Halberstadt, 8. April 1945 — Der Tag, an dem meine Großmutter und mein Großvater starben … im Luftschutzkeller des Bahnhofs Halberstadt

von Götz von Berlichingen

Am 11. Januar 1944 war Halberstadt erstmals von einem Fliegerangriff betroffen. Selbst die darauf folgenden Angriffe waren im Vergleich zu dem vom 8. April 1945 nur ein bitterer Vorgeschmack auf die noch folgende Zer­stö­rungs­kraft der 8. US-Luftflotte. 218 Bomber mit 550 Tonnen Bomben an Bord lösten ein Flammeninferno in einer Fachwerkstadt mit ausreichend “brennbaren” Material aus.

Alexander Kluges “Der Luftangriff auf Halberstadt am 8. April 1945″ zählt zu den ergreifendsten Zeugnissen der Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten. Dokument und Imagination beteiligen sich hier gleichermaßen an der »Recherche verlorener Zeit«, wie es W. G. Sebald genannt hatte. 1977 erstmals erschienen, sind die Aufzeichnungen, erweitert um weitere Geschichten zum Luftkrieg, neu erschienen. Quelle: Neue Zürcher Zeitung

Das traurige ist, das Kluge der Einzige war, der über diesen Angriff berichtete!

Auszug: “…Tage zuvor hatte im Rathaus von Halberstadt eine dramatische Bespre­chung stattgefunden. Der NS-Kreisleiter verlangte dabei die Verteidigung der Stadt. Der Ober­bürger­meister lehnte ab, Halberstadts kulturhistorischer Bedeutung wegen und weil die Stadt angefüllt war mit Flüchtlingen und Verletzten. An die 70.000 Menschen barg die Stadt (bei 57.000 Einwohnern zu Kriegsbeginn), davon drei- bis viertausend Verwundete, verteilt auf 14 Lazarette. Die lokalen Wehrmachtgrößen sprangen dem Bürgermeister bei; ohnehin standen keine Truppen zur Verfügung. Die erregte Debatte endete mit einem Kompromiss. Der Volkssturm sollte täglich einberufen werden…“ Quellen: frank-goetze-online.de – afu-gmbh.de

Luftangriffe auf Halberstadt vor dem 8. April 1945 

Die ersten Bomben fielen in Halberstadt am 11. Januar 1944. Zielpunkte waren die Junkers-Flugzeugwerke und der Hauptbahnhof. Getroffen wurden mehrere Häuser und die Harzbrauerei. Eine Bombe schlug auch am Sommerbad ein, wodurch der erste Bombentote in Halberstadt, ein 16-jähriger Junge, zu beklagen war.Bei diesem Angriff waren insgesamt 700 amerikanische Fernbomber beteiligt, die auf mitteldeutsche Rüstungszentren angesetzt waren. Es handelte sich um keinen Terrorangriff, wie sie auf deutsche Großstädte üblich waren. Im Gelände der Junkerswerke waren beträchtliche Schäden entstanden, die aber schnell behoben wurden.

Ein zweiter Angriff am 22. Februar 1944 galt ebenfalls dem Junkerswerk in Halberstadt sowie ähnlichen Flugzeugfabriken in Aschersleben, Bernburg, Wernigerode, Magdeburg, Marburg und Bünde (Westphalen).
Die Bomben waren alle am Galgenberg zwischen Harsleben und Halberstadt auf das freie Feld gefallen, ohne Schäden angerichtet zu haben. Etwa 150 Bombentrichter hatten den Acker aufgewühlt.

Weitaus folgenschwerer war ein Luftangriff am 12. April 1944 auf das Kasernengelände vor den Thekenbergen. 29 Soldaten kamen dabei ums Leben, viele Gebäude wurden zerstört. Beim Abschuss eines amerikanischen Bombers am Großen Thekenberg fielen außerdem noch acht amerikanische Flieger, die nach dem Kriege exhumiert und in die USA überführt wurden.

Der vierte und bis dahin schwerste und verlustreichste Bombenangriff erfolgte am 30. Mai 1944 durch B-17-Einheiten der 8. USAAF mit dem Ziel, die Junkerswerke und ihre Produktionsstätten zu zerstören. 52 Menschen starben unter ihren Häusern, in den Werkshallen der Junkerswerke und auf den Straßen. Schwer verständlich ist die Tatsache, dass zwar die Verluste der deutschen Zivilbevölkerung, wenn auch falsch (!), publiziert, aber die hohen Verluste der als Junkerswerker zwangsweise verpflichteten italienischen Kriegsgefangenen und anderen Fremdarbeiter nicht genannt oder erwähnt wurden.

Am 16. August 1944 war der Fliegerhorst zum zweiten Mal Ziel eines Bombenangriffs. Neun Soldaten und drei weibliche Wehrmachtsangehörige verloren ihr Leben. Dem Junkersflugzeugwerk galt ein neuerlicher Angriff am 14. Februar 1945. Elf ausländische Staatsbürger wurden getötet. Mehrere Häuser wurden zerstört.

Am 19. Februar 1945 erfolgte ein Angriff auf den Hauptbahnhof Halberstadt, der als Knotenpunkt von wichtiger strategischer Bedeutung war. Der Angriff, an dem sich nur wenige Jabos (Jagdbomber) beteiligten, war jedoch kaum wirkungsvoll.

Drei Tage später, am 22. Februar 1945, erfolgte schließlich gegen 13 Uhr ein Großangriff auf den Bahnhof, dem 155 Menschen zum Opfer fielen. Der Hauptbahnhof wurde völlig verwüstet und unbrauchbar gemacht. Besonders tragisch war, dass eine Bombe in die Wehrstedter Kirche einschlug und dort viele Schutzsuchende begrub.
Eine Zeitzeugin berichtete , damals 8 Jahre alt:

” … wir –  meine Mutter, meine zwei jüngeren Schwestern und ich – saßen gerade im Zug auf dem Bahnhof Halberstadt als es den Fliegeralarm gab. Alle sollten aussteigen. Die meisten Menschen verließen den Zug um in der Fußgänger-Unterführung Schutz zu suchen. Unsere Mutter sagte zu uns, wir bleiben im Zug sitzen – egal was passiert und der Zug fuhr gerade noch rechtzeitig aus dem Bahnhof in Richtung Quedlinburg. Später erfuhren wir, das die Unterführung einen Treffer erhielt und niemand überlebte … “

Bordwaffenbeschuss zwischen Halberstadt und Wegeleben

Außerdem kamen durch Bordwaffenbeschuss zwischen Halberstadt und Wegeleben fünfzehn kriegsgefangene Engländer und zwei amerikanische Kriegsgefangene ums Leben, die sich auf dem Transport in das Gefangenenlager Fallingbostel befanden. Aus dem Bericht eines Augenzeugen:

“… Die Jagd der Tiefflieger dauerte etwa fünfzehn Minuten. Als die Hatz auf die Menschen zu Ende war, erhoben sich die Überlebenden kreidebleich und gingen aufeinander zu, über die Leichen hinweg gingen wir zum Zug zurück … zu Leichen, die unsere Kameraden waren …”

Bilanz dieser Fliegerangriffe:
11. Januar 1944:  1 Toter
22. Februar 1944:  kein Toter
12. April 1944:  29 Tote
30. Mai 1944:  52 Tote
16. Auguts 1944: 12 Tote
14. Februar 1945: kein Toter
19. Februar 1945: 11 Tote
22. Februar 1945: 155 Tote
Zusammen mit den 17 Kriegsgefangenen starben bei diesen acht Angriffen 277 Menschen.

Die Zerstörung Halberstadts

Am 7. April 1945 sollte der Hauptbahnhof Schauplatz eines fruchtbaren Dramas werden. Am frühen Nachmittag dieses Tages kreisten mehrere Jagdbomber über der Stadt, warfen einige Stabbrandbomben, schossen mit Bordwaffen in die Straßen und griffen einen auf Gleis 9 des Hauptbahnhofs abgestellten Munitionszug an, nachdem sie vorher von Zugflak vom Bahnhof her beschossen worden waren. Die hochbrisanten Seeminen, mit denen der Zug beladen war, explodierten. Die Detonation war noch in 30 Kilometer Entfernung zu vernehmen. Luftdruckschäden gab es im gesamten Stadtgebiet, vornehmlich in der Nähe des Bahnhofs. Durch die Explosion war ein Trichter von 280 Meter Länge, 15 Meter Breite und vier Meter Tiefe entstanden, der sich sofort mit Wasser füllte.

Am 8. April 1945 hatten die amerikanischen Panzerspitzen der 9. Armee den Nordwestrand des Harzes erreicht und näherten sich Seesen (Besetzung am 9. April). In den frühen Morgenstunden wurden auf Flugplätzen nördlich der Industriestadt Bedfort in Mittelengland die Einsatzbefehle  für die Bombersquadrons der 8. USAAF erteilt. Von den Flugbasen aus starteten sechs Einheiten schwere Bombersquadrons Bomber-Wing. Für die rund 850 Kilometer lange Strecke waren etwa zwei Flugstunden vorgesehen, sodass die Verbände gegen 9 Uhr starteten. Die Wings bestanden aus 215 Fernbombern B-17, die durch Mustang-Langstreckenjäger geschützt wurden. Südlich des Ruhrgebietes flog der Verband ungehindert in das Reichsgebiet ein. Im Raum Fulda schlug der Verband Nordostkurs in Richtung Harz ein.

Um 11.10 Uhr wurde der Alarm ausgelöst und um 11.25 Uhr näherte sich die erste Bombergruppe aus südwestlicher Richtung in etwa 3.000 Meter Höhe der Stadt. Die Zielmarkierer setzten ihre Rauchzeichen und kurze Zeit später fielen die ersten Bomben im südlichen Stadtgebiet beiderseits der Blankenburger Bahn. Die folgenden Wellen warfen in kurzen Zeitabständen ab und bombardierten vorwiegend das Stadtzentrum. Die letzten beiden Gruppen setzten um 11.54 Uhr nacheinander ihre tödliche Last ab. Die Besatzungen meldeten, dass “wahrscheinlich schwere Zerstörungen im Stadtinneren aufgetreten seien, dass eine besondere Konzentration der Einschläge im mittleren und südlichen Stadtgebiet festgestellt sei …”

504 Tonnen Spreng- und 50 Tonnen Brandbomben regneten auf die wehrlose Stadt herab. Nach der erprobten Methode wurden zunächst die Häuserwände aufgerissen, die Dächer abgedeckt und die Straßen blockiert, dann regneten die Brandsätze in die offenen Häuser hinein und entfachten riesige Flächenbrände.

Wenn man bedenkt, dass 50 Tonnen Brandbomben immerhin 50.000 Kilo praktisch unlöschbares Gemisch aus Benzin, Viskose und Magnesiumstaub bedeuten und die alte Stadt infolge ihrer städtebaulichen Struktur leicht das Opfer eben solcher Flächenbrände werden musste. Wenn man dazu die Fläche des bombardierten Gebietes in Halberstadt mit etwa zwei Quadratkilometer ansetzt, so fielen 3.360 Sprengbomben (je 75 Kilo) und 15.000 Stabbrandbomben auf einen Quadratkilometer. Nach dem Angriff vorher und auch zwischen den einzelnen Wellen, schossen die Begleitjäger mit ihren Bordwaffen in die Straßen und auf fliehende Menschen. Nach einer halben Stunde war der Angriff beendet. Die Stadt war in eine riesige sich schnell ausbreitende Rauchwolke gehüllt. Welches Grauen sich in dieser Stadt abspielte, kann man nicht in Worte beschreiben.

Was in jahrhundertlangen Wachstum entstanden war, was durch den Fleiß der Bürger Generationen geschaffen worden war, wurde in einer knappen halben Stunde durch die Kriegsfurie vernichtet. Im Planquadrat Julius-Caesar der deutschen Luftlagekarte lagen auf einer Fläche von 1,1 Quadratkilometer 1,5 Millionen Kubikmeter Schutt und Trümmer. Und darunter lagen viele Bürger der Stadt, Flüchtlinge aus den Frontgebieten, Soldaten und ausländische Staatsbürger: erschlagen, erstickt, zerfetzt, verbrannt, verstümmelt.

Drei Tage später, am 11. April 1945, wurde die zerschundene, an vielen Stellen noch brennende und verwüstete Stadt von amerikanischen Truppen besetzt, für die Halberstädter war der Krieg endlich zu Ende.

Nur einen Monat vor Kriegsende und nur drei Tage vor dem Einmarsch amerikanischer Truppen wurden 82 Prozent der historischen Innenstadt zerstört. Die Tage vom 8. April bis zum Besetzungstage durch die amerikanischen Truppen waren in Halberstadt durch Chaos, Anarchie, Verzweiflung, Elend und verzweifelte Rettungsaktionen gekennzeichnet. Die Kriegsereignisse vom 8. bis zum 11. April 1945 prägten nachhaltig und unwiederbringlich das Stadtbild, aber auch die Erinnerungen ihrer Bewohner.

Durch die gewaltige Hitzeeinwirkung schmolzen im Zentrum die Zeiger der Martinikirche fest auf 11.28 Uhr ein. Alt-Halberstadt ist innerhalb von 16 Minuten Vergangenheit und so nicht mehr existent.

Warum wurden drei Tage vor dem Einmarsch der Alliierten noch 1.866 Menschen ermordet, von denen zirka 500 nicht identifiziert werden konnten?
Warum erfolgte dieser Angriff, obwohl sich in Halberstadt Anfang April 1945 etwa 70.000 Menschen aufhielten und in vierzehn Lazaretten, Kliniken und dem Salvator-Krankenhaus schätzungsweise 3.000-4.000 Verwundete und Kranke zusam­men­ge­pfercht waren?

Historiker der ganzen Welt diskutieren immer noch die Frage, inwieweit solche Bombardements militärisch gerechtfertigt waren. Sind sie aus ethischer und rechtlicher Sicht nicht etwa Kriegsverbrechen? Es wird angezweifelt, dass die Luftangriffe die militärische Infrastruktur zum Ziel hatten. Von den Bombardements waren ja nicht so sehr Flugplätze, die Industriebetriebe und Kasernen der Städte betroffen, als vielmehr die Zivilbevölkerung und die historischen Innenstädte.

Laut einer Reihe von Historikern verfolgten die wenige Monate vor Kriegsende erfolgten Luftangriffe auf deutsche Städte wie Dresden und Halberstadt in der künftigen sowjetischen Besatzungszone politische Ziele: Das war eine militärische Macht­demon­stration der westlichen Alliierten gegenüber der sowjetischen Staatsführung.

Folgen und Bilanz der Zerstörung

Im Zweiten Weltkrieg wurden in Halberstadt bei insgesamt zehn Bombenangriffen zirka 2.139 Menschen getötet. 8.000 Gebäude waren total zerstört und 2.000 beschädigt worden, was 82 Prozent des Bestandes entsprach.

Die Zeit nach den schweren Zerstörungen

Die Amerikaner erprobten über Halberstadt ein britisches Verfahren, den so genannten Todesfächer, der von der Royal Air Force erstmals am 11. und 12. September 1944 beim Angriff auf Darmstadt praktiziert worden war. Die Methode verband die Effizienz von Punkt- und Flächenbombardement. Der Bombenteppich sollte möglichst die gesamte Stadt bedecken, deshalb pflanzte der master of ceremony, der Markierer, sein Rauchzeichen vor das Zielgebiet. Sodann schwenkte die erste Bomberwelle von rechts über den Markierungspunkt nach Nordwesten, die zweite von links nach Nordosten, die letzte flog geradewegs über Punkt und Zielgebiet. Der Halberstädter Punkt war eine Schule, das Auguste-Viktoria-Lyzeum.

Am 11.04. erklärte Hitler den Harz zur Festung und ab 14.30 Uhr erfolgte der Einzug starker amerikanischer Einheiten der 9. Armee aus westlicher Richtung in das “Tor zum Harz”, der Stadt Halberstadt. Vorher hatten noch einige fanatische Panzerfaustschützen an einer Gaststätte in der Braunschweiger Straße Stellung bezogen. Sie traten aber nicht mehr in Aktion. Einige beherzte Bürger waren den anrückenden Panzerverbänden entgegengegangen. Im Grundstück Burchardianger 1 mussten die Bewohner das Haus verlassen, weil sich hier der Stab des 329. amerik. Inf.-Rgt. einrichtete. Später muss die gesamte Braunschweiger Straße geräumt werden. Sie dient für etwa 14 Tage den amerikanischen Soldaten als Quartier.

Sofort nach der Besetzung der Stadt kam es an verschiedenen Stellen zu Übergriffen der sogenannten “Fremdarbeiter”, die sich von überall her das nahmen, was sie brauchten. Derartige Übergriffe gab es sicher nicht nur in Halberstadt. Auch im nahegelegenen Osterwieck wurde darüber berichtet. Die ehemaligen kriegsgefangenen Soldaten verhielten sich gegenüber der Bevölkerung sehr korrekt. Amerikanische Soldaten drangen in die Paulskirche ein und zerfetzen die in der dortigen Gedächtnishalle untergebrachten alten Regimentsfahnen Halberstädter Regimenter und entwendeten die Trompete von Vionville. Viele unsinnige Zerstörungen werden in der ruinierten Stadt durchgeführt. So wurden die Särge im Mausoleum in den Spiegelsbergen zerbrochen und 10 Urnen der besten Freunde Gleims, die im Gleimgarten um das Grabmal des Dichters standen, in einen Teich der Halberstädter Unterstadt geworfen. Jahre später hat man sie dort geborgen.

Die noch erhalten gebliebenen Schulen werden geplündert (Martineum, Lyzeum, Oberrealschule…). Vorratslager im ehemaligen Proviantamt, der Fa. Fricke in Wehrstedt und in der Schultheiß- Brauerei- Niederlassung werden geplündert. Nazis, deren die Sieger habhaft wurden, mussten Leichen aus den Ruinen der Stadt bergen. Diese Tätigkeit dauerte bis zum 18. März 1946 an. Zur Verpflegung der Einwohner und der “Ausländer” hat man Lebensmittelrationen festgelegt.

Vom 11.04. bis zum 29.04 galten folgende Lebensmittelrationen täglich: für Einheimische für Ausländer…

Wurst – 22 g
Fleisch 35,7 g 100 g
Fett 18,8 g 30 g
Brot 238 g 300 g
Nährmittel 18,7 g 25 g
Zucker 20 g 32 g
Marmelade 35 g 25 g
Kaffee- Ersatz 5 g 10 g
Quark 5 g –
Käse 5 g 10 g
Kartoffeln 350 g 400 g

Auch am 11.04.1945 gab es die Proklamation Nr. 1 des amerikanischen Ober­befehls­habers Eisenhower:

“Wir kommen nach Deutschland als siegreiches Heer; nicht als Befreier!”

Am 12.04. setzte die amerikanische Armee zur Freimachung der Straßen Bulldozer ein. In der Stadt gab es immer noch vereinzelte Brände. In der Zeit von 22.00 bis 05.00 Uhr gilt Ausgangsverbot. Die Bergung von Leichen aus den Trümmern beginnt nun in organisierter Form. Später werden ehemalige “Nazi- Mitglieder” hierfür eingesetzt, die vielen Leichen werden in Massengräbern am Nordende des Friedhofs beigesetzt.

Am 13.04. erfolgte ein Aufruf des OB der Stadt Mertens:

An meine lieben Halberstädter Volksgenossen!

Über unsere Stadt, der ich mehr als 32 Jahre diene, ist durch die Zerstörung größter Teile furchtbares Leid gekommen.

Wir, die wir noch am Leben sind, wollen zusammenhalten und arbeiten. Ich habe mich entschlossen, im Amt zu bleiben und Euch zu helfen, bis ein anderer an meine Stelle tritt. Meine Verwaltung kommt wieder in Gang. Sie ist im Land­gerichts­gebäude in der Richard-Wagner-Straße untergebracht.

Unsere Aufgabe ist zunächst: Die Gefallenen zu bergen und zu begraben. Für Gas, Wasser und Strom zu sorgen. Für die Verpflegung, für Ruhe und Ordnung und Gesunderhaltung zu sorgen. Die Straßen gang- und befahrbar zu machen.
Helft mit! Nehmt, soweit möglich, die Arbeit sofort wieder auf! Verzagt nicht!

Halberstadt, den 13. April 1945
Der Oberbürgermeister
Gez. Mertens

Kurze Zeit später wird OB Mertens von der Militärbehörde verhaftet und als OB abgelöst. In einer Rettungsaktion wird der Halberstädter Domschatz nach Quedlinburg überführt, dort eingemauert und entgeht so seinem möglichen Schicksaal als Beute- bzw. Diebesgut. Die Amerikaner blieben nur bis zum 18. Mai 1945 in Halberstadt. Danach rückten die Engländer ein. Ihnen folgten gemäß den Beschlüssen von Jalta am 1. Juli 1945 die Russen.

Diesen ersten Tagen folgten Wochen und Monate schwerer Aufräum- und Wideraufbauarbeit. Sie ergaben dann Jahre, die sogenannten “schweren Nach­kriegsjahre”. Die Versorgungswege wurden freigeräumt, die Straßenbahnlinien instandgesetzt, Trümmer beseitigt, Versorgungsleitungen repariert. Schulen nahmen ihren Unterrichtsbetrieb auf … und das zerstörte Stadttheater wird 1949 durch das neugebaute “Volkstheater” ersetzt. Quelle: vorharz.net

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Weitere Links von Götz zu diesem Thema:

DESSAU meine Stadt “EIN STÜCK DESSAU” Geschichte in Bildern — Bilder vor und nach der angloamerikanischen Terrornacht am 07.03.1945. youtube.com – Die Farbfilm-Aufnahmen „Ein Sonntag im alten Dessau” stammen aus dem Jahre 1943. […]

Dessauer Junkerswerke Verein des Jahres – Förderverein Technikmuseum “Hugo Junkers” Dessau e. V. — Die Aussagen am Anfang… nun, sind wohl ein Zugeständnis, überhaupt etwas “machen” zu dürfen…youtube.com

Linkverweise:

Dresden 13/14 Februar 1945 – das letzte Wort ist noch nicht gesprochen… — Zitat Churchill -vor dem Angriff auf Dresden- zu den Piloten: “Mich interessieren nicht irgendwelche militärischen Ziele in der Umgebung von Dresden – mich interessiert, wie wir in Dresden die Flüchtlinge aus Breslau braten können.” hier weiter

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Gelesen bei LupoCattivo: Die Bombardierung von Halberstadt und Dessau… « lupo cattivo – gegen die Weltherrschaft

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