 1979 die Hauptrolle in dem Theaterstück Bent, in dem der Mythos von der Vernichtung der Homosexuellen im Dritten Reich höhere Weihen erhielt.

»Bent« erzählt die Geschichte des deutschen Homosexuellen Max, der verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gesperrt wird. Um nicht das Stigma des rosa Dreiecks tragen zu müssen, leugnet Max seine Homosexualität und gibt sich statt dessen als Jude aus (entsprechend der Logik dieses Stückes war der Status der Homosexuellen in den deutschen Konzen­trations­lagern noch niedriger als der der Juden). Max verliebt sich in einen anderen homosexuellen Häftling, und das Stück beschreibt anschließend deren Sorgen und Nöte. Gegen Ende bekennt sich Max wieder zu seiner inversen Sexualität und begeht Selbst­mord, indem er sich in einen Starkstromzaun wirft.

Dieses rührselige Melodrama war ein Anlaß für die weite Ver­breitung der falschen Annahme, die Homosexuellen seien durch das deutschen Nationalsozialistische Regime vernichtet worden. Die mit diesem Stück einhergehende Publizität förderte die Behauptung, daß eine große Zahl Homosexueller ermordet worden sei. Martin Sherman, Homosexueller und jüdischer Autor des Stückes »Bent«, erklärte in einem am 15.11.1979 in The New York Times veröffentlichten Interview:

»Erst, als ich von schwulen Freunden in London hörte, daß mindestens 250.000, wenn nicht sogar 500.000 Homosexuelle in den Lagern gestorben sind, kam es mir in den Sinn, ein derartiges Stück zu schreiben … Das war im August 1977.«

Seit 1973 wird in den Medien die Behauptung einer Vernichtung Homosexueller durch die Nationalsozialisten aufgestellt. Der Erfolg von »Bent« am Broadway sowie die wachsende Akzeptanz gegenüber homosexueller „Befreiung“ sicherten das Fundament dieses Mythos.

Vor dem Jahr 1973 wurden derartige Behauptungen, wenn überhaupt, dann nur selten vernommen. In jenem Jahr gab es eine abrupte Veränderung in der offiziellen Sicht­weise von Sexualität. In jenem Jahr erklärte die American Psychological Asso­ciation, sie würde Homosexualität nicht mehr als Geisteskrankheit einstufen. Im gleichen Jahr legalisierte der Oberste US-Gerichtshof die Abtreibung. Beide Entscheidungen unter­stützten die mächtigen Minderheiten der »gay rights activist« (Schwulen- und Lesben­rechts-Aktivisten) sowie Feministinnen, ihre nunmehr „politisch korrekte“ Auffas­sungen in der Öffentlichkeit durchzusetzen.

Eine chronologische Übersicht der etwas übertriebenen Behauptungen zeigt, wie der mystische Blutzoll der Homosexuellen unter den Nazis in diesen Berichten mehr und mehr anschwoll:

Ein Artikel aus der November-Ausgabe der Zeitschrift Gay Liberator berichtet, die Evangelische Kirche Österreichs habe kürzlich behauptet, im Dritten Reich seien 220.000 Homosexuelle ermordet worden.

1975 erschien bei Arno Press (New York) das Buch The Homosexual Emancipation Movement in Germany von James D. Steakley. Steakley behauptet, die Kampagne der Nationalsozialisten gegen die Homosexuellen habe 200.000 Opfer gefordert. Als Quelle gibt Steakley den oben erwähnten Artikel aus Gay Liberator an.

In einem Leitkommentar in der New York Times, schrieb Ira Glasser, Mitglied in der American Civil Liberties Union, am 10.9.1975:

»Annähernd eine viertel Million Homosexuelle wurden zwischen 1937 und 1945 von den Nazis exekutiert, gleichzeitig mit den sechs Millionen Juden.«

Von besonderer Bedeutung ist das hier zitierte Wort »exekutiert« (im Original: »exe­cuted«). Dies setzt den vorsätzlichen Mord oder die Vernichtung voraus — im Gegensatz zum Tode durch Krankheiten oder Hunger.

In einem 1978 erschienenen Artikel des Titels »Schwulen-Völkermord: von Leviticus bis Hitler« behauptete Louis Crompton, in NS-Deutschland seien zwischen 100.000 und 400.000 Homosexuelle umgekommen.[1]

1979 schließlich meint Martin Sherman, Autor von »Bent«, in den deutschen Lagern seien »mindestens 250.000, wenn nicht sogar 500.000 Homosexuelle« gestorben.[2]

Durch die 1981 erfolgte Veröffentlichung von Frank Rectors Buch The Nazi Exter­mination of Homosexuals,[3]  das sich sehr gut verkaufte, wurde der Mythos erneut massiv gestützt. Rector schreibt darin:

»Es erscheint vernünftig zu folgern, daß mindestens 500.000 Schwule wegen der Anti-Homosexuellen Vorurteile im Holocaust starben. […] Tatsächlich könnten 500.000 Opfer eine zu konservative Zahl sein.«

Es ist bezeichnend, daß Rector die Homosexuellen mit in die Gruppe der „offiziellen Opfer“ jenes amorphen Ereignisses mit einbezog, das gemeinhin als »Holocaust« tituliert wird. Er behauptet sogar, daß Homosexuelle in die Gaskammern geschickt wurden. Unter den in seinem Buch wiedergegebenen Abbildungen befindet sich auch jenes weit verbreitete Foto, das einen US-Soldaten vor einer etwa 10 m³ großen Entlausungskammer im KZ Dachau zeigt (die bisweilen fälschlich als Menschen­gaskammer ausgegeben wird). Rector schreibt dazu:

»Die Endlösung des homosexuellen Problems für jene Homosexuellen, die nicht durch die vielen anderen Methoden vernichtet worden waren, verbirgt sich hinter dieser Türe. Diese Kammer steht in Dachau. Das Schreien, das Weinen, das flüch­tige Schnappen nach Atem, die Agonie, die dieser Raum in seinem luftdichten Schrecken auf abscheuliche Weise erzeugte, war eine Gnade für viele Schwule. Er verkürzte ihr Leiden auf etwa fünfzehn Minuten.«

Ebenfalls im Jahre 1981 erschien in The Nation der Artikel »Some Jews and the Gays« (Einige Juden und die Schwulen) von dem homosexuellen Novellisten Gore Vidal.[4] Darin antwortete Vidal auf ein in Commentary erschienenes Essay der neo-konservativen jüdischen Autorin Midge Decter,[5] in dem Decter den homosexuellen Lebensstil rücksichtslos kritisiert hatte. Vidal erklärte ihr daraufhin:

»Ob Sie es wollen oder nicht: Die Juden und die Homosexuellen befinden sich im gleichen, zerbrechlichen Boot.«

Er fuhr anschließend fort sie zu belehren, daß sich die neo-konservativen Juden in einem zukünftigen »Holocaust« »zusammen mit den Schwarzen und den Schwulen in derselben Gaskammer befinden werden.«  Vidal stützte seine Darstellung der Opferrolle der Homosexuellen ab, indem er sich auf den homosexuellen Schriftstellerkollegen Christopher Isherwood bezog, der ihm einst gesagt hatte, daß »Hitler 600.000 Homo­sexuelle ermordet« habe.

Vidal war derart erzürnt über Decters »Schwulenhatz«, daß er behauptete, ihr Artikel würde sogar die Protokolle der Weisen von Zion in den Schatten stellen. Er versicherte, daß Decter »es geschafft hat, noch einen Schritt weiter zu gehen als die Autoren der Protokolle; sie ist in der Tat eine Virtuosin des Hasses, und so beginnen Pogrome.«

1988 wurde der Mythos international anerkannt. In Le Triangle Rose: La déportation des homosexuels, 1933-1945, meint Jean Boisson, er glaube, die Nationalsozialisten hätten eine Million Homosexuelle getötet, wahrscheinlich alle Reichsbürger.[6]

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Diese Auflistung angeblicher Todeszahlen Homosexueller im Dritten Reich folgt auf­fällig einem Muster:

Erstens scheinen die geschätzten Todeszahlen der Schwulen stetig mit der Zeit gewachsen zu sein. Es scheint, als habe der Mythos in dem Maße ein Eigenleben entwickelt, wie Erzählungen über die NS-Ausrottung der Homosexuellen verbreitet wurden.

Zweitens sind offenbar in den vor 1973 erschienenen Publikationen niemals Be­haup­tungen von Hunderttausenden von Toten aufgetaucht. Zwar berichten einige Bücher aus dieser frühen Zeit über die Verfolgung der Homosexuellen, jedoch enthalten die meisten dem Autor bekannten Berichte keine Vernichtungsvorwürfe.

Es scheint also, daß die Behauptung von der NS-Vernichtung der Homosexuellen erst in den Jahren auftrat, als die Homosexualität selbst vom akade­mischen, wissen­schaft­lichen und journa­listischen Establish­ment in gewissem Maße akzeptiert wurde.

Szene aus »Bent« Drei Bilder aus Szenen des Filmes. Ganz rechts Mick Jagger als »Greta Garbo«.
Szene aus »Bent«

»Bent«. Mick Jagger als »Greta Garbo«

Während der 70er Jahre erwuchs der homosexuellen Gemeinschaft in den USA und im Ausland ein merklicher politischer Einfluß. Dies äußerte sich etwa in der Wahl einiger sich offen zur Homosexualität bekennender Politiker und in der Streichung von Sodomie-Strafgesetzen in vielen Staaten.

Die Erhebung der Homosexuellen in die höchsten Stufen der »politischen Korrektheit« schloß die Umkehrung der früher gültigen moralischen und politischen Werte ab. Was von der Gesellschaft einst verdammt wurde, war nun, wenn zwar nicht eine Tugend, so doch zumindest ein akzeptabler Lebensstil.

Die Anerkennung als offizielle Holocaust-Opfer verlieh den Homosexuellen die Illusion einer moralischen Überlegenheit über das angeblich repressive, patriarchalische, weiße, heterosexuelle Wertesystem, das 2000 Jahre lang die Norm der westlichen Zivilisation war.

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Korrekte Statistiken über verurteilte und inhaftierte Homosexuelle im Dritten Reich

Um die tatsächliche Anzahl der im Dritten Reich inhaftierten und in Konzentrationslager eingewiesenen Homosexuellen zu ermitteln, lohnt sich ein Blick in die offiziellen Akten des Dritten Reiches.

Die folgende Tabelle enthält offizielle Zahlen der unter § 175 StGB (Verbot homo­sexueller Handlungen) zu Gefängnisstrafen verurteilten Personen, entsprechend den Akten der Gestapo:[7]

Jahr          Anzahl

1931             665

1932             801

1933             853

1934             948

1935          2.106

1936          5.320

1937          8.271

1938          8.562

1939          7.614

1940          3.773

1941          3.735

1942          3.963

1943          2.218

1944          2.000 (geschätzt)

Daneben wurde zwischen 1940 und 1943 gegen 4.967 Soldaten der Deutschen Wehr­macht Anklage wegen Vergehen gegen § 175 StGB erhoben.[8]

Diese Zahlen ergeben zusammen 54.330. Von seriösen Forschern auf diesem Gebiet werden Schätzungen zwischen 50.000 und 63.000 Verurteilungen für die Zeit zwischen 1933 und 1944 als wahrscheinlich richtig akzeptiert.[9]

Nur ein geringer Prozentsatz dieser Männer wurde nach Absitzen der Strafe in ein Kon­zen­trations­lager eingewiesen.

Wenn also weniger als 63.000 deutsche Männer je wegen Homosexualität zu Gefängnis verurteilt wurde, sind Angaben über Hunderttausende von Toten in den Konzen­trations­lagern unmögliche, übertriebene Darstellungen.

Erwin J. Haeberle kritisiert in seinem Artikel des Titels »Swastika, Pink Triangle, and Yellow Star: The Destruction of Sexology and the Persecution of Homosexuals in Nazi Germany«[10]  die düsteren und falschen Schreckbilder zu diesem Thema:

»[…] Erst Ende der 60er Jahre reformierten beide Teile Deutschlands ihren alten Sodomie-Paragraphen 175 und entkriminalisierten jeglichen freiwilligen sexuellen Kontakt zwischen Männern.

Wenig später entdeckte die aufkommende „Schwulen-Rechts“-Bewegung insbesondere in den USA die Verfolgung der Homosexuellen durch die Nazis. Wegen unzureichenden Informationen und vollständig fehlenden soliden Untersuchungen waren falsche Vor­stellungen und Übertreibungen weit verbreitet. „Untergrundschriften“ und Schwulen­demos, ja sogar ein Broadway-Theaterstück und die darauf folgenden Kritiken zeichneten ein düsteres und allzu oft ungenaues Geschichtsbild. Es war nur ange­messen, daß schließlich ein Team deutscher Forscher die Bürde auf sich lud, einige grundlegende Tatsachen festzustellen. Rüdiger Lautmann, ein Soziologe der Universität Bremen, untersuchte zusammen mit einigen Mitarbeiten die originalen Unterlagen der Lager und veröffentlichte die Ergebnisse in einer größeren Studie, die sich mit der ganzen Breite gesellschaftlicher Reaktionen auf die Homosexualität beschäftigt.

Die Forschung von Dr. Rüdiger Lautmann ist äußerst wichtig. Sie wurde 1977 in Frankfurt/Main publiziert und erschien in Form eines Artikels in englischer Sprache bereits im Jahre 1975.[11]

Aufgrund seiner Forschungen im Suchzentrum des Internationalen Roten Kreuzes in Arolsen, Hessen, schätzt Prof. Lautmann:

»Insgesamt betrug die Zahl der offiziell wegen Homosexualität eingesperrten Häftlinge in den Konzentrationslagern etwa 10.000 (aber sie könnte genauso gut auch bei nur 5.000 oder auch bei 15.000 liegen)«

Zehntausend in Konzentrationslager überführte homosexuelle Häftlinge sind etwa 18 % der insgesamt 54.330 inhaftierten Männer. Daraus ergibt sich, daß nur ein kleiner Teil der Häftlinge, die vor Gericht wegen ihrer Neigung zu Gefängnisstrafen verurteilt wor­den waren, anschließend in „Schutzhaft“ in ein Konzentrationslager eingewiesen wurden.

Während ihrer Arbeiten in Arolsen fanden Prof. Lautmann und seine Mitarbeiter viele persönliche Daten von 1.572 Häftlingen mit dem berühmten, zur Auszeichnung homo­sexueller Häftlinge verwendeten rosa Dreieck (Häftlingsnummerkarten, Eigen­tums­­listen, Verwaltungsdaten, Arbeitslisten, Krankenlisten, Sterbeurkunden, medizi­nische Unter­suchungsakten usw.). Zur Kontrolle wurden außerdem 751 Akten inhaftierter Zeugen Jehovas und 219 Akten von politischen Häftlingen verwendet.

Diese Daten dienten als Grundlage zur Abschätzung der sozialen Stellung und des Schicksals der ungefähr 10.000 Homosexuellen, die in Konzentrationslager gesandt wurden. Die meisten Homosexuellen waren demnach in folgenden Lagern in Deutsch­land und Österreich inhaftiert: Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Mauthausen, Natz­weiler, Neuengamme, Ravensbrück und Sachsenhausen.

Nach der Ableistung ihrer regulären Haftzeit erfolgte die Einweisung in ein Konzen­trations­lager am häufigsten bei Wiederholungstätern, Transvestiten und männlichen Prostituierten. Nach Lautmanns Studie waren 86 % aller in KZs einsitzenden Homo­sexuellen zuvor schon einmal straffällig geworden.

Weitere 10 % dieser KZ-Insassen waren zuvor wegen Verführung Minderjähriger (14- bis 20-jährig) oder Mündeln verurteilt worden (§ 174 & 176 StGB).

In Vorbereitung der Olympiade von 1936 in Berlin intensivierte die deutsche Polizei ihre Anstrengungen, derartige Personen festzusetzen. Dies wird in dem 250 %igen Zuwachs der Verurteilungszahlen von 1935 auf 1936 deutlich.

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Die Sterberate der Homosexuellen in Konzentrationslagern

Von den 1.572 Rosa-Dreieck-Fällen, die Prof. Lautmann studiert hat, lagen von 1.136 ausreichende Daten vor, um daraus die ungefähre Sterberate homosexueller Häftlinge zu ermitteln. Von Lautmanns Untersuchungsfällen starben 60 % während ihrer Haft im KZ, während es bei politischen Häftlingen 41 % und bei den Zeugen Jehovas 35 % waren. — Es wäre aber unangebracht, diese Todesziffer von 60 % für die ganzen 12 Jahre des Dritten Reiches anzusetzen. Lautmanns Fallstudien scheinen sich nämlich vor allem auf solche zu beziehen, die gegen Ende des Krieges inhaftiert waren, als die Sterberaten wegen ausbrechender Seuchen erschreckende Ausmaße annahmen.[12]

In den Jahren bis 1940 waren die Sterberaten hingegen relativ niedrig. Hingegen zeigen Statistiken, daß die Sterberaten in den Kriegsjahren merklich anstiegen. Zum Beispiel sind in dem Buch Dachau: 1933-45, The Official History[13] die von Monat zu Monat schwankenden Todesraten dokumentiert. In bestimmten Jahren, darunter besonders 1941-42 und 1944-1945, waren die Sterberaten am höchsten, insbesondere am Ende des Krieges, als die Infrastruktur völlig zusammenbrach. So starben z. B. im Februar 1940 nur 17 Personen, im März 1945 allerdings 3.977.

Daher wird die durchschnittliche Todesrate für Homosexuelle im KZ über die ganzen 12 Jahre ohne Zweifel niedriger sein als die von Lautmann geschätzten 60 %. Dennoch sind diese Sterblichkeitsziffern natürlich eine ernste Angelegenheit. Die Konzentrationslager waren offenbar besonders gefährlich für Homosexuelle. Trotzdem kann man nicht behaupten, daß diese Männer ermordet worden sind. Die überwiegende Zahl der Todes­fälle ist wahrscheinlich auf Typhus und Fleckfieber zurückzuführen. Die von diesen Seuchen verursachten Leiden und Massensterben ist durch deutsche und alliierte Quellen sehr gut dokumentiert.

Das durch Läuse übertragene Fleckfieber verursachte in Europa zu jener Zeit Millionen von Toten. Die Deutschen verwandten Zyklon B, um Kleidung, Bettzeug und Gebäude von den Läusen zu befreien. Das Fleckfieber konnte in Europa erst durch die Einführung von DDT und anderer wirksamer Insektizide ausgerottet werden, die von ameri­kani­schen Chemieunternehmen gegen Ende des Krieges entwickelt worden waren.

Besonders absurd sind Behauptungen, daß Homosexuelle in die Gaskammern geschickt wurden. Berichte, es habe in den Konzentrationslagern auf dem Gebiet des Altreiches, etwa in Dachau, Gaskammern gegeben, haben sich längst als falsch erwiesen.[14]

Es ist wahr, das es Schwule in den Lagern weit schwerer hatten, in der gefährlichen Umwelt der Lager zu überleben, als andere Häftlingsgruppen. Die Homosexuellen wurden häufig von den Wachen wie von den Häftlingen mißhandelt, besonders in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft. Der soziale Status der Homosexuellen war der niedrigste von allen, und durch diese Isolation wurde das Überleben sehr erschwert.

Lautmann berichtet:

»Jeder Bildung von Gruppen durch oder der Kontakt zwischen Homosexuellen erweckte den Verdacht der Wachen. […] Die Gruppe der Homosexuellen war häufig sehr klein, so daß die Organisation gegenseitiger Hilfe z. B. beim Schwarzhandel unmöglich wurde. Auch die Möglichkeit zur Kommunikation mit anderen Häftlingen war beschränkt, weil einerseits jeder Kontakt mit einem Homosexuellen die Häft­linge anderer Gruppen diskreditieren konnte […] Natürlich spiegelt diese Situation nur die Lage wieder, in der sich alle homosexuellen Männer im Deutschland jener Zeit befanden, aber in den Lagern steigerte sich ihre Stigmatisierung in erschrecken­dem Maße.

[…] Unter äußersten Streßbedingungen, wie der Inhaftierung, sind Familienbande besonders wichtig. Im Vergleich mit anderen Häftlingen konnten die Homo­sexu­ellen nur in wenigen Fällen damit rechnen, von Familienangehörigen unterstützt zu werden. […] Die Häftlinge mit dem rosa Dreieck waren drei- bis fünfmal seltener verheiratet (oder verwitwet) als andere, und fast zweimal so häufig ohne Kinder.«

Lautmann fand zudem heraus:

»Die am meisten vom Tode bedrohten Rosa-Dreiecks-Häftlinge waren die ganz jungen [zwischen 18 und 21] sowie die ganz alten Gefangenen. Überhaupt waren die Überlebenschancen nur bei der Gruppe im Alter zwischen 21 und 30 gut […] Wie sehr das Überleben davon abhing, wie man sich an das Leben im Lager anpassen konnte, wird aus dem Zusammenhang von Länge der Inhaftierung und Art der Beendigung der Gefangenschaft deutlich. […] Unter den Homosexuellen, die ein Jahr oder kürzer im KZ waren, starben 80 %, wohingegen von denen, die länger als zwei Jahre inhaftiert waren, 75 % überlebten.«

Ein weiterer Umstand, der die Homosexuellen weiter isolierte, war der Umstand, daß sie weitaus häufiger in andere Lager verlegt wurden als andere Gruppen. Dies bedeutete jedesmal, daß man sich auf die neue Lage im anderen Lager einstellen mußte, mit dem entsprechenden Kampf um Lebensmittel, Kleidung und medizinischer Versorgung.

Erwähnenswert ist weiterhin, daß die Homosexuellen laut Lautmann gegenüber den Politischen und Zeugen Jehovas keine merklich erhöhte Selbstmordrate hatten (1 %).

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Der jüdische Gegenschlag gegen den homosexuellen „Holocaust“

Eine Reihe meist jüdischer Autoren hat daran Anstoß genommen, daß die Homo­sexuellen auch als Opfer des „Holocaust“ angesehen werden wollen. Das Simon Wiesenthal Center Annual von 1990 drückt die Lage wie folgt aus:[15]

»In der unmittelbaren Nachkriegszeit behandelten viele Autoren, die über die Konzentrationslager schrieben, die Homosexuellen wie gewöhnliche Kriminelle, die gerechterweise dafür bestraft wurden, daß sie gegen die Strafgesetze des Dritten Reiches verstoßen hatten. Auch die Nachkriegshistoriker nahmen eine ähnliche Position ein, besonders jene, die den Holocaust als ein ausschließliches und ein­zigartiges Erlebnis des jüdischen Volkes ansahen (Exklusivisten). Dementsprechend hat Lucy S. Dawidowicz als die führende Exklusivistin die Nennung von „Prosti­tu­ierten, Homosexuellen, Perversen und gewöhnlichen Kriminellen“, die von den Nazis eingesperrt wurden, als nicht erwähnenswert abgelehnt.«

Dawidowicz machte diese Bemerkungen über »Prostituierte, Homosexuelle, Perverse und gewöhnliche Kriminelle« 1981. 1990 weigerte sie sich in dem Artikel »How They Teach the Holocaust«[16] ausdrücklich, eine Vernichtung von Homosexuellen durch die Nationalsozialisten anzuerkennen:

»[…] einige Lehrpläne verlängern die Liste der Opfer des Nazi Völkermordes und schließen darin auch jene ein, die die Nazis niemals beabsichtigt haben auszu­rotten. Der Lehrplan von Pennsylvania/Grobman führt z. B. die Homosexuellen und Zeugen Jehovas an, obwohl es keinen historischen Beweis dafür gibt, daß die Nazis jemals geplant hätten, diese Gruppen zu vernichten. Um deutlich zu sein: Die Nazis steckten Homosexuelle in Konzentrationslager und wiesen sie mit rosa Dreiecken aus, um sie angeblich „umzuerziehen“, damit sie in der „normalen“ Gesellschaft wieder funktionieren würden. Und die Zeugen Jehovas (auch Bibelforscher), die sich weigerten, die Autorität des Nazi-Staates anzuerkennen, wurden gleichfalls für eine begrenzte Zeit von zwei Monaten in Konzentrationslager verbracht (und mit vio­letten Dreiecken gekennzeichnet). Beide Gruppen wurden zusammen mit weiteren Häftlingsgruppen eingesperrt, die die Deutschen alle nicht umbringen wollten: Kriminelle (grünes Dreieck); Asoziale – Schwarzhändler, Landstreicher, Prostituierte und dergleichen (schwarzes Dreieck) und politische Gefangene (rotes Dreieck). Viele dieser Häftlinge, einschließlich der Zeugen Jehovas und der Homo­sexuellen, wurden krank und starben aufgrund unzureichender medizinischer Hilfe, da sie den Härten der Zwangsarbeit nicht gewachsen waren. [….]«

Der Konflikt zwischen Homosexuellen und Juden als „Holocaust“-Opfer wird auch in dem Artikel von Richard Goldstein »Whose Holocaust?« vom 10.12.1979 in Village Voice angesprochen. Goldstein legt dar, daß »für die Schwulen die Einbeziehung in den Holocaust eine Frage der sozialen Sichtbarkeit ist« und weiter:

»[…] Mythen werden geschaffen, um einem Zweck zu dienen, und angesichts der Notwendigkeiten der späten siebziger Jahre war es unvermeidbar, daß die Homo­sexuellen den Holocaust „brauchen“ würden — und sei es nur, weil er ihnen den immens schwierigen Prozeß erleichtert, mit dem sie sich ihrer Unterdrückung bewußt werden.«

Behauptungen, daß die Juden in den Konzentrationslagern besser behandelt wurden als die Schwulen – wie im Theaterstück Bent dargestellt – , sind für jüdische Personen eine Unverschämtheit. Zur Erläuterung dessen hier noch einmal Goldstein:

»Raul Hilberg aber, Autor von „Die Vernichtung der Europäischen Juden“ und Mitglied der Holocaust-Kommission des US-Präsidenten, meint, „Homosexuelle hatten eine wesentlich bessere Überlebenschance in den Konzentrationslagern.“ Er sagt, es gebe keinen Beweis dafür, daß Juden besser behandelt wurden als Schwule, und „die Vorstellung, jemandem würde sich als Jude ausgeben, ist geradezu gro­tesk.“ Am schärfsten ist Hilbergs Versicherung, die Homosexuellen seien hoch­angesehene Häftlinge gewesen, und daß viele Kapos – Häftlinge, die die Baracken verwalteten und die anderen disziplinierten – schwul waren. Hilberg ist dagegen, die Schwulen in das Denkmal der Opfer des Holocaust mit einzuschließen. „Das wäre eine Travestie“, meint er. „Es gab keine Möglichkeit, einen Juden zu retten. Dieses Mahnmal dient der Erinnerung an jenes besondere Schicksal.«

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Entlarvung des „Holocaust“ der Homosexuellen und der Juden

Die falschen Behauptungen von einer NS-Vernichtung der Homosexuellen können in drei Kategorien unterteilt werden:

1. INTENTION

Der deutschen nationalsozialistischen Regierung wird fälschlich vorgeworfen, sie habe die Vernichtung der Homosexuellen geplant und ein entsprechendes Programm auf­gestellt.

2. OPFERZAHL

Die Zahl der „Holocaust“-Opfer, hervorgerufen durch die Politik der deutschen NS-Regierung, wird ungeheuerlicherweise in der Größenordnung von Hunderttausenden (oder gar einer Million) angegeben.

3. TODESURSACHE

Es wird tatsachenwidrig behauptet, daß Homosexuelle in Gaskammern oder durch sadistische und perverse Quälereien ermordet wurden.

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Indem die Revisionisten die gleichen analytischen Standards wie hier gezeigt anwen­deten, konnten sie zeigen, daß auch bezüglich der jüdischen Verluste im Zweiten Weltkrieg die Behauptungen hinsichtlich Intention, Opferzahl und Todesursache verfälscht wurden.

Weit mehr als sowohl die Juden als auch die Homosexuellen zugeben werden, „brauchen“ beide die Umkehr ihres sozialen Status, der ihnen durch ihre vermeintliche Opferrolle zuteil wird. Im aktuellen kulturellen und politischen Milieu verspricht der Status eines „Holocaust“-Opfers enorme finanzielle, politische, soziale und religiöse Vorteile.

Anklagen gegen die nationalsozialistische Regierung und oft auch gegen das deutsche Volk im ganzen, die Homosexuellen und Juden seien von ihnen vernichtet worden, sind falsch und verleumden das deutsche Volk.

Unter diesen Umständen wäre es verdienstvoll, wenn sich die Menschen mit wesentlich mehr Skepsis und historischer Objektivität an Erzählungen über den „Holocaust“ näherten.

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Fußnoten

[1] In: The Gay Academic, Etc. Publications, Palm Springs, CA, 1978, S. 67-91.
[2] Zusätzlich zu Shermans oben erwähntem Interview vom 15.11.1979 in der New York Times erscheint die gleiche Behauptung auch in der gedruckten Fassung von »Bent«, Avon Books, New York 1980, S. 80.
[3] Stern and Day, New York 1981.
[4] The Nation, 14.11.1981.
[5] »The Boys on the Beach«, Commentary, September 1980.
[6] Boissons Buch wird erwähnt in: Warren Johansson, William A. Percy, »Homosexuals in Nazi Germany«, Simon Wiesenthal Annual, Vol. 7, Allied Books 1990. [Übers.: von den gleichen Autoren vgl. neuer: Wayne Dynes, Warren Johansson, William A. Percy (Hg.), Encyclopedia of homosexuality, Garland Pub., New York 1990, 2 Bde. (1484 + 38 S.).]
[7] Diese Zahlen entstammen dem in Anm. 6 genannten Werk von Johansson und Percy, S. 251, sowie aus Richard Plant, The Pink Triangle: The Nazi War Against Homosexuals, Henry Holt & Co., New York 1986, S. 231, die sich beide auf eine Vielzahl deutscher Quellen berufen.
[8] R. Plant, aaO. (Anm. 7), S. 230.
[9] R. Plant, vgl. ebenda, W. Johannson/W.A. Percy, vgl. Anm. 6, Erwin J. Haeberle, Rüdiger Lautmann, vgl. Seminar: Gesellschaft und Homosexualität, Suhrkamp, Frankfurt 1977, 2. Auflage, ebenda 1984, und andere.
[10] In: Martin Duberman, Martha Vicinus, George Chauncey, Jr. (Hg.), Hidden from History: Reclaiming the Gay and Lesbian Past, Meridian, New York 1989/90, S. 373f.
[11] R. Lautmann, »The Pink Triangle: The Persecution of Homosexual Males in Concentration Camps in Nazi Germany«, in: A Homosexual Emancipation Miscellany c. 1835-1952, Arno Press, New York 1975. Dies ist eine Zusammenfassung von Prof. Lautmanns deutschem Buch, aaO. (Anm. 9). [Übers: vgl.: ders., Das soziale Abwehrsystem gegen sexuelle Abweichung, insbesondere Homosexualität: Bericht zum Forschungsprojekt Entstigmatisierung durch Gesetzgebung, Selbstverlag, Bremen 1978; ders. (Hg.), Homosexualität: Handbuch der Theorie- und Forschungsgeschichte, Campus-Verlag, Frankfurt/Main 1993; ders. und Angela Taeger (Hg.), Männerliebe im alten Deutschland: sozialgeschichtliche Abhandlungen, Verlag Rosa Winkel, Berlin 1992.]
[12] Lautmanns Artikel enthält eine Tabelle des Titels »Verbleib der Häftlinge soweit bekannt«. 26% der Homosexuellen, 41% der Politischen und 57% der Zeugen Jehovas sind dort als »befreit« aufgeführt, d.h. sie befanden sich im Frühjahr 1945 in den Lagern.
[13] Paul Berben, Norfolk Press, London 1975; rezensiert von J. Cobden, The Journal of Historical Review, Winter 1989-90.
[14] Unter den „Holocaust“-Autoritäten, die zugegeben haben, daß es in Dachau (und anderen Lagern des Altreiches) keine Vergasungen gegeben hat, befinden sich Dr. Martin Broszat (Die Zeit, 26.8.1960, S. 14) und Simon Wiesenthal (Books and Bookmen, April 1975). Nach Ansicht der Revisionisten gab es allerdings in keinem der Lager Gaskammern, auch nicht in Polen.
[15] W. Johansson, W. A. Percy, aaO. (Anm. 6), S. 226.
[16] Commentary, Bd. 90, Nr. 6, Dezember 1990.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(2) (1998), S. 135-139

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Quelle: VffG 2/1998: Jack Wikoff: Der Mythos von der Vernichtung Homosexueller im Dritten Reich

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