»Befreiung« durch die Westalliierten – Verbrechen am Deutschen Volk

von Erich Kern
(Auszug)

[…] Leider waren die vorstehend geschilderten Grausamkeiten und Verbrechen, denen deutsche Menschen im Osten und Südosten wehr- und hilflos ausgeliefert waren, nicht ein Privileg der Polen, der entmenschten bolschewistischen Soldateska der Roten Armee, der Tschechen oder der Titopartisanen. Auch unter den Westalliierten, deren Schlachtruf nach Winston Churchills Parole »Vorwärts, christliche Soldaten« hieß, gab es viele, die plündernd, stehlend, raubend, vergewaltigend und mordend in die deutschen Lande einrückten.

Am 16. April 1945 stieß im Verbande des VI. Korps der 7. US-Armee die Armee des Generals Jean de Lattre de Tassigny durch den Schwarzwald. Die Spitze bildete das 3. marokkanische Spahi-Regiment unter dem damaligen Major Maria Ferdinande de Castries.

Obgleich sich in Freudenstadt keine einzige kämpfende deutsche Einheit befand und die Stadt über 1500 Verwundete versorgte, die Oberfeldarzt Dr. Bauer betreute, stellte sich das Regiment zum Angriff bereit und begann die wehrlose Stadt mit 15,5-cm-Geschützen zu beschießen. Oberfeldarzt Dr. Bauer raste ins Waldhotel Stockinger, wo in jener Zeit ein General v. Alberti sich mit ein paar Stabsleuten befand. General Alberti funkte an die angreifenden Franzosen dreimal im Klartext, daß die Stadt bis zu 10 km im Umkreis völlig frei von deutschen Truppen sei.

Die Funksprüche wurden aufgefangen, aber die Franzosen reagierten überhaupt nicht darauf und schossen weiter, bis Freudenstadt in Flammen stand.

Erst am nächsten Tag um 10 Uhr wagten sich die ersten französischen Panzer auf den zerstörten Marktplatz der brennenden Stadt Freudenstadt. Der erste Befehl, der gegeben wurde, lautete: Feuerlöscher einstellen!

Doch nicht genug, die Marokkaner hatten tagelang Plünderungsrecht und jede Freiheit. Der gesamte Stadtkern, mindestens 650 Häuser, ging in Flammen auf, unzählige Verwundete kamen mit Dutzenden Zivilisten in den Flammen um. Über 500 Frauen und Mädchen meldeten sich nach den grauenhaften Tagen bei den Ärzten, weil sie vergewaltigt worden waren.

»Der Fortschritt«, Düsseldorf, veröffentlichte am 3. August 1951 eine Liste von Vorkommnissen, mit denen die Franzosen Deutschland »befreiten«.

In Schramberg (Schwarzwald) wurde am 20. April 1945 Frau Hilde Mall verdächtigt, eine Waffe besessen zu haben, ohne daß die Behauptung bewiesen werden konnte. Sie wurde am 20. April von den Franzosen abtransportiert. Bis heute haben die französischen Behörden keine Auskunft über ihren Verbleib gegeben. (Eidesstattliche Erklärung des ehemaligen Bürgermeisters Beiter, Schramberg)

In Stuttgart-Bad Cannstatt wurden am 22. April 1945 bei einem kurzen Kampf mit regulärer Deutscher Wehrmacht zwei Franzosen getötet und einer verwundet. Der dort in der Nähe wohnhafte 53jährige Arzt, Dr. Dipper, nahm sich des verwundeten Franzosen an. Am Tage darauf wurde der Arzt von einem französischen Offizier mit der Pistole aus seiner Wohnung geholt und nach kurzem Verhör erschossen. Seine Frau, die zu ihm eilen wollte, weil er noch atmete, wurde von den Soldaten zurückgetrieben. Am anderen Tag brachte man ihr als letzten Gruß einen Fünfmarkschein, auf den Dr. Dipper vor seinem Tode geschrieben hatte: »Ich bin unschuldig.« (Aussage Frau Dipper und Drogist Renz vor dem Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt)

Äffstädt in Württemberg wurde am 22. April 1945 von den Franzosen besetzt. Vier Tage danach wurden von Besatzungssoldaten in einem Haus am Ortsrand aus einem Kreis von elf Personen, die zum Gebet versammelt waren, ohne Begründung vier Männer herausgeholt und im Hinterhof durch Kopfschüsse getötet. Unter ihnen befanden sich ein Vater von fünf Kindern, ein 21jähriger Kriegsbeschädigter, der ein Bein in Rußland verloren hatte, und ein Knabe aus Pforzheim im Alter von 15 Jahren. (Eidesstattliche Erklärung des Bürgermeisters Sattler von Affstädt)

In Engen (Baden) wurde am 24. April 1945 zwei Stunden nach der Besetzung der 68jährige Fregattenkapitän a. D. Albert Scheibe, der ein Mädchen rügte, weil es sich den französischen Panzersoldaten würdelos anbot, von einem Panzersoldaten, der ihm gefolgt war, geschlagen, in eine Seitengasse gedrängt, durch sieben Schüsse aus einer Maschinenpistole erschossen. Der französische Kommandant, der auf einem der nächsten Panzer saß, griff nicht ein. (Protokoll der Gendarmerie Engen, Baden)

Fornsbach (Kreis Backnang, Württ.) wurde am 27. April 1945 von französischen Truppen besetzt. Bei der Plünderung des Hauses Erdbeer wurde die Ehefrau von einem Offizier belästigt. Er forderte sie auf, ihm in den Keller zu folgen. Sie weigerte sich. Der 5 6 jährige Ehemann, Fritz Erdbeer, wurde daraufhin als Geisel fortgeführt. Er sollte gegen Schmuck im Werte von zehntausend Mark als Lösegeld am anderen Morgen wieder freigelassen werden. Als Frau Erdbeer die Juwelen brachte, fand sie ihren Gatten tot. Man hatte den Leichnam auf einen Misthaufen geworfen. Nach den Verwundungen zu schließen, war Erdbeer von hinten erschossen worden. (Urkunden des Bürgermeisteramtes Fornsbach)

Am 30. April 1945 wurden der am 28. 3. 1896 geborene August Vornfett und der am 30. 4. 1900 geborene Ernst Kramer aus ihren Wohnungen in Schiltach (Baden) von dem französischen Offizier Alland, der in Begleitung des Ungarn Etienne Szakall und des deutschen Antifaschisten Franz Albert Agethen erschien, verhaftet. Die Ehefrau Vornfett schilderte später vor deutschen Behörden die Ereignisse wie folgt:

»In meine Wohnung kamen ein französischer Offizier und ein Ungar namens Szakall, wohnhaft in Schiltach, die meinen Mann verlangten. Ich ging in die Küche und wollte ihn rufen, da stießen sie bereits die Küchentüre auf und hoben die Gewehre gegen meinen Mann. Dann wurde er abgeführt und in das Gasthaus “Zum Bären” gebracht. Von dort ist er nachmittags im Lieferwagen des Agethen aus Schiltach zusammen mit Ernst Kramer in Richtung nach Wolfach weggefahren worden. Das Auto hielt dann nach Aussagen der Bewohner des Rappensteiner Hofes beim Rappenfelsen. Kurz darauf fielen in dem naheliegenden Wald mehrere Schüsse. Beim Nachsuchen wurden die Leichen meines Mannes und des Ernst Kramer gefunden.«

Erst am 2. Mal erhielt Frau Vornfett die Nachricht von der Ermordung ihres Mannes. Im Krankenhaus wurde ihr mitgeteilt, daß der Tod ihres Mannes durch Bauch- und Genickschüsse eingetreten war.

Aber nicht genug mit der erbärmlichen Ermordung: Das Begräbnis der beiden von dem französischen Offizier Alland ermordeten Deutschen mußte auf Befehl der französischen Kommandantur ohne Geleit, ohne Glockengeläute und ohne Zuschauer erfolgen. Nur die allernächsten Angehörigen durften dem stillen Begräbnis beiwohnen.

Als sich zwei Jahre danach die deutschen Behörden mit den Helfershelfern Szakall und Agethen befaßten, wurden ihnen mit Hinweis auf die Entscheidung der »Direction Regionale du Contro1e de la Justice Allemande« vom 6.12.1946 die Ermittlungen entzogen. Darüber hinaus sprach ein französisches Militärgericht, das den Fall an sich gerissen hatte, am 19. 12. 1947 die beiden Komplicen Szakall und Agethen in Freiburg (Breisgau) frei.

Der französische Oberleutnant Deletre und der französische Leutnant Schwab fingen gemeinsam mit dem Tschechen Milan Kovar sich im April 1945 zu ihrem Privatvergnügen nach dem Einmarsch 55 Nationalsozialisten und Angestellte der »Deutschen Öl-Schiefer-Forschungsgesellschaft«, um mit diesen in Dormettingen ein Privat-KZ zu errichten.

Die Gefangenen wurden auf das grausamste gefoltert. Der ärztliche Befund des Inhaftierten Arno Schreiber, der die Hölle von Dormettingen überlebte, lautete: »25 Wunden am Kopf, teilweise bis auf die Knochen, Gleichgewichtssinn gestört, beide Augen verletzt. Nasenbein gebrochen, aus dem Oberkiefer drei Zähne ausgeschlagen, Brustbein und drei Rippen gebrochen. Schulterkapsel links mehrfach gebrochen, Schlüsselbein angebrochen, rechtes Hüftgelenk verletzt, beide Hände, beide Knie und Fußgelenk verletzt.«

Neben endlosen Prügeleien und Quälereien vergnügten sich die beiden französischen Offiziere damit, Flaschen auf den Köpfen der Gefangenen zu zerschießen. Manchmal ging der Schuß daneben. Mindestens siebzehn der Gefangenen wurden ermordet, andere nahmen sich freiwillig das Leben. Von den Opfern der alliierten Umerziehung in Dormettingen, unter denen sich auch zwei namenlose Franzosen und ein Holländer befanden, die am 25. Mai erschossen wurden, sind folgende Namen bekannt:

Hübner, Schörzingen, 2 .5. 1945, erschossen

Daniu, Ukrainer, 6. 5. 1945, erschossen

Maurer, Dottingen, zwischen 6. und 12. 5. 1945 Selbstmord infolge Folterung Schneider, Zwickau, ermordet, Schädel eingeschlagen

Ludwig, Schömberg, ermordet durch Stockschläge über den Unterleib Schmid, Schörzingen, etwa 12. 5. 1945 erschossen

Schosser, Schömberg, etwa 12. 5. 1945 erschossen

Rebstock, Dotternhausen, 20. 5. 1945 an den Folgen von Mißhandlungen gestorben Haas, Dormettingen, 21. 5. 1945 erschossen

Miller, Augsburg, 25. 5. 1945 erschossen

Klug, Peter, Gößlingen, 25. 5. 1945 erschossen

Kirchhardt, Metzingen, 25. 5. 1945 erschossen

1951 befaßte sich ein französisches Militärgericht in Rottweil auf Grund deutscher Erhebungen mit den Folterungen von Dormettingen. Im Prozeß wurde der ehemalige kaufmännische Leiter der Öl-Schiefer-Forschungsgesellschaft als Denunziant entlarvt, der am 24.4.1945 für die Franzosen die Verhaftungsliste aufstellte und die Eingelieferten auf der französischen Kommandantur von seiner Liste abhakte. Wegen Diebstahls und Teilnahme an Folterungen und Ermordungen in Dormettingen erhielt ein gewisser Helmer-Sandmann fünfzehn Jahre Zuchthaus. Die beiden französischen Offiziere und der Tscheche waren angeblich nicht auffindbar.

Der Oberbürgermeister von Freiburg, Dr. Franz Kerber, wurde von den Franzosen in den Maitagen 1945 verhaftet und in Ketten gefesselt in das Freiburger Landesgefängnis eingeliefert. Dort wurde er von dem Surete-Offizier Goubaud vernommen. Kurze Zeit danach wurde Dr. Kerber, der sich stets für ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Deutschen und den Franzosen eingesetzt hatte und in der ganzen Stadt als untadelige Persönlichkeit bekannt war, von den Franzosen wieder aus dem Gefängnis geholt, um angeblich nach Frankreich gebracht zu werden. Von diesem Augenblick an fehlte vorerst jede Spur von ihm.

Im Herbst 1945 erschien der Generalstaatsanwalt des Landes Baden, Dr. Bader, bei Frau Kerber und legte ihr Sandalen und Stoffreste vor, die sie als Eigentum ihres Mannes identifizieren konnte. Daraufhin teilte Generalstaatsanwalt Bader Frau Kerber mit, man habe im Freiburger Schaumsland die schrecklich verstümmelte Leiche ihres Mannes gefunden, die namenlos in einer Ecke des Freiburger Friedhofs beigesetzt wurde. Dr. Bader sagte, daß es ihr verboten sei, darüber zu sprechen, das Grab zu bekränzen, mit einem Kreuz zu versehen und Trauerkleider zu tragen.

Auf die Anfrage eines großen Blattes, das sich um die Aufklärung des Falles bemühte, wurde, wie »Der Fortschritt«, Düsseldorf, am 15. Juni 1951 berichtete, vom Oberstaatsanwalt von Freiburg mit Datum vom 14. März 1951 mitgeteilt:

»Auf Ihr Schreiben, das an uns zur unmittelbaren Erledigung übersandt worden ist, beehren wir uns mitzuteilen, daß die Staatsanwaltschaft Freiburg i. Br. am 21. November 1945 auf Weisung der französischen Besatzungsbehörden das Ermittlungsverfahren eingestellt und an diese zur Weiterverfolgung abgegeben hat. Da Dr. Kerber sich in französischer Haft befunden hat, unterliegen die mutmaßlichen Täter nicht der deutschen Gerichtsbarkeit. Zur Beantwortung ihrer weiteren Fragen besitzen wir keine Unterlagen.«

Ebenso wie Dr. Kerber wurde der Kriminalkommissar Traub, aus Freiburg von den Franzosen weggebracht. Auch seine Leiche fand man mit Genickschüssen, nur notdürftig verscharrt, wieder auf.

Zwei Tage nach dem Einmarsch der Franzosen in der Gemeinde Hallwagen verschwanden der stellvertretende Bürgermeister Gottlob Dieterle und der Kleinbauer Karl Hofer. Sie waren vorher von den Franzosen festgenommen und in einem etwas abgelegenen Haus eingesperrt worden.

Am 27. April meldete ein Bürger der Nachbargemeinde Lützenhardt aufgeregt auf dem Rathaus Hallwangen, daß im Wald, ungefähr 10 Minuten vom Dorf entfernt, zwei Leichen lägen. Sie wurden als die verschwundenen Gottlob Dieterle und Karl Hofer Identifiziert. Die Leichen zeigten deutliche Spuren schwerer Mißhandlungen, getötet waren die Unglücklichen durch Genickschüsse worden.

Am 22. April 1945 mittags gegen 12 Uhr wurden alle Kampfhandlungen in und um Reutlingen eingestellt. Zwei Tage später wurden vier Reutlinger Bürger ohne Angabe von Gründen verhaftet. Es waren dies der Chefarzt der Reutlinger Lazarette, Dr. Wilhelm Egloff, Vater von drei Kindern, der verwundete Architekt Wilhelm Schmid, der Redakteur Ludwig Ostertag, Vater von sieben Kindern, und der Schreinermeister Jakob Schmid, Vater von sieben Kindern. Es wurde ihnen lediglich erklärt, sie seien als Geiseln verhaftet, weil in der Stadt ein französischer Offizier niedergeschlagen wurde.

Man brachte sie in ein Privathaus in der Urbanstraße, in dem französische Offiziere im Quartier lagen. Es fand keinerlei Untersuchung und keinerlei Kriegsgerichtsverhandlung statt.

Der katholische Stadtpfarrer von Reutlingen, Keicher, berichtete später, daß er am 24. April gegen 14 Uhr von einem französischen Militärgeistlichen aufgesucht wurde. In einem Protokoll gab Stadtpfarrer Keicher an:

»Dieser Militärgeistliche forderte mich auf, mit ihm zu gehen, um vier Deutschen, die als Geiseln erschossen würden, geistlichen Beistand zu leisten. Da ich annahm, daß vielleicht einer der Geiseln der protestantischen Kirche angehören würde, habe ich auch den protestantischen Pfarrer benachrichtigt. Ich konnte diesen persönlich nicht erreichen; so kam es, daß ich diesen zum Tode Verurteilten, oder besser gesagt, für den Tod bestimmten Männern allein den geistlichen Beistand gab und als einziger Deutscher mit den Männern bis zu ihrem Tode beisammen war. Ich wurde durch den französischen Geistlichen in ein dem Professor Mautz gehörendes Privathaus gebracht. In diesem Haus befanden sich französische Offiziere und die vier Reutlinger Bürger, die als Geiseln erschossen werden sollten. Die vier Geiseln zeigten sich meinem geistlichen Zuspruch gegenüber sehr aufgeschlossen. Ich veranlaßte, daß die Geiseln Gelegenheit bekamen, ihren Angehörigen ein paar letzte Zeilen zu schreiben. Diese Zeilen habe ich den Angehörigen selbst überbracht. Die Angehörigen waren vollkommen ahnungslos über das Schicksal, das ihre Ernährer betroffen hatte. Die Geiseln wurden erst in den frühen Mittagsstunden des 24. April 1945 aus dem Kreis ihrer Familien heraus verhaftet und bereits zwischen 15 und 16 Uhr des gleichen Tages, also wenige Stunden später, erschossen. Ich mußte bestätigen, daß alle vier Geiseln aufrecht und tapfer in den Tod gingen. Der unter den Geiseln befindliche Oberfeldarzt der Reserve, Dr. Egloff, dem die Reutlinger Lazarette unterstanden, trug die Uniform eines Sanitätsoffiziers der Deutschen Wehrmacht. In dieser Uniform wurde er auch erschossen.«

Weder den Erschossenen noch den Angehörigen noch der Bevölkerung wurde jemals mitgeteilt, wo und wann und welcher französische Offizier niedergeschlagen worden war. Als die Angehörigen später von der Verteidigung als Zeugen zum Nürnberger Prozeß vorgeladen wurden, bestellte man sie zur französischen Sicherheitsbehörde, wo Capitaine Brunel die Angehörigen zwang, ein in französischer Sprache abgefaßtes Schriftstück zu unterzeichnen. Jahre danach beschloß der Gemeinderat von Reutlingen einstimmig, den Hinterbliebenen dieser Ermordeten eine Ehrengabe von je 10 000 DM zu überreichen.

Im berüchtigten französischen Interniertenlager Hüfingen bei Donaueschingen starben von 484 Internierten 83. Viele nahmen sich selbst das Leben, andere wieder wurden ermordet oder starben an den Folgen der »Behandlung« durch die Franzosen und ihrer Helfershelfer.

Viele waren den überlebenden Internierten namentlich gar nicht bekannt. Es wurden in diesem Lager auch zahlreiche Elsässer und Franzosen ermordet. Am 16. Juni 1945 wurden die beiden Volksdeutschen Michael Kewaleschka und Gregor Miklosch erschossen. Tags darauf der Franzose Paul Victor Chaussin. Am 15. Juli wurden hier Friedrich Wilhelm und Josef Gillmann ermordet. In allen Fällen hieß es »verstorben«.

Im Gefängnis Überlingen wurde Amtsgerichtsrat Werner ermordet, in der Umgebung von Kißlegg Apotheker Bohner, Rendle und viele andere. In Oberlauchringen wurde der Zollsekretär Moosbrugger von den Franzosen ermordet. In Blasiwald wurde der Gastwirt Beck ermordet, als er die Vergewaltigung seiner Tochter zu hindern suchte.

Bei Gundelfingen wurden am 5. Mai ermordet: Tschiggfrei, Handloser und Karl Knieß. Auf dem Marsch nach Offenburg wurden zwischen Gundelfingen und Denzlingen der Landwirt Fehsenmeier ermordet, in Rastett Dr. Riedel, Zahnarzt Höß, Haegele, Klein, Klump und Otto Matt so mißhandelt, daß sie an diesen Mißhandlungen sterben mußten.

In Markdorf im Kreis Überlingen hielt am 2. Mai 1945 eine französische Patrouille von drei Mann einen deutschen Zivilisten an und wollte ihn ausplündern. Der Zivilist widersetzte sich der eingehenden Leibesvisitation. Daraufhin zog der Zivilist plötzlich eine Pistole, Bei der darauffolgenden Schießerei verwundete er zwei Franzosen leicht. Er konnte flüchten.

Nun befahl der französische Ortskommandant dem Bürgermeister Eugen Grieshaber, der schon zur NS-Zeit Bürgermeister gewesen war, und seinem Amtsvorgänger, Wilhelm Kahles, sofort zehn Bürger Markdorfs namhaft zu machen, die »zur Abschreckung« standrechtlich erschossen werden sollten. Beide Bürgermeister weigerten sich standhaft, diesem Befehl nachzukommen. Grieshaber erklärte dem französischen Ortskommandanten: »Ich gebe niemanden an. Erschießen Sie lieber mich!«

Daraufhin wurde der französische Offizier unsicher. Mitten in der Besprechung wurden vier Zivilisten von einem französischen Soldaten hereingeführt. Es waren dies die Landesschützen Daniel Lichtenfels, Wilhelm Zimmer, Walter Frey und Franz Bodenmüller. Sie hatten längst Waffen und Uniformen weggeworfen und befanden sich auf dem Weg zu ihren Familien. Lichtenfels hatte Frau und neun Kinder, Zimmer Frau und fünf Kinder, Frey Frau und drei Kinder. Lediglich Bodenmüller war noch unverheiratet.

Der Ortskommandant befahl nun, daß die vier zum abschreckenden Beispiel für Markdorf erschossen werden sollten.

Es marschierten an der Stadtkirche 400 französische Soldaten im Karree auf, die Bürgermeister Grieshaber und Kahles sowie Stadtpfarrer Boch wurden zur Exekution befohlen. Als die vier völlig schuldlosen Deutschen, die sich überaus mannhaft verhielten, herangeführt wurden, brachten französische Soldaten mit einem Lastkraftwagen noch die Leiche eines grauenhaft verstümmelten deutschen Zivilisten heran. Später wurde die Leiche als der frühere Obergefreite Kurt Bischof ermittelt, der sich in Zivil auf dem Weg in seine rheinische Heimat befunden hatte. Die Franzosen hängten die Kellertür des Anwesens Kullmann aus, banden den Obergefreiten Bischof in Kreuzesform auf die Kellertür, die sie über die Mauer stellten, vor der die vier Landesschützen bereits zur Erschießung standen.

Das Exekutionspeloton schoß so schlecht, daß Bodenmüller nach der ersten Salve noch stand. Er rief: »Mein Heiland, ich bin unschuldig!« Nach einer zweiten Salve sprang Franz Bodenmüller noch einmal auf und rief wieder: »Mein Heiland, ich bin unschuldig.« Darauf ging der französische Offizier auf ihn zu und streckte ihn mit einem Genickschuß nieder.

Als die »Revue« diesen aufreizenden Vorfall Ende Februar 1951 in allen Details publizierte, wurde sie in der französischen Zone und im damals französisch besetzten Saarland verboten und beschlagnahmt, weil sie nach Ansicht des französischen Oberkommissariats geeignet war, »Ansehen und Sicherheit der französischen Besatzungsmacht zu gefährden«.

In der Nacht des 7. Juli 1945, zwei Monate nach Kriegsende, dröhnten in Lörrach Fußtritte an der Tür der Lehrersfamilie Reimold. »Ouvrez! Öffnen, wir suchen Waffen und Nazis!«

Ein französischer Capitaine mit sechs schwerbewaffneten Soldaten drängte in die Wohnung, und obwohl keine Waffen gefunden wurden, nahm er Lehrer Reimold fest und schleppte ihn mit. Von dem Augenblick an fehlte von ihm jede Spur.

Der nächste war der Lörracher Polizeimeister Johann Sprich. Im nahen Hattingen wurden auf dieselbe Weise der Mechaniker Georg Schwarzwälder, der Bahnbeamte Karl Graf und der Arzt Dr. Otto Frey verschleppt. Bei all diesen Aktionen war ein breitschultriger französischer Capitaine mit einer Narbe an der Wange der Anführer.

Nachdem ein paar Wochen vergangen waren und die Angehörigen nichts erfuhren, wandte sich Frau Klara Sprich an die französische Gendarmerie und wurde dort zu ihrer Überraschung zu dem Capitaine mit der Narbe geführt.

Frau Sprich fragte ihn: »Wo ist mein Mann?« Der Capitaine fuhr auf und schrie die fassungslose Frau an: »Ich habe ihren Mann nicht verhaftet. Wenn Sie das behaupten, lasse ich Sie einsperren.«

Am 1. August 1945 meldeten sich die neuen deutschen Behörden in der Angelegenheit zu Wort. Sie stellten bei den öffentlichen Angestellten die Gehaltszahlungen mit der Begründung ein: » … weil der Verschollene seit dem 17. Juli nicht mehr zum Dienst erschien.«

Erst nach Jahren gelang es den Angehörigen der spurlos Verschwundenen, einen mutigen Anwalt für den Fall zu interessieren. Der Anwalt bombardierte nun furchtlos die deutschen und französischen Behörden. Man konnte nicht mehr ausweichen und begann zu ermitteln.

Der Capitaine, der sich längst nicht mehr in Lörrach befand, hatte dort aber eine deutsche Geliebte gehabt: die Friseuse Dora Wiedmann. In ihrer Wohnung am Wiesenweg 28 fand nun durch die Surete eine Haussuchung statt, und in einer Nachttischschublade wurde ein Bild sichergestellt: die Photographie des Capitaines Andre Huser.

Im Verlaufe der weiteren Nachforschungen wurden Huser und sein damaliger Stellvertreter, Leutnant Avril, verhaftet und nach Freiburg im Breisgau überstellt. Huser wurde 1950 von den Frauen und Kindern ausnahmslos als der Verschlepper identifiziert. Allein der deutsche Anwalt erhielt keine Akteneinsicht. Es kam später zu einer Verhandlung, die eine reine Farce war. Schon vor dem Urteilsspruch verließen Huser und Avril den Gerichtssaal. Natürlich wurden beide freigesprochen.

Aber von den fünf verschwundenen Deutschen wurde nie wieder etwas gehört…

Wie die Franzosen damals die Bevölkerung ihrer Zone behandelten, geht aus den Aussagen hervor, die von einer Mutter, die, mit ihrem 14jährigen Sohn in Zieflensberg bei Herrenalb festgenommen, gemacht und von den Behörden deutscherseits überprüft wurden:

»In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1945 wurden alle Bewohner des Ortsteils Zieflensberg von Herrenalb durch französische Besatzungstruppen verhaftet. Wir mußten uns in größter Eile anziehen und in die Scheune unseres Hauses begeben, wo schon alle übrigen Anwohner versammelt waren. In meiner Wohnung wurde Haussuchung nach Waffen gemacht, dabei alles Wertvolle gestohlen und sämtliche Koffer und Kisten mit Wäsche, Gardinen, Wertsachen usw. auf Lastwagen verladen und weggefahren.

Tag und Nacht mußten wir stehend in der Scheune zubringen; kein Wort durfte gesprochen werden. Wer es dennoch wagte, erhielt sofort Schläge ins Gesicht von den meist sehr gehässigen Wachmannschaften. Von Zeit zu Zeit holte man einen der Männer zum Verhör. Als sie nach Stunden zurückgebracht wurden, waren sie kaum noch zu erkennen, das Gesicht blau und rot angelaufen und fürchterlich angeschwollen. Die Augen fast heraushängend. Zu essen bekamen wir nichts, nur die Kinder bekamen etwas heißen Milchkaffee; was übrigblieb, durften die Frauen haben.

Am 12. Juli, nachts um 11 Uhr, wurde ich zum Verhör geholt. Angeredet wurde ich nur mit “Nazischwein” und per du. Keiner meiner Aussagen wurde Glauben geschenkt. Mir wurde vorgeworfen, ich hätte 4 Gewehre versteckt, ferner hielte ich meinen Mann verborgen, habe dessen Parteipistole in Besitz und hätte eine Werwolfbande organisiert, um den Franzosen in den Rücken zu fallen. Jede Verneinung dieser Anschuldigungen meinerseits wurde mit Schlägen ins Gesicht beantwortet. Die Schläge waren so heftig, daß mir das Blut aus Mund und Nase schoß und ich von einer Ecke in die andere flog.

Als auf diese Art und Weise mir kein “Geständnis” abzupressen war, zwang man mich, mich vollständig auszuziehen. Auf mein Zögern, auch das Hemd auszuziehen, riß es mir einer der Soldaten herunter. Es war eine große Menge Franzosen zugegen, Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, u. a. auch der damalige Stadtkommandant von Herrenalb, Major Fuchs. Ich wurde nun von zwei Soldaten systematisch ausgepeitscht, angefangen von den Schultern den ganzen Körper hinab. Alsdann ließ man mich auf Holzscheiten knien und peitschte mir die Fußsohlen. Bei diesen Mißhandlungen wurde es mir vor Schmerzen öfters schwarz vor den Augen, so daß ich ohnmächtig umfiel. Ich wurde dann jedesmal mit kaltem Wasser übergossen und, hierdurch aus den Ohnmächten erwacht, wieder hochgerissen und auf den markierten Platz in die Zimmermitte gestoßen. Wenn ich infolge der Peitschenhiebe schwankte und die markierte Stelle verließ, stießen mich die Umstehenden immer wieder mit Fußtritten nach dort zurück, beschimpften mich: “Du Nazischwein, beschmutze mich nicht”, prügelten mich und zerrten mich an den Haaren oder Beinen durch die Blutlachen zur Zimmermitte und stellten mich dort wieder auf. Eine größere Wunde an der Innenseite des linken Schenkels zog ich mir zu, als ich gegen eine Tischkante flog. Immer öfter brach ich vor Schwäche zusammen und erhielt so immer öfter die Güsse mit kaltem Wasser. “Jetzt wollen wir dir Nazischwein mal zeigen, was die französische Gestapo kann”, sagten dann meine Peiniger und drehten mir die Arme nach außen, so daß mir vor Schmerz Hören und Sehen verging. Mit ihren brennenden Zigarren und Zigaretten brannten sie mir Wunden auf Brust und Gesicht.

Schließlich ließ man aus der Reihe der Verhafteten einen jungen Mann heranholen, der sich ebenfalls nackend ausziehen mußte und mich auspeitschen sollte. Als dieser sich weigerte, eine Frau zu schlagen, schlug man so maßlos auf ihn ein, daß ich ihm zurief, er möge es tun, es gäbe anders ja doch kein Ende. Nach vielen Stunden (Mitgefangene sagten mir später, daß es 5 Uhr morgens gewesen sei, als man mich zurückbrachte), hieß man mich anziehen, wobei man sich noch über mein Aussehen lustig machte. Man führte mich dann ab in ein Nachbarhaus, das als Gefängnis für die “Werwolfbande” diente, deren “Chefin” ich sein sollte. Ich konnte hören, wie die mich abführenden Soldaten zueinander sagten, sie hätten nicht für möglich gehalten, daß diese Frau lebend herauskäme, so habe man auf sie eingeschlagen. Ich wurde ins Nebenzimmer geführt, wo die abgelösten Wachsoldaten schliefen. Nicht mehr fähig zu stehen, kauerte ich mich auf das Fußende eines der Betten, worauf ein Soldat schlief. Nasenbein, Kinnlade, alles schien mir gebrochen und bereitete mir fürchterliche Schmerzen.

Später kam dann der das Verhör leitende Leutnant zu mir herüber und trug, ob ich immer noch nicht gestehen wollte; ich käme gleich wieder dran, und wenn ich dann nicht eingestände, die Bandenchefin zu sein, wolle er mit mir Hochzeit machen. Ich mußte mich dann im Türrahmen aufstellen und stramm stehen bleiben. Ab und zu kamen Franzosen, uns zu besichtigen. Als einige höhere Offiziere kamen, wurde auf mich gezeigt: »La voila, c’est la plus dure!” (das ist sie, sie ist die Hartnäckigste.)

Ich konnte verstehen, wie ein Offizier die Anweisung gab, mich nochmals durchzupeitschen und in die Wunden Salz oder Zitronensaft zu streuen, dann Streichhölzer unter die Fingernägel zu treiben und anzuzünden, und wenn dies auch nichts nützen sollte, mich zu vergewaltigen. “Dann wollen wir mal sehen, ob sie nicht gesteht!” Mir sauste und brauste es in den Ohren, aber sobald ich etwas schwankte, wurde ich angeschrien, still zu stehen. Einer der jungen Männer, die Tag und Nacht mit hocherhobenen Armen stehen mußten, und mit Gewehrkolben und Fußtritten in Schach gehalten wurden, wankte plötzlich und fiel um, Schaum vor dem Mund.

Da inzwischen eine neue Wache aufgezogen war, hatte ich den Mut, zu bitten, den Jungen doch nebenan aufs Bett zu legen und einen Arzt holen zu lassen. Man verständigte die Offiziere, welche kamen und trugen, ob man nicht einen Priester kommen lassen sollte. Mir wurde auf meine Bitten hin erlaubt, mich um den Jungen zu kümmern. Ich durfte Wasser holen und nach einem Lappen suchen. Hierbei fiel mir eine alte Schere in die Hand. Seit ich die Folterkammer verlassen hatte, beherrschte mich nur der eine Gedanke: “Mich bekommt ihr nicht mehr nackt vor die Augen!” Als ich die Schere fand, war mein Entschluß gefaßt. In einem Augenblick, da mich der hin und her gehende Wachsoldat nicht beobachten konnte, stieß ich mir die Schere ins linke Hand- gelenk und versteckte die Wunde im Ärmel meines Lodenmantels, den ich anhatte. Die Wunde blutete heftig, aber die Pulsader hatte ich nicht getroffen, und deshalb bohrte ich immer wieder in die Wunde, wenn ich unbeobachtet war. Da mir meine Absicht immer noch nicht gelang, wischte ich mit dem Finger über den schmutzigen Fußboden und bohrte ihn in die Wunde, um so eine Blutvergiftung herbeizuführen.

Bald wurde ich wieder zum Verhör befohlen. “Ausziehen!” Ich entledige mich meines Mantels und stehe mit verschmiertem Arm und Handgelenk da. Darob großes Erschrecken bei meinen Peinigern. Man bietet mir einen Stuhl an, zwingt mich, ein Glas Wasser und dann ein Glas Cognac zu trinken, und macht mir die heftigsten Vorwürfe, es sei Sünde, Selbstmord zu begehen. Ob ich nicht daran gedacht hätte, daß mein gänzlich gelähmtes Kind sterben müsse, wenn ich es nicht mehr pflegen könne usw. usw. Dieses plötzlich zutage getretene Mitgefühl hinderte die Herren keineswegs, mich ins Gefängnis nach Calw bringen zu lassen (dem ehemaligen Gefängnisarzt, der meine Wunde verband, habe ich die erlittenen Folterungen zu Protokoll gegeben).

Von Calw aus kam ich nach 14 Tagen ins Kriegsgefangenenlager Maischbach. Ich war die einzige Frau dort im Lager, und es mußte für mich ein alter Kohlenbunker freigemacht werden, in den man mir ein Feldbett stellte. Nach 5 Tagen kam ich ins Gefängnis nach Baden-Baden, wo ich mit Stockschlägen und Fußtritten traktiert und im Keller in eine Einzelzelle gesperrt wurde, in der nur eine Steinpritsche stand, ohne Matratze und Decke. Fünf Tage lang ließ man mich dort hungern und dürsten, ehe ich zu anderen Frauen in die Zelle kam, wo ich Flöhe und Läuse bekam. Nach drei Wochen brachte man mich mit anderen Frauen zusammen in das politische Internierungslager Maischbach, später nach Altschweier und als letzte Leidensstation nach Lahr-Dinglingen.

Insgesamt 30 Monate währte meine Haft, aus der ich am 31. 12. 1947 nach über dreimonatigem Aufenthalt im Bezirkskrankenhaus Lahr wegen schweren Nierenleidens entlassen wurde.

Dieses Leiden verursacht mir noch heute sehr häufig große Beschwerden. Da auch meine Zähne alle locker geschlagen waren, verlor ich bald einen Zahn nach dem anderen und mußte schon früh eine Prothese haben.

Daß vorstehende Angaben der reinen Wahrheit entsprechen, versichere ich an Eides Statt.

Herrenalb, den 5. Mai 1948
Marie Bergmann.«

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Es gab kaum einen Ort, in dem die Franzosen nicht wehrlose Deutsche erschossen. Die Zahl der Opfer ist endlos und wird nie auch nur annähernd festgestellt werden können. Es wurden erschossen, allein am 30. Juli 1945: Weertz, Heinrich, Friseur, Willem (Ostfr.); Drikur, Nikolaus, Bergmann, Kutzdorf, Saar; Horetz, Heinrich, Maler, Saarbrücken; Kunkel, Karl, Bergmann, Dudweiler (Saar); Regulski, Eduard, Chrestochiwa (Polen); Omike, Jakob, Steuersekr.. Lindscheid (Saar); Arnold, Heinrich, Polsterer, Saarbrücken; Fries, Heinrich, Hüttenarbeiter, Saarbrücken, Schmoll, Friedrich, Polizeianwärter, Wilhelmshaven; Groß, Fritz, Bergmann, Waldprechtshofen; Weiland, Matthias, Bergmann, Waldprechtshofen; Baron, Heinrich, Scheidt (Saar); Weiß, Peter, Polizeiassistent, Kuhbach (Saar); Beeckes, Friedrich, Kaufmann, Ottweiler (Saar).

Mit den Morden wurde nicht viel Aufhebens gemacht. Die hilflosen Opfer wurden schnell verscharrt. Nur in einem Fall griffen die Franzosen daneben. Das war in Appenweier. Der französische Leutnant Maurice Colette ließ in Begleitung des Feldwebels Ernest Cousin, des Unteroffiziers Louis Devigens in Appenweiler den Lehrer Fritz Walter, den Apotheker Walter Zimmermann und Robert Goldmann festnehmen und dann mit Genickschüssen ermorden. Für diese Morde bestand keinerlei Anlaß, und es wäre sowenig wie in den anderen Orten ein Aufhebens davon gemacht worden, wenn nicht das eine Mordopfer, Robert Goldmann, Jude gewesen wäre. Seine Frau und die Verwandten setzten Himmel und Hölle in Bewegung, und so kam es in Paris 1956 zu einer Verhandlung gegen Leutnant Colette und seine Spießgesellen. Leutnant Maurice Colette erklärte vor seinen Richtern mit nicht zu überbietendem Zynismus: »Ein Nazi, das zählte bei uns wenig, 48 Stunden später dachte niemand mehr daran.«

Da aber zumindest einer der Ermordeten, nämlich der Jude Goldmann, kein »Nazi« gewesen und darüber hinaus der Tatbestand durch zahlreiche Zeugenaussagen erhärtet worden war, verurteilte das Pariser Gericht Leutnant Colette zu einem Jahr Gefängnis, die fünf Untergebenen wurden freigesprochen, »weil sie auf Befehl gehandelt haben«. Das Pariser Gericht tat aber ein weiteres: Es verkündete am Ende des Urteils, daß die Strafe des Leutnants Colette gleichzeitig unter Amnestie falle …

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Mit den endlosen Ermordungen Hand in Hand schritten die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen durch französische Truppen, teilweise durch Kolonialsoldaten. Besonders in Stuttgart, Bruchsal, Pforzheim, Baden-Baden, am Hochrhein und im Südwürttembergischen herrschten Zustände wie im deutschen Osten beim Einmarsch der Roten Armee. In dem Hirtenbrief des Erzbischofs Dr. Groeber vom 8. Mai 1945 stand geschrieben: »Ich leide selber aufs allerschmerzlichste darunter, wenn zur Zeit die Klagen über Plünderungen und Angriffe auf die Frauenehre zu Bergen sich häufen und die Tränen der geschändeten Frauen in Strömen sich ergießen.«

Wer es aber wagte, Frauen und Mädchen vor den französischen Notzüchtern in Schutz zu nehmen, war des Todes. In Leonberg bei Stuttgart warfen sich der Kaufmann Hugo Richter und seine 12jährige Tochter vor die Ehefrau und Mutter, auf die sich französische Soldaten stürzten. Die Franzosen erschossen Hugo Richter, nicht genug damit: auch das 12jährige Kind.

Doch nicht nur in ihrer Besatzungszone, auch in Westberlin herrschten die Franzosen nicht anders. Georg Althaus, der gegen Ende des Krieges noch zum Volkssturm einberufen worden war, ohne eingesetzt zu werden, wurde am 5. August 1945 unter dramatischen Umständen festgenommen. Sein Wohnhaus wurde gegen 14 Uhr von bewaffneten Franzosen umstellt, die Wohnung gestürmt und alle, selbst die anwesenden Kinder, mußten mit erhobenen Händen an der Wand stehen, während die Franzosen das Haus nach Waffen absuchten. Althaus berichtet über seine Erlebnisse wie folgt:

»Ich selbst wurde in Handschellen gefesselt abgeführt und auf dem Polizeirevier 294 in Berlin-Hermsdorf abgeliefert. Hier saß ich drei Wochen lang. Verpflegung gab es nicht, doch durfte meine Familie mir täglich einmal etwas Essen bringen, was diese sich auf Karte 5 abgehungert hatte. Freunde hatte ich plötzlich nicht mehr, oder diesen erging es ähnlich.

Von hier aus wurden die Verhöre gestartet, wir wurden, auch die anderen Zellen waren belegt, von zwei deutschen Polizeibeamten nach dem Haus Berlin-Hermsdorf, Kaiserplatz, in dem die Securite untergebracht war, geführt und dort verhört. Gegen mich lag eine Anzeige vor, ich hätte einen amerikanischen Flieger, der hier in Hermsdorf 1944 notlanden mußte, erschlagen, was völlig aus der Luft gegriffen war.

Beim Betreten des Verhandlungsraumes in der Wohnung am Kaiserplatz 6 wurde man mit Faustschlägen und Tritten in alle erreichbaren Teile seines Körpers zusammengeschlagen. Bei den schweren Mißhandlungen zeichneten sich hauptsächlich die beiden französischen Offiziere Leutnant Vernet und Leutnant Bonde aus, auch war bei einem Verhör ein höherer Offizier anwesend, der in Berlin-Frohnau wohnte.

Oft mußte ich mich nackt ausziehen, dann stand ein Offizier mit einer entsicherten und gespannten Pistole vor mir, um von vornherein jeden Widerstand auszuschalten, ich hätte nur zur Abwehr die Hand zu erheben brauchen, dann wäre der Grund zum Schießen gegeben gewesen. Außer den beiden Offizieren waren Soldaten aller Dienstgrade und zwei deutsche KZ-Häftlinge anwesend, die einige Jahre im KZ Sachsenhausen gesessen haben, und wegen schwerer Sittlichkeitsverbrechen am laufenden Bande in Sicherungsverwahrung genommen worden sind. Die Namen der beiden waren Riess und Müller. Riess ist später im Rheinland an TBC gestorben. Müller wurde in der Ostzone Kriminalbeamter.

Während man mir die Pistole vor das Gesicht hielt, wurden mir die Brustwarzen mit einem Feuerzeug angebrannt. Einmal wurde mir ein Teil meines Fingernagels abgerissen, ein andermal wurde ich auf dem Rücken gefesselt in eine Badewanne mit eiskaltem Wasser geworfen und die Beine hochgezogen, so daß ich darin beinahe ertrank. Wiederum mußte ich mich auf den Tisch legen, die Beine wurden hochgebunden und die Fußsohlen mit Kabeldraht so zerschlagen, daß ich kaum noch einen Fetzen Haut unter den Füßen hatte. Beliebt war auch das Fesseln der Hände auf dem Rücken, dann wurde man an dieser Fesselung an die Wand gehängt, so daß das eigene Körpergewicht die Schultergelenke langsam und sehr schmerzhaft auskugelte. Inzwischen machten die Franzosen ihre Witze über mich und fragten mich nach einem Geständnis, erstens ob ich den besagten Amerikaner erschlagen hätte, zweitens, wo ich meine Wertsachen vergraben hätte. Drei Wochen lang schwieg ich über den Ort, wo ich meine Kunstwerke, mein Silber usw. gegen Bombenangriffe vergraben hatte, grundsätzlich. Erst als man mir drohte, auch meine Frau und meine Tochter Margret zu verhaften und ebenso zu foltern, gab ich nach.

Als man mich auch noch beim Hängen an der Wand mit Stöcken in den Unterleib schlug, wurden die Schmerzen ins Unbeschreibliche gesteigert. Von den vielen Stock- und Peitschenhieben auf den Rücken will ich ganz schweigen, denn die gehörten zur täglichen Verhörtaktik.

Am 23. August sagte man mir nach einer solchen Tortur, daß ich laut Spruch des Kriegsgerichtes nachts erschossen würde, es war am selben Tag, als ich meinen Versteck des Familieneigentums preisgegeben hatte. Erstmalig erhielt ich ein feudales Abendgericht mit Kompott und ein Glas dunkles Bier als Henkersmahlzeit, dann wurde ich auf einen Lkw geladen und zum Poloplatz nach Berlin-Frohnau gefahren, wo ich erschossen werden sollte. Vorher fuhr man mich nach Frohnau zum Edelhofdamm, wo wir lange vor der Tür standen, dann zum Poloplatz fuhren. Hier wurde ich befragt, ob ich gestehen wolle, den Amerikaner umgelegt zu haben. Wiederum verneinte ich, denn ich war mir keiner Schuld bewußt. In dieser Nacht brachte man mich zum “Prison de Tegel”, wo ich als erster Deutscher zu 15 anderen französischen Gefangenen eingeliefert wurde. Dort erhielt ich eine Einzelzelle und erhielt täglich 250 g Brot, morgens eine große Tasse Kaffee und mittags eine Schüssel Wassersuppe. Mein Gewicht verringerte sich von ca. 200 Pfund auf 120 Pfund. Hungerödeme machten sich bis ins Gesicht bemerkbar; als ich bei 108 Pfund angelangt war, durfte ich liegenbleiben, bis dahin mußte ich wie alle anderen Gefangenen bis zur Kontrolle um 7 Uhr die Pritsche glattgezogen und an die Wand geklappt haben.

Da ich bis zu zehn Tagen keinen Stuhlgang mehr hatte, bat ich um einen Arzt, der in Gestalt eines Dr. Henneke in meine Zelle kam, mich fragte, ob ich Zeit hätte, dann solle ich mich auf meinen Kübel setzen. Abführmittel hätte er nicht. Als ich ihn fragte, was ich mit meinem vom Wasser aufgeschwemmten Körper machen solle, antwortete er mir, das merke ich kaum, das Wasser stiege bis zum Herzen und dann wäre es eben zu Ende.

Ich saß nun ohne weitere Erklärung im Gefängnis, ich war von der französischen Rechtsabteilung, Major Imbert, anscheinend überhaupt nicht als Gefangener registriert. Bei einer Gefängnisbesichtigung Mitte 1946 durch Herrn General Lancon verwunderte sich dieser und versprach mir, sich meiner anzunehmen. Am 27. 7. 1946 wurde ich dann nach zwei aufeinanderfolgenden Verhören plötzlich entlassen. An Leib und Seele zerbrochen, kam ich nach Berlin-Hermsdorf, hier mußte ich den Tod meiner Frau Erna erfahren, und daß mein Haus von den Franzosen beschlagnahmt worden sei. Am 20. l. 1951 erhielt ich die Nachricht, daß die Beschlagnahme meines Hauses in Berlin-Hermsdorf, Wilhelmstr. 11, aufgehoben sei, das ich dann auch im April 1951 wieder bezog. An Inventar war alles mitgenommen worden, nicht einmal ein Tassenkopf war mehr vorhanden, selbst ein paar Innenflügel der Doppelfenster fehlten. Gerümpel, was herumlag, gehörte mir nicht und wurde später auch noch abgeholt.

Herr Rechtsanwalt Trapp legte es mir nahe, die Franzosen wegen unrechtmäßiger Untersuchungshaft und der erlittenen Mißhandlungen zu verklagen.

Am 26. Januar 1953 wurde hier das Urteil gefällt, und zwar in der Kaserne “Quartier Napoleon”, früher Hermann-Göring-Kaserne in Berlin-Reinickendorf. Als Entschädigung und Verdienstausfall erhielt ich 7334,- Mark (Reichsmark) doch diese wurden auf 1:10 abgewertet, so daß ich 733,40 Westmark erhielt, für erlittene Folterungen (titre de “Pretium Doloris”) 1000,- Westmark und für den Anwalt 500,- DM. Dieses Urteil umfaßt mehrere Seiten und ist in französischer Sprache abgefaßt.

Kurz nach meiner Haftentlassung, ca. 14 Tage nach dem 27.7. 46, erhielt ich wiederum eine Vorladung zur Securite in die Bondikstraße in Waidmannslust. Zuvor hatte ich in meinem Stammlokal meinen Freunden meine Erlebnisse geschildert, wie es mir in der Haft ergangen sei. Dort in der Bondikstraße erwarteten mich wiederum vier französische Offiziere, die gleich über mich herfielen mit den Worten: “Du Schwein, du hast die französische Nation beleidigt, du hast Greuelmärchen erzählt, jetzt kommst du dahin, wo du nicht mehr zurückkommen wirst.”

In meiner Verzweiflung fiel mir ein Bluff ein: Ich erklärte den Herren, daß dafür freigelassene Mitgefangene, Dipl.-Ing. Pinx und andere sowie Wärter Klaus, aus dem Gefängnis Tegel, die Polizeibeamten Hoffmann und Schulze Zeugen der Mißhandlungen seien und mein Anwalt und der Berliner Bischof genau wüßten, daß ich heute hier sei und sofort Schritte unternehmen würden, wenn ich nicht nach Hause käme.

Da schlugen sie mir ins Gesicht und sagten: “Raus, du Schwein, sprichst du auch nur ein Wort zu jemandem, dann werden wir dich finden.«

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Nicht nur die Zivilisten wurden so behandelt. Der »Fortschritt« vom 3. August 1951 berichtete:

»In Annecy-Sacconges (Hochsavoyen, Frankreich) waren in verschiedenen Lagern deutsche Kriegsgefangene untergebracht, die im August 1944 vor den Partisanen kapituliert hatten. Bei der Übergabe war ihnen ausdrücklich der Schutz der Genfer Konvention zugesichert worden. Am 2. September 1944 wurden auf Befehl des Lagerkommandanten Capitaine Barrelet de Ricaud vierzig deutsche Kriegsgefangene ausgewählt und erschossen. Die Exekution leitete Leutnant Fabre. Die Bitte, vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden, und die Frage nach Angabe von Gründen wurden abgeschlagen. Die deutschen Kriegsgefangenen wurden in Zehnergruppen auf grausame Weise von je zehn Franzosen erschossen. Jeder zielte auf sein Gegenüber. Die meisten waren nach der Salve nur verwundet und wurden dann einzeln am Boden liegend durch Kopfschüsse getötet. Auf den internationalen Todesformularen des Roten Kreuzes durften die Truppengeistlichen keine Todesursache eintragen. Man schrieb später dorthin: “Unfall”. Die Namen stehen der Redaktion zur Verfügung.« (Zeugnis: zahlreiche eidesstattliche Erklärungen, darunter Pfarrer Walter Höchstädter, Diebach bei Rothenburg, der die Hingerichteten auf ihrem letzten Gang begleitete)

»In Habere-Lullin (Hochsavoyen, Frankreich) wurden am 2. September 1944, also am gleichen Tag wie in Annecy-Sacconges, auf Befehl des Kommandanten Capitaine Barreit de Ricaud von Leutnant Fabre als Repressalie vierzig willkürlich ausgewählte Kriegsgefangene in acht Fünfergruppen erschossen und ohne Anwesenheit von Geistlichen in einem Massengrab beigesetzt. Die Namen stehen der Redaktion zur Verfügung.« (Eidesstattliche Erklärung des Zeugen Anton Gottsstaller, München) Kurt-Heinz Deyhle berichtet über seine Erlebnisse wie folgt:

»Nach Gefangenschaft in Narwik wurden wir “zur Entlassung” am 17. 7. 1945 nach Deutschland verschifft. Statt “zur Entlassung” (die Papiere hatte man uns ausgefertigt mitgegeben) kamen wir dann in das bekannte Lager Dieders-heim bei Rüdesheim und wurden den Franzosen übergeben. (Über dieses grauenvolle Massenlager könnte ein Buch geschrieben werden.) Anschließend kamen wir zum kurzen Arbeitseinsatz in das Bodenseegebiet.

Am 24. 9. 1945 fuhren wir von Markdorf nach Konstanz, wieder einmal zur »Entlassung« statt dessen ging’s nach Frankreich. Vor Donaueschingen gelang es zwei Kameraden, aus dem fahrenden Zug zu entfliehen. Das Recht zur Flucht steht bekanntlich allen Kriegsgefangenen zu. Als Antwort zogen die französisch-elsässischen Wachen wahllos zwei Kameraden der Luftwaffe aus dem Waggon, stellten sie kurzerhand an den Feldweg, hoben die MPs und erschossen sie. Dies geschah am 24. 9. 1945, also viereinhalb Monate nach Kriegsende. Da gab es wohl keine Kriegsverbrechen mehr?«

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Die amerikanischen Soldaten handelten zum Teil nicht anders. Lippach, Kreis Aalen (Württemberg), wurde am 1. April 1945 im Kampf mit einer SS-Einheit von amerikanischen Panzertruppen (Negern) eingenommen. Nach Gefangennahme wurden in der Scheune des Bauern Ladenburger zwei SS-Leute, Martin Erk aus Windsheim bei Nürnberg und sein Kamerad Heinz, auf den Tisch einer Kreissäge gesetzt. Die Kreissäge ließ sich jedoch nicht in Gang bringen. Darauf wurden die beiden von den Negern mit Maschinenpistolen beschossen. Heinz starb nach einigen Stunden, Erk, der drei Leberschüsse erhielt, wurde für tot gehalten und in die Hecke hinter dem Gehöft geworfen. Dort wurden beide später von einer Frau Rehbein gefunden, die den Verwundeten verband.

Ein zweiter Fall wurde von dem Kirchendiener Opphold beobachtet. Sechs SS-Leute wurden halb ausgezogen mit erhobenen Händen von Negersoldaten hinter den Ortskirchhof geführt, dort geschlagen und erschossen. (Protokoll des Amtsgerichts Ellwangen-Jagst)

Frau Emma Wolff aus Eschwege gibt an:

»Mein Sohn, der Unteroffizier Heinz Wolff, geb. am 23.11. 23, war am 4. April 1945 mit versprengten Resten einer Infanterieeinheit auf dem Rückzug nach Geismar auf dem Eichsfeld. Die Soldaten trugen noch Uniform, waren jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Besitz von Waffen. Mein Sohn und ein Kamerad, dessen Personalien nicht mehr feststellbar waren, wurden vom damaligen Bahnhofsvorsteher Celbe in Geismar in dessen Haus aufgenommen. Mein Sohn gab sich dem Herrn Celbe zu erkennen, da Herr Celbe uns kannte. Während sich die zwei Soldaten in der Wohnung von Herrn Celbe aufhielten, rückten amerikanische Truppen in den Ort ein. Die beiden waffenlosen Soldaten verbargen sich im Keller des Hauses. Dort wurden sie am 4. April von amerikanischen Soldaten aufgespürt und in einen zum Grundstück gehörenden Stall eingesperrt. Glaubwürdige Ortseinwohner, die Augenzeugen der beschriebenen Vorgänge gewesen waren, berichteten mir, daß in der folgenden Nacht die deutschen Soldaten von amerikanischen Soldaten bestialisch mißhandelt wurden. Der Ausdruck “bestialisch” wurde von Augenzeugen gewählt, die dabei offensichtlich Rücksicht auf mich, die Mutter des einen Betroffenen, nahmen. Am Morgen des 5. April 45 wurden mein Sohn und sein Kamerad, die weder bei der Gefangennahme noch bei der Mißhandlung Widerstand geleistet hatten und die schon vor ihrer Gefangennahme waffenlos gewesen waren, ohne irgendwelchen Anlaß und ohne jegliches Verfahren erschossen. Es war mein einziger Sohn…«

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Am 28. Juli 1945 erhielt Frau Wilhelmine Möser in Hainbach eine Verständigung des Evangelischen Pfarramtes Flierich, daß ihr Mann, der Gefreite Ludwig Möser, bei den letzten Kämpfen in dem Dorfe Flierich auf dem Gute »Auf der Horst« am 9. April gefallen sei. Die Witwe stutzte über den Satz des Pfarrers: »Die amerikanischen Soldaten haben seine Leiche mitgenommen.«

Erst im September 1945 gelang es Frau Möser, nach Flierich zu fahren. Dort erzählte ihr eine Augenzeugin, daß sich Ludwig Möser und zwei weitere deutsche Soldaten in dem Keller des Gutes »Auf der Horst« versteckt hätten, offenbar in der Absicht, den Krieg für sich zu beenden. Amerikanische Soldaten stöberten die Versteckten auf, stellten sie ohne Verhandlung an die Wand und erschossen sie. Die Leichen lagen mehrere Tage dort, ehe sie von den Amerikanern weggefahren wurden. Die Bewohner sicherten die Erkennungsmarken, die sie beim Pfarramt ablieferten.

Im Kasseler »Sonntagsblatt« schilderte am 31. Mai 1964 der Pfarrer Rose die Schlußereignisse des Krieges im Dorfe Großen-Ritte: »Im Schützenloch bei der Flakbatterie wurde ein toter Flaksoldat gefunden, der am Kopf verletzt war. Er wurde mit zwei Flaksoldaten beerdigt, die von Amerikanern in Großen-Ritte gefangengenommen, auf den Kühler ihres Autos gesetzt und im Fahren nach Hertingshausen hinterrücks mit Maschinenpistolen erschossen worden waren.«

Die Ermordeten waren laut Auskunft des Evangelischen Pfarramts Baunatal Obergefreiter Josef Noll aus Flörsheim bei Aschaffenburg und der Nähmaschinenhändler Altenburg aus Hersfeld.

In der Nähe von Trier, unweit von Lampaden, gab sich etwa ein Dutzend Männer der Waffen-SS den Amerikanern gefangen und wurde in der Burgheid in einem Stall eingesperrt. Nach kurzer Gefangenschaft wurden die waffenlosen Männer wieder aus dem Stall herausgejagt und beim Heraustreten von den Amerikanern rücklings erschossen. Der Besitzer von Burgheid, ein Herr Achter, begrub die Ermordeten vorerst bei seiner Burg.

In der Nähe von Burgheid wurde eine zahlenmäßig nicht feststellbare Masse von Kriegsgefangenen von den Amerikanern erschossen. Die Leichen dieser Ermordeten wurden von den Amerikanern in Lkw abtransportiert. Am l. Mai 1945 nahmen die Amerikaner den Schuhgeschäftsinhaber Michael Kronbeck in Dingolfing gefangen, trieben ihn in eine Parkanlage der Stadt und erschossen ihn dort hinterrücks.

Die Staatsanwaltschaft Paderborn erklärte über die Auffindung von dreizehn Leichen ehemaliger deutscher Soldaten im April 1945: »Die Ermittlungen haben ergeben, daß die dreizehn am Teufelsberg aufgefundenen deutschen Soldaten von Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte erschossen wurden.«

Besonders im bayerischen Raum liegen Hunderte deutsche Soldaten begraben, die nachweisbar von Angehörigen der amerikanischen Armee ermordet wurden. An einigen dieser Massengräber, wie zum Beispiel in Oberpframmern, finden alljährlich feierliche Gedenkstunden für diese so furchtbar umgekommenen Opfer amerikanischer Kriegsverbrecher statt.

Am 1. Mai 1945 wurde dieses kleine oberbayerische Dorf Oberpframmern zum dokumentarischen Beweis für die Verlogenheit der Behauptung, allein die Deutschen hätten Kriegsverbrechen begangen. Der pensionierte protestantische Pfarrer D. Wilhelm Feldner schildert in einem Tatsachenbericht dieses Geschehen mit erschütternder Eindringlichkeit:

»Auch Pframmern wird in die Tragödie hineingezogen. Wie in einem gutgebauten Drama wird das Hauptthema an einer kleineren Nebenhandlung abgewandelt. Immer näher kommt das Grollen der Geschütze, zwischen Dorf und Wald geht ein Flugzeug nieder. Die Einheiten, die noch da sind, räumen den Ort, manche Männer schlüpfen in die Mimikry des Dorfbewohners, ziehen Arbeitszeug an und gehen mit irgendeinem Gerät aufs Feld. Doch immer noch treffen Nachzügler auf der feindwärts gelegenen Straße ein, als letzter ein Landser auf einem Schimmel. Er ist auf der Suche nach seinem Truppenteil, aber er ist so erschöpft, daß er nicht mehr weiterkann. Der Bäckermeister zieht ihn in sein Haus und gibt ihm zu essen, dann bietet er ihm Zivilkleidung an und beschwört ihn, heimlich zu verschwinden. Vergebens, der Mann – er ist aus Wien – will seine Einheit und seinen Schimmel nicht im Stiche lassen.

Ehe er sich wieder in den Sattel schwingen kann, rollen die ersten Panzer heran und stellen ihn. Und nun entwickelt sich eine Szene von Shakespearescher Dämonie, nur daß hier der Tod die Regie führt und das Stichwort gibt. Die Amerikaner haben im Dorf eine Fahne des untergehenden Reiches gefunden. Sie wird mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt, und der Gefangene muß die Flammen mit den Füßen austreten. Zur Belohnung erhält er eine Zigarette, dann wird er auf die Wiese hinter dem Hof geführt – ein Schuß, und der Schimmel wartet vergebens auf seinen Reiter.

Inzwischen haben sich weitere Gefangene angesammelt, unter ihnen drei Gendarmerieoffiziere, aus dem benachbarten Glonn, die auf einem Dienstgang aufgebracht worden waren. Sie stehen im Hof des “Alten Wirt”, die Hände über dem Kopf, das Gesicht gegen die Mauer des Austragshauses.

Das Wetter ist rauh, in der Nacht hatte es geschneit. Der Schnee ist zwar weg, doch die Luft ist noch scharf. Die Männer frösteln, sie haben Hunger und Durst, aber niemand darf ihnen etwas reichen, auch sprechen dürfen sie nicht. Der Sergeant, der die Aufsicht führt, sitzt irgendwo und trinkt.

Endlich, es geht schon auf Abend, taucht er auf und läßt im Dorf sieben Spaten requirieren. Als diese den Gefangenen in die Hand gedrückt werden, wissen sie, was ihnen bevorsteht. Ein Siebzehnjähriger ruft verzweifelt, ob denn niemand für sie eintreten wolle, aber der Sergeant, der gut Deutsch spricht, läßt sich auf nichts ein. Von der Wache eskortiert, marschieren die Sieben mit ihren Spaten durch die leere Dorfstraße zum Ortsrand. Vor dem nächsten Acker wird Halt befohlen. Es ist ein gesegnetes Stück deutsches Land, auf dem sie stehen, die Wiesen sind schon grün, die Saat beginnt zu sprossen. In der Ferne steigt das Gebirge auf, die Gipfel sind noch mit Schnee bedeckt, rechts leuchtet das Andreaskreuz von dem Kuppelturm der Kirche. Dort verrichten die Sieben ihre letzte Arbeit. Nur zögernd graben sich die Spaten in die weiche Erde. Dann ein paar Schüsse, die durch das ganze Dorf hallen und die Menschen vor Entsetzen erstarren lassen, und die Tragödie ist zu Ende; die Sieben liegen in ihrem Blut, ohne Gericht und Urteil erschossen. Als es dämmert, wird die Bevölkerung an den Toten vorbei in den Wald getrieben.«

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Der Heimkehrer Franz Euskirchen entdeckt auf dem Friedhof in Offenhausen bei Hersbruck ein einsames Soldatengrab und konnte einen der dortliegenden drei Soldaten schließlich auch mühsam auf Grund einer auffindbaren Erkennungsmarke identifizieren. »Dorfbewohner bestätigten mir, daß in diesem Grab drei junge SS-Männer lägen, die auf dem Berg am Waldrand von amerikanischen Soldaten einer Panzereinheit, nachdem sie bereits einen Tag und eine Nacht in Gefangenschaft waren, ohne Gericht erschossen wurden«, schrieb Franz Euskirchen in seinem ergreifenden Bericht.

Die »Regensburger Woche« meldete am 23. August 1956, daß in Eberstetten im Landkreis Pfaffenhofen an der Um ein amerikanischer Massenmord stattfand, und veröffentlichte dazu die Aussagen von Tatzeugen:

»Der Schreinermeister Georg Walter war zu Hause in seinem Anwesen, als am Samstag, dem 28. April 1945, gegen 14 Uhr die Amerikaner mit Jeeps und Panzerwagen in Eberstetten einrückten. Sie hielten kurz vor jedem Haus, bis eine weiße Fahne gehißt wurde. Auch Schreinermeister Walter hatte ein weißes Leinentuch zum Fenster herausgehängt. Zusammen mit einem in seinem Haus sich aufhaltenden Mechaniker beobachtete er vom Dachboden aus die Bewegung der US-Soldaten. Plötzlich bemerkten sie Jeeps und Panzer, auf denen deutsche Gefangene saßen, die von weißen Amerikanern zum Ort hinausgefahren wurden. Etwa hundert Meter vom Wakerschen Anwesen entfernt hielten die Fahrzeuge an.

Schreinermeister Walter schildert: “Die Amerikaner forderten durch Gebärden die Gefangenen auf, von den Fahrzeugen zu steigen und nach links in eine Wiese zu gehen, wo ein Grubenloch von einem dort abgestellten deutschen Funkwagen war. Als die Gefangenen nahezu nebeneinander in der Wiese auf die Grube zumarschierten, wurden sie aus einer Entfernung von ca. 50 Metern von etwa drei oder vier weißen Amerikanern mit Gewehren und Pistolen von rückwärts erschossen. Unter den Erschossenen befand sich ein Verwundeter, der am Vormittag nach Eberstetten gekommen war und auf seinen Abtransport durch einen Sanitätswagen wartete.

Dieser Soldat, ein Mann von etwa vierzig Jahren, war offensichtlich am Fuß verletzt, denn er hinkte auf einem Fuß und mußte beim Gehen in die Wiese links und rechts von Kameraden gestützt werden. Der den Vorfall mit ansehende Mechaniker sagte zu mir: “Siehst, so geht man mit den Deutschen um!”

Kurz darauf kam noch ein Jeep zurückgefahren, auf dem neben weißen Amerikanern drei deutsche Kriegsgefangene saßen. Die Amerikaner hielten an der gleichen Stelle, sahen sich im Gelände um und befahlen dann den Gefangenen durch Gebärden, nach rechts in die Wiese zu gehen. Als die drei Wehrlosen strahlenförmig in die bezeichnete Wiese liefen, wurden auch sie von rückwärts erschossen, bei diesen zweimaligen Erschießungen hatte ich einwandfrei gesehen, daß keiner der Gefangenen den Amerikanern Widerstand geleistet hat. Nach den Erschießungen waren die Toten liegengelassen worden!«

Der ehemalige Bürgermeister Josef Sebald bestätigte bei der Landpolizei-Station Pfaffenhofen diese grauenhaften Geschehnisse und gab unter anderem zu Protokoll:

»Sämtliche Toten lagen auf dem Bauch. Sie waren, wie ich selbst gesehen habe, von rückwärts erschossen worden.«

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In einem Schreiben an den Suchdienst der bayerischen HIAG bestätigte der amtierende Bürgermeister von Eberstetten, Walter, am 24. November 1959 den Ablauf dieses Massenmordes und schließt: »Warum die Soldaten erschossen wurden und nicht als Gefangene abgeführt wurden, ist nicht bekannt. Vielleicht deswegen, weil sie alle bei der Waffen-SS waren? Erschossen wurden sie von den Panzertruppen der Amerikaner, die in Eberstetten eingerückt sind.«

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Frau Hemmrich, Passau, weilte mit ihrem siebzehnjährigen Sohn im April in Traßheim bei Ruderting, etwa 15 km von Passau entfernt. Am 1. Mai 1945 erschienen amerikanische Truppen, die zu kleineren Diensten auch den siebzehnjährigen Fritz Hemmrich heranzogen. Hemmrich war am 28. März vom Arbeitsdienst entlassen worden und hatte sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet, wurde jedoch in Anbetracht des Kriegsendes nicht eingezogen. Am Abend erschienen nochmals die Amerikaner und befahlen dem Jungen, mitzukommen. Sowohl von der Mutter als auch von den Dorfbewohnern, besonders der Familie Liebel, wurde angenommen, daß die Amerikaner ihn wieder zur Arbeitsleistung mitnehmen würden. Nach zwei Tagen fanden ihn Dorfbewohner im Keller des Bauern Bessinger. Die Amerikaner hatten den Burschen hierhergebracht und erschossen. An seinen hochgerissenen Hemdärmeln konnte noch an der Leiche festgestellt werden, daß die Amerikaner, allerdings vergeblich, nach der Blutgruppe geforscht hatten. Gerade als sie Fritz erschossen, ging zufällig der siebenundzwanzigjährige Alois Kaufer am Hause Bessinger vorbei. Er wurde von den Amerikanern sofort festgenommen, ebenfalls in den Keller geschleppt und dort erschossen. Die beiden unglücklichen Opfer amerikanischer Bestialität lagen übereinander, als die Bauern die Leichen fanden.

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Die »Kitzinger Zeitung« beschreibt am 8. April 1956 in einem Erinnerungsartikel zur Wiederkehr der Besetzung der Stadt durch die amerikanischen Truppen die Zustände, die damals in Deutschland herrschten, wie folgt:

»Drei Tage zuvor haben US-Truppen kampflos die Stadt besetzt, nachdem 6 Wochen vorher, am unheilvollen 1. Februar 1945, um die Mittagszeit britisch-amerikanische Bombengeschwader in zwei rollenden Angriffen 60% der Innenstadt zerstörten und über 600 Einwohner, darunter eine große Anzahl Kinder des Kindergartens, getötet hatten.

Die Stadt ist wie ausgestorben. Kaum, daß man in den noch erhaltenen Straßenzügen einen Menschen des Wegs eilen sieht. Behörden und Schulen sind geschlossen. In den bezeichnenderweise unversehrt gebliebenen deutschen Kasernen auf dem Flak- und Flugplatzgelände haben sich die Amerikaner eingerichtet und dazu noch zahlreiche unzerstörte Privathäuser beschlagnahmt.

Da, um die Mittagszeit, begibt sich auf dem Turngemeindeplatz im Westen der Stadt, wo sonst fröhliche, kräftige deutsche Jugend sich tummelt, folgendes:

Ein US-Offizier dringt in die dortige Jugendherberge ein und verlangt, ebenso wie in den umliegenden Häusern, daß die Fenster und Fensterläden sofort geschlossen, die Fenstervorhänge überall herabgelassen werden. Niemand darf sich im Freien aufhalten. Strengster Befehl! Sonst – eine Handbewegung zur Pistolentasche…

Wer aber trotzdem verstohlen durch eine Ritze hinauslugt, der kann folgendes beobachten: Dort, wo die Aschenbahn auf dem Platz nach Nordosten ausholt, unterhalb des schlichten Ehrenmals, von der seit jeher vaterlandsbewußten Turngemeinde Kitzingen ihren 1914/18 gefallenen Turnern errichtet, schlagen US-Soldaten einen hohen Pfahl ein. Kaum sind sie damit fertig, bringen andere mit schußbereiten Gewehren einen Zivilisten, etwa 40 bis 45 Jahre alt, einfacher Anzug, grüner Lodenhut mit Gamsbart darauf, gefesselt, und binden ihn an dem Pfahl an. Eine Reihe US-Soldaten tritt vor, ein Offizier erscheint, Totenstille, dann gellt es: Fire!

Die Salve kracht, der tödlich Getroffene sinkt zusammen. Eiligst wird er auf einen Militärlastwagen verladen, und fort geht es, unbekannt wohin …«

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In Freising wurde der Kaufmann Josef Biesendorfer denunziert, von den Amerikanern mit Gewehrkolben zusammengeschlagen, schließlich auf einen Jeep gezerrt und in die nahegelegenen Isarauen gefahren. Dort ließen sie ihn laufen und erschossen ihn »auf der Flucht«. Seine Leiche wies außerdem mehrere Messerstiche auf.

Ähnlich erging es dem Werkmeister Johann Hobmaier, der ebenfalls von den Amerikanern mißhandelt und in einen 5 Kilometer entfernten Wald gefahren wurde. Erst nach 17 Tagen fand man seine Leiche, bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen, auf. Man sah, daß man dem Unglücklichen an den Händen die Haut von den Fingern gezogen hatte.

Am l. Mal wurde in Moosbach bei Grafing der am 22.7. 1899 geborene Albert Georg Schörner ohne jeden Anlaß im Walde erschossen. Der Moosacher Bürger Anton Kronester fand die Leiche und brachte sie ins Dorf zurück.

In Waldbach, Kreis Öhringen, wurde die Bäuerin Frieda Gurr im Obstgarten neben ihren Kindern von einem amerikanischen Soldaten erschossen. Angeblich hatten die Kinder untereinander abfällige Bemerkungen über zwei deutsche »Veronikas« gemacht, die sich in Begleitung der Amerikaner befanden.

Der Lehrer Buhr in Prezier/Lüchow wurde am 19. April 1945 von vier Amerikanern festgenommen und einen Feldweg hinausgeführt. Bald darauf hörten Dorfbewohner drei Schüsse. Am nächsten Morgen fanden sie Lehrer Buhr tot am Feldweg liegen. Erst auf Fürsprache des Bürgermeisters durfte seine Frau ihn noch einmal sehen.

In Uschlag wurden die Frauen Sophie Witzel, geborene Dümer, und Frau Anna Dümer, geborene Reuter, von den Amerikanern in einem Bunker, in welchem die Frauen mit ihren Kindern Zuflucht suchten, erschossen. Der zehnjährige Karl-Heinz Dümer erlitt dabei schwere Verletzungen, so daß er einen steifen Arm zurückbehielt.

In Sandershausen wurde der Steinbruchbesitzer Haase und in Heiligenrode Herr Mühlhausen mit weiteren Dorfbewohnern von Amerikanern erschossen.

Im niederbayerischen Landkreis Pfarrkirchen wurden im Mai 1945 Josef Eiben aus Simbach (Inn), Josef Hofbauer aus Hirschbach festgenommen und vorerst im Lager auf der Pfarrkirchner Rennbahn interniert. Wie die »Westfalenzeitung« vom 26. April 1955 berichtete, wurde die Leiche Hofbauers später im Walde verscharrt entdeckt. Wenige Meter daneben fand man den Soldaten Franz Kun aus Eisenstein verscharrt. Eiben wurde von einem amerikanischen Offizier Oppenheimer hinter den Rennbahntribünen erschossen, Hofbauer von einem amerikanischen Offizier namens Loid im Wald bei Pfarrkirchen ermordet. Spurlos verschwand außerdem die Ehefrau Dr. Rostocks, der sich das Leben genommen hatte, die vom CIC zur Vernehmung geholt worden war, von der sie nie mehr wiederkehrte.

In Eggstätt bei Endorf im Kreis Rosenheim befand sich bei Kriegsende auf dem dortigen Staatsgut eine Reihe Bombenevakuierter. In der Nähe war ein Lager mit gefangenen Russen. Der Krieg war aus; überall versuchten waffenlose deutsche Soldaten nach Hause zu gelangen. Erschöpft lagerte auch im Staatsgut eine Anzahl solcher Männer, unter ihnen zwei siebzehnjährige Angehörige der Waffen-SS.

Plötzlich erschien eine Gruppe Amerikaner, die den denunzierten Verwalter des Staatsgutes festnehmen wollten. Dabei fielen ihnen die versprengten waffenlosen deutschen Soldaten in die Hände.

Eine Tatzeugin, Frau M. Thallmeier, die sich mit ihrem Kind unter den Evakuierten befand, gibt an:

»Wir von der Zivilbevölkerung mußten uns der Wand entlang aufstellen, während die Amerikaner die deutschen Soldaten durchsuchten. Keiner von ihnen hatte eine Waffe. Schließlich wählte der amerikanische Chef die zwei jungen SS-Männer aus, und sie mußten vor unseren Augen zwei Grablöcher schaufeln. Die beiden Jungen, halbe Kinder, waren so aufgeregt, daß sie kaum die Schaufeln zu halten vermochten. Ich kann mich genau erinnern, daß der eins ein viereckiges, der andere ein rundes Loch schaufelte. Schließlich dauerte das den Amerikanern zu lange, und sie schossen die beiden Jugendlichen mit ihren Maschinenpistolen elend zusammen. Trotzdem die beiden von unzähligen Schüssen getroffen waren ~ dem einen war das Kinn zerschmettert, er konnte nicht mehr sprechen – und aus zahlreichen Wunden bluteten, waren sie nicht tot. Sie schrien immer wieder: “Mutter! Mutter!”

Die Amerikaner verboten uns, den Jungen beizustehen, und erst als sie wieder abgerufen waren, wagten wir, ihnen, so gut wir konnten, zu helfen. Wir Frauen verbanden die beiden, und schließlich konnten sie sogar ins Krankenhaus Seebruck geschafft werden. Jedoch die Hilfe kam zu spät. Sie starben beide noch in der gleichen Nacht.«

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Bei Atenau erwarteten deutsche Soldaten in vorbereiteten Stellungen die vordringenden Amerikaner, die sogleich laut schreiend die Deutschen aufforderten, sich zu ergeben, da der Krieg ohnedies verloren wäre. Tatsächlich warfen die deutschen Soldaten, welche die Aussichtslosigkeit ihrer Lage erkannten, die Waffen weg und ergaben sich. Kaum hatten die Amerikaner gesehen, daß die Deutschen die Waffen weggeworfen hatten, eröffneten sie das Feuer auf die wehrlosen Deutschen und schossen alle zusammen. Lediglich einer der Soldaten, namens Paus aus Oberndorf bei Röhrbach, konnte sich unter der Leiche eines Feldwebels verbergen, bis die Amerikaner wieder abrückten. Er blieb als einziger am Leben.

In Oberndorf kontrollierten die amerikanischen Soldaten die Papiere der Straßenpassanten, darunter auch die eines Bauern namens Stadler aus Wotzmannsreut. Sie sagten zu ihm, es sei o. k., er könne weitergehen. Als er sich ungefähr zehn Meter von den Amerikanern entfernt hatte, schossen sie ihn von rückwärts nieder. Er war sofort tot. Heute noch steht an der Straße, wo Stadler von den Amerikanern ermordet wurde, ein Kreuz zur Erinnerung an diese traurige »Heldentat«!

In Kreuzberg rückten die Amerikaner am 25. April 1945, von Hohenau kommend, ein. Sie nahmen dort auf Grund einer Denunziation den Bauern Josef Atzinger fest und sperrten ihn gemeinsam mit dem Lehrer im Schulhauskeller ein. Wenig später wurde Atzinger, der gewöhnliches Mitglied der zivilen SS war, von den Amerikanern hinausgeführt und in der Sandgrube unterhalb Kreuzberg erschossen.

Der Bürgermeister Karl Bottier aus Tittling bei Passau wurde am 29. April 1945 von den Amerikanern festgenommen und in einen Feldstadel in Siebenhasen gebracht. Dort wurde er zuerst verprügelt, daß man ihn weithin schreien hörte, und am Tag darauf erschossen. Die Leiche Bottiers wurde auf das Feld hinausgeworfen, wo er, ohne daß die Familie etwas von seinem Tod gewußt hatte, über zehn Tage, nur 200 Meter vom Anwesen entfernt, auf dem Acker lag. Die Frau und die vier Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren durften acht Tage lang das Haus nicht verlassen. Erst am vierzehnten Tag gaben die Amerikaner die Erlaubnis, die Leiche zu begraben.

In Hengersberg wurde der Bürgermeister und Ortsbauernführer Bruckmüller beim Einmarsch der Amerikaner von diesen samt seiner Frau und zwei schulpflichtigen Kindern erschossen. Ein Metzgerbursche des Metzgermeisters Angerer aus Hengersberg, der gerade in den Stallungen Bruckmüllers ein Schwein schlachtete, wurde als lästiger Zufallszeuge ebenfalls gleich an Ort und Stelle mit erschossen.

In der Nähe von Schwäbisch-Hall wurde im April 1945 ein Zug der Aufklärungsabteilung (mot.) der Division der Waffen-SS Nord in der Ruhestellung von den vordringenden Amerikanern überrascht, so daß er sich nicht mehr zur Wehr setzen konnte. Sämtliche Angehörige des Zuges, unter ihnen Zugführer Wilhelm Brunke, wurden, obwohl sie bereits waffenlos waren, rücksichtslos zusammengeschossen. Nur durch einen überlebenden Soldaten, Josef Heinold, erfuhren später die Angehörigen von dem Massaker.

Das evangelische Kirchengemeindeblatt der Kirchengemeinde Orlach-Jungholzhausen, Kreis Schwäbisch-Hall, hat eine Reihe dieser seltsamen Umerziehungsmethoden festgehalten. Den Aufzeichnungen entnehmen wir nachstehende erschütternde Darstellungen:

» … zuerst der im April 1945 in unseren Gemeinden Gefallenen:

Im IX. Kapitel dieser Chronik habe ich erzählt, daß die Amerikaner im Arresthäusle am Feuersee in Orlach drei gefangene deutsche Soldaten erschossen haben. Das geschah am 16. April 1945. Die Namen der Toten durfte ich nicht feststellen. Jedenfalls sind die drei von den Amerikanern nach Bensheim-Auerbach an der Bergstraße abgefahren worden und dort auf dem Soldatenfriedhof begraben…

In Jungholzhausen, wo am 15. April 1945 noch erbittert gekämpft worden ist, habe ich über 25 Namen deutscher Soldaten festgestellt, die zum Teil im Kampf gefallen, zum Teil in der Gefangenschaft erschossen worden sind … «

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Am Tage des Einmarsches der Amerikaner in Rosenheim, es war der 2. oder 3. Mai, hielt sich im Hause Rosenheim, Innstraße 61, der SS-Sturmmann Franz Sigl bei einer befreundeten Familie auf. Als Genesender war er noch Patient des Reservelazaretts Rosenheim und trug Uniform. Auf Anraten der Familie Mayer verbarg sich Sigl, als die Amerikaner kamen, im Keller. Sie fanden jedoch Sigl, stellten ihn an die Hausmauer und erschossen ihn. Seine Leiche mußte tagelang an Ort und Stelle liegenbleiben und durfte vorerst nicht beerdigt werden. Heute hat er im Heldenfriedhof von Rosenheim die letzte Ruhestätte gefunden.

In Roggenstein, Kreis Vohenstrauß, in der Oberpfalz befand sich weder eine Verteidigungsstelle noch ein einziger deutscher Soldat. Die Amerikaner, die einrückten, wandten sich daher mit größtem Interesse der Brauerei des Bürgermeisters Anton Wolf zu und verlangten Schnaps und andere alkoholische Getränke. Als dieser dem Wunsch nur zögernd nachkam, weil er wahrscheinlich – nicht zu Unrecht – die Folgen fürchtete, verprügelten die Amerikaner Anton Wolf, stießen ihn schließlich aus seinem Gehöft hinaus und trieben ihn über einen steilen Hang talwärts. Auf dem jenseitigen Hang wurde er dann kurzerhand erschossen. Später wurde die Leiche Anton Wolfs von seinen Angehörigen geborgen und zusammen mit einem siebzehnjährigen Waffen-SS-Soldaten, den die Amerikaner waffenlos auf dem Rückmarsch in die Heimat erwischt und erschossen hatten, begraben.

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Wie oft wurde doch den deutschen Soldaten vorgeworfen, sie hätten wiederholt Gefangene, deren sie sich entledigen wollten, »auf der Flucht« erschossen. Wie die amerikanischen Truppen dies handhabten, zeigt nachstehender Fall:

Am 5. Mai 1945 besetzten amerikanische Vorausabteilungen ohne Kampf die Stadt Passau und Umgebung. Von hier aus fuhren sie in einem Lastwagen nach Erlau, wo sie wie überall alle anwesenden deutschen Soldaten, auch jene, die schon längst abgemustert hatten, zur Meldung aufforderten. Unter jenen, die sich meldeten, befand sich der landwirtschaftliche Arbeiter Otto Lauterbach, der als Infanterist der Deutschen Wehrmacht durch einen Armschuß verwundet worden war und als Gefreiter Ende April einen achttägigen Heimaturlaub vom Lazarett erhalten hatte. Er meldete sich im Schulhaus und wurde mit zahlreichen Kameraden auf ein Lastauto verladen. Angeblich sollten sie in das Lager Tittling gebracht werden. Ob sich die Amerikaner nun verfuhren, kann niemand sagen, jedenfalls kam der Transport in die Gegend von Wegscheid im Bayerischen Wald. Unter den Gefangenen entstand daraufhin eine große Unruhe, und besonders Gefreiter Lauterbach, der von der Ostfront her die Russen kannte, sagte zu seinen Kameraden, daß er niemals in sowjetische Gefangenschaft kommen wollte. Die Fahrt ging nämlich sichtlich immer mehr in Richtung der Demarkationslinie.

Otto Lauterbach sprang bei einer passenden Gelegenheit vom Fahrzeug, erkannte aber sogleich, daß er sich verrechnet hatte und die Flucht aussichtslos war. Er lief mit erhobenen Händen zum Fahrzeug zurück und bat die Amerikaner, ihn wieder aufsteigen zu lassen. Der Transport war sofort stehengeblieben. Einer der amerikanischen Bewachungssoldaten hob die Maschinenpistole und jagte dem dicht vor ihm stehenden Otto Lauterbach die volle Garbe ins Gesicht.

Erst Ende Mai wurde Lauterbach durch den Kaufmann Braunauer aus Wegscheid durch Zufall aufgefunden. Diese Straße, die der Transport gefahren war, wurde damals nicht benutzt. Da die Leiche schon stark verwest war, konnte man nur an der Uniform feststellen, daß es sich um einen Deutschen handelte. Er wurde auf dem Friedhof in Wegscheid beigesetzt, und erst als seine Kameraden aus dem Lager Tittling entlassen wurden, erfuhr die unglückliche Mutter, der bereits vier Söhne in der Deutschen Wehrmacht gefallen waren, daß nun der fünfte »auf der Flucht« erschossen worden war.

In Veitsbronn, Landkreis Fürth, marschierten am 17. April 1945 in drei Kolonnen gefangene deutsche Soldaten auf der Straße von Langenzenn nach Burg Farrnbach. Sie mußten mit über dem Kopf erhobenen Händen marschieren. Am Schluß einer dieser Kolonnen marschierten zwei Gefangene, die offensichtlich schon vorher ausgesondert worden waren.

Frau Renz in Bernbach berichtet, daß bei der Ortschaft Bernbach zwei Amerikaner die beiden Gefangenen ein Stück des Weges zwischen Bernbach und Bahnübergang die Böschung hinauf bis zu einer Sandgrube führten. Man hörte kurz darauf Schüsse, und die Amerikaner kamen allein zurück. Da sofort nach dem Einmarsch der Amerikaner bei Androhung der Erschießung eine totale Ausgangssperre verhängt worden war, wagte niemand, sich um die beiden Unglücklichen zu kümmern. Erst nach vier Tagen getrauten sich die Einwohner zu der Sandgrube, wo sie die beiden jungen Soldaten tot vorfanden. Einer der beiden hatte noch ein Verbandpäckchen in der ausgestreckten Hand. Wahrscheinlich wollte er sich verbinden und starb darüber. Der andere hatte sterbend noch auf einen Zettel eine Adresse gekritzelt. Sie lautete: Friedrich Rohe, Neheim-Hüsten, Rohrstraße 3. Erkennungsmarken, Ausweispapiere und Photos waren den Toten von ihren Mördern vorher abgenommen worden.

Auf Grund dieser ergreifenden Todesnachricht gelang es später, wenigstens einen von ihnen zu identifizieren. Es handelte sich um den am 4. August 1927 geborenen Kanonier der Waffen-SS Ewald Rohe, der erst im Februar 1945 in die Freimarn-Kaserne nach München eingezogen worden war und hier verbluten mußte. Bevor er starb, schrieb er noch die Adresse seines Vaters auf, damit seine Angehörigen benachrichtigt werden könnten.

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Im Dorf Kleinweil, Post Großweil, wurden am 30. April 1945 zwei deutsche Soldaten gefangengenommen; einer von ihnen hieß Horst Liebig, geboren am 23. August 1923 in Breslau. Er war nicht bei der Waffen-SS, sondern bei der Deutschen Kriegsmarine. Die Gemeindeverwaltung Kleinweil berichtete am 27. Februar 1960 über das Schicksal dieser beiden deutschen Soldaten:

»Beide Soldaten wurden von den amerikanischen Truppen an einer Hauswand erschossen. Dieselben waren sofort tot und mußten am Straßenrand des Gemeindebodens, Strecke Kleinweil-Großweil, beerdigt werden. Sie durften damals nicht im Friedhof beigesetzt werden. Die Gräber wurden mit einfachen Holzkreuzen kenntlich gemacht, und die Grabhügel trugen stets frische Blumen, von Einwohnern besorgt.

Am Mittwoch, dem 13. Dezember 1950, wurden beide Leichen exhumiert und nach dem Soldatenfriedhof auf Veranlassung des Bayer. Innenministeriums umgebettet und dort würdig beigesetzt.«

Am 26. April 1955 veröffentlichte die »Eichstätter Volkszeitung« auf Seite 5 einen Gedenkartikel unter dem Titel »Meilenhofen und Zell vor zehn Jahren«. Das Blatt beschrieb die Ereignisse wie folgt:

»Am 25. April sind amerikanische Truppen in unsere beiden Ortschaften einmarschiert, aus Richtung Biesenhard kommend. Nachdem kurz zuvor eine deutsche Einheit von Zell aus noch sinnlosen Widerstand geleistet hatte, eröffnete am 25. April im Laufe des Tages die feindliche Artillerie aus Richtung Haselberg das Feuer auf die Ortschaft Zell. Zahlreiche Granaten schlugen im Ortsbereich ein. Dabei wurden die Scheunen der Bauern Peter Eberle, Josef Lehmeier und Michael Grubmann in Brand geschossen. Das ganze Gehöft, Mühle, Wohnhaus, Stallung und Scheune des Mühlenbesitzers und Bauern Johann Meilinger gingen in Flammen auf. Auch die Scheunen der Bauern Josef Gößl und Josef Böhm (damals Therese Heindl) in Meilenhofen wurden durch Feuer vernichtet. Als sich die deutsche Einheit zurückgezogen hatte und das Feuer zeitweise eingestellt wurde, ging ein Einwohner mit einer weißen Fahne den amerikanischen Truppen entgegen. Dadurch blieb die Ortschaft Zell von weiteren Zerstörungen verschont.

Auch die Sehnfarter Mühle wurde von amerikanischen Truppen beschossen. Nachdem Frau Vogel mit ihrem Sohn mit einer weißen Fahne den amerikanischen Truppen, die von Bergen kamen, entgegenging, blieb auch die Einöde vor der Vernichtung verschont.

Bei der Ortschaft Zell liegen zirka zwanzig deutsche Soldaten, die damals gefallen sind, im Heldenfriedhof begraben.«

Hierzu gibt Paul Hassold, Schriftleiter in Weißenburg, der das Überrollen durch die Amerikaner in Zell a. d. Speck miterlebte, folgende Schilderungen:

»Dieser kleine Ort wurde durch leichte Flak verteidigt. Nachdem die Flakeinheit keinen Infanterieschutz mehr hatte, ergaben sich achtzehn Mann den Amerikanern. Diese achtzehn Mann wurden von den Amerikanern nach der Gefangennahme erschossen, teilweise mit erhobenen Händen, bzw. über dem Kopf gekreuzten Armen. Diese Soldaten starben durch Genickschuß der Amerikaner. Bei Unterhaltungen mit Offizieren dieser Einheit erklärten dieselben, daß sie das Vorkommnis bedauern würden. Ein Sergeant erklärte: »Waren sich rotes SS (Flak hatte rote Spiegel), werden von uns alle erschossen!”

Die Einheit ist unbekannt, der Deckname muß “Tango fwd” gelautet haben, denn mehrere Schilder mit dieser Aufschrift bezeichneten den Weg zu dieser US-Einheit. Der Pfarrer von Zell, der diese Flaksoldaten beerdigt hat, wird bestätigen können, daß diese Schußverletzungen im Nacken trugen und daß der Nacken verbrannt und geschwollen war; die Schüsse wurden aus allernächster Nähe abgefeuert, wie es von Erzählungen der Taten russischer NKWD-Kommissare bekannt ist.«

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Peter Gebhardt, Besitzer der Brauerei Wifling bei Erding, hatte einem kriegsgefangenen Franzosen, der frech geworden war, eine Ohrfeige gegeben. Als die Amerikaner einmarschierten, denunzierte der Franzose den Brauereibesitzer. Die Amerikaner holten mit vorgehaltener Maschinenpistole Peter Gebhardt aus dem Keller der Brauerei, zwangen ihn auf den Bug eines Panzers und fuhren in Richtung St. Koloman ab. Dort stießen sie Peter Gebhardt vom Panzer, trieben ihn in den Wald und erschossen ihn. Erst am nächsten Tag erlaubten die Amerikaner den Frauen, den Toten im Morgengrauen zu bergen. Auf dem Friedhof in Wifling fand Peter Gebhardt seine letzte Ruhe.

Das »Straubinger Tageblatt« veröffentlichte aus der Feder seines Mitarbeiters Dr. R. S. am 17. September 1951 einen umfangreichen Bericht über die alliierten Kriegsverbrechen unter der Überschrift »Die Vilshofener Bürgermorde werden aufgerollt«.

Jedoch nicht nur in der Justiz sind jene alliierten Kriegsverbrecher dem Zugriff der Gerechtigkeit entzogen, selbst die sogenannten Institute der öffentlichen Meinungsbildung, vor allem Rundfunk, Presse, Fernsehen, verschweigen und vertuschen dem deutschen Volk die unumstößliche Tatsache, daß eben im Kriege Kriegsverbrechen von allen Armeen begangen wurden, nicht nur von den deutschen.

Nur wenige kleine Heimatzeitungen waren mutig genug, die blutigen Tatsachen aufzuzeichnen und die Wahrheit zu schreiben. Unter anderem auch das »Straubinger Tageblatt«. Es schrieb:

»Wie wir in der letzten Nummer unserer Zeitung berichteten, hat Landtagsabgeordneter Alfons Gaßner kürzlich bei der Staatsanwaltschaft Passau Anzeige wegen der willkürlichen Erschießung von Vilshofener Bürgern am 9. und 10. Mai 1945 erhoben. Die Staatsanwaltschaft hat diese Anzeige angenommen. Gegenwärtig sind Beamte der Kriminalaußenstelle Griesbach bemüht, Licht in das Dunkel der fünf Morde zu bringen. Die Hinrichtungen der fünf Vilshofener Bürger wurden zwar durch amerikanische Soldaten als Willkürverbrechen von einzelnen begangen, doch behauptet das Gerücht, daß an den Bürgermorden auch Einwohner von Vilshofen als Anstifter und Denunzianten mitschuldig seien. Darüber hinaus dürften einige Männer wegen Leichenschändung vor den Richter kommen.

Die Untersuchungen der Kriminalpolizei erwiesen sich zunächst als überaus schwierig, da die Angehörigen der Ermordeten die ganze Affäre lieber der Vergangenheit anheimfallen lassen wollten und da sie den mitschuldigen Deutschen, die sie selbst kaum oder nur vermutungsweise kennen, nichts nachtragen wollen. Licht in das Dunkel könnte erst mit Sicherheit kommen, wenn die beiden Mörder – ein ehemaliger KZler, Henry Robert, und der ehemalige amerikanische Militärpolizist Jackson, genannt Jacks, durch die amerikanische Polizei einvernommen würden, wie das jüngst in einem Fall in Italien geschah, wo Italien dann sogar die Auslieferung der beiden Mörder verlangte. Wenn man 1945 auch in Niederbayern die Amerikaner als Befreier erwartete, so hat kein Vorfall in Niederbayern eine größere Enttäuschung hervorgerufen als die Vilshofener Bürgermorde und dem Ansehen des amerikanischen Volkes mehr geschadet. Daher ist es auch zu begrüßen, wenn die Besatzungsmacht an der Aufdeckung der Verbrechen mitwirkt und die Arbeit der Staatsanwaltschaft unterstützt. Hat doch auch der damalige Gouverneur Oberst Mannik im Namen der Militärregierung sich von den Untaten distanziert und sein Bedauern über die Erschießungen als Willkürverbrechen eines einzelnen erklärt.

Eine Kampfgruppe war an jenem Tag angefahren, und nachts drangen zwei Soldaten in die Wohnung des 75jährigen Kaufmanns Franz Danzer ein. Sie drückten die verschlossene Türe ein, holten den Mann heraus und forderten von ihm Wein, Schnaps und “Fräuleins”. Es sei hier ausdrücklich richtiggestellt, daß es sich nicht um Negersoldaten handelte. Danzer erklärte, er habe das nicht, sie seien falsch dran. Daraufhin schleuderten sie Danzer zu Boden, warfen sich auf ihn und schlugen ihn fürchterlich. Immer wieder verlangten sie, “wo sind deine vier Söhne, wo ist dein Sohn Wolf, der bei der SS war”. Diese Behauptung stimmte nicht. Wolf war lediglich in einem SS-Lazarett. Der eine Sohn weilte mit seinem Vater ausnahmsweise gerade in jener Nacht in seiner Wohnung, während sich die übrigen Kinder mit der Mutter bei deren Angehörigen aufhielten. Als die Amerikaner immer wieder Wein verlangten, lief der Bub fort über den Hof, um bei einer Eisenbahnerfamilie eine Flasche Wein zu erbitten. Unterdessen hörte er seinen Vater ganz erbärmlich um Hilfe rufen. Als der Sohn zurückkam, ließen die beiden Soldaten von dem Halberschlagenen ab. Sie hatten ihm die Schädeldecke eingeschlagen und die Schlagader zertrümmert, wie der Leichenarzt feststellte, so daß innere Verblutungen eintraten.

Der Sohn hob ihn auf ein Sofa. Bevor die Amerikaner fortgingen, versetzten sie ihm noch einen Schlag mit der Faust. “Gott sei Dank, daß Mama nicht da war”, stöhnte der Sterbende. Er konnte sich nicht mehr fassen. “Was war das? Gell, das waren Russen”, sagte er, denn sterbend dachte er nicht daran, daß es Amerikaner waren, weil Danzer viele Hoffnungen auf die Befreiung durch die Amerikaner gesetzt hatte.

Von geistlicher Seite wurde uns bestätigt, und auch seine Frau mußte es uns zugeben, daß Danzer, ein tapferer Katholik, immer bedauert hatte, daß er nicht in die Missionen hatte gehen dürfen und daß er oft den Wunsch äußerte, als Märtyrer zu sterben. Einige Male hatte er erklärt, er würde sein Leben hergeben, dafür, daß Schedlbauer (der das nächste Opfer sein sollte) in Frieden mit Gott von dieser Welt scheiden würde.

Noch hatte sich die Empörung der Bevölkerung nicht gelegt, als am 8. Mal der Fall Schedlbauer bekannt wurde. Hans Schedlbauer war die einzige kleine Parteigröße unter allen ermordeten Bürgern. Er war Adjutant bei einem SA-Sturm. Ein Auge hing ihm heraus, der blutunterlaufene Kopf war zur Größe eines Kübels angeschwollen und der bejahrte Mann nicht mehr wiederzuerkennen. So wurde er auf dem Sozius eines Motorrades durch die Stadt gefahren.

Eine ähnliche Tortur erlebte am 9. Mai Hans Helling, Inhaber einer bekannten Drogerie und Fruchtsaftfabrik, der im Postgebäude am Bahnhof wohnte. Auch dieser ehrliche, rechtschaffene Bürger wurde durch die Stadt gefahren, auf dem Kühler eines Jeeps gefesselt. Der 55jährige Bezirkszollkommissar Hans Schlöger wurde in seiner Wohnung verhaftet, wo ihn seine Frau tapfer verteidigte. Sie schlug dabei dem Ami z. B. die goldene Uhr aus der Hand, die glücklicherweise in ihre Schürzentasche fiel. Er wurde ins Landratsamt getrieben, und zwar mit erhobenen Händen, Pistolenläufe im Rücken, und dort in ein Zimmer gesperrt. Die Verhaftungen waren von dem amerikanischen Militärpolizisten Jacks und dem ehemaligen KZler Henry Robert vorgenommen worden.

Als nächster folgte der heute 53jährige Steueroberinspektor Josef Schlager, der einzige, der den Mord überlebte. Er berichtet uns, wie er am 9. Mai abends gegen 18.30 Uhr eben gehört hatte, daß sein Freund Helling verhaftet worden sei. Auf dem Weg in die Stadt (er wohnte damals am Stadtplatz 15) sah er seine Köchin von einem MP-Mann und einem Zivilisten begleitet, nämlich Jacks und Henry Robert, die Vilsvorstadt heraufgehen. Mit vorgehaltener Pistole verhafteten sie ihn, entrissen ihm seine Mappe und trieben ihm mit Schlägen und Boxhieben in seine Wohnung, die sie anschließend durchwühlten und plünderten. Schlager wurde gezwungen, einige Uniformstücke anzuziehen. Dann wurde er ebenso wie seine anderen Todesgefährten durch die Stadt zum Landratsamt getrieben. Als sie sich den Stadtlichtspielen näherten, machten sie vor der Kapuzinerstraße 30 halt.

Unter dem Vorwand, sie müßten bei Mielach die Wohnung nach versteckten Waffen durchsuchen, drangen Jacks und Robert in die Wohnung ein und verhafteten den Steuerinspektor Ludwig Mielach. Mit beiden ging es dann zum Landratsamt, wo die anderen Todeskandidaten, Hans Schedlbauer, Hans Helling, Hans Schlöger und ein deutscher Soldat, bereits zusammengetrieben waren, berichtet uns Josef Schlager. In diesem Augenblick verschlägt es dem 5 3 jährigen mit seinem klugen und durchdringenden Blick die Stimme. Vor ihm erscheint der grauenvolle Anblick Schedlbauers, der nicht mehr stehen konnte. Entweder war das Gehirn verletzt, oder er war mit Bajonettstichen verwundet. Um uns wahre KZ-Qualen erleben zu lassen, rief dann der ehemalige KZler Henry Robert zu uns in das Zimmer herein, daß wir alle erschossen würden. Niemand konnte sich vorstellen, weshalb uns diese Strafe ereilen sollte, da wir doch gar nichts auf dem “Kerbholz” hatten, fuhr Herr Schlager fort.

Es war vielleicht gegen 9 Uhr abends, als wir sechs Häftlinge mit einem amerikanischen Lastwagen weggefahren wurden. Schedlbauer mußte auf den Wagen gehoben werden. Die Fahrt ging nach Osterhofen, vor Pleinting hielt der Wagen plötzlich an. Schedlbauer wurde in den nahegelegenen Wald jenseits des Bahnkörpers gebracht.

Ich hörte an die acht Schüsse hintereinander, die Schedlbauer von seinen Qualen erlösten. Als Jackson und Robert allein wieder zurückgekommen waren, ging die Fahrt nach Osterhofen weiter.

In Osterhofen waren im Moosersaal mehr als 50 ehemalige französische Kriegsgefangene einquartiert. Jacks und Robert sperrten uns fünf, Mielach, Schlöger, Helling, den deutschen Soldaten und mich, im Nebenzimmer ein. Wiederholt stießen die Franzosen die Tür auf und teilten uns höhnisch mit, daß wir morgen kaputt gemacht würden, und plünderten uns restlos aus. Fast mit einer kleinen Freude berichtet unser Augenzeuge, daß er dabei seine Stiefel opfern mußte und dafür große Schnürschuhe erhielt, die ihm hernach seine Flucht erleichterten. Statt der Hosenträger und Gürtel erhielten wir dicke Stricke. Vielleicht mit der Hinterabsicht, wir würden uns angesichts der angedrohten Erschießung mit den Stricken aufhängen. Körperlich und seelisch gebrochen, lagen wir schweigend auf dem Boden. Wir durften nicht miteinander reden. Anderntags, am 10. Mai, mußte ich das Quartier der französischen Kriegsgefangenen auskehren. Dabei hagelte es Schläge mit einer schweren Latte. Schon in der Nacht hatte ich den Gedanken einer Flucht aufgegriffen. Ich wartete nur auf geeignete Gelegenheit.

Während der deutsche Soldat in Osterhofen zurückblieb – was aus ihm geworden ist, weiß ich nicht -, wurden wir vier, Mielach, Schlöger, Helling und ich – mit einem amerikanischen Lkw nach Plattling gefahren. Henry Robert war nicht mehr dabei. Der Lastwagen hielt unterwegs dreimal. Jacks, der uns bewachte, ließ uns absteigen, “zur Erschießung”, wie er höhnisch sagte. Immer wieder wurde aber sein Vorhaben vereitelt, da jedesmal Leute vorbeikamen. Schon allein das bewies, daß es sich hier um einen Mord handelte, nicht um eine eigentliche Hinrichtung, denn sonst hätte Jacks keine Angst vor Zeugen gehabt. Dreimal machten wir uns auf den Tod gefaßt, und dreimal mußten wir wieder einsteigen. Kurz vor Plattling machte der Lastwagen kehrt und fuhr nach Pleinting zurück. Als wir wieder — und zwar in der Nähe der Stelle, wo sie am Tage vorher Schedlbauer umgelegt hatten, ausgestiegen waren, fuhr der Lastwagen weg. Jacks trieb uns als Bewacher in Richtung Vilshofen.

Als ein anderer amerikanischer Lastwagen kam, hielt ihn Jacks an, verhandelte mit dem Fahrer und seinen drei Begleitern, drei amerikanischen Soldaten. Dann mußten wir aufsteigen, und die Fahrt ging weiter durch Vilshofen und durch Sandbach. Dort, wo die Straße links über die Eisenbahn nach Passau weiterging, ging es rechts den Berg hinauf in Richtung Fürstenzell und in den Wald hinein. In der Nähe der Panzersperre vor Jägerwirth mußten wir absteigen. Zwei wurden links und zwei rechts vom Wagen gestellt.

Ich stand links vom Wagen mit Helling, Schlöger und Mielach wurden von einem jungen Bürschchen auf der anderen Seite bewacht. Da packte mich Jacks am Kragen und stellte mich hinter Helling. Wahrscheinlich wollte er uns mit einem Schuß umlegen. In diesem Augenblick trat ich dem baumlangen Kerl in den Bauch oder gegen das Schienbein – ich kann mich nicht mehr so genau entsinnen, so rasch spielte sich alles ab. Im Nu hatte ich die beiden viel zu großen Schnürschuhe von den Füßen geschleudert und lief und lief. Die dicken Bäume in dem dichten Hochwald boten mir Deckung. Ich schoß im Zickzack hin und her. Die Kugeln klatschten gegen die Baumstämme. Der Amerikaner rannte hinter mir her. Doch plötzlich war der Wald aus, eine Wiese lag vor mir, die mir keine Deckung geben konnte. Ich sah den Amerikaner an die 15 Meter hinter mir. Obwohl ich im Zickzack weiterlief, traf mich ein Schuß am linken Unterarm. Der Atem ging mir aus, als ich vor dem Bauernhaus, dem Anwesen Forster, glücklich ankam. Doch leider war das Haus verschlossen. Durch eine Bretterlücke schlüpfte ich in die Tenne und versteckte mich in einer Hafertruhe. Den Ellenbogen zwischen Deckel und Truhe geklemmt, um atmen zu können und zugleich auch, um nahende Schritte zu hören. Doch das Blut hämmerte so in meinen Adern, daß ich kaum etwas hören konnte. Nicht einmal die Schüsse hörte ich, die droben im Wald meine drei unschuldigen Gefährten zu Boden streckten.

So lag ich ein oder zwei Stunden in der Hafertruhe. Als sich schließlich doch keine Amerikaner zeigten und ich mich etwas erholt hatte, stieg ich aus meinem Versteck heraus und ging – was ich heute selbst nicht begreifen kann – an den Tatort der Erschießung zurück. Rechts von der Straße lagen die Leichen von Helling und Mielach übereinander; sie waren von vielen Schüssen getroffen. Die Leiche von Schlöger sah ich erst nicht. Er lag aber ungefähr 50 Meter seitwärts ebenfalls in seinem Blute, von mehreren Schüssen durchbohrt. Ich nehme an, daß er, ähnlich wie ich, die Gelegenheit wahrnahm und flüchtete, dabei aber wurde er von einer mörderischen Kugel niedergestreckt. Ich legte die Hände ineinander und betete das erste Vaterunser für meine toten Kameraden und dankte dem Himmel für das große Glück, daß ich gerettet wurde. Einem der Toten war der Schuß von rückwärts durch den Kopf gedrungen, so daß das rechte Auge heraushing. Bei dem anderen war die Gehirnmasse herausgequollen.”

Als unser Augenzeuge so weit berichtet hatte, trat eine Schweigepause ein, die der Tragik der Toten und dem Glück des Überlebenden galten. Schlager berichtet weiter, daß er sich dann in einem tiefen Dickicht des Waldes versteckte; später habe er erfahren, daß vier Amerikaner in einem Jeep kamen und den Wald durchsuchten. Er trieb sich mehrere Tage in den Wäldern herum und versteckte sich bei Bekannten in der Nähe von Igelbach. Seine Tochter hatte sich gleich nach seiner Verhaftung um seine Freilassung bemüht. Als es ihr dann endlich gelungen war, eine schriftliche Bestätigung der Militärregierung zu erhalten, daß gegen ihn nicht das geringste vorlag, daß er ruhig wieder nach Vilshofen kommen könne, kehrte er nach neun Tagen in seine Heimat zurück. “Von den Toten kann ich nur sagen, es waren die besten Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe”, erklärte uns Herr Schlager. “Was mich am meisten schmerzt, ist dies, daß die drei Toten nicht einmal wissen, warum sie erschossen wurden. Mein Wunsch wäre es, daß ich einen jener Burschen einmal ohne Zeugen erwischen könnte.”

Damit hat unser Augenzeuge die Hoffnung aller ausgesprochen, denen die Gerechtigkeit eine Herzenssache ist. Es ist eine ehrenvolle Aufgabe für alle, mitzuhelfen, daß den Toten Gerechtigkeit widerfährt und die Mörder und Mitschuldigen die gerechte Strafe erleiden, damit auch diese Verbrechen gesühnt werden. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß Ordnung und Gerechtigkeitssinn wiederkehren, denn hier sind Unschuldige ermordet worden. Selbst wenn es sich um Schuldige gehandelt hätte, so wäre durch nichts eine solche Hinrichtung gerechtfertigt, denn in einem Rechts- und Kulturstaat muß die Gerechtigkeit ihr Urteil sprechen, und nur das Gericht darf einem Menschen das Leben nehmen. Und wie seinerzeit die Leichen, denen erst ein schlichtes Grab im Totenwald von Jägerwirth bereitet worden war, auf dem Vilshofener Friedhof beigesetzt wurden, so sollen die Bürgermorde heute an die richtige Stelle, vor den Richter kommen.

Wenn man mit den Witwen der Ermordeten und dem einzigen Überlebenden spricht, so ist es über allen Zweifel erhaben, daß der KZler Henry Robert, der angeblich ein Schweizer gewesen sein soll, und der MP-Soldat Jackson Listen der Ermordeten gehabt haben müssen.

Wie wäre es sonst möglich, daß sie genau die Adressen der sechs Toten wußten, sie in ihren Wohnungen oder sogar von der Straße weg verhaften konnten? Gerüchte wollen wissen, daß Jacks bei den Verhaftungen eine Liste mitgeführt habe. Henry Robert lebt heute in Amerika, wo er mit ärztlichen Instrumenten hausiert. Jacks wohnt im Hause des Schirmgeschäfts Knödl am Luitpoldplatz, und dort dürfte auch wahrscheinlich sein voller Name bekannt sein. Die Untersuchung würde wesentlich erleichtert und beschleunigt, wenn die beiden Haupttäter einvernommen werden könnten; dazu ist allerdings die Hilfe der Besatzungsmacht notwendig.

Der bekannte Heilpraktiker H. H. Pfarrer Alois Bieringer, bei dem Henry Robert in Behandlung war, erklärte uns, daß der angebliche Jacks nach den Angaben von Henry Robert ein Student der Journalistik in Boston gewesen sei. Als Grund der Erschießung für Schedlbauer gab Robert an, Schedlbauer habe Polen und andere Kriegsgefangene schwer mißhandelt. Hans Helling sei nur umgelegt worden, weil er der Kommandant des Volkssturmes gewesen sei. Die Behauptung, daß Jacks täglich bei ihm zur Kommunion gegangen sei, bezeichnet Pfarrer Bieringer als glatten Schwindel.

Kurz nach der ersten medizinischen Behandlung wurde Jacks von einem amerikanischen Oberfeldwebel bei ihm zur weiteren Behandlung vorgeführt. Diesmal jedoch ohne Waffen und Koppel. Auf die Frage Bieringers, warum sie zu zweien seien, erklärte der amerikanische Oberfeldwebel, “Jacks sei bereits von einem Kriegsgericht in Linz verhandelt worden und stehe unter Bewachung”.

“Nach etwa drei Wochen”, erklärte Pfarrer Bieringer weiter, “erschien der Oberfeldwebel auf Ersuchen des Patienten Jacks und erzählte mir, Jacks sei durch ein hohes amerikanisches Gericht in dieser Sache nochmals (in Salzburg?) verhandelt worden, sei aber freigesprochen worden, weil die Erschießung von Schedlbauer und Helling noch unter Kriegsgericht falle, nachdem die kriegerischen Aktionen gegen Bayern noch nicht abgeschlossen waren. Mir ist aber aufgefallen, daß bei der weiteren und letzten Vorführung Jacks dieser noch waffen- und koppellos war. Nachdem Jacks, etwa 22 bis 23 Jahre alt, nicht Deutsch reden konnte. Interpellierte der amerikanische Feldwebel, daß Jacks in kürzester Zelt entlassen würde und ein Interesse daran hätte, daß seine Behandlung in dieser Zeit erledigt werde.”

Pfarrer Bieringer hatte den Eindruck, “daß die wahrscheinlich erfolgte Anzeige der Angehörigen der Betroffenen Schedlbauer und Helling auf Mord durch das amtierende Kriegsgericht aufgegriffen worden ist, Jacks wahrscheinlich zu irgendeiner Strafe verurteilt wurde, deren restlichen Posten er wohl in Amerika abzusitzen hatte. Warum wäre Jacks mit dem amerikanischen Oberfeldwebel ohne Waffen und Koppel gekommen?”

Dieser soll weiter als Grund für die Erschießungen angegeben haben, “die Vier haben gesehen, wie er Schedlbauer erschossen habe, und hätten gegen ihn aussagen können. Sie hätten ferner dem Volkssturm angehört, und schließlich wollte er auch einmal ein Abenteuer erleben.”«

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Der »Nabburger Volksbote« berichtete am 29. April 1961:

»Am Samstag, 28. April 1945, befand sich Bürgermeister Haller zwischen 10.30 und 11 Uhr im Stadtratsgebäude. Er war gerade weggegangen, um für einen französischen Kriegsgefangenen eine Besorgung zu erledigen, als drei amerikanische Soldaten auftauchten und nach ihm fragten. Sie entfernten sich wieder unverrichteter Dinge. Niemand weiß, woher sie kamen, niemand weiß, wer sie schickte. Eines aber wissen alle: Sie kamen nicht von selbst!

Bürgermeister Haller kehrte bald wieder in das Stadtverwaltungsgebäude zurück und begab sich dann mit ehemaligen russischen Häftlingen in einen Nebenraum, der als Lagerraum für allerlei Gebrauchsgegenstände diente. Zwischenzeitlich trafen auch die Amerikaner zum zweiten Mal ein. Sie fuhren mit Bürgermeister Haller ab, der schnell noch der Aufforderung nachkam, seinen Hut mitzunehmen.

Wie Leute bekundeten; die damals zur Verrichtung von Feldarbeiten Ausgang hatten, sahen sie ein amerikanisches Militärfahrzeug, das mit drei Soldaten und Bürgermeister Haller besetzt war. Dieses Fahrzeug fuhr etwa eine Viertelstunde später wieder stadteinwärts. Sie ahnten Schlimmes. Ein Nabburger, der sich als Kriegsgefangener auf dem Rückweg in seine Heimatstadt befand, war in der Nähe der Josefikapelle ebenfalls Zeuge dieser grauenvollen Todesfahrt. Er erkannte Bürgermeister Haller, der ihm zurief, und bemerkte, daß das Militärfahrzeug kurz hinter seinem Standort anhielt. Hinter einem dort stehenden Stadel trat plötzlich ein Mann hervor und näherte sich dem Fahrzeug. Selbst etwas ängstlich – er kam ja gerade aus Gefangenschaft – machte er sich unverzüglich aus dem Staube.

Ein Bauer aus Passelsdorf, der am frühen Vormittag nach Nabburg gegangen war und nach Erledigung einiger Besorgungen seinen Heimweg wieder antrat, fand dann den ermordeten Bürgermeister. Er beging auf seinem Helmweg den sogenannten Passelsdorfer Kirchsteig. Als er an dem Waldweg zwischen der Grenze der Stadtwaldabteilung Neuweiher angelangt war, sah er von weitem am rechten Wegrand etwas liegen, das er zunächst für einen Mantel hielt. Als er langsam näher kam, erkannte er aber zu seinem Entsetzen, daß da ein toter Mann lag. Er lag mit der rechten Körperseite und der rechten Gesichtsseite auf dem Rain, die Füße auf dem Weg herunter. Obwohl er nur die linke Gesichtshälfte sehen konnte, erkannte er Bürgermeister Haller.

Der Bauer versicherte eindringlich, daß er den Toten nicht berührt habe. Haller lag also zu diesem Zeitpunkt mit dem Rücken nach oben auf der blutgetränkten Erde. Ein erschütterndes Bild – das Opfer brutaler Mörder, die die Gesetze Gottes mit den Füßen treten!

Obwohl die Mordtat am Samstag in Nabburg bekannt geworden war, wurde erst am Sonntag der hiesige Totengräber mit dem Wegtransport der Leiche beauftragt. Die noch unter dem Druck der Ereignisse stehende Bevölkerung traute sich damals kein Wort über den Vorfall in den Mund zu nehmen. Man munkelte nur, und auch bis zum heutigen Tage wird es nicht leise um diese zum Himmel schreiende Mordtat. Als das Totengefährt an der ihm näher bezeichneten Stelle eintraf, lag Bürgermeister Haller nicht mehr mit dem Rücken nach oben, sondern auf dem Rücken. In einer Entfernung von 2 bis 3 Metern hatte eine Blutlache den Weg rot gefärbt. Einige Tage später fanden sich noch zwei Patronenhülsen, die ein amerikanischer Offizier an sich nahm.

Bürgermeister Haller war durch zwei Schüsse durch die Brust und durch eine Stichverletzung durch das rechte Auge brutal ermordet worden. Wer hat den Toten gewendet? Lebte er vielleicht noch, obwohl man ihn rücklings feige niedergeschossen hatte? Woher und weshalb sonst der Stich ins Auge! Bedienen sich die bis auf die Zähne bewaffneten Amerikaner einer Stichwaffe? Unwahrscheinlich, daß die Waffen von drei amerikanischen Soldaten nur zwei Patronen enthielten. Waren es überhaupt Amerikaner, die die Tat verübten, oder waren es Zivilisten?

Erst nach der Einlieferung des Toten in das Leichenhaus erfuhren die Angehörigen von diesem schrecklichen Vorfall. Sie hatten, obwohl Bürgermeister Haller schon einen Tag abgängig war, immer noch Hoffnung, daß er wieder zurückkehren werde. Aber es kam anders. Man hatte den Totengräber mit der Übermittlung dieser erschütternden Nachricht beauftragt. Es wäre Schuld und Pflicht gewesen, hier einen anderen Weg zu finden. Am Mittwoch, dem 2. Mai 1945, nachmittags fand die Beerdigung statt. Es waren nur wenige Nabburger, die davon Kunde erhielten und daher dem toten Bürgermeister die letzte Ehre erwiesen. Später hat die Stadt Nabburg in Dankbarkeit ein Gedenkkreuz errichten lassen, zu dessen Einweihung sich viele Bürger aus Nabburg und der Umgebung einfanden. Es wird in fernen Zeiten noch davon künden, daß hier Ausgeburten der menschlichen Gesellschaft ein nie wieder gut zu machendes Unrecht begangen haben. Auch in einem Stadtratsprotokoll ist der Beschluß zur Aufstellung dieses Gedenksteins niedergelegt worden. Die Erstformulierung, die unverständlicherweise von einem “verstorbenen” Bürgermeister Haller berichtete, mußte den Tatsachen entsprechend abgeändert werden.«

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Die Zahl derer, die in jenen Tagen »verstorben« wurden, wird wohl nie erfaßbar sein!

In Nabburg gewann eine zwanzigjährige Angestellte auf einem Bauernball im Rahmen einer zehnköpfigen Tippgemeinschaft einen hohen Lottogewinn. Die »Landshuter Zeitung« vom 9. Februar 1960 brachte dieses erfreuliche Ereignis unter der Überschrift »Das war der schönste Ball meines Lebens«. Der Schlußsatz dieser kleinen lokalen Reportage allerdings beleuchtete grell und unbarmherzig die Zustände, die 1945 in Bayern und überall dort herrschten, wo die Sieger durch die Lande zogen. Er lautete: »Die zwanzigjährige Luise Haller ist die einzige Tochter einer Witwe, deren Mann nach dem Krieg starb und die mit einer Rente von 60 Mark hatte auskommen müssen. Ihr Großvater war in Nabburg Bürgermeister gewesen und von den Amerikanern in den Nachkriegswirren erschossen worden.«

In einem Bericht über das Klostergut Mitterndorf schrieb das »Oberbayerische Volksblatt« am 9. September 1960 unter anderem: »Mitterndorf mußte Ende April [1945] die Besatzung durch die SS über sich ergehen lassen. Vor Ankunft der Amerikaner verbargen sie sich im Moor, später finden sie in den Wäldern von Seebruck durch Erschießen den Tod.«

Am 7. Mai 1960 veröffentlichte die »Passauer Neue Presse« einen Erinnerungsbericht, betitelt »Der letzte Akt: Die Stadt Passau kapituliert«. Über das Vorgehen der Amerikaner schreibt das Blatt dabei unter anderem:

»So wurden beispielsweise in und bei Tittling am 29. April 1945 – dem Tag, an dem der Ort besetzt wurde – zwei SS-Männer erschossen, als keine Kampfhandlungen mehr stattfanden. Der 41 jährige SS-Unterscharführer Erich Altena aus Duisburg radelte an diesem Tag von Passau nach Tittling, um seine dort untergebrachte Frau zu besuchen. Er wußte nicht, daß im Markt schon amerikanische Truppen standen. In Neukirchen fuhr er einer US-Panzereinheit direkt vor die Raupen. Mit den Worten: “Du SS”, nahm man ihm das Koppel ab und verabreichte ihm einige Schläge. Als er dann gefilzt wurde, fanden die GIs eine Illustrierte bei ihm, in der sie Karikaturen von Roosevelt, Churchill und Stalin entdeckten. Nach Augenzeugenberichten gerieten sie darüber in einen solchen Zorn, daß sie Altena zwangen, die Zeitschrift zu essen. Später nahmen sie ihn auf einem Panzer mit und ließen ihn dann außerhalb der Ortschaft Neukirchen über eine Wiese laufen. Dabei wurde er mit einer Maschinenpistole erschossen.

Einem anderen deutschen Gefangenen sagte einer der Amerikaner dabei: “Wir erschießen alle SS, ob Offizier oder Mann.”

Der Baumeister Josef Stadler aus Bernbach bei Hutthurm wurde am 1. Mai 1945 erschossen, weil man ihn für einen SS-Mann hielt. Er war auch wirklich Angehöriger der allgemeinen SS und überzeugter Nationalsozialist. Aber die Amerikaner trafen ihre Feststellung auf Grund einer Verwechslung. Sie fanden einen Feuerwehr- Dienstanzug und hielten diesen für eine SS-Uniform. Auch Stadler wurde auf dem Kühler eines Jeeps zu seiner Hinrichtungsstätte transportiert. Man fand ihn im Hutthurmer Wald mit drei Kugeln in der Brust. Seine Ehefrau glaubt heute noch, daß Stadler das Opfer eines Denunzianten wurde.«

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Jedoch nicht nur in Zeitungsberichten, in eidesstattlichen Zeugenaussagen ersteht vor uns amerikanisches Kriegsverbrechen, sondern auch in richtiggehenden Dokumenten.

Die HIAG Regensburg bemühte sich, im Rahmen ihrer Vermißtenaufklärung das Schicksal Gefallener festzustellen. In einem Schreiben vom 12. Juli 1956 wandte sich der damalige Suchdienstbeauftragte Hans Joachim List an das Hauptquartier der US-Armee in Heidelberg. Er schrieb:

»Vor den Gräbern der Gefallenen erstummt der Haß, der dem Kriege entsteigt, und nur der edle Sinn ihres Opfers gewinne Gestalt über das Leben!

Sehr geehrte Herren!

Die HIAG hat es sich mit zur vornehmsten Aufgabe gemacht, einmal Angehörige, die vermißte Väter, Männer oder Söhne des letzten Krieges suchen, in diesem Bemühen zu unterstützen, und zum zweiten zu versuchen, von Gräbern unbekannter Soldaten die Identität festzustellen, die Angehörigen aufzufinden und zu benachrichtigen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz, der Deutschen Kriegsgräberfürsorge und allen einschlägigen Ämtern und Behörden.

Im Zuge unserer Bemühungen wurde uns von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge über das hiesige Bestattungsamt eine Liste zur Verfügung gestellt, bei der wir Schicksale antreffen, die durch unsere Eigeninitiative allein nicht gelöst werden können.

So wurde Ende April 1945 bei Großenried, Kreis Neuburg, ein Unbekannter von Angehörigen der US-Armee erschossen (Feldgrab 250 Meter nördlich der Heiltenbacher Mühle).

Drei unbekannte SS-Angehörige wurden im April 1945 in Rainsdorf angeblich von amerikanischen Truppen wegen ihrer Zugehörigkeit zur Waffen-SS erschlagen (Grablage Walting, Krs. Cham/Opf.), Erkennungsmarken fehlten bei der Umbettung.

Zwei Unbekannte wurden im April 1945 in Katzberg von US-Einheiten erschossen (Kreis Cham/Opf.).

Am 26. April 1945 verstarb in Lichteneck Horst Morsch (Grablage Thenried, Krs. Kötzting; Feldgrab auf dem Grundstück Vogel), Papiere und Erkennungsmarke wurden von den amerikanischen Truppen mitgenommen.

Ebenfalls am 26. April 1945 verstarb in Lichteneck der Uffz. Georg Hachmann (Grablage: Thenried, Krs. Kötzting; Feldgrab Wiesengrab bei Lichteneck). Nach Aussagen von verschiedenen Ortseinwohnern wurde der schwerverwundete Uffz. von amerikanischen Truppen totgeschlagen (Schädel zerschlagen). Papiere und Erkennungsmarke wurden von den amerikanischen Soldaten mitgenommen.

Am 26. April 1945 verstarben in Lengfeld, Krs. Kelheim, zwanzig unbekannte Soldaten. (Nach unseren bisherigen Ermittlungen handelt es sich vermutlich um Angehörige der SS-Division “Nibelungen”.) Papiere und Erkennungsmarken fehlen. Von vierzehn weiteren, teils unbekannten Toten liegen die Erkennungsmarken vor. Aus diesen scheint hervorzugehen, daß es sich meist um Wehrmachtsangehörige handelt, die im März 1945 noch der Waffen-SS eingegliedert wurden.

Am 28. April 1945 wurden fünfzehn Angehörige der Waffen-SS in Eberstetten, Kreis Pfaffenhofen, von amerikanischen Truppen erschossen. Papiere und Erkennungsmarken wurden den uns Unbekannten von den amerikanischen Truppen abgenommen. Sammelgrab befand sich an der Straße Eberstetten nach Pfaffenhofen.

Wir sind der festen Überzeugung, daß diese Liquidierungen von deutschen Soldaten nicht im Einverständnis der damaligen amerikanischen Truppenführung vorgenommen wurden, sondern lediglich der Eigenmächtigkeit einzelner Einheitsführer und einer unguten Propaganda zuzuschreiben sind. Es ist auch nicht unsere Absicht, an dieser Stelle solche Handlungen zu verurteilen, die bedauerlicherweise in einem Krieg vom Ausmaß des letzten auf allen Seiten vorgekommen sind, jedoch nur der Waffen-SS das Prädikat Kriegsverbrecher eingebracht haben.

Wir bitten das Hauptquartier der US-Armee vielmehr im Namen der Angehörigen, die heute, elf Jahre nach Kriegsende, immer noch auf Nachricht über das Schicksal der Vermißten warten, uns in unseren Bemühungen zu unterstützen.

Es wird Ihnen sicherlich möglich sein, Einheiten und Einheitsführer der damals in den erwähnten Gegenden kämpfenden US-Verbände festzustellen und nach Verbleib der Erkennungsmarken und Papiere sowie über die Umstände, die zum Ableben der Unbekannten führten, Erkundigungen einzuziehen.

Wir setzen voraus, daß das Hauptquartier der US-Armee für unsere Situation Verständnis aufbringen wird. Eine Bestätigung des Deutschen Roten Kreuzes, aus der hervorgeht, daß wir uns mit Suchaufgaben befassen, fügen wir zur Einsichtnahme bei. Wir bitten, uns diese Bestätigung nach Kenntnisnahme wieder zuzuschicken.

Da wir uns vorstellen können, daß die eventuell von Ihnen angestellten Recherchen längere Zeit in Anspruch nehmen werden, dürfen wir Sie hiermit um einen Vorbescheid bitten, der uns davon unterrichtet, ob wir grundsätzlich Ihrer Unterstützung gewärtig sein dürfen.

Für Ihr Entgegenkommen danken wir Ihnen im voraus, auch im Namen der Hinterbliebenen, die auf Klarheit über das Schicksal ihrer Vermißten harren.

Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung HIAG-Kreisgemeinschaft Regensburg

gez. Hans Joachim List.«

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Kurz darauf sandte die HIAG Regensburg einen Nachtrag zu ihrem Schreiben vom 12. Juli 1956: »Am 20. April verstarb in Loosburg ein unbekannter SS-Oberscharführer der 2. weiß-ruth. SS-Division, 2./E. Pol. Schtz. Reg. 2-659 (Grablage Hütten, Krs. Neustadt W.N.). Der Oberscharführer war am Bein verwundet, hatte blondes Haar, Schädeldecke zerstört. Soll durch Genickschuß von amerikanischen Truppen getötet worden sein.«

Die amerikanische Antwort war geradezu klassisch:

»Headquarters, US Army, Europe AEACA 312.1 CA APO 403 3. August 1956

Mr. Hans Joachim List, Roter Brachweg, 29 Regensburg

Dear Mr. List,

Your letter dated 12 July 1956 has been received at this headquarter and will receive appropriate attention.

In the event this headquarter can be of any assistance to your organization you will be so advised. As requested in your letter, we are returning your German Red Cross certificate.

1 Incl: Certificate Tp:Heid Mil 8134

Sincerely Irving W. Munroe, Captain, AGC, Asst. AG.«

Kein Wort von den eingeschlagenen deutschen Schädeldecken, keine Zeile über die amerikanischen Genickschüsse! Allerdings bezeichnenderweise auch kein Dementi. Der wesentliche Satz des Schreibens lautet: »Wenn das Hauptquartier Ihrer Organisation irgendwie helfen kann, werden Sie davon unterrichtet.« Diese Unterrichtung ist allerdings nie erfolgt.

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Hans Linberger wurde in den Brückenkopfkämpfen ostwärts Kiew durch Pak-Volltreffer schwer verwundet. Sein linker Oberarm wurde abgerissen, sein Körper mit Splittern übersät. Es war seine vierte Verwundung. Er wurde nach langem Lazarettaufenthalt als Oberscharführer der Waffen-SS am 9. März 1945 zur Ersatzkompanie nach Dachau entlassen.

Am 19. April 1945 legten die durchweg Schwerversehrten und nichtfront-verwendungsfähigen Ersatzleute ihre Waffen nieder, meldeten sich beim leitenden Arzt des Standortlazaretts, Dr. Dr. Schröder, und wurden in eine Baracke eingewiesen. In einer anderen Baracke waren evakuierte Frauen und Kinder untergebracht. Das Sanitätspersonal richtete sich auf die Kapitulation ein. Ärzte waren durch weiße Mäntel, Apotheker und das Sanitätspersonal durch die internationale Rote-Kreuz-Armbinde gekennzeichnet. Aus dem Raum Schleißheim hörten die Verwundeten und die Genesenden des Lazaretts Gefechtslärm. Dort kämpfte einige Zeit noch immer deutsche Flak. Dann, etwa um 16.30 Uhr, wurde es ruhig.

Trotzdem fielen plötzlich vereinzelt Schüsse, obwohl kein deutscher Widerstand geboten wurde. Feldwebel Linberger nahm nun eine Rote-Kreuz-Hand-flagge und ging zum Eingang des Lazaretts. Er war dort durch seinen leeren linken Ärmel weithin als Schwerversehrter gekennzeichnet. Den stoßtruppartig einrückenden Amerikanern erklärte er sofort, daß es sich hier um ein Lazarett handle, das selbstverständlich waffenlos übergeben werde. Ein Amerikaner setzte ihm die Maschinenpistole auf die Brust und schlug ihm ins Gesicht. Ein anderer schrie: »Du Ruski bekämpfen, nix gut.« Trotzdem ließen sie von Linberger ab und stürmten nun das Lazarett. Der Linberger zuerst bedrohende Amerikaner schoß im Flur einer Lazarettbaracke einen unbekannten Versehrten zusammen, der regungslos liegenblieb.

Alle Ärzte wurden aus den Behandlungsräumen gejagt, ebenso die Apotheker und das Sanitätspersonal. Dr. Dr. Schröder, der als leitender Arzt das Lazarett den Amerikanern formgerecht übergeben wollte, wurde von ihnen so zusammengeschlagen, daß er einen Schädelbasisbruch erlitt.

Die Amerikaner trieben alle Gehfähigen mit den Frauen und Kindern im Lazarettgelände zusammen und dann auf die Straße vor dem Heizwerk. Dort sortierten sie alles, was nach Waffen-SS aussah, plünderten die Gefangenen zuerst mit vorgehaltener Pistole aus und nahmen ihnen Uhren, Ringe, Drehbleistifte, Füllfedern und Geld ab. Dann wurden die Gefangenen in den hufeisenförmig abgemauerten Hof des Heizwerkes gejagt.

Dort standen nun Arm- und Beinamputierte, Ärzte, Apotheker, Sanitätspersonal, Angehörige der WTL und der Ingenieurschule, der Verwaltungsschule und sogar ausländische Angehörige der SS-Strafkompanie, die wegen Zersetzung der Wehrkraft und ähnlicher Delikte in Dachau lagen. Halbrechts von Hans Linberger stand der Spieß der E.-Komp. WTL, Oberscharführer Jäger.

Die Amerikaner stellten ein Maschinengewehr vor der Masse auf. Dann kamen amerikanische Kriegsberichter, photographierten und filmten die Gruppe. Mitten darin eröffnete der MG-Schütze das Feuer. Mit einem Feuerstoß von links nach rechts und zur Mitte zurück legte er die Masse der etwa vierzig Männer, die an der Wand standen, um. Die Frauen und Kinder sahen mit weitaufgerissenen Augen zu.

Der Feldwebel Hans Linberger gab für das Deutsche Rote Kreuz an Eides Statt nachstehende Schilderung dieses Massenmordes:

»Der unmittelbar hinter mir stehende Kamerad fiel mit dem letzten Aufschrei — au, die Schweine schießen auf den Bauch — über mich, da ich mich aus unerklärlichen Gründen einfach fallen hatte lassen. Es war mir gleichgültig, ob es mich im Stehen oder im Liegen erwischte. So bekam ich nur das Blut des Toten, der aus der Brust stark blutete, über Kopf und Gesicht, daß ich schwer angeschlagen aussah. In der Feuerpause, die eingetreten war und für mich nur durch die angetrunkenen Häftlinge erklärt wird, die sich mit Schaufeln bewaffnet hatten, um einen Mann mit Namen Weiß zu erschlagen, war es mir und den anderen Kameraden möglich, die Situation zu überblicken. Verschiedene krochen auf die Amerikaner zu und wollten sich als Ausländer ausweisen – wieder andere versuchten zu erklären, daß sie mit dem KZ nie etwas zu tun hatten. Dieser Weiß jedoch sagte: „Beruhigt euch, wir sterben für Deutschland!“

Oberscharführer Jäger fragte mich im Liegen, ob es mich erwischt habe, das mußte ich verneinen. Er hatte am rechten Unterarm einen Durchschuß abbekommen. Ich teilte rasch eine letzte Rippe Schokolade mit ihm, da wir auf den Genickschuß warteten. Ein Mann mit Rot-Kreuz-Armbinde warf uns Rasierklingen zu und sagte: “Da, macht euch fertig!” Jäger schnitt sich den angeschossenen Arm in der Pulsgegend auf, den linken schnitt ich, und wie er mir als Amputierter die Klinge ansetzen will, da kommt ein Offizier der Amerikaner mit dem zusammengeschlagenen Dr. Dr. Schröder, der sich kaum auf den Beinen halten konnte, und hat die Aktion der Erschießung eingestellt. So konnten wir unsere frischverwundeten Kameraden mit herausschleppen. Ich erinnere mich noch an einen Kameraden mit Bauchsteckschuß, der mit uns nach Dachau hingeführt wurde, wo sie uns im Saal der Gastwirtschaft Hörhammer mit allen Schattierungen der Truppenteile zusammenpferchten. Unterwegs wurden wir von Plünderern aus den Truppenlagern angespuckt und zum Aufhängen empfohlen. Bei dieser Aktion sind etwa zwölf Tote namenlos liegengeblieben. Wie ich später erfahren konnte, wurden die Papiere und Erkennungsmarken auf amerikanischen Befehl entfernt, und Kommandos deutscher Kriegsgefangener sollen die Toten an mir unbekannten Stellen vergraben haben.

Während der Erschießungsaktion hat sich die Ehefrau eines Dr. Müller mit dem ich vor Jahren in Briefwechsel trat, mit ihren zwei Kindern aus Verzweiflung vergiftet. Das Grab dieser Menschen konnte ich ausfindig machen, in diesem sollen acht SS-Angehörige liegen, worunter sich auch Oberscharführer Maier befindet. Maier war Oberschenkelamputierter und wurde an einer anderen Stelle des Lazarettgeländes an der Abgrenzungsmauer zusammengeschossen. Er lag einen Tag mit Bauchschuß und bat Frau Steinmann, daß sie ihn erschlagen solle, da er es nicht mehr ertrage. Der eintretende Tod hat aber Frau Steinmann von dem letzten Wunsch des Kameraden entbunden.

In der Nähe des Lazarettleichenhauses wurden vermutlich die anderen Kameraden an der Mauer erschossen, da später durch mich die Einschläge an der Mauer festgestellt wurden. Das Grab wurde mir als späterem PW im gleichen Lazarettgelände durch die Frau eines früheren KZ-Insassen bekannt, die an Allerseelen 1946 an den Lagerzaun herantrat und weinend ihrer im gleichen Grab bestatteten Kinder gedachte. Die Kinder müssen nach dem Zusammenbruch und der Übernahme des Lazaretts durch die Amerikaner im Lazaretthospital verstorben sein. Weitere in dem eingeebneten Grab bestattete Waffen-SS-Angehörige sind aus dem Suchdienstakt zu ermitteln.«

Anton Bergermayer erklärte am 19. Mai 1964 an Eides Statt:

»Im Sommer 1945 lag das IV. SS-Panzerkorps, dessen Angehöriger ich war (früher Stabsbatterie IV./SS-Pz.AR 5 “Wiking”), im Raum Riegsee/Oberbayern. Bis auf wenige Ausnahmen lagen die Einheiten auf freiem Feld am Ostufer des Riegsees. Da die von den Amerikanern angelieferte Verpflegung fast Null war, konnte man auf den Lagerwiesen keinen Grashalm und an den Bäumen keine Rinde und keine Blätter mehr finden …

Eines Morgens, es war im Juni oder Juli 1945, wurden mitten im Lagerbereich Tannenäste aufgebreitet und darauf zwei tote SS-Männer gebettet. Wir haben in Erfahrung gebracht, daß die beiden noch sehr jungen Männer während der Nacht in einem Dorf der Umgebung – die Lagergrenzen waren um diese Zeit nicht durch Stacheldraht gekennzeichnet – bei Bauern um Brot gebettelt hätten. Sie wurden von einer amerikanischen Streife festgenommen und einem Leutnant vorgeführt. Der amerikanische Leutnant sei mit den beiden Männern auf die Straße gegangen und habe sie nach Bolschewistenart durch Genickschuß ermordet. Am Morgen mußten die Leichen von SS-Männern abgeholt und im Lager aufgebahrt werden, wo sie bei brütender Hitze als abschreckendes Beispiel liegen mußten. Auf die Dauer der Aufbahrung kann ich mich nicht mehr erinnern, ich glaube, es hat sich um zwei Tage gehandelt. Meines Wissens wurden die Leichen auf dem Ortsfriedhof von Aidling am Riegsee/Obb. bestattet und müssen die Gräber, sofern keine Umbettung erfolgt, dort noch auffindbar sein.«

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Es gibt für diese erbärmliche Behandlung deutscher Gefangener durch amerikanische Truppen sogar eine amerikanische Kronzeugin: die Schriftstellerin Marguerite Higgins, die in ihrem Buch »News in a singular thing« ihre Erlebnisse und Beobachtungen 1945 schildert. Daraus nur ein kleiner Auszug:

»Ein aufgeregter junger GI lief zu Knauth [einem anderen amerikanischen Korrespondenten]. Er zog ihn am Ärmel und zischte ihm zu: “He, wenn Sie zur Presse gehören und wirklich etwas sehen wollen, folgen Sie mir. Man haut sie da gerade zusammen.”

“Wer haut wen?” warf ich ein. Aber Knauth und der GI schritten schon davon. Ich folgte ihnen. Der GI führte uns an das Haupttor des Konzentrationslagers [Buchenwald], an dessen beiden Selten je ein enges rechteckiges Gebäude stand, das Zellenblöcke enthielt. Der amerikanische Soldat betrat das Gebäude auf unserer Rechten, und wir kamen unmittelbar hinter ihm. Wir fanden uns einer langen Halle gegenüber, die voll stand und von aufgeregt durcheinander redenden Amerikanern, die in zwei Reihen nebeneinander aufgestellt waren. Die Halle war parallel und stieß an die Zellenblöcke. “Platz für die Presse!” schrie unser Soldat in einem Ton, der die Freude an der Aufmerksamkeit, die er erregte, zeigte. Während der Soldat dazwischenlief, verschafften Knauth und ich uns unseren freien Weg zum Beginn der Linie. Wie wir näherkamen, konnten wir Schläge und Schreie der Gequältheit hören.

“He, Charley, das ist genug! Jetzt bin ich dran!” schrie einer der GIs. Knauth und ich erreichten endlich den Beginn der Linie. “Charly” kam gerade aus einem der Zellenblöcke heraus und grinste triumphierend. Hinter den Gittern der Zelle, uns unmittelbar gegenüber, waren drei uniformierte Deutsche. Zwei von ihnen, zerschlagen und blutüberströmt, lagen bewußtlos am Boden hingestreckt. Ein dritter Deutscher wurde am Haarschopf hochgehalten (ich werde ihn nicht vergessen, er hatte rote Haare wie Karotten). Ein GI drosch abwechselnd seinen Leib und schlug ihm ins Gesicht. Als das Opfer stöhnte und seufzte, brüllte der GI immer wieder: die Schnauze, verdammter Kraut!”

“Was ist denn los?” schrie ich über die Aufschreie und das Stöhnen hinweg zu dem nächsten der Soldaten, der zufällig Charley war.

“Das sind SS-Jungen”, brüllte Charley zurück und setzte stolz hinzu: “Wir haben sie in den Wäldern gefangen. Wir geben ihnen etwas von ihrer eigenen Medizin. Wir machen sie fertig für den Leichenhaufen dort!”

Es stellte sich heraus, daß fast eine Viertelstunde lang die doppelte Reihe von zwanzig bis dreißig amerikanischen Soldaten ausgerichtet stand, um methodisch abwechselnd die sechs gefangenen Deutschen zusammenzuschlagen. Ich wandte mich an Knauth: “Sie wissen, was kommt, wenn wir irgend etwas sagen”, bemerkte ich unglücklich. Bei der Brücke von Wasserburg hatten sich die GIs feindlich gegen einige Korrespondenten gewandt, die sie wegen der Tötung deutscher Kriegsgefangener fragten; einer von ihnen hatte schneidend gesagt: “Kleine Jungen und Mädchen, die häßliche Dinge nicht gern sehen, bleiben besser daheim am Kaminfeuer!”

“Ich weiß”, sagte Knauth, »hier muß doch irgendein Offizier in der Nähe sein.” Zu meiner Erleichterung war er schnell und erfolgreich. Innerhalb von Minuten erschien ein Unterleutnant, schrie die Leute an und befahl ihnen, von ihren Opfern abzulassen.

Es kam heraus, daß die aufgeregten GIs sechs junge Deutsche, die gar nicht Mitglieder der SS waren, gefangen hatten. Die jungen Menschen waren nur vor wenigen Tagen in ein Reichsarbeitsdienstbataillon eingezogen worden. Das war ein Teil des verzweifelten Versuches im letzten Augenblick, die Niederlage abzuwenden.

Bevor die Dritte Armee dies Gebiet erobert hatte, waren die Jungen noch damit beschäftigt Schutzgräben auszuwerfen, die nie mehr besetzt wurden. Der jüngste unter ihnen mit den karottenroten Haaren war vierzehn Jahre alt. Die anderen fünf deutschen Jungen in den Zellenblöcken waren zwischen vierzehn und siebzehn Jahre alt. Aber auf ihre Jugend und ihre Schuldlosigkeit kam es nicht an. Der springende Punkt ist hier, daß die GIs in den Zellenblöcken die gleiche Brutalität betrieben haben, die wir beim Feinde verurteilten.«

Über die Ermordung deutscher Kriegsgefangener durch Amerikaner bei Wasserburg in Bayern sagte Miß Higgins:

»Es begann zum ersten Male, wie ich sah, daß ein amerikanischer Soldat einen waffenlosen und hilflosen deutschen Kriegsgefangenen niederschoß. Dieses Erschießen oder – mit dem richtigen Wort: Ermorden – bei der Brücke von Wasserburg zerstörte einige sehr angenehme und in Schwarzweißmalerei gehaltene Auffassungen, die ich über die Verteilung von Gut und Böse unter den Menschen auf unserer Seite und den Menschen auf der anderen Seite entwickelt hatte.«

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Allein die Engländer hinterließen fast keine Spur. Selbst in Vahrendorf im Landkreis Marburg, wo am 26. April 1945 etwa 20 größtenteils verwundete junge deutsche Soldaten in die Hände der britischen Truppen fielen, anschließend erschossen und in einen Bombentrichter auf dem Hofanwesen des ehemaligen Bürgermeisters Witt geworfen und wahllos verscharrt wurden, gab es keinen prozeßsicheren Nachweis gegen die Mörder und ihre Truppe.

Sicher ist, daß im Juni 1945 zwei englische Soldaten zum Bauern Witt kamen und ihm im Gespräch mitteilten, daß auf seinem Grund erschossene deutsche Soldaten verscharrt wurden. Die Überprüfungen bestätigten diese Angaben, und nun bemühte sich der Hofbesitzer Witt in Verbindung mit deutschen Behörden um eine ordentliche Beisetzung dieser letzten Kriegsopfer.

Endlich im Frühjahr 1946 nahm das Beerdigungsinstitut Alves, Harburg, im Auftrag der Behörden eine Umbettung der Leichen vor, die dann anschließend an der Seite ihrer gefallenen Kameraden auf dem kleinen Heldenfriedhof an der Straße Vahrendorf-Alvessen beigesetzt wurden.

Das Beerdigungsinstitut gab keine Auskunft. Die Behörden wissen von nichts. Nur die Toten bleiben tot. Wolfgang Buchwald, einer der jungen Kompanieführer in diesen Kämpfen, schilderte vor Jahren im »Wiking-Ruf« »Das Schicksal der Kampfgruppe “Panzerteufel”« und kam dabei auch auf die tragischen Vorkommnisse von Vahrendorf zu sprechen.

Wolf gang Buchwald schrieb:

»Wehrlose Verwundete erschossen.

Auf dem Kompaniegefechtsstand überblickt Untersturmführer Früh nicht mehr die Lage. Seit einer Stunde kommt keine Meldung mehr von den Zügen. Sieben Bauernhäuser stehen bereits in Flammen. Das Vieh brüllt wie toll. Aber es sind keine Einwohner mehr im Dorf. Als wir in der Umgebung des Gefechtsstandes Ausschau halten, stürmen auf der Straße einige Tommies entlang. Sie gehen sofort in Deckung und nehmen uns unter Feuer. Uscha. Finkler erhält einen MPi-Feuerstoß in die Brust und ist sofort tot. Auch von rechts erhalten wir Feuer. Demnach ist das ganze Dorf umstellt, und wir sitzen in der Mausefalle. Der 3. Zug hat sich bereits abgesetzt, und wir folgen ihm schnellstens. Mittlerweile ist es hell geworden, und bis zum schützenden Wald an der Ausgangsstellung müssen wir über l km durch deckungsloses Gelände. Die englische Infanterie kann uns somit nicht folgen. Einschlag liegt neben Einschlag, und jeder kann von Glück sagen, wenn er lebend oder unverwundet den Wald erreicht.

Am Panzergraben brechen die meisten Kameraden vor Erschöpfung zusammen. Die Marine leistet erste Hilfe, und unsere Sanis haben alle Hände voll zu tun. Die Gruppe Borowski hatte sich inzwischen vom Dorfrand entfernt, als sie plötzlich von einem Dachfenster aus von einem englischen SMG unter Feuer genommen wird. Hintereinander liegen alle 19 Mann, Kopf Richtung Wald, in einem kleinen Graben neben der Straße in Deckung. Man kann sich nicht bewegen, ohne das Feuer auf sich zu ziehen. Deshalb weiß auch keiner, was hinter ihm vorgeht. Das MG-Feuer ist pausenlos. Ab und zu schreit jemand vor Schmerz auf. Einer betet ununterbrochen das “Vaterunser”, bis er plötzlich verstummt. Ein anderer springt auf, fällt aber sofort getroffen gegen den Stacheldrahtzaun. Der Körper wird von Kugeln durchlöchert. Uscha. Lindner hat einen Bauchschuß und liegt im Sterben.

Borowski liegt an der Spitze. Als er sich eine bessere Deckung suchen will, wird ihm von einer MG-Garbe das linke Bein förmlich abgeschossen. Mit letzter Kraft erreicht er eine schützende Mulde. Zeitweise schwindet bei ihm das Bewußtsein. Doch er erkennt noch, wie sich von Sottorf 16 SPW nähern und die Besatzung an der Wegkreuzung absitzt. Ein hünenhafter Sergeant, der “John Bull” gerufen wird, marschiert an der Spitze. In der Hand hält er einen großen Colt. Aber keiner von den 19 Mann steht auf. Sie sind anscheinend schon tot oder schwerverwundet. Ab und zu hört Borowski einen Schuß. Die verwundeten Kameraden werden von ihren Schmerzen erlöst. Plötzlich springt der Gren. Schadow, der hinter Borowski liegt, auf und schreit um Hilfe. Er erhält einen Schuß in den Hoden und bricht zusammen. Uscha. Lindner wird von seinen Schmerzen erlöst. Borowski schwimmt in einer Blutlache. Er merkt noch, wie man ihm seine Uhr abnimmt, dann verliert er das Bewußtsein. Auf einer englischen Tragbahre erwacht er wieder und findet auf dem Verbandsplatz seinen Kameraden Schadow. Die beiden sind die einzigen Überlebenden. Die 17 toten Kameraden aber liegen noch tagelang in dem Graben. Nach dem Kriege finden wir sie in einem zugeschütteten Bombentrichter wieder. Wir können nur wenige identifizieren.«

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Anders war es schon in jenen Gebieten Norddeutschlands, die von den Engländern an die mit ihnen verbündeten Polen ausgeliefert wurden. Die Engländer gingen dabei sehr rigoros vor. In der Schrift »Volksfest« des Amtes Windheim zu Lahde, 24. und 25. September 1941, steht darüber zu lesen:

»Am 9. April 1945 erschien bei dem Amtsbürgermeister in Lahde ein englischer Oberst mit einem deutschsprechenden Major und ließ erklären: “Da hinten sind zwei Camps, die eignen sich zur Aufnahme von Ausländern, und diese Stadt muß wahrscheinlich geräumt werden.”

In kurzer Zeit waren die Baracken, die für 600 bis 900 Mann vorgesehen waren, überfüllt, und schon am 10. April kam der erste Räumungsbefehl für Lahde. Es folgten die Befehle für Bierde am 19. April, Ilserheide am l. Mai (beide englischen Originalbefehle für die Räumungen liegen noch vor), Raderhorst am 12. Mai und Preußisch- und Bückeburgisch-Frille am 15. Mai. Von der Evakuierung wurden auf englische Anordnung möglichst ausgeschlossen: Bäckereien, Schlachtereien, Ingenieure und Techniker, Polizei, Gemeindebeamte, Schmiede, Tischler, Maler, Lebensmittelhändler, Ärzte, Tierärzte und Hebammen. Während bei der Freimachung von Lahde, Bierde und Ilserheide die Bewohner noch die gesamten Einrichtungen; Lebens- und Futtermittel und das Vieh hatten mitnehmen können, mußte in Raderhorst und Frille die gesamte Einrichtung, insbesondere die Betten, zurückgelassen werden. Verpflegung wurde nur für 24 Stunden erlaubt, so daß praktisch alle Lebensmittelvorräte, Eingeschlachtetes usw. den Ausländern überlassen werden mußten. Die Mitnahme des Viehs wurde freigestellt. Jeder Person wurden 100 kg Gepäck gestattet. Bierde, Ilserheide, Raderhorst und Frille wurden dann von Polen und Russen belegt. Am 20. Mai, dem Pfingstsonntag, wurde Wietersheim in der Zeit von 9.30 bis 13.00 Uhr geräumt. Päpinghausen und Cammer im Bückeburgischen folgten am 30. Mai mit einer Räumungsfrist von drei Stunden, die dann aber von dem englischen Offizier um zwei Stunden verlängert wurde!«

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Diese Massenzwangsevakuierung nach dem Kriege wurde von der englischen Kommandantur in Lahde, die aus Major Rogers, Major Hicksen und Captain Picken bestand, durchgeführt.

Die Polen übten bald eine Terrorherrschaft sondergleichen gegen die deutschen Bauern in der Umgebung aus. Aus Wietersheim, aus Frille und allen anderen Gemeinden wurden Hunderte Stück Vieh gestohlen oder geraubt, ebenso Lebensmittel aller Art, daneben natürlich Fahrräder und Fahrzeuge jeder Art. Insgesamt wurde 1949 vom Amt Windheim der Schaden, den die Polen unter britischer Protektion in den sieben Gemeinden verursacht haben, mit einem Betrag von 15 Millionen DM beziffert.

Die deutsche Polizei hatte in den »Polendörfern« keinerlei Befugnis, die deutsche Bevölkerung war gegen Belästigungen und Verbrecher macht- und rechtlos. Es fanden zahlreiche Vergewaltigungen statt, 287 Bandenüberfälle auf Höfe mit Plünderungen, größtenteils trugen die Polen dabei Schußwaffen. Sie mißhandelten jeden Deutschen, der ihnen nicht zu Willen war, auf das schwerste. 149 Einbruchsdiebstähle, 529 Diebstähle wurden verzeichnet und abgesehen von Vieh und Feldfrüchten 462 Fahrräder, 5200 Kleidungsstücke, 181 Uhren, 38 Kraftfahrzeuge und Bargeld in Höhe von 57 565 Reichsmark geraubt. Von den 14 Morden, welche die Polen verübten, wurde nur ein einziger aufgeklärt, bei den Diebstählen und Raubüberfällen nur ein Bruchteil der Täter gefaßt.

Die Opfer, die in den Polendörfern unter den Augen der Engländer, welche die Deutschen schutzlos den Polen und Russen ausgeliefert hatten, ermordet wurden, waren:

Die Ehefrau Frieda Bleeke (34), am 9. 4. 1945 durch Russen erschossen -die Ehefrau Henny Gebhardt (31), am 9.4.1945 durch Russen erschossen -der Arbeiter Heinrich Krumme (42), am 22. 4.1945 durch Polen erschossen; er hinterließ die Gattin und 4 Kinder – die Ehefrau Sophie Schäkel (48), am l. 5.1945 durch Polen erschossen – die Ehefrau Sophie Limbach (55), am 16.7. 1945 durch Polen erschossen; sie hinterließ den Gatten und 3 Kinder – der Zimmermeister Friedrich Rodenbeck (58), am 2. 8. 1945 von Polen tödlich verwundet; er hinterließ die Gattin und 2 Söhne – der Arbeiter Wilhelm Diekmann (55), am 16. 8. 1945 von Polen tödlich verwundet; er hinterließ die Gattin und 3 Kinder – der Altenteiler Landwirt Hermann Lange (78), am 22. 8. 1945 durch Polen ermordet – der Seemann Wilhelm Peek (52), am 27. 8. 1945 von Polen ermordet; er hinterließ die Gattin und eine Tochter -die Ehefrau Wilhelmine Lange (52), am 28. 8.1945 durch Polen ermordet; sie hinterließ einen Sohn – der Landwirt Christian Witte (41), am 28. 8. 1945 von Polen ermordet; er hinterließ die Gattin und eine Tochter – der Tischler Wilhelm Bicknese (50), am 3. 10.1945 von Polen erschossen; er hinterließ die Gattin und 2 Kinder – der Landwirt Friedrich Völker (24), am 28. 3. 1946 von Polen ermordet – der Viehkaufmann Reinking (23), am 5. 3.1948 durch Polen erschossen.

Heinz Scholz berichtet über das »Zusammenarbeiten« zwischen Engländern und Sowjetrussen wie folgt:

»Meine Heimatstadt ist Wismar an der Ostsee. Am 8. Mai 1945 rückten von Rostock die Russen bis an die Stadtgrenze vor, die Westalliierten besetzten die Stadt von Schwerin und Lübeck her. An der östlichen und südöstlichen Stadtgrenze verlief die Demarkationslinie zwischen Russen und Engländern; die Stadt selbst war im Kommandobereich der Engländer. Um die Mittagsstunde, es mag zwischen 12 und 13 Uhr gewesen sein, dieses schrecklichen Tages wurde mein Vater, Heinrich Scholz, Augenzeuge folgender entsetzlicher Begebenheit: Vom Dornier-Flugplatz her, der mit seinen vielen großen Flughallen weit ausgedehnt entlang der Wismarschen Bucht lag, kam eine letzte Gruppe von 4 oder 5 deutschen Luftwaffensoldaten angefahren. Als diese Gruppe auf der Dornierbrücke angekommen war, kam ihr eine englische Einheit, auch motorisiert, es sollen Soldaten der sogenannten “Roten Teufel” gewesen sein (Kanadier?), entgegen. Die englische Einheit hielt auf der Straße in Höhe der Garagen am Seegrenzschlachthaus (damals gab es an dieser Hafenstraße nur ein zum Seegrenzschlachthaus gehörendes Wohnhaus für das Verwaltungs- und Kantinenpersonal des Schlachthofes), Mein Vater, der von unserem am Haff-Feld gelegenen Garten kam, befand sich in diesem Augenblick in Höhe der britischen Einheit, aber auf der anderen Straßenseite. Von da bis zur Dornierbrücke sind es 40 bis 50 Meter.

Als die deutschen Soldaten die Briten gewahrten, hielten sie an, stiegen aus und gingen unbewaffnet und nicht umgeschnallt auf die auf ihrem Fahrzeug im Anschlag liegenden Engländer zu. Die Arme hatten sie nicht erhoben, sondern ungezwungen herabhängen. Sie lachten.

Nach wenigen Schritten bekamen sie Feuer aus Maschinenpistolen. Die deutschen Soldaten brachen zusammen und blieben liegen. Drei Briten gingen dann auf die Toten zu und warfen sie die Böschung neben der Straße hinunter.

Als mein Vater die Hände rang angesichts dieses Mordes und aufschrie, lachten die am Fahrzeug gebliebenen Engländer laut auf, und einer rief ihm zu: “Geh nach Hause, Opa, das ist unser Krieg!“«

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Die Deutschen waren einfach vogelfrei. Für jedermann! Sogar für die Dänen!

Hugo Patzner berichtet über ein Geschehen in Dänemark, sieben Monate nach dem Waffenstillstand:

»Mit größter Wahrscheinlichkeit war es am 19.12. 1945, als mein letzter Kompaniechef, Oberleutnant Martin, zu diesem Zeitpunkt Transportleiter von deutschen Luftwaffensoldaten unter R. A. F. control (eingefrorenes Personal) vom Flugplatz Vaerlose (Seeland/Dänemark) mit der dänischen Staatsbahn nach dem Auffanglager Nordtorf bei Neumünster (Schleswig-Holstein) in Marsch war. Wir konnten ungefähr 150 oder auch mehr deutsche Soldaten gewesen sein und hatten auf englische Anordnung freies Geleit, waren also ohne englische Begleitung in voller Disziplin unterwegs.

Am Grenzbahnhof Tinglev wurden wir plötzlich unsanft geweckt. Es war inzwischen schon Mitternacht, als wir von dänischem Militär mit Maschinenpistolen aus den Waggons gejagt wurden. Auf dem kleinen Bahnhofsvorplatz fanden wir uns in Reih und Glied wieder und mußten anschließend einzeln durch Filzkommandos. Diese waren, wie wir nachher feststellten, speziell auf Dienstgrade ausgerichtet. Im einzelnen darüber zu berichten würde zu weit führen, und es ist auf Grund dieser Tragik überhaupt nicht erwähnenswert. In dieser Nacht wurde Oberleutnant Martin in einem Dienstraum des Bahnhofes, im Beisein von zwei dänischen Offizieren und Soldaten, von einem dänischen Polizisten aus drei Meter Entfernung mit der Dienstpistole grundlos in den Bauch geschossen. Wir waren alle vor dem Bahnhof und harrten der Dinge, als in unseren Reihen nach einem Sani und Verbandszeug gefragt wurde. Im allgemeinen Gemurmel habe ich vom direkten Vorfall nichts wahrgenommen. Nach einiger Zeit kam auf den kleinen Bahnhofsplatz ein dänischer Sanka gefahren, welcher in einigen Metern Entfernung neben dem erleuchteten Weihnachtsbaum hielt und die Besatzung mit einer Trage in das Bahnhofsgebäude ging. Gleich darauf kam ein Oberfeldwebel von unserem Transport (den ich nicht kannte) und rief laut zu uns, daß Oberleutnant Martin von einem dänischen Polizisten aus drei Meter Entfernung niedergeschossen wurde, well er von dem dänischen Oberleutnant verlangt hätte, mit der englischen Kommandantur zu sprechen. Wir wären englische Gefangene und keine dänischen; das war an- scheinend Grund genug, einen deutschen Offizier niederzustrecken.

Der Sanka und seine Besatzung waren nicht von der dänischen Wehrmacht, denn sie trugen dunkelblaue Uniformen. Als man Oberleutnant Martin in den Sanka trug, schritten zwei dänische Offiziere und der dänische Polizist gemächlichen Schrittes und scheinbar zufrieden hinterher, bis zu ihren Soldaten, welche uns umstellten. Beim Anblick dieser drei Helden riefen wir alle laut “pfui”, bis uns die dänischen Soldaten mit dem Zuruf “holts Keff” und dem Durchladen ihrer Maschinenpistolen klarmachten, zu welcher Handlung sie fähig sind. Wir waren daraufhin ruhig, weil wir unsere Heimat wiedersehen wollten.

Als wir in Nordtorf ankamen, hat der stellvertretende Transportleiter diesen Vorfall der englischen Dienststelle gemeldet.

Wir haben aber nie mehr etwas von Oberleutnant Martin gehört. Oberleutnant Martin war ungefähr 30 Jahre alt, ein aufrechter und kameradschaftlicher Offizier; er stammte aus Berlin. Meine Ausführungen kann ich von mindestens drei Zeugen bekräftigen lassen.«

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Die Verschwörung des Schweigens: Wann endlich wird sie gebrochen?

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Quelle/Auszug aus: http://www.germanvictims.com/2013/08/21/groesster-voelkermord-aller-zeiten/