„Friedrich – Ein deutscher König“

Im Rahmen meiner akuten „GEZ-Recherchen“ zu den qualitätsbefreiten Medien — hier: ARD; man sollte ihnen ihre „Gebührenbescheide“ einfach gnadenlos in den Rachen stopfen!! — bin ich auf einen Artikel der FAZ gestoßen:

 

Die ARD zeigt zum Jubiläumsjahr: „Friedrich – Ein deutscher König“. Anna und Katharina Thalbach spielen; es ist leider eine Karikatur.

von Andreas Kilb

So ist das deutsche Geschichtsfernsehen: Mit seinen Späßen ist nicht zu spaßen

Wie erzählt man Geschichte im Fernsehen? Lässt man sie nachstellen, nachspielen, schüttelt man ihre schriftlichen Reste aus dem Archiv, schickt man ein Reporterteam los, um ihre Erben zu interviewen? Oder setzt man Guido Knopp vor die Kamera und lässt in seinen Sprechpausen nachvertonte schwarzweiße Dokumentarbilder laufen? Was aber, wenn die Dokumente fehlen, wenn die Historie, dem Fernsehrat sei’s geklagt, vor der Einführung des Zelluloidstreifens stattfand, so dass niemand sie abkurbeln konnte?

Die Amerikaner haben es leicht in diesem Fall, sie setzen einem Jüngling einen Hut auf, ziehen ihm eine weiße Jacke mit Kordeln an und nennen ihn Nelson, Tutanchamun oder Julius Cäsar. Dazu feuern sie ein paar Flinten ab, lassen einige Gäule wiehern und eine Archäologin malerisch durchs Gelände stapfen. Die deutschen Fernsehkünstler machen sich die Sache schwerer. Sie sammeln Material, wälzen Geschichtsbücher, fragen Experten, schreiben Dialoge und zermartern sich den Kopf über die Besetzung. Und am Ende machen sie es so wie die Amerikaner, nur ohne deren Charme.

Schlechtes Reenactment

Friedrich - Ein Deutscher Koenig

Der Preußenkönig im Kasperletheater: Katharina und Anna Thalbach spielen den älteren und den jüngeren Fritz

„Friedrich – Ein deutscher König“ ist ein Film des Rundfunks Berlin-Bran­den­burg und anderer Anstalten über Friedrich den Großen. Den König, eine Doppelrolle, spielen Katharina Thalbach und ihre Tochter Anna. Das sei, sagt Regisseur Jan Peter, eine Entscheidung „gegen das oft übliche Reenactment“, ein Spiel „mit Klischees, mit Rollen­fest­schreibungen“. Katharina Thalbach ihrerseits erzählt im Interview, wie ihre Großmutter ihr immer den Alten Fritz vorspielte: „Die hat ihren alten Pelzmantel angezogen, irgendwelche Hüte zerbeult und dann fürchterlich finster geguckt.“ Und genau so spielt sie ihn auch, neunzig Minuten lang. Das könnte ein toller Spaß sein, wenn der Film es nicht so fürchterlich ernst meinte. Aber so ist das deutsche Geschichtsfernsehen: Mit seinen Späßen ist nicht zu spaßen.

Der Rest ist Reenactment, aber schlechtes. Das Schlachtfeld von Kunersdorf, wo der König in der Rahmenhandlung auf dem Rückweg aus dem Siebenjährigen Krieg Station macht, wird von einer uckermärkischen Heuwiese gespielt, das ruinierte Preußen von einer zerfledderten Windmühle. Ein Jüngling mit Buch und Perücke stellt den königlichen Vorleser Henri de Catt dar, ein Jüngling ohne Buch den Jugendfreund Katte. Friedrichs Gemahlin Elisabeth Christine wird als der Trampel präsentiert, der sie nie war, und seinen Vater, den Soldatenkönig, den das Klischee als Fresser, Säufer und Wüterich kennt, sieht man fressen, saufen und wüten, dass es eine Art hat.

Stereotyp des Schöngeists und Franzosenfreunds

Das Spiel mit den Rollenfestschreibungen läuft eben, vom Fernsehstandpunkt aus betrachtet, üblicherweise darauf hinaus, dass die Rollen noch fester geschrieben werden. Deshalb darf der junge Fritz der Anna Thalbach auch kein Jota vom Stereotyp des Schöngeists und Franzosenfreunds abweichen, das die borussische Überlieferung gemalt hat. Nur einmal, als von der Lust des Kronprinzen und Königs an Maskeraden und Täuschungen die Rede ist, lacht Thalbach ihrem Spiegelbild ins Gesicht und plaudert kokett vom „Rendezvous mit dem Ruhm“. Der Ruhm, ausgerechnet! Gerade er ist das Einzige, mit dem es diesem Monarchen je ernst war, das einzige Rendezvous, das er immer eingehalten hat. Selbst da, wo er richtig liegt, spielt der Film falsch.

Als Experten treten Christopher Clark, Autor des tonangebenden Preußenbuchs, Schlösserstiftungspräsident Hartmut Dorgerloh und die Wiener Historikerin Monica Kurzel-Runtscheiner auf. Sie sagen, was man erwartet: dass Friedrichs Vater ein maniac war und er selbst ein hochbegabter Misanthrop, frauenfeindlich, vielleicht homosexuell (aber nicht zu sehr); dass er den Starruhm genoss, den seine Kriege und Schriften ihm verschafften; dass der Preis seiner Legende die Einsamkeit war. Dazu spielt der Film ein bisschen mit der digitalen Paintbox herum, lässt hier ein Schlachtengemälde aufflammen, dort einen Blutfleck auf einem Offiziershabit verlaufen oder die Züge eines Darstellers zum Ölporträt erstarren. Und eine Erzählerstimme sagt, dass bei Kunersdorf „das letzte Aufgebot“ Preußens gegen die Österreicher kämpfte und mit Friedrich „das Zeitalter der großen Könige“ endete. Der Puder staubt. Die Roben rauschen. Der Klatschmohn blüht. Es ist zum Weinen.

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Kommentar-Auswahl: (überwiegender Tenor, inkl. Schreibfehler)   Friedrich Tausendwasser  (f.tausendwasser) – 07.01.2012 18:12 So etwas hat der Alte Fritz nicht verdient Man kann darin eine weitere Marotte des Gender-Wahns oder die Arroganz der Linken im öffentlichen Rundfunk gegenüber unseren deutschen Tradi­tionen sehen – jedenfalls hat es der Alte Fritz nicht verdient, dass man ihn von zwei Frauen spielen läßt, um billige Aufmerksamkeit zu erheischen. Für so einen Mist werden also die Rundfunkgebühren verwendet…

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Monika Groening  (GroeningGombart) – 08.01.2012 00:41
Der Film ist schlimmer als erwartet. Er ist teilweise eine Verfälschung der historischen Quellen – mit einem Wort: eine fürchterliche Klamotte. Merken die Urheber nicht, wie „gewöhnlich“ die Darstellung des Königs ist? War das beabsichtigt?
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Johannes Schreckenberger  (korsika1981) – 08.01.2012 01:31
Kerr Kilb, richtig gewettert.
Ihre Kritik trifft voll zu, habe die Sendung gerade gesehen. Unerträglich die wider-die Clichés-Attitude, die selbst nur das Cliché erhärtet. Aber auch die gehässigen Kommentare gegen Preußens König der allzu lokalpatriotischen Historikerin aus Österreich waren provinziell. Den Alten Fritz, der aus medi­zini­scher Sicht schlicht unter einer langwierigen und unbehandelten Depression litt, im Schlusswort als einen „Frauen- und Menschenfeind“ abzutun, ist schlicht primitiv. Können diese linken Filmemacher mit ihrem ewigen Arme-Leute-Gesicht und Mutter-Courage-Maskottchen Thalbach nicht was über irgendwelche arbeistlosen Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Neukölln drehen? Dann sind sie wenigstens in ihrem Ele­ment und wir müssen uns den immergleichen Quatsch nicht anschauen.
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Uta Vandeloh  (vandel) – 08.01.2012 04:52
Verp(h)ö(h)nte deutsche Geschichte 
Nach diesem Film wissen wir nun endlich, wer unser Großer wirklich war… – ein unglücklicher, misanthroper Gnom, der Frauen und seinen Monstervater hasste, einer, der mit dem Siebenjährigen Krieg die Vorlage für die Weltkriege lieferte (nur durch ein ‚Wunder‘ habe er gewonnen), der seinen fliehenden Soldaten zurief „Hunde, wollt ihr ewig leben?!“ und der für alle Zeiten den Deutschen mit Disziplin, Gehorsam und Härte impfte, so die österreichische Historikerin – und über den die Schöngeister Europas an seiner Tafelrunde heimlich ihre Witze machten … – ein >deutscher< König, den die Deutschen den „Großen“ nannten. Die künsterischen ‚Aufklärer‘ werden, wie man sieht, nicht ruhen, bis unsere histori­schen Größen alles andere als groß erscheinen, dafür aber als ideale Wegbereiter des schrecklichen Adolf gebrandmarkt werden können. Ach ja, seinen Schöngeist könne Friedrich nur über die Hannoversche Mutter aus dem englischen Königshaus geerbt haben, mutmaßt der englische Sprecher
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Jack Murphy  (JackMurphy) – 08.01.2012 09:21
Geschichte als Klamotte 
Ein solcher Blödsinn kann nur einem verdummten Volk, dem über mehr als 60 Jahre die eigene wahre Geschichte vorenthalten wurde gegen Gebühren­zahlung präsentiert werden, ohne eine Protest­welle auszulösen.Das öffentlich rechtliche Bezahl­fernsehen hat sich wieder einmal als geschichts­blind und demago­gisch linien­treuer Geschichts­fälscher erwiesen. Dem aufgeklärtesten Monarchen des europäischen Absolutismus gebührt Respekt anstelle dieses lächerlichen Puppen­theaters.
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Dieter Weitzel  (DieterWeitzel) – 08.01.2012 13:51
Entäuschend 
Hatte man gehofft, noch lebt ja die Hoffnung, bei Arte etwas mehr Niveau zu sehen, als auf den sonstigen öfftl. rechtl Kanälen, so war man schon bald entäuscht. Das hin und her der Schauplätze und Zeiten des Filmes konnte eigentlich nur jemand verstehen, der sich bereits mit F.dG. beschäftigt hatte. Der war dann bald von der teilweise falschen Geschichtsdarstellung, der üblichen Klisches, entäuscht. Auch ist es „zu kurz gesprungen“ das Leben und Wirken F.d.G. allein mit der fragmentartigen Darstellung des 7-jährigen Krieges, und dies von zwei Frauen entäuschend verkörpert, die mit F. rein äußerlich keine Ähnkichkeit hatten, darzustellen. Der Krieg war der ein Teil des Wirkens, der Andere die im Film weg­gelas­senen 23 Jahre Friedenregentschaft, der Andere und genauso nachhaltige Teil des Wirkens des preußischen Königs. Auch ist es wohl anmaßend von F.d.G. als einem „deutschen“ König zu sprechen, wenn erst im Jahr 1870/71 geklärt wurde, was Deutsch­land ist. F.d.G. hat Besseres verdient.
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Klaus v.Geiso  7  (Fleetenkieker) – 08.01.2012 23:05
Anmerkung 
Eine sehr gute Kritik, Herr Kilb, die Sie hier veröffentlichen! Darf ich als Leser eine Anmerkung machen? Was mich an dieser „Dokumentation“ am meisten ärgert, ist die Darstellung Friedrichs Vater, Friedrich Wilhelm. Wird den Zuschauern als verachtungswürdiger Unhold präsentiert, was er zweifellos in seiner Vaterrolle war. Aber das ist nur die eine Seite seiner Persönlichkeit. Als König hatte er eine beachtliche Leistung vollbracht, hinterließ seinem Nachkommen nicht nur geordnete Finanzen, sondern auch einen riesigen Staatsschatz, eingemacht in Fässern in sicheren Schlossgewölben. (Wie schön wäre es, wenn wir uns auch heute an so einem Erbe erfreuen könnten.-) Dazu eine vorzügliche Armee, die er in erster Linie als Spiel­zeug benutzte, nie daran dachte, diese auch für Raubzüge einzusetzen. Dann noch ein Ausspruch, der mir immer wieder zu denken zugibt: „Besser der Katte, als das Recht stirbt“, oder so ähnlich. Dass der Filius dann in jugendlichem Tatendrang das väterliche Erbe sof

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Quelle (ohne Links): faz.net/aktuell/feuilleton/medien/friedrich-der-grosse-im-film-clips-und-bits-vom-alten-fritz-11595274.html 

Siehe auch:
https://kopfschuss911.wordpress.com/2014/07/13/arthur-trebitsch-friedrich-der-grose/