(Folgender Text ist eine Quellenwiedergabe. Unter Umständen können Rechtschreibfehler korrigiert oder kleinere inhaltliche Fehler kommentiert worden sein. Der Ursprung des Textes ist als Quellennachweis angegeben.)

.

von Jutta Rüdiger

Herr Professor, Sie haben Erfolg und Glück gehabt bei „Hitlers Helfern“ und „Hitlers Kriegern“. Diese leben alle nicht mehr und konnten sich nicht wehren beziehungsweise Richtigstellungen vor­neh­men.

Von „Hitlers Kindern“ leben noch viele, die nach der Darstellung ihres Lebens in der Hitler-Jugend durch Sie zu der Erkenntnis gekommen sind, daß die negativen Kommentare, die darin gegeben werden, wahrscheinlich auf ungenügenden Recherchen Ihrerseits beruhen.

Hier sollen nun einige Antworten darauf folgen.

.

Teil 1 „Verführung“

Nur einige Aussagen seien hier angeführt:

Entfremdung von Eltern durch die Jugendgemeinschaft. Schon das Thema des 1. Teiles „Verführung“ beweist eine Voreingenommenheit. Die Hitler-Jugend sollte zur Ersatz­familie werden. Die Jungen waren lieber mit den Kameraden zusammen als mit den Eltern. Gerade jetzt im Jahr 2000 erzählte eine Mutter, daß ihr Sohn am Sonntag lieber mit seinen Freunden eine Radtour macht, als mit seinen Eltern zusammen etwas zu unternehmen. Wir fragen uns, ob der auch noch durch die Hitler-Jugend verführt worden ist? Herr Professor kennt wohl nicht die Gesetze jugendlicher Entwicklung, daß Jungen in der Pubertät versuchen, sich von den Eltern abzunabeln, und sich als selbständige Erwachsene beweisen wollen.

Die Eltern sollten ihr Erziehungsrecht aufgeben, wie Ihr Kommentar da behauptet. Gerade der Reichsjugendführer Baldur von Schirach hat sich mehrfach an die Eltern gewandt und um ihr Vertrauen gebeten und zum Ausdruck gebracht, daß ohne das Vertrauen der Elternschaft diese Hitler-Jugend nicht aufgebaut werden konnte und hat ihnen dafür gedankt.

Durch das Marschieren in einer Kolonne und das gemeinsame Singen von Liedern würden die Jugendlichen einer Magie unterliegen, die sie betäubte. So würden zum Beispiel alle Soldaten betäubt zum Kampf ausrücken. Schlomo Perel: In welcher einzigartigen HJ-Einheit war er eigentlich, in der gesungen wurde „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt“ – dazu noch 1943? Die Hitler-Jugend-Schule, die er in seinem Buch „Hitlerjunge Salomon“ angibt, in Braunschweig, die gleichzeitig Schulunterricht ver­mittelte, gab es gar nicht. Außerdem wurde bestimmt an keiner Schule der HJ ein solches Lied gesungen, weil der Reichsjugendführer Baldur von Schirach schon 1934 der HJ das Lesen der Zeitschrift „Der Stürmer“ verboten hatte. Wie glaubwürdig sind Perels Aussagen?

Auch das Marschieren zu den Aushängekästen dieser Zeitschrift ist deshalb nicht vorgekommen, Herr Knopp. So ist die Teilnahme an der „Reichskristallnacht“ der Jugend untersagt worden. Als der zweite Deutsche – erst Gustloff, dann vom Rath – von einem Juden ermordet worden war, entstand eine Pogromstimmung. Als von Schirach das bemerkte, erfolgte durch einen sofortigen Rundruf an alle Gebiete der HJ die Anweisung, die HJ habe auf keinen Fall daran teilzunehmen. Nachdem in München aus Eigeninitiative fünf Jungen den Antiquitätenhändler Bernheimer um Geld erpreßt hatten, ließ von Schirach durch seine Frau am nächsten Tag mit einer Entschuldigung der Reichsjugendführung das Geld zurückbringen, und die Jungen wurden sofort aus der HJ ausgeschlossen.

Auch hat es kein Schulungsmaterial der Reichsjugendführung in Schulen gegeben, in dem gegen die Juden gehetzt worden ist. Von Schirach hat dieses Pogrom als eine Kulturschande bezeichnet und dies Adolf Hitler gegenüber auch zum Ausdruck gebracht. Von Schirach berichtete später seinen Mitarbeitern, daß Hitler ihm gesagt habe: „Dieser Vorgang hat mich um Jahre in meiner Politik zurückgeworfen.“

In Ihrer Sendung heißt es weiter: Durch den schönen Schein mancher Veranstaltung oder durch das Taktgefühl des Marschierens gehe das Taktgefühl des Gewissens unter, so auch das Wissen um den Unterschied von Recht und Unrecht. Diese gewagte, künstlich konstruierte Behauptung könnte man auch auf Professor Guido Knopp übertragen: daß er durch den schönen Schein seiner zusammengestellten Bilder und Kommentare sein Gewissen verloren hat und das Wissen um den Unterschied von Recht und Unrecht. Bei der Jugend von damals entstand dadurch das Gefühl der Kame­radschaft und des Einstehens füreinander. Totale Gleichheit, Enteignung des deutschen Jungen und bedingungslose Selbstaufgabe gab es nicht.

Gleichheit – nicht totale – gab es nur durch die Überwindung des klassenkämpferischen Gedankens mit der Erkenntnis, daß jeder, ob Sohn des Arbeiters, Bauern, Unternehmers oder Gelehrten, gleich wertvoll war, wenn er seinem Können gemäß sich für die Gemeinschaft des Volkes einsetzte. Keiner sollte sich bedingungslos aufgeben oder seiner Persönlichkeit enteignet werden. Im Gegenteil, die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit wurde dadurch gefördert, daß sich jeder seinen Interessen und seiner Begabung entsprechend für die verschiedensten Arbeitsgebiete entscheiden konnte, wie Flieger-, Marine-, Motor-, Nachrichten-HJ, Spielscharen (Musik, Chöre, Orchester), Laienspiel, das HJ-Ausbildungswerk Architektur und Technik. Jeder Jugendliche sollte sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln und zugleich mit seinen Fähigkeiten der Gemeinschaft zur Verfügung stehen. Herr Knopp läßt nur Ausländer aussagen wie Howard Smith, vor 1939 US-Korrespondent in Berlin, der zum Beispiel sagt: „Die Erziehung der Hitler-Jugend war eine Erziehung, die die Welt erschrecken ließ.“

Zu bedenken ist dabei der Bericht vom Januar 1939 durch Potocki, polnischer Bot­schafter in Washington (sinngemäß in gekürzter Fassung wiedergegeben): Roosevelt, der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, bereite mit Hilfe der Medien, die fast alle in jüdischer Hand waren, die amerikanischen Bürger auf einen Krieg gegen Deutschland vor. Es war eine regelrechte Hetzkampagne, in der der Nationalsozialismus als das Gefährlichste in dieser Welt dargestellt wurde. Damit wollte Roosevelt von den Schwierigkeiten im eigenen Lande – große Arbeitslosigkeit, Streiks – ablenken. So war Smith verpflichtet, entsprechend negativ nach Amerika zu berichten, und sieht dies wohl dadurch heute noch so. Im Gegensatz dazu war der französische Botschafter in Berlin, Andre Francois Poncet, so beeindruckt von der Erziehung der Hitler-Jugend, daß er den Reichsjugendführer Baldur von Schirach darum hat, seinen Sohn am Dienst in der Hitler-Jugend teilnehmen zu lassen. Der französische Premierminister empfing eine Abordnung der Hitler-Jugend mit den Worten: „Ihr seid die glücklichste Jugend der Welt.“ Um das Kapitel „Verführung“ abzuschließen: Letztere waren in den Augen von Herrn Knopp sicher (…).

Teil 2 „Hingabe“

BDM am Haus Wachenfeld

BDM am Haus Wachenfeld

Schon der erste Satz dieser Sendung zeigt wieder eine Voreingenommenheit: Der Aufbruch des BDM war ein Aufbruch in den Ungeist. Wieder, wie im 1. Teil „Verführung“, werden die gleichen Kom­men­tare gebracht: Verführung durch gefühls­mäßige Ansprache, durch den schönen Schein, durch das Singen von Liedern oder durch Gehirnwäsche. Kaum wird eine positive Aussage eines ehemaligen BDM-Mädchens gemacht, wird direkt dahinter ein negativer Kommentar gegeben. So hört man auch nicht die Fragen, die zuvor gestellt worden sein könnten, zum Beispiel: „Was sagen Sie heute zu Ihrer Arbeit im BDM, nachdem Sie erfahren haben, wie es zu dem Krieg kam und was sonst noch alles in der Partei passiert ist?“ Dabei ist wieder zu bedenken, daß durch die Art der Fragestellung eine gewisse Antwort provoziert wird.

Abgesehen davon, daß nicht alles stimmt, was heute erzählt wird, täuscht nach so vielen Jahren auch das Erinnerungsvermögen. Zum Beispiel: Das Thema Rasse ist in der HJ wie im BDM kaum behandelt worden, weil dieses Thema kompliziert war, durften nur besonders in diesen Fragen ausgebildete Führer bzw. Führerinnen darüber sprechen. Es ist auch nicht gesagt worden, daß es gute oder schlechte Rassen gibt. Zwei Aussagen waren als Ausgangspunkt maßgeblich: die von Benjamin Disraeli, dem Premierminister von Queen Victoria – selbst Jude – „Die Rassenfrage ist der Schlüssel zur Welt­geschichte“ und der alte Spruch „Der Weiße ist von Gott und der Schwarze ist von Gott, der Mischling aber ist des Teufels.“ Wenn einige damals „die nordische Rasse“ als die bessere darstellen wollten, wurde oft im BDM humorvoll reagiert „blau, blond und blöde“. In den Heimabendmappen ist das Thema der Juden gar nicht behandelt worden.

Über Muttertum wurde im BDM kaum gesprochen, denn die Mädels sollten ihrem Alter gemäß angesprochen werden. Die 14-jährigen kletterten ja oft noch auf die Bäume. Wenn ältere Mädels schwanger wurden, was kaum vorkam, da sie weniger frühreif waren als die heutigen, flogen sie nicht raus aus dem BDM, sondern wurden entlassen, da sie ja keine Mädels mehr waren. Die BDM-Führung war der Ansicht, daß die Mädels, die gesund waren an Körper, Seele und Geist, von allein einmal eine gute Mutter würden, ohne dauernd darüber zu sprechen.

So einfach konnte man sich nicht vom Schulbesuch zum Dienst in der HJ abmelden. Für kurze Zeit war geplant, den Samstag für den HJ-Dienst grundsätzlich freizuhalten. Als man erkannte, daß alle Lehrlinge nicht teilnehmen konnten, sondern nur die höheren Schüler, wurde dieser Plan wieder fallengelassen.

Die Lieder, die angeblich nur nachgeplappert worden sind, hätten angeblich verderblich auf Junge gewirkt. Wer die Lieder der Hitler-Jugend kennt, kann diese Aussage nicht nachvollziehen. Das einzige, immer wieder beanstandete Lied „Es zittern die morschen Knochen“ war für den BDM verboten. Abgesehen davon war es von Hans Baumann noch in der Katholischen Jugend entstanden. Der Reichsjugendführer hatte ausdrücklich gefordert, daß nur gesungen werden dürfte: „Heute, da hört uns Deutschland…“.

„Auch Mädchen sollten hassen lernen.“ Wieder so ein frei erfundener Kommentar. Warum? Weil sie Gasmasken aufsetzen mußten bei einer Luftschutzübung? Von Haß ist selbst im Krieg nie die Rede gewesen. In einer Jugendkundgebung wurde Churchill verspottet, aber Haß gab es nicht.

Unglaublich ist, was eine schon mit zwölf gewußt haben wollte. Vielleicht, daß es KZs gab, woher aber, daß die Menschen darin gequält wurden? Pastor Niemöller hat sich beschwert, daß die Bettwäsche nicht oft genug gewechselt wurde! Die in den KZs saßen, waren meistens kriminelle Wiederholungstäter. Daher brauchte man im Krieg bei absoluter Verdunkelung keine Angst vor Überfällen zu haben. Und das Märchen von Lampenschirmen aus menschlicher Haut glaubt heute sowieso kein Mensch mehr. In einem Lager, wo Mißhandlungen vorgekommen waren, ist der Lagerleiter Koch durch ein SS-Gericht zum Tode verurteilt worden.

Die Aussagen der Flakhelferin, eine RAD-Maid im Kriegshilfsdienst und kein Kind mehr, entsprechen nicht den Tatsachen. Die Helferinnen hatten die Aufgabe, die Scheinwerfer zu richten. Den Schuß tätigte nur der für das Geschütz verantwortliche Offizier. Wollte sie sich als Humanistin darstellen, ohne zu bedenken, wie viele Menschen durch die Bomben des nicht abgeschossenen Feindflugzeuges den Tod finden würden? Sicher ist es bedrückend, im Krieg verwundete Soldaten zu pflegen, junge verstümmelte Menschen, oft mit großen Schmerzen. Wer hat diesen Krieg denn über uns gebracht? Churchill, Roosevelt, Stalin. Hitler hatte diesen Krieg nicht gewollt, was durch Dokumente belegt ist. Es wird nur immer wieder den Deutschen eingehämmert, daß wir die Schuldigen wären – und die Deutschen glauben es.

Teil 3 „Zucht“ – Die „Eliteschulen“

Es ist schon erstaunlich zu sehen, mit wieviel Aufwand weitgehend das vermeintlich Negative der Elitenausbildung im Dritten Reich dargestellt wird, und wie dort, wo in den Aussagen der Zeitzeugen Positives aufkommt, dieses sofort relativiert wird mit dem Hinweis, daß dies nur der Verführung diente und zum Kriege führte. Daß Reichs­jugendführer von Schirach zu Rommel gesagt hatte: „Ich erziehe die Jugend für den Frieden, nicht für den Krieg.“, wird dabei verschwiegen. Die Darstellung geht davon aus, daß Erziehung zur Härte, besonders gegen sich selbst, daß Erziehung zu Ausdauer und Prinzipientreue an sich schon verwerflich ist. Und dann wird trotzdem festgestellt, daß „erstaunlich viele Absolventen dieser Zuchtstätten … in der Demokratie Karriere gemacht haben in Wirtschaft, Publizistik, Politik und Diplomatie“ (S. 9, die folgenden Seitenangaben beziehen sich auf das Begleitbuch zum Film: „Hitlers Kinder“ von Guido Knopp, Bertelsmann, München 2000). „Erstaunlich viele Eliteschüler haben es im Leben erstaunlich weit gebracht. Sie haben sich durchgesetzt, wie es ihnen beigebracht wurde – mit Disziplin, Härte, Ausdauer.“ (S. 226)

Nur ein Beispiel: Der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herr­hausen, hat Ende November 1989 in einem Fernsehinterview mit Claus Hinrich Castorff sich offen dazu bekannt, Elite-Schüler gewesen zu sein. Er sagte auch noch – hören Sie gut zu, Herr Knopp –: „Wir müssen das, was wir denken, auch sagen, wir müssen das, was wir sagen auch tun, und wir müssen das, was wir tun, auch sein.“

Also, Herr Knopp, entweder war die Erziehung schlecht oder sie war gut genug, „erstaunlich“ viele Absolventen „erstaunlich“ weit zu bringen. Wenn das so ist, dann sollten Sie aber auch sagen, daß die Erziehung nicht schlecht gewesen sein kann. Männer, die in Eton erzogen wurden und andere, die Westpoint absolvierten, sagten, daß sie nicht zuletzt im Hinblick darauf ausgebildet wurden, dem britischen Weltreich zu dienen, die anderen sollten in der Lage sein, für die USA jeden Krieg zu gewinnen. Wenn diese Männer von den Erziehungsmethoden unserer „Eliteschulen“ hörten, waren sie nicht erstaunt. Für sie war das nichts Neues.

Wenn die Erziehung an den „Eliteschulen“ des Dritten Reiches, von Knopp verächtlich „Zuchtstätten“ genannt, zum Ziele hatte, der Förderung von Aktivität und Disziplin, von Härte und Tüchtigkeit und Effizienz, von Kampfbereitschaft und Opferbereitschaft, von Gehorsam, Ausdauer, von Liebe zum eigenen Volk und der Achtung anderer zu dienen, dann waren diese Ziele für die Absolventen englischer und amerikanischer Eliteschulen selbstverständliche Ideale und sind es ihnen heute noch.

So ist es nur verständlich, daß auch die meisten ehemaligen Schüler der Eliteschulen des Dritten Reiches heute auf ihre Schulzeit positiv zurückblicken. Sie möchten die erhaltene Erziehung nicht missen, hat sie diese doch, wie Herr Knopp zugeben muß, „erstaunlich“ weit gebracht. Die Eliteausbildung, wie die Erziehung der Jugend im Dritten Reich überhaupt, einzig und allein als Verführung darzustellen, als ständige Indoktrination zu begreifen, entspricht dem heutigen Zeitgeist, der dies strikt ablehnt. Dann müssen sich aber Filmemacher und Buchautoren wie Guido Knopp auch sagen lassen, daß das, was sie tun, mit den gleichen Mitteln der Indoktrination arbeitet, bei dem Versuch, dem heutigen Zuschauer und Buchleser die damalige Zeit im Sinne des heutigen Zeitgeistes darzustellen.

Wenn Indoktrination verwerflich ist, dann ist sie es immer. Natürlich erfolgte die Erziehung der Jugend im Nationalsozialismus des Dritten Reiches gemäß den Vorgaben der damaligen Ideologie. Keine Jugend kann sich die Zeit aussuchen, in der sie leben muß. Sie hat immer nur die Chance, aus ihrem Leben das Beste zu machen. Und das ist ihr offensichtlich nach 1945 auch gelungen.

Die nachstehenden Ausführungen, die sich mit Einzelheiten über die Adolf-Hitler-Schule befassen, stammen von einem Schüler, der selbst von 1937 bis 1942 diese besuchte:

Wenn Klaus Geue, ehemaliger Adolf-Hitler-Schüler, sagt, daß „das Ziel … Gauleiter in Sibirien“ sei, dann sollte man das als Scherz von Zwölfjährigen sehen, denn Sibirien gehörte, als Geue zur AHS kam, schon lange nicht mehr zu den Gebieten, die zu erobern die Deutschen in der Lage gewesen wären. Was hier an der Aussage Geues kritisiert wird, wäre für englische Etonschüler ganz selbstverständlich gewesen: Funktionen in fernen Gebieten des britischen Weltreiches anzustreben. Wenn Klaus Geue, der „für wenige Monate Adolf-Hitler-Schüler“ war und danach wieder eine „normale“ Schule besucht hat, schon nach so kurzer Zeit „feststellen mußte, daß er Wissenslücken hatte“ (S. 106), dann ist seine Aussage nicht ernst zu nehmen.

Anders dagegen die von Harald Grundmann, der die AHS von Ostern 1940 bis zum September 1944 besuchte und die Abiturprüfung bestanden hat. Wenn er über die Erzieher sagt, sie „hatten das beste Wollen, aber nicht genug Wissen“ (S. 196) und sich beklagt, wie mangelhaft die Kenntnisse in Mathematik waren (S. 204), dann muß aber ergänzt werden, daß das Nachlassen der Ausbildungsqualität während der Kriegsjahre an allen Schulen und den „Eliteschulen“ festzustellen ist.

Kinderlandverschickung

Kinderlandverschickung

Bombennächte, Luft­schutz­einsätze, Dienst als Flak­helfer, Einsatz als Lagermannschaftsführer in der erweiterten Kinderlandverschickung (KLV) sind nur einige Gründe dafür. Der Schreiber dieser Zeilen jedenfalls stellte 1946, als er ein Ingenieur-Studium begann, fest, daß er in Mathematik durchaus gut ausgebildet war, hatte er doch zum Beispiel in der Schule sogar schon Vektorrechnung geübt, von der viele seiner Mitstudenten, Abiturienten „normaler“ Schulen noch nichts gehört hatten. Zu der von Grundmann gemachten Aussage, die Erzieher hätten „nicht genug Wissen“ gehabt, ist festzuhalten, daß diese Lehrer, soweit sie aus dem Krieg zurückkamen, fast alle wieder in den Schuldienst aufgenommen und nach ihrer Lehrertätigkeit als Oberstudienräte oder Studiendirektoren pensioniert wurden. Einige andere waren in der Schulverwaltung als Schulrat, als Leiter von Schulabteilungen, Leitende Regierungsschuldirektoren tätig. So schlecht kann also die Leistungsfähigkeit der Erzieher nicht gewesen sein.

Zu dem Bericht über die Impfung, den Klaus Greue von sich gibt, erübrigt sich jeder Kommentar. Daß Herr Knopp die Geschichte mit der bei der Impfung absichtlich abgebrochenen Spritzennadel (S. 101) als glaubhaft weitergibt, zeigt seine Geistes­verfassung, seinen Drang, möglichst viel Negatives zusammenzutragen, egal ob wahr oder nicht. Wenn Theo Sommer, geboren 1930, Schüler der AHS ab Herbst 1942, berichtet, daß er im Schwimmbad „mit Tournister und Stahlhelm vom Zehnmeterbrett springen“ mußte (S.190), 191)), so ist es nicht ernstzunehmen, denn auf den AHS gab es keine Stahlhelme, schon gar nicht für zwölf bis vierzehn Jahre alte Jungen. Daß Sommer und seine Mitschüler den Motor des Autos von Reichsorganisationsleiter Dr. Robert Ley, der ihnen der Inbegriff eines Bonzen war, „zertreten haben“ (S.214), ist einfach Schwachsinn. Wer kann schon einen Motor zertreten? Oder meinte Sommer die Motorhaube? Einen Zeugen für diese Tat habe ich nicht finden können. Ebenso fehlt auch ein Zeuge für die von Hardy Krüger berichteten „zwei Löcher“, die er „zusammen mit anderen auf einem zugefrorenen See ins dicke Eis hacken mußte“, um dann dann unter der Eisdecke hindurch von einem Loch zum anderen zu schwimmen (S.190).

Man mag diese Anmerkungen zu solchen Einzelheiten „für kleinlich“ halten. Aber wenn ein Autor in solchen Kleinigkeiten ungenau arbeitet, sinkt das Vertrauen in die Zuverlässigkeit seiner übrigen Angaben, die für den Leser „nicht mit relativ einfachen Mitteln überprüfbar sind“, wie F. P. Trotier in der FAZ vom 31.1.1992 schreibt. Und was für den von Trotier genannten Autor gilt, trifft auch auf Filmemacher und ihre Zeit­zeugen in besonderem Maße zu.

So ist auch die Darstellung über zwei Adolf-Hitler-Schüler, die als „Werwölfe“ tätig geworden sein sollen (S.222 f.), schlecht recherchiert. Es waren drei Jungen, zwei davon Schüler der AHS. Von Letzteren konnte einer nach der Verhaftung durch die Amerikaner diesen entkommen. Die beiden anderen wurden verurteilt und am 1.6.1945 hin­gerichtet. Das waren der Adolf-Hitler-Schüler Heinz Petry und der Hitlerjunge Josef Schöner (nicht Schener).

In der Urteilsbegründung des US-Militärgerichts diente der Spionagevorwurf nur als Vorwand, denn der Vorsitzende des Militärgerichtshofes betonte in der Urteils­begründung „…daß die Verantwortung für das Schicksal der beiden Jungen die national­sozia­listischen Führer tragen, die sie in den Tod geschickt haben. Die deutschen militärischen und politischen Führer zwingen uns,“ erklärte der Vorsitzende „Feuer mit Feuer und Blut mit Blut zu bekämpfen. Wir werden nicht dulden, daß sich die Verantwortlichen hinter Frauen und Kindern verstecken.“ — Soweit der Gerichts­vorsitzende zu diesem „Abschreckungsurteil“, einem Unrechtsurteil gegen sechzehn und siebzehn Jahre alte Jungen, deren Schuld die Todesstrafe nicht rechtfertigte. Nachzulesen ist der zitierte Text in den „Aachener Nachrichten“ von 6. Juni 1945. Die von Guido Knopp genannten Vornamen der Jungen, die er mit „Franz“ und „Herbert“ angibt, stimmen also nicht. Auch der Hitlerjunge, der entkommen konnte, führte keinen dieser Vornamen.

Dazu ist noch zu vermerken: Der Werwolf entstand am Kriegsende, angeführt von einem SS-Führer. Die Hitler-Jugend hatte mit ihm nichts gemeinsam, lehnte ihn sogar ab. Einzelne Jugendliche wurden von Werwolf-Leuten angesprochen und geworben, bei ihnen mitzumachen. Sie kamen dann aus eigenem Entschluß.

Die wiederholte Behauptung, der Sport habe vor der geistigen Bildung Vorrang gehabt, kann so für die AHS nicht gelten. Die für die Schulen verantwortlichen Führer haben immer wieder darauf hingewiesen, daß im Vordergrund die geistige Ausbildung zu stehen habe, gefolgt von der körperlichen Ertüchtigung und der musischen Bildung, der ein gebührender Raum einzuräumen sei. Die Methode, alle Stunden, die unter der Rubrik Sport im Dienstplan eines Internatsbetriebes aufgeführt sind, mit denen „normaler“ Schulen zu vergleichen, ist unkorrekt, es sei denn, man addiert die freizeitlichen Sportaktivitäten solcher „normaler“ Schüler hinzu. Dann wird man sehen, daß auch im Internat der Sport nicht die erste Rolle spielt.

Die weitere Vermutung, daß die „Weltanschauliche Schulung“ im Vordergrund standen habe, läßt sich, jedenfalls soweit es die AHS betrifft, nicht bestätigen. Gerade in diesem Bereich wurden erhebliche Mängel festgestellt, wie sich bei der ersten Abiturprüfung 1942 zeigte, als die Prüflinge das Parteiprogramm der NSDAP nicht kannten, wie Joachim Baumann berichtet (S. 206).

Welches Gebiet hat nun im Vordergrund der Erziehung gestanden? Der Sport oder die weltanschauliche Schulung? Sie sind sich selbst wohl nicht im klaren, Herr Knopp. Beantworten kann dieses wohl am besten der Reichsjugendführer Baldur von Schirach, der Initiator der Adolf-Hitler-Schulen. „Die Entscheidung, die wir in diesem Wendepunkt zu erfüllen haben, ist die Entscheidung zwischen der Seele und dem kalten Intellekt … Denn intellektueller Dünkel galt meist mehr als Volk, Fahne und Vaterland … wird jene Macht offenbar; die der Intellektuelle leugnet, weil er sie ebenso wenig zu denken vermag wie den Gott, der sie uns gab. Die Macht des Gemütes … Die Waffen des Intellektes werden dieser Generation gegeben, und zwar die schärfsten und härtesten, aber sie sollen nicht um ihrer selbst willen … gebraucht werden, sondern einer höheren Idee dienen.“ (Auszug aus seiner Rede, gehalten anläßlich der Grundsteinlegung zu neun Adolf-Hitler-Schulen 1938).

Und was die Aussagen von Albert Speer, der uns ja nicht nur ein Märchen überliefert hat, betrifft, der meint, daß die an den Adolf-Hitler-Schulen erzogenen Jungen sogar in Parteikreisen zuweilen als rücksichtslos und überheblich angesehen wurden (S. 158), so wurde er nach Erscheinen seines Buches darauf hingewiesen, daß die Jungen sofort nach dem Abitur zur Wehrmacht kamen und also den „Parteikreisen“ kaum unan­genehm aufgefallen sein können.

Auf eine weitergehende Kritik am Filmwerk Guido Knopps soll hier verzichtet werden; wollte man sie ernsthaft betreiben, würde sie ein ganzes Buch füllen. Sie hätte auch deshalb wenig Sinn, weil man zuerst die Auswahl der Zeitzeugen und dann das Herausschneiden von Teilen ihrer Aussagen behandeln müßte. Denn mit dem Vorsatz, Dinge aus opportunistischen Gründen negativ darzustellen, auch dann, wenn man es besser weiß, kann sich der Kritiker kaum auseinandersetzen, ohne ins Uferlose zu geraten. „Es wird immer darauf ankommen, ob das, was als Wahrheit ausgegeben wird, auch Wahrheit ist.“ („Der gerade Weg“ vom 3.1.1932, S. 1).

Teil 4 „Krieg“ und Teil 5 „Opferung“

gehen ineinander über, wobei es sich meistens um Aussagen von Soldaten handelt, und nicht von Kindern.

„Die Jungen wurden zum Singen, Marschieren und für den Krieg erzogen.“ Welcher Unsinn! Wenn Herr Knopp sich mehr mit dem Thema Hitler-Jugend beschäftigt hätte, hätte er schon bei Diwald nachlesen können: Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach hat Oberst Rommel, als der ihn auffordert, die Jugend mehr militärisch auszubilden, geantwortet: „Ich erziehe die Jugend für den Frieden und nicht für den Krieg.“ Es ist auch längst bekannt, daß Hitler nicht zum Vergnügen die Sowjetunion „überfallen“ hat, sondern daß es ein Präventivschlag war, da der Deutschen Wehrmacht bekannt gewesen ist, daß Stalin mit seinen Truppen aufmarschiert war, um über Deutschland bis zum Atlantik ganz Europa einer bolschewistischen Herrschaft zu unterstellen.

Hitler brauchte die Jugend nicht als Werkzeug für die Kriegsführung einzusetzen. Das war gar nicht nötig, denn die HJ meldete sich freiwillig und erfand selbst Möglichkeiten für ihren Kriegseinsatz in der Heimat. Dieser wird überhaupt nicht gezeigt, weil es ein Einsatz ohne Waffen war. Es ist doch selbstverständlich, daß die Jugend, wo immer möglich, sich für ihr Vaterland, wenn es bedroht wird, einsetzt.

Die Swing-Gruppe in Hamburg, die sich englisch kleidete und tanzte und lange Haare trug während der Zeit, als englische Flieger Hamburg mehrfach angriffen, wurde nach einiger Zeit ihres Auftretens verboten. Die Jugendlichen, die oft unter Einsatz ihres Lebens Brände löschten und Verschüttete aus den Trümmern bargen, hatten absolut kein Verständnis für dieses Verhalten der Swing-Gruppe.

Hitlerjugend 2Die Jugendlichen, die im Geländesport sich zu tarnen lernten, taten nichts anders als die Pfadfinder und andere Jugendverbände des Auslandes. Zudem ist zu vermerken, daß das Reichskuratorium für Jugenderziehung im Herbst 1932 nach Genf gefahren und sich diese Art des Geländesports vom Völkerbund hat genehmigen lassen. Das war zur Zeit der Weimarer Republik!

Der etwas makabre Aufruf zum Spenden für das Winter­hilfswerk „Spendet unver­drossen, wer nicht spendet, wird erschossen“ war einer von sonst vernünftigen Auf­rufen, die sich ein pubertierender Junge als Witz ausgedacht hatte und der von niemandem ernstgenommen wurde. Was Herr Knopp so alles findet, um seine Negativ­dar­stellungen zu bereichern!

HJ-Fallschirmjäger hat es nie gegeben. Jungen der Adolf-Hitler-Schulen bezie­hungs­weise der National-politischen Anstalten haben Sprünge von einem höheren Niveau aus in ein Sprungtuch gemacht, um ihren Mut zu beweisen. Die SS-Division „Hitler-Jugend“ bestand aus ehemaligen HJ-Mitgliedern, die sich im einzugsfähigen Alter freiwillig zur Aufstellung dieser Division gemeldet haben. Es waren also keine Kinder mehr.

Die Behauptung, toten Fliegern sei die Uniform ausgezogen worden, ist nicht nach­zuvollziehen. Was soll ein Junge mit dieser Pilotenuniform anfangen, zumal sie für ihn wahrscheinlich zu groß war. Wenn ein früherer HJ-Angehöriger im Film bestätigt, daß Jugendliche gezwungen worden sind, sich an der Erschießung von Gefangenen aufgrund von Wehrmachtsbefehlen zu beteiligen, so kann man nur sagen, daß es solche Befehle der HJ-Führung nicht gab und die Wehrmacht keine Befehlsgewalt über die Hitler-Jugend hatte. Wenn es wirklich passiert ist, dann war es eine illegale Handlung.

Die Bilder, die zeigen, daß Jugendliche in Bergwerken tätig waren, sind völlig unver­ständlich, denn die Reichsjugendführung hatte ausdrücklich durch ein Jugend­schutz­gesetz erreicht, daß die Beschäftigung von Jugendlichen in Bergwerken verboten war.

Interessant ist die Aussage von Herrn Bölling, der ja eng mit Bundeskanzler Willy Brandt zusammengearbeitet hat. Böllings Mutter war Jüdin, das erzählt er in diesem Film, und daß er leider aus der HJ ausscheiden mußte. Aus der Schilderung von Herrn Bölling ist erkennbar, daß dies für ihn schmerzlich war, folglich muß er sich ja als Halbjude in der HJ wohlgefühlt haben. Er wußte wohl nicht, daß man einen Antrag stellen konnte, als Halbjude in der HJ bleiben zu können, der meist genehmigt wurde.

Bei den Aussagen von HJ-Führern in diesem Knoppschen Film ist zu bedenken, daß viele von der Planung der Reichsjugendführung über Ausbildung und Einsatz der 16jährigen Jungen nicht informiert waren. Die 1942 beabsichtigte Einrichtung von Kasernenlehrgängen des Heeres für die älteren Hitlerjungen zur militärischen Aus­bildung führte zur Schaffung der Hitler-Jugend. Adolf Hitler verfügte die Erfassung und Ausbildung von Jugendlichen des letzten zum Wehrdienst anstehenden Jahrgangs durch kurzfristige Lehrgänge in Lagern der Hitler-Jugend. Die Wehrmacht hatte zur Unterstützung der Hitler-Jugend HJ-Führer, bewährte Frontoffiziere, die im Ersatzheer standen und nicht mehr kriegsverwendungsfähig waren, für diesen Zweck abgestellt. Ziel dieser Lager war unter anderem die jugendgemäße waffenlose Ausbildung im Gelände, ergänzt unter anderem durch Schießausbildung. Im Dezember 1944 nach Aufruf zum Volkssturm gelang es der Reichsjugendführung, die Wehr­ertüchti­gungs­lager zum Volkssturm III. Aufgebot erklären zu lassen. Jetzt mußte erstmalig die Ausbildung an Sturmgewehr, Maschinengewehr und Panzerfaust erfolgen. Zugleich gab es den Auftrag, diese Lager bei Vordringen des Feindes in feindfreies Gebiet zurück­zuführen, was im Westen weitgehend gelang. Damit wurde viel junges Blut gespart. Die Panzernahkampfeinheiten standen in keinem Zusammenhang mit den WE-Lagern. Sie wurden gebildet aus Freiwilligen der HJ und der WE-Lager, die in der Panzernahbekämpfung und der Panzerfaust ausgebildet wurden. Ihre Aufgabe sollte sein, hinter der Front, wo sie aufgestellt wurden, durchgebrochene Panzer zu ver­nichten.

Durchgebrochene Feindpanzer in unserem Heimatland waren nicht nur eine Gefahr für die Wehrmacht, sondern auch für die deutsche Zivilbevölkerung schlechthin. Es ist doch selbstverständlich, daß man sich dieser Lebensgefahr erwehren will. Gerade die Jugend hatte den Willen zur Selbstverteidigung. Eine Ausbildung durch die Hitler-Jugend war Selbstschutz und Lebenserhaltung. Man muß den Krieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung erlebt haben, um den Abwehrwillen der Jugend richtig zu bewerten. Da bedurfte es keiner Befehle von oben, sondern diese Einsätze geschahen situa­tionsbedingt.

Als die Fronten im Osten zusammenbrachen, gerieten Hitler-Jugend-Einheiten (Volks­sturm III. Aufgebot und einige Panzervernichtungseinheiten) – was eigentlich unter­sagt war – in die Hauptkampflinie. Dafür ist der Reichsjugendführer nicht verantwortlich zu machen. Mit dem Einsatz von 500 Jungen an der Pichelsdorfer Brücke unter der Führung des Hauptamtschefs der Reichsjugendführung Dr. Sehländer, einem erfahrenen Offizier des Ersten Weltkrieges, sollte eine Ausbruchstraße aus Berlin freigehalten werden für wichtige Melder. Ein „Judenmörder Himmler“, wie Herr Appel anführt, hat diese Brücke nicht passiert. Bis auf, Gott sei Dank, im Verhältnis geringe Verluste hat Dr. Sehländer die Jungen aus Berlin herausgeführt.

Der erbitterte Kampf an den Seelower Höhen wurde von einigen Soldaten, nach dem „Warum“ befragt, wie folgt beschrieben: „Solange sie den Fluchtweg für Frauen und Kinder aus dem Osten freihalten konnten, hätten sie gekämpft. Er hätte sich sonst schämen müssen. So einfach war das!“ Ein weiteres Motiv: Immer wieder wurde den Soldaten an der Ostfront versichert, daß der große militärische Umschwung durch den Einsatz ganz neuartiger, gewaltiger Waffen bevorstünde. Es gelte nur Zeit zu gewinnen. Noch in einem Befehl der neunten Armee und des 50. Korps wurde diese Frist mit genau drei Jahren beziffert.

Die Zwänge der Schlußphase des Krieges sind zu berücksichtigen. Fest steht, daß zum Beispiel der heroische Abwehrkampf von HJ-Mitgliedern in den U-Bahn-Schächten und Straßen des ausgebombten Berlins reine Selbstverteidigung waren. Er entsprang dem Nationalgefühl der Jugend und auch dem Wissen über die furchtbaren Greueltaten der russischen Armee an deutschen Zivilisten, wobei hierfür sogar der ausdrückliche Befehl des russischen Oberbefehlshabers, General Schukow, bekannt geworden war. Dazu noch die Hetze von Ilja Ehrenburg, gerichtet an die russischen Soldaten: „Tötet! Tötet! Es gibt nichts, was an den Deutschen unschuldig ist, die nicht und die Ungeborenen nicht! Folgt der Weisung des Genossen Stalin und zerstampft für immer das faschistische Tier in seiner Höhle. Brecht mit Gewalt den Rassenhochmut der germanischen Frauen! Nehmt sie als rechtmäßige Beute!“ Das war verzweifelte Selbstverteidigung des eigenen Lebens, aber auch des Lebens der Mütter und Geschwister. In dieser Endphase des grauenhaften Krieges in Berlin gab es keine Befehle der obersten HJ-Führung mehr. Nachrichtenmittel standen nicht mehr zur Verfügung, wohl aber war durch die Erziehung durch die HJ ein diszipliniertes, umsichtiges Verhalten gelehrt worden, und so erwies sich offenbar Wehrtüchtigkeit als eine Schulung der Lebenserhaltung.

Man bedenke: Da hat Churchill am Ende des Krieges, als eindeutig militärisch klar war, daß wir den Krieg nicht mehr weiterführen konnten, den Befehl gegeben, Dresden, Würzburg und andere unverteidigte Städte mit Frauen und Kindern mußten sterben. Das wird nicht angeklagt. Daß aber Jungen in verzweifelter Lage, sowohl sich als auch andere verteidigten und zur Flucht verhalfen, das ist wohl unter den Kriterien des Herrn Knopp ein Verbrechen.

Wer an der Front war und das Schicksal von schlecht ausgebildeten Soldaten erleben mußte, der kann nur mit Respekt an die vorsorglich in der HJ eingeführte Wehr­ertüchti­gung denken. Das war Lebensbewahrung! Wer an die Großtaten der HJ-Führung zurück­denkt, weiß, daß Abertausende von Jugendlichen in der vorbildlichen Kinder­landverschickung vor dem Bombenterror gerettet wurden. Hochgerechnet wurde eine Million.

In den letzten beiden Kapiteln wird nur noch von Krieg gesprochen und am Ende treten Männer auf, die von dem furchtbaren Leiden und Sterben von Soldaten berichten, was verständlicherweise noch heute ein Alptraum für sie ist. Krieg ist immer furchtbar, nur Hitler hatte diesen Krieg nicht gewollt (siehe die Dokumentation im Anhang meines Buches „Ein Leben für die Jugend“, Deutsche Verlagsgesellschaft Schaft, Preußisch Oldendorf, 1999). Sein Ziel war ein Sozialstaat höchster Kultur.

Die Männer, die berichten, sind fast alle Soldaten und keine Kinder mehr. Wenn heute ein Offizier in der Bundeswehr ist, der noch ein Jahr im Jungvolk war, gehört er nach Auffassung von Herrn Knopp immer noch zu Hitlers Kindern.   Auszeichnung - Eisernes Kreuz2Wenn man in alten Filmen sieht, wie Hitler noch sehr junge Hitler-Jungen – ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz – empfängt, dann waren das keine Jungen, die von Axmann im Krieg eingesetzt worden sind, sondern Jungen, die auf der Flucht aus dem Osten die Mutter verloren hatten und sich in ihrer Not schutzsuchend einer Volkssturmeinheit, die auch aus dem Osten kam, angeschlossen hatten.

Alles in allem wird Herr Knopp in der ganzen Serie von „Hitlers Kindern“ in seiner Darstellung der historischen Wahrheit nicht gerecht, weil er das letzten Endes gar nicht will. Er ist ein fähiger Mann, das sieht man an dem „Deutschlandspiel“ zum 10. Jahrestag der Wiedervereinigung, weil er da sachlich vorgeht. Aber die heutige Zeit, der er sich ganz und gar anpaßt, verlangt eben, daß die ganze NS-Zeit in Deutschland negativ dargestellt wird – im Gegensatz zum Ausland, wo man nicht so subjektiv befangen ist. Herr Professor Knopp erwartet aber Anerkennung in Deutschland. Wie kann er diese Negativ-Darstellung der damaligen Zeit als Historiker eigentlich mit seinem Gewissen vereinbaren?

Quelle: Jutta Rüdiger: Hitlers Kinder antworten Prof. Guido Knopp. 2001.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

TextQuelle: Metapedia

Advertisements