Jüdische Auswanderung.jpgAls „Gesamtlösung der Judenfrage“ oder auch „Endlösung der Judenfrage[1] bezeichnete die deutsche Reichs­regierung ab August 1940[2] die während des Zweiten Weltkrieges modifizierte Judenpolitik, die nun die Umsiedlung von Juden in großer Zahl insbesondere in Gebiete außerhalb des deutschen Reiches zum Ziel hatte; zu diesem Zweck wurden auch vorübergehende Internierungen der umzusiedelnden Juden durchgeführt. So förderte die deutsche Staatsleitung die von führenden Zionistenvertretern sehr begrüßte jüdischen Auswanderung im Zusammenhang mit der Gesamtlösung der Judenfrage insbesondere nach Palästina (→ Ha’avara-Abkommen), aber auch z. B. nach Osteuropa.

Seit der nationalsozialistischen Revolution im Jahre 1933 hatte die europäische Judenpolitik eine Lösung der Judenfrage auch unter Berücksichtigung jüdischer Interessen angestrebt. Von den etwa 550.000 Juden, die 1933 im Deutschen Reich lebten, wanderte bis zum Kriegsbeginn ungefähr die Hälfte aus, also circa 50.000 pro Jahr (zum Vergleich: Infolge der antideutschen Politik des BRD-Regimes wandern jährlich etwa 150.000, meist gut ausgebildete Deutsche aus dem besetzten Gebiet Restdeutschlands aus).

Infolge etlicher antideutscher, von Juden initiierter militanter Aktionen, wie bspw. die Ermordung des deutschen Gesandten Ernst vom Rath in Paris oder des schweizerischen, nationalsozialistischen Landesgruppenleiters Wilhelm Gustloff, wurde die Zusam­men­arbeit mit Judenverbänden zunehmend erschwert. So war die Reichsleitung insbesondere im Vorfeld sowie nach Entfesselung des gegen Deutschland gerichteten Zweiten Weltkrieges zu wiederholten Einschränkungen jüdischer Selbst­ver­waltungs­rechte sowie zur zunehmenden Herausdrängung von Juden aus öffentlichen und staatsleitenden Funktionen gezwungen worden.

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Hintergründe

Die Lösung der Judenfrage war dringend erforderlich, da der Antijudaismus in Europa mit Ende des Ersten Weltkrieges u. a. infolge der Auswirkungen der Balfour-Deklaration zunehmend eskalierte. Infolgedessen kam es auch immer häufiger zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, den sogenannten Pogromen. Mit der Endlösung wollten die Nationalsozialisten dieser gefährlichen Entwicklung Einhalt gebieten. Als Zielorte einer Umsiedlung wurden Palästina, Ecuador, Kolumbien und Venezuela erwogen. Während der Diskussion um die Endlösung wurde von deutscher Seite auch der Madagaskar-Plan verfolgt. Nachdem sich dieser aufgrund der englischen Seeblockade im Zuge des Zweiten Weltkrieges als undurchführbar erwiesen hatte, wurde stattdessen beabsichtigt, die Juden in das nordöstliche Europa in russisches Gebiet umzusiedeln. Zudem unterstützte Deutschland mit den Umsiedlungen nach Palästina gemäß Ha’avara-Abkommen die Bestrebungen der Zionisten, einen jüdischen Staat ebendort zu errichten.

Der Zionist Theodor Herzl verstand einen jüdischen Staat ebenso als die „Endlösung der Judenfrage“.[3][4]

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Entwicklung

Vor der Zeit des Nationalsozialismus

Schon lange vor den Nationalsozialisten wurde eine Endlösung der Judenfrage von Juden selber angestrebt. In der 1859 erschienenen 19. Ausgabe des VS-amerikanischen Magazins The Deal liest man in einer Besprechung von Josephine Lazarus‘ Buch „The Spirit of Judaism“:[5]

„Obwohl wir annehmen, daß die Initiative für eine Entwicklung in Richtung eines besseren und vernünftigeren Zustandes bei dem Juden selbst liegt, scheint es denoch eindeutig, daß keine endgültige Lösung der Judenfrage erhofft werden kann, ohne einen starken Rückgang in der allgemeinen Bilanz der Ignoranz und des Fanatismus der Welt.“
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Im Jahre 1896/97 veröffentlichte die National-jüdische Vereinigung ein aus drei Punkten bestehendes Programm. Unter Punkt zwei heißt es dort über die „endgültige Lösung der Judenfrage“:[6][7]

„Die staatsbürgerliche Emancipation der Juden innerhalb der anderen Völker hat, wie die Geschichte zeigt, nicht genügt, um die sociale und kulturelle Zukunft des jüdischen Stammes zu sichern, daher kann die endgültige Lösung der Judenfrage nur in der Bildung eines jüdischen Staates bestehen; denn nur dieser ist in der Lage die Juden als solche völkerrechtlich zu vertreten und diejenigen Juden aufzu­neh­men, die in ihrem Heimatland nicht bleiben können oder wollen. Der natürliche Mittelpunkt für diesen auf legalem Wege zu schaffenden Staat ist der historisch geweihte Boden Palästinas.“
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Etwa ein Jahr später, am 1. November 1898, gab Richard Gottheil, Mitgründer und erster Präsident der American Federation of Zionists, deren Sekretär der mit ihm befreundete Rabbi Stephen S. Wise war,[8] eine Rede mit dem Titel „Die Ziele des Zionismus“, die er folgendermaßen einleitete:[9]

„Ich weiß, daß es unter unserern Leute sehr viele gibt, die nach einer Endlösung der Judenfrage in dem suchen, was sie ‚Assimilation‘ nennen. Je mehr die Juden sich in ihre Umgebung assimilieren, denken sie, desto vollständiger werden die Ursachen für anti-jüdische Gefühle aufhören zu existieren. Aber haben sie jemals für einen Moment innegehalten, um zu überlegen, was Assimilation bedeutet? Es wurde sehr treffend darauf hingewiesen, daß der Gebrauch des Wortes aus dem Wörterbuch der Physiologie entlehnt ist. Aber in der Physiologie ist es nicht das Essen, das sich in den Körper assimiliert. Es ist der Körper, der das Essen assimiliert. Der Jude mag wün­schen, assimiliert zu werden; er kann alles tun für dieses Ziel, was er will. Aber wenn die große Masse, in der er lebt, ihn nicht assimilieren will − was dann? Wenn Forde­run­gen an den Juden gestellt werden, die praktisch Ausrottung bedeuten, die praktisch seine totale Auslöschung aus den Völkern der Welt und aus den Reihen der religiösen Kräfte der Welt bedeuten − welche Antwort gibt man? Und die gestellten Forderungen sind praktisch dieser Art.“
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Theodor Herzl, den Gottheil 1898 neben Max Nordau auf dem zweiten Zionistischen Kongress in Basel kennenlernte,[8] schrieb 1899 in einem Brief an den russischen Zaren über die „endgültige Lösung der Judenfrage“, die er als das Ziel des von ihm begründeten Zionismus verstand:[10]

Der Gnade Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Baden, der sich bei Eurer Kaiserlichen Majestät zum hohen Dolmetsch meiner demütigen Bitte um eine Audienz hat machen wollen, verdanke ich die Erlaubnis, das zionistische Projekt zur endgültigen Lösung der Judenfrage zu unterbreiten.“
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Ähnlich äußerte Herzl sich auch in einer am 26. Juni 1899 in London gehaltenen und am 4. August desselben Jahres in der Zeitschrift The Jewish Criterion (Pittsburgh) auszugsweise abgedruckten Rede:[11]

Was ist unser Ziel? Wir wünschen in unserem alten Heimatland, Palästina, eine rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk vorzubereiten. Dies betrach­ten wir als die Gesamt- und Endlösung der Judenfrage. Diese Lösung setzt drei Dinge voraus: Erstens, die Existenz der jüdischen Nation; zweitens, die Eignung Palästina für die Ansiedlung; drittens, die Zusicherung einer Rechtsgrundlage für die Umsiedlung.“
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Israel Zangwill, Präsident der Jewish Territorialist Organization (ITO), die im Jahre 1905 als Folge des britischen Uganda-Angebotes von 1903 von ihm gegründet wurde und die, im Gegensatz zu Theodor Herzls auf Palästina fixierten Zionismus, die Errichtung eines jüdischen Staates auf jedem nur möglichen Land anstrebte, sagte auf einer in Wien in der Halle des Kaufmännischen Vereins gehaltenen und am 26. Juli 1912 im The Jewish Criterion abgedruckten Rede:[12]

„Wie Sie wissen, waren die meisten von uns auf dem ITO ursprünglich Jünger des unsterblichen Dr. Herzls, und es war seine Idee, daß die einzige Endlösung der Judenfrage in der Niederlassung des Juden in einem eigenen Heimatland sein kann. Nach Dr. Herzls Tod wurde seine Bewegung gekapert – wie es jetzt karikiert wird – von einer Palästina-Abteilung, und als es der Zionistische Kongreß von 1905 auf sich nahm, die von der britischen Regierung angebotene ostafrikanische Hochebene abzulehnen, bildeten wir eine eigene Organisation – nicht unbedingt eine Sezession –, um zu versuchen, dieses ausgezeichnete Gebiet für das jüdische Volk zu erhalten.“
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Nachum Sokolow, der neben Chaim Weizmann verantwortlich für die Balfour-Deklaration war, schrieb in seinem 1919 erschienenen Buch History of Zionism:[13]

Der Fortschritt der modernen Zivilisation wird als Art moderner Messias für die Endlösung der Judenfrage angesehen.“
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In einem Artikel des Southern Israelite vom 30. August 1940 über Leo Trotzki heißt es:[14]

Trozki erklärte, daß er das Bedürfnis der Juden nach einem ‚gemeinsamen Hei­mat­land‘ anerkenne, betonte aber, daß die Endlösung der Judenfrage nur durch die ‚Emanzipation der gesamten Menschheit‘ durch den internationalen Sozialismus kommen würde.“
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Und selbst 1947, als der Begriff Endlösung der Judenfrage längst ein zu einem Synonym für den behaupteten Massenmord an sechs Millionen Juden geworden ist, wurde der Begriff weiterhin in jüdischen Kreisen gebraucht. In einem Artikel im The Jewish Criterion heißt es in einer Erwiderung auf Kommunisten, die wie Trotzki nicht daran glaubten, daß die Endlösung der Judenfrage durch die kurz bevorstehende Gründung des Staates Israel erreicht werden würde, sondern einzig und allein durch den Sozialismus:[15]

„Wenn es etwas gibt, das die Juden in der heutigen Welt vereint, dann ist es das gemeinsame Verlangen nach dem und Kampf für das, was wir Überleben als Volk nennen. Von diesem Verlangen nach dem Überleben als Volk ist der kommunistische Beschluß völlig ahnungslos. Das beste, was es in Bezug auf Überleben anzubieten hat ist in den Kommentaren zu dem jüdischen Problem in Polen, welche ‚Gemeinschaft‘ fordern, ausgedrückt. Was die Funktionen dieser Gemeinschaft sein und wie sie zum jüdischen Überleben beitragen sollte, ist, wenn überhaupt, nur indirekt in einem anderen Teil des Beschlusses, der sich mit der Endlösung der Judenfrage befaßt, geklärt. Auflösung Umgang mit der Endlösung der Judenfrage geklärt. Dort erklärt der Beschluß, daß ‚die endgültige, vollständige und dauerhafte Lösung der Judenfrage nur im Sozialismus, auf der Basis der durch Lenin und Stalin formulierten Prinzipien und wie er in der Lösung der nationalen Frage der Sovietunion entwickeltet wurde, erreicht werden wird‘.“
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Zur Zeit des Nationalsozialismus

Wenn auch die Begriffe „Gesamtlösung der Judenfrage“ bzw. „Endlösung der Judenfrage“ seitens der Nationalsozialisten erst in den 1940er Jahren Verwendung fanden, so bestand das zugrundeliegende Konzept, d. h. die endgültige Lösung der Judenfrage, doch schon vorher und gehört zu einem der Grundanliegen des Nationalsozialismus. Bereits 1919 stellte Adolf Hitler die Grundzüge eines lösungsorientierten Anti­semitismus der Vernunft vor:[16]

„Der Antisemitismus aus rein gefühlsmäßigen Gründen wird seinen letzten Ausdruck finden in der Form von Pogromen. Der Antisemitismus der Vernunft jedoch muß führen zur planmäßigen gesetzlichen Bekämpfung und Beseitigung der Vorrechte des Juden die er zum Unterschied der anderen zwischen uns lebenden Fremden besitzt. (Fremdengesetzgebung). Sein letztes Ziel aber muß unverrückbar die Entfernung der Juden überhaupt sein. Zu Beidem ist nur fähig eine Regierung nationaler Kraft und niemals eine Regierung nationaler Ohnmacht.“
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Im Jahre 1932, kurz vor der Regierungsübernahme durch die NSDAP, schrieb Prof. Dr. Johann von Leers in seinem Buch 14 Jahre Judenrepublik über die Gründe und Ziele des nationalsozialistischen Antisemitismus:[17]

„Wir haben – bei allem Radikalismus – niemals den Kampf gegen das Judentum geführt, um das jüdische Volk zu vernichten, sondern um das deutsche Volk zu schützen. Auf eigener Erde und ohne den Willen und die Möglichkeit, die deutsche Entwicklung weiter zu stören, haben wir nur allen Grund, dem jüdischen Volke Erfolg für eine ehrliche Volkwerdung zu wünschen. Judenfeindschaft um ihrer selbst willen ist dumm und im letzten wirklich barbarisch. Unsere Judenfeindschaft ist begründet durch den Wunsch, unser eigenes Volk vor einer geistigen, wirtschaftlichen und politischen Verknechtung durch das Judentum zu retten. Der Grundgedanke der Zionisten, das jüdische Volk unter Völkern auf eigenem Boden zu organisieren, ist, soweit sich damit keine Weltherrschaftsideen verbinden, gesund und berechtigt. Statt sich fruchtlos von Jahrhundert zu Jahrhundert das Judenproblem gegenseitig zuzu­schieben, täten die europäischen Völker gut, eine wirkliche Loslösung des Juden­tums aus ihren Völkern und seine Unterbringung in einem ausreichenden und gesunden außereuropäischen Siedlungsgebiet zu organisieren.“
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Und Hermann Göring äußerte dementsprechend 1946 vor dem Nürnberger Tribunal:[18]

Zunächst war allgemein bei Regierungsübernahme nur die Forderung gestellt: Ausscheiden aus den politischen Stellen und Ausscheiden aus gewissen sonstigen führenden Staatsstellen.“
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Noch am 25. Mai 1940 schrieb Heinrich Himmler in einer Denkschrift, die von Hitler gelesen und mit „sehr gut und richtig“ kommentiert wurde,[19] über eine Auswanderung der Juden:[20]

„Den Begriff Juden hoffe ich, durch die Möglichkeit einer großen Auswanderung sämtlicher Juden nach Afrika oder sonst in eine Kolonie völlig auslöschen zu sehen. […] So grausam und tragisch jeder einzelne Fall sein mag, so ist diese Methode, wenn man die bolschewistische Methode der physischen Ausrottung eines Volkes aus innerer Überzeugung als ungermanisch und unmöglich ablehnt, doch die mildeste und beste.
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Nach dem Sieg über Frankreich im Juni 1940 fasste man die Aussiedlung der Juden nach Madagaskar, das zu diesem Zwecke von Frankreich getrennt werden sollte, ins Auge. Joseph Goebbels notierte am 17. August 1940 in seinem Tagebuch über ein Gespräch mit Hitler:[21]

Die Juden wollen wir später nach Madagaskar verfrachten. Dort können sie ihren eigenen Staat aufbauen.“
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Dieser sogenannte Madagaskar-Plan scheiterte später allerdings an der englischen Kriegsblockade und dem Widerstand der französischen Vichy-Regierung. Als dann die Zurückweisung aller Friedensbemühungen des Deutschen Reiches eine Ausweitung des Krieges notwendig machte, beschloß man Ende 1940 – also circa zwei Jahre nachdem die Briten anfingen, sämtliche in ihrem Einflußgebiet befindlichen Deutsche über 14 Jahre in Konzentrationslager zu deportieren –, die Juden, die man nicht zuletzt wegen der zahlreichen jüdischen Kriegserklärungen und Boykottaufrufe als Feindnation betrachtete, in Konzentrationslager und Ghettos in Osteuropa zu verbringen und die Lösung der Judenfrage auf die Zeit nach dem Kriege zu verschieben. So heißt es in einem Bericht Theodor Danneckers vom 31. Januar 1941:[22]

„Gemäß dem Willen des Führers soll nach dem Kriege die Judenfrage innerhalb des von Deutschland beherrschten oder kontrollierten Teiles Europas einer endgültigen Lösung zugeführt werden. Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD hat bereits vom Führer über den RF-SS bezw. durch den Reichsmarschall Auftrag zur Vorlage eines Endlösungsprojektes erhalten. – Auf Grund der bei den Dienststellen des CdS und des SD vorhandenen umfangreichen Erfahrungen in der Judenbehandlung und dank der seit längerer Zeit geleisteten Vorarbeiten wurde dann das Projekt in seinen wesent­lichsten Zügen ausgearbeitet. Es liegt dem Führer und dem Reichsmarschall vor. Fest steht, daß es sich bei der Ausführung um eine Riesenarbeit handelt, deren Erfolg nur durch sorgfältigste Vorbereitungen gewährleistet werden kann. Diese müssen sich sowohl auf die einer Gesamtabschiebung der Juden vorausgehenden Arbeiten als auch auf die Planung einer bis ins einzelne festgelegten Ansied­lungs­aktion in dem noch zu bestimmenden Territorium erstrecken.“
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Anläßlich der Eröffnung des Instituts zur Erforschung der Judenfrage in Frankfurt am Main sagte Alfred Rosenberg in seinem Vortrag „Die Judenfrage als Weltproblem“:[23]

Da nunmehr Deutschland mit seinem Blut und mit seinem Volkstum diese Juden­diktatur für immer für Europa gebrochen und dafür gesorgt hat, daß Europa als Ganzes wieder frei wird von dem jüdischen Parasitismus, da dürfen wir, glaube ich, auch für alle Europäer sagen: Für Europa ist die Judenfrage erst dann gelöst, wenn der letzte Jude den europäischen Kontinent verlassen hat.“
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Und am 18. Dezember 1941 notierte Goebbels in seinem Tagebuch:[24]

Ich bespreche mit dem Führer die Judenfrage. […] Die Juden sollen alle nach dem Osten abgeschoben werden.“
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Entsprechend berichtete die jüdische Zeitung „Aufbau“ aus Neuyork im Januar 1942 auf Seite 1 unter der Überschrift „Typhus unterbricht Deportation“:[25]

Die Deportationen der Juden aus dem Reich, die in den letzten Tagen wieder aufgenommen wurden, sind nach den letzten Berichten von Berliner Kor­respon­denten schwedischer Blätter erneut [sic!] eingestellt worden. Transporte, die sich bereits unterwegs nach Riga, Lodz, Minsk und Kaunas befanden, wurden ange­halten und nach dem tschechischen Protektorat abgeschoben. Der Grund für diese Massnahme liegt in der Ausbreitung der Typhusepidemie in Polen und den baltischen Ländern.“
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Am 31. Januar 1942 folgt dann ein Erlaß des Reichssicherheitshauptamts an alle Gestapostellen in dem es heißt:[26]

„Die in letzter Zeit in einzelnen Gebieten durchgeführte Evakuierung von Juden nach dem Osten stellen den Beginn der Endlösung der Judenfrage im Altreich, der Ostmark und im Protektorat Böhmen und Mähren dar.
Diese Evakuierungsmaßnahmen erstreckten sich zunächst auf besonders dringliche Vorhaben, so daß nur ein Teil der Staatspolizei(leit)stellen bei den abgewickelten Teilaktionen angesichts der beschränkten Aufnahmemöglichkeiten im Osten und der Transportschwierigkeiten berücksichtigt werden konnte.
Zur Zeit werden neue Aufnahmemöglichkeiten bearbeitet mit dem Ziel, weitere Kontingente von Juden […] abzuschieben.“
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Und wie der Staatssekretär Dr. Joseph Bühler in Nürnberg am 23. April 1946 unter Eid berichtete, fand im Februar 1942 auf Einladung Heydrichs ein Gespräch mit dem Chef des Generalgouvernements, Dr. Hans Frank, statt, bei dem Heydrich erklärte, „der Reichsführer-SS habe vom Führer den Auftrag erhalten, die gesamten Juden Europas zusammenzufassen und im Nordosten Europas, in Rußland, anzusiedeln.“ und „daß der Führer Befehl erteilt habe, die Protektoratstadt Theresienstadt als Reservat einzurichten, in welchem weiterhin alte und kranke Juden und schwächliche Juden, welche den Strapazen einer Umsiedlung nicht mehr gewachsen seien, unterzubringen seien“. Bühler hatte aus diesen Mitteilungen die „bestimmte Überzeugung mitgenommen, daß die Umsiedlung der Juden, wenn auch nicht den Juden zuliebe, so um des Rufes und des Ansehens des deutschen Volkes willen, in humaner Weise vor sich gehen würde“.[27]

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Jüdische Zustimmung zur Lösung der Judenfrage

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts sahen bereits Juden wie Moses Hess und etwas später auch Theodor Herzl, der Begründer des Zionismus, die einzig befriedigende Lösung der Judenfrage in einer räumlichen Trennung von Juden und Nichtjuden. So verwundert es nicht, daß es seit dem Wahlgewinn der NSDAP zu einer Zusammenarbeit zwischen Juden und Deutschen kam, die bspw. 1933 zum Ha’avara-Abkommen oder 1939 zum Rublee-Wohlthat-Abkommen führte.

Im Juni 1940 wurde dann auch die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland in die Pläne und Vorbereitungen zur Umsiedlung nach Madagaskar miteinbezogen. In einer Sitzung im Dezember 1940 wurde beschlossen, die Juden auf die Möglichkeit einer „Gruppen- und Massensiedlung“ vorzubereiten und es wurden Rundschreiben an alle Gemeinden verschickt, in denen von einer „jüdischen Siedlung“ auch außerhalb Palästinas die Rede war.

In einem Schreiben vom Januar 1941 des deutschen Marineattachés Ralf von der Marwitz an Botschafter Franz von Papen in Ankara zum Vorschlag zur Endlösung der jüdischen Frage in Europa heißt es:

„Sehr geehrter Herr Botschafter!
in der Anlage übersende ich Ihnen:
1.) einen Brief, den der Chef der Sureté Général in Syrien Colombani an den General Dentz gerichtet hat. Roser teilt mit, daß auf Grund dieses Briefes anscheinend eine weitere Unterredung zwischen Colombani und Dentz stattgefunden hat. C. ist der Ansicht, daß seine Zurück­berufung durch die Zu­sammenarbeit von F. Gentz (H.C.) und dem Mini­ster Petain begründet ist.
2.) eine Verfügung betr. Demobilmachung, die von den französischen Militärbehörden in Syrien bei den Truppenteilen in Umlauf gesetzt worden ist.
3.) einen Vorschlag der Nationalen Militär­organi­sation in Palästina zur Lösung der jüdi­schen Frage in Europa.
Mit einer Empfehlung
bin ich Ihr ergebener
Ralf von der Marwitz“
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Die jüdische Zeitung „Aufbau“ aus Neuyork berichtete im Januar 1942 auf Seite 1 unter der Überschrift „Typhus unterbricht Deportation“:

Die Deportationen der Juden aus dem Reich, die in den letzten Tagen wieder aufgenommen wurden, sind nach den letzten Berichten von Berliner Korrespon­denten schwedischer Blätter erneut [sic!] eingestellt worden. Transporte, die sich bereits unterwegs nach Riga, Lodz, Minsk und Kaunas befanden, wurden angehalten und nach dem tschechischen Protektorat abgeschoben. Der Grund für diese Massnahme liegt in der Ausbreitung der Typhusepidemie in Polen und den baltischen Ländern.“[28]

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Andere Lösungen der Judenfrage

Die Staaten Polen und Frankreich arbeiteten ebenfalls an Umsiedlungsplänen. Am 17. Januar 1937 berichtete die deutsche Presse von französischen Absichten, die Juden in außereuropäische Länder umzusiedeln. Der französische Kolonialminister lasse Madagaskar, Neukaledonien und Französisch-Guinea untersuchen.[29] Polen versuchte 1938, sich eines Großteils der Juden polnischer Staatsbürgerschaft zu entledigen, indem es eine Verordnung erließ, nach der die Pässe aller länger als fünf Jahre im Ausland lebenden polnischen Staatsbürger ohne Sondervisum eines zuständigen Konsulats am 30. Oktober ablaufen sollten, was vor allem bis zu 18.000 von geschätzten 70.000 polnischen, meist verarmten Juden betraf, die zu diesem Zeitpunkt im Deutschen Reich lebten. (→ Polnische Paßkrise)

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Propagandistische Ausschlachtung des Begriffes „Endlösung“

Seit 1945 wird der Begriff Endlösung von systemtreuen Geschichtsschreibern und Medien fast ausschließlich als Planungsbegriff für einen angeblichen Völkermord an ethnischen Minderheiten, insbesondere Juden, postuliert.[30] Beweise für diese den Gewinnern des Zweiten Weltkrieges dienende These bleibt man allerdings bis zum heutigen Tage genauso schuldig, wie dafür, daß es den behaupteten Völkermord überhaupt gab. Indes gibt es ausreichend Belege, die diese These widerlegen. So zeigt bspw. ein Schreiben Hermann Görings an Reinhard Heydrich vom 31. Juli 1941, daß die Begriffe Endlösung und Gesamtlösung synonym und im Sinne von Auswanderung bzw. Evakuierung gebraucht wurden:[31]

Gesamtlösung.JPG
„In Ergänzung der Ihnen bereits mit Erlaß vom 24. Januar 1939 übertragenen Aufgabe, die Judenfrage in Form der Auswanderung oder Evakuierung einer den Zeitver­hält­nissen entsprechend möglichst günstigen Lösung zuzuführen, beauftrage ich Sie hiermit, alle erforder­lichen Vorberei­tungen in organi­sato­rischer, sachlicher und materieller Hinsicht zu treffen für eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflußgebiet in Europa.
Sofern hierbei die Zuständigkeiten anderer Zentral­instanzen berührt werden, sind diese zu beteiligen.
Ich beauftrage Sie weiter, mir in Bälde einen Gesamt­ent­wurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen.

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Trotz der u. a. durch obiges Schreiben belegten Synonymität der beiden Begriffe wird jedoch fast ausschließlich das dramatischer klingende Wort Endlösung in „Berichten“ über die Gesamtlösung der Judenfrage verwandt. Schon vor dem Internationalen Militär Tribunal kam es diesbezüglich zu Irritationen, als Chefankläger Robert H. Jackson eine fehlerhafte Abschrift des obigen Schreibens von Hermann Göring vorlas:[32]

„In Ergänzung der Ihnen am 24. Januar 1939 übertragenen Aufgabe, welche sich mit der gründlichen, in möglichst günstiger Weise stattzufindenden Emigration als Lösung des jüdischen Problems befaßte, beauftrage ich Sie hiermit, alle notwendigen Vorbereitungen bzw. Organisierung und Finanzierung zum Zweck einer Endlösung der jüdischen Frage im deutschen Einflußgebiet in Europa zu treffen.“
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Göring legte daraufhin Einspruch ein und korrigierte:

„[…] Jetzt kommt das entscheidende Wort, das falsch übersetzt ist, es heißt nämlich ‚Für eine Gesamtlösung‘ und nicht für eine ‚Endlösung‘! Für eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflußgebiet in Europa…“
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Zusammenhänge

Der Buchautor Steffen Werner vertritt in seinem Buch „Die zweite babylonische Gefangenschaft“ die These, daß im Zuge der Gesamtlösung der Judenfrage das Gebiet Weißrutheniens als vorrangiges Siedlungsgebiet der aus Deutschland ausgesiedelten Juden vorgesehen gewesen sei.

Siehe auch

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Quelle & Fußnoten: Gesamtlösung der Judenfrage – Metapedia