Dr. Rolf Kosiek und Dr. Olaf Rose haben das sensationelle Werk
„Der Große Wendig: Richtigstellungen zur Zeitgeschichte“
im Grabert-Verlag, Tübingen herausgebracht, zwei atemberaubend
dramatische Bände von je 880 Seiten mit sehr vielen Abbildungen.

 

Dr. Gerhard Frey interviewte den Herausgeber Dr. Rolf Kosiek:

 

Das Geschichtsbild der Sieger

National-Zeitung: Wie, Herr Dr. Kosiek, erklären Sie sich die bei herrschenden Politikern und Publizisten bestimmende Neigung, die deutsche Seite immerfort zu belasten und hierdurch eine Grundvoraussetzung für weitere Forderungen zu schaffen? Vergleichen Sie doch bitte einmal die Haltung der Bundeskanzlerin Merkel mit der aller Reichskanzler der Weimarer Republik, ganz unabhängig von deren Parteizugehörigkeit.

Dr. Rolf Kosiek: Man muss da wohl unterscheiden. Die meisten nach etwa 1935 geborenen Politiker sind voll von der Umerziehung erfaßt worden, sind kaum mit revisionistischen Argumenten in Berührung gekommen oder haben sich gegen solche gewehrt und halten deswegen das Geschichtsbild der Sieger für richtig. Daneben haben sie aus den Fällen Jenninger, Heitmann, Möllemann [und] Hohmann gelernt, dass es der Karriere schadet, andere Ansichten als die politisch korrekten zu vertreten. Die Älteren kennen zwar oft noch die historische Wahrheit in der Zeitgeschichte, geben diese auch manchmal unter vier Augen zu, haben jedoch sich seit Jahrzehnten angewöhnt, ihre wahre Ansicht zu diesen Fragen zu verschweigen, denn sonst würden sie ihren Einfluss und ihre Stellung sofort verlieren. Der Fall Grass machte die in der Bundesrepublik Deutschland herrschenden Umstände und die verlogene politische Moral wieder einmal offenkundig.

Deutsche Alleinschuld erwünscht

Während nach dem Ersten Weltkrieg kein Reichskanzler der Weimarer Republik einen Verzicht auf die im Versailler Diktat dem Reich geraubten Gebiete, insbesondere auf die ostdeutschen, aussprach und alle Weimarer Regierungen die freie wie die amtliche Forschung zum alliierten Vorwurf der deutschen Alleinkriegsschuld förderten, haben nach 1949 die Bonner und Berliner Regierungen unnötig und vorschnell auf Ostdeutschland und das Sudetenland verzichtet, keine objektive Kriegsschuldforschung betrieben, Dokumentationen über deutsche Opfer gar nicht in Auftrag gegeben oder lange Zeit unter Verschluß gehalten und das einseitige und falsche Geschichtsbild der Sieger gefördert. Der Eiertanz um das längst fällige Vertreibungsdenkmal in Berlin ist ein neues Beispiel einseitiger Vergangenheitsbewältigung und wäre in der Weimarer Republik unmöglich gewesen, die 1927 das Nationaldenkmal Tannenberg einweihte.

Seit gut zwei Jahrzehnten werden sogar um die historische Wahrheit bemühte Forscher zunehmend gesellschaftlich ausgegrenzt oder sogar wegen angeblicher „Volks­ver­hetzung“ strafrechtlich verfolgt. Der Begriff „Revisionismus“ wird bereits kriminalisiert.

Verschärfte Strafgesetzgebung

National-Zeitung: Welche Rolle spielte bei Ihrer Forschungsarbeit zu „Der große Wendig“ die heute in der Bundesrepublik Deutschland und in der Republik Österreich herrschende politische Rechtsordnung?

Dr. Kosiek: Die historische Forschung zum vorigen Jahrhundert ist in Deutschland durch die in den letzten beiden Jahrzehnten mehrfach verschärfte Strafgesetzgebung stark beschränkt worden. Manche Themen sind praktisch tabu, und der herrschenden Meinung entgegenstehende Äußerungen werden unverhältnismäßig scharf bestraft. Die Forderung des Berliner Historikers Prof. Dr. Ernst Nolte und weiterer Kollegen im sog. Historikerstreit 1986, eine Historisierung und damit sachliche Behandlung der Zeitgeschichte zuzulassen, wurde von den „politisch relevanten“ Kreisen in Deutschland abgelehnt und ihre Durchsetzung verhindert. Deswegen konnten bei unserer Arbeit manche Themen nicht umfassend behandelt werden, mußten alle Aussagen genau belegt werden (während zu Lasten Deutschlands beliebig gelogen und übertrieben werden darf), mußten Vorgänge mit noch unsicherer Beweislage zurückgestellt werden, mußten wir auf die Angst von Zeitzeugen vor Verfolgung bei bestimmten Aussagen Rücksicht nehmen.

Die Hauptmotive der Schwindler

National-Zeitung: Längst widerlegte Gräuelmärchen werden immer wieder aufgetischt, so jetzt durch die polnische Seite „Seife aus Menschen“. Worin sehen Sie die Hauptmotive der Schwindler?

Dr. Kosiek: Verschiedene Kreise und Regierungen – so in Warschau – haben offenbar ein Interesse daran, daß die Schuld- und Reuehaltung der deutschen Politiker noch lange erhalten bleibt, daß Deutschland weiterhin eine politisch erpreßbare „Canossa-Republik“ – nach den Worten des estnischen Präsidenten Meri – ist. Dazu werden die Mittel der psychologischen Kriegführung der Alliierten und die der Umerziehung weiter nach dem Motto angewendet: Etwas bleibt schon hängen! Ihnen kommt entgegen, daß die Menschen ein kurzes Gedächtnis haben, die Widerlegung solcher Gräuelgeschichten in den Massenmedien gar nicht oder nur an unbedeutender Stelle erfolgt und die herrschenden Politiker in Deutschland nicht wagen, offensichtliche Lügen zu Lasten unseres Volkes zurückzuweisen.
Einzelpersonen wie der Schweizer Wilkomirski und seine Vorgänger und Nachfolger haben mit ihren vollständig erfundenen KZ-Erlebnissen eine offensichtlich große Marktlücke entdeckt, gute Honorare eingestrichen und hohes Ansehen errungen.

Knopps Manipulationen

National-Zeitung: Wie beurteilen Sie die Filme des Zeithistorikers Knopp, der mit seinen Geschichtsserien weite Bevölkerungskreise erreicht?

Dr. Kosiek: Herr Knopp bietet mit seinen alle technischen Tricks ausnutzenden und deswegen viele Zuschauer beeindruckenden Filmen ein Musterbeispiel politischer Indoktrination und unterschwelliger Manipulation im Sinne einseitiger Ver­gangen­heits­bewältigung. Die hier oft gezeigte halbe Wahrheit ist manchmal schlimmer als die Lüge.

Unter dem Vorwand der Wissenschaftlichkeit betreibt er moderne Umerziehung, die geschickter als die grob fälschende Heer-Reemtsmasche Anti-Wehrmachtausstellung vorgeht. Es ist ein unverantwortliches Treiben, gegen das leider kein angesehener Historiker aufzustehen und zu protestieren wagt.

Doppelte Moral

National-Zeitung: Es wird die These u. a von Merkel und Gesinnungsfreunden vertreten, historisches Unrecht verpflichte kommende Generationen des deutschen Volkes, in „Kollektivverantwortung“ für israelische Interessen einzutreten und zu kämpfen, wie es ja heute im deutlichen Ansatz bereits die Bundesmarine gegen die Hisbollah exerziert. Wie ist es zu begreifen, dass alle anderen Völker jedwede Kollektivverantwortung und Kollektivhaftung entschieden ablehnen und unter keinen Umständen geneigt sind, eine solche Belastung anzunehmen? Beispielweise kommt kaum jemand in der Neuen Welt auf die Idee, die Ausrottung von Dutzenden Millionen Angehörigen der Indianervölker auch nur öffentlich zu verurteilen, geschweige denn zu sühnen, geschweige denn damit kommende Generationen zu belasten.

Dr. Kosiek: Seit dem teilweise durch Drohung und Täuschung erschlichenen unglücklichen Stuttgarter Schuldbekenntnis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vom 19. Oktober 1945 sind immer wieder von führenden deutschen Politikern Bekenntnisse zur Kollektivschuld, Kollektivverantwortung oder Kollektivscham abgegeben worden. Die von Ihnen in der Frage schon erwähnte Einzigartigkeit deutet bereits darauf hin, daß hier ein Sonderfall vorliegt, für den es vorher und nachher auf der Welt keinen Parallelfall gibt. Seine Untersuchung fällt, wie der Historikerstreit 1986 zeigte, in den Tabubereich der politischen Korrektheit. Sicher ist es in jeder Beziehung falsch und im Widerspruch zu den deutschen Interessen, wenn die Bundesmarine vor dem Libanon oder überhaupt im Nahen Osten eingesetzt wird. Die von Frau Merkel gegebene Begründung für den Einsatz ist nicht stichhaltig. Sie hätte als deutsche Bundeskanzlerin vorrangig deutsche Interessen zu vertreten und nicht die eines anderen Volkes.

Kein Dank des Vaterlandes

National-Zeitung: Ein besonders ins Auge fallender Unterschied zur Weimarer Republik besteht auch darin, daß heute Angehörige der Besiegten des letzten großen Krieges keinerlei Hilfe vom eigenen Staat bekommen, während noch nach sechs Jahrzehnten Anschuldigungen der Sieger gegen die Besiegten zu weiteren Verfolgungen führen.

Dr. Kosiek: Der „Dank des Vaterlandes“ und sein Schutz waren nach 1945 für deutsche Soldaten und insbesondere für von den Alliierten Verfolgte gering. Immerhin besuchte Bundeskanzler Adenauer in den fünfziger Jahren noch widerrechtlich zu hohen Strafen verurteilte und im Zuchthaus Werl inhaftierte Generale, und deutsche Landesbischöfe setzten sich damals energisch und mit Erfolg für unschuldig verurteilte SS-Männer – etwa in Landsberg – ein. Für den 93-jährigen, in Rom unberechtigt gefangenen gehaltenen [inzwischen verstorbenen] früheren Offizier Erich Priebke wagt dagegen heute kein Politiker einzutreten. Dafür werden in der Bundesrepublik unbegreiflicher- und schändlicherweise noch Neunzigjährige wegen Vorwürfen aus der Kriegszeit verfolgt, und deutsche Behörden bemühen sich, Belege für weitere Anschuldigungen aufzuspüren und neue Prozesse gegen Deutsche 60 Jahre nach Kriegsende einzuleiten. Für das kürzlich beschlossene Gesetz zum Europäischen Haftbefehl hat der Bundestag das Grundgesetz geändert und das frühere Grundrecht aller Deutschen, nicht ans Ausland ausgeliefert zu werden, abgeschafft.

Schwere Eingriffe in die Meinungsfreiheit

National-Zeitung: Paris hat Berlin und Wien nun überholt und verfolgt bereits Äußerungen wie jene Le Pens, die deutsche Besatzungszeit sei nicht durchweg unmenschlich gewesen. Auch Zweifel an Fällen wie Oradour werden in Frankreich strafrechtlich belangt.

Dr. Kosiek: In den letzten Jahren sind in Frankreich mehrere Gesetze zur Bestrafung von nicht genehmen Äußerungen zu bestimmten Vorgängen der Geschichte verabschiedet worden. Das ist ein schwerer Eingriff in die Meinungsfreiheit. Ob diese Regelungen Bestand haben, ist noch fraglich. Im Dezember vorigen Jahres haben einige angesehene französische Historiker einen Appell für die „Freiheit in der Geschichtswissenschaft“ veröffentlicht, dem sich mehrere hundert Wissenschaftler angeschlossen haben. Darin legen sie dar, dass die Geschichtswissenschaft keine Religion, keine moralische Instanz, kein Sklave des Zeitgeistes, keine Einrichtung des Gedenkens und kein Objekt der Justiz sei. Sie verlangen „die Abschaffung dieser gesetzlichen Bestimmungen, die eines demokratischen Regimes unwürdig sind“. Leider haben sich bisher keine deutschen Historiker dem angeschlossen oder einen ähnlichen Aufruf gegen die zunehmende Einschränkung der Meinungs-, Presse- und Wissenschaftsfreiheit in der Bundesrepublik unterschrieben.

Hohe Strafe für Revisionisten

National-Zeitung: Wie ist Ihre Prognose für die Zukunft: Wird die wissenschaftliche Forschung zur Geschichte des vergangenen Jahrhunderts noch mehr behindert werden, oder wird sie am Ende frei werden?

Dr. Kosiek: Auf die Dauer wird zweifellos die historische Wahrheit sich durchsetzen. Es wäre eigentlich Aufgabe der beamteten deutschen Historiker und gehörte zu ihrem Ethos als Wissenschaftler, für die geschichtliche Wahrheit einzutreten, die herrschenden Geschichtslügen in der Öffentlichkeit aufzudecken und auch die Deutschland entlastenden Tatsachen vorzubringen. Das geschieht jedoch leider kaum. Da eine Lüge oft nur mit einer weiteren Lüge gedeckt oder ihre Anerkennung nur durch amtliche Maßnahmen erzwungen werden kann, müssen wir in der Bundesrepublik damit rechnen, daß bei dem vorhandenen Bestreben, das herrschende Geschichtsbild noch möglichst lange aufrechtzuerhalten, weiterhin Tabus in der Zeitgeschichte verteidigt werden, vielleicht sogar neue hinzukommen, und daß die strafrechtliche Verfolgung politisch nichtkorrekter Äußerungen weiter zunimmt. Mehrere Historiker sind in letzter Zeit allein wegen Äußerungen zu Geschichtsvorgängen zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden, Strafprozesse gegen andere laufen oder werden vorbereitet. Doch eine Normalisierung wird einsetzen, denn „es ist Wahnsinn, sich in der Lüge einzurichten“, wie der große Anthropologe Arnold Gehlen abschließend in seinem Werk Moral und Hypermoral von 1969 schreibt. Die beiden Bände des Großen Wendig sollen dieser Normalisierung dienen.

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Quelle: http://www.vho.org/aaargh/fran/livres6/Falschungen.pdf

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