von Egon W. Kreutzer
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Beschissen zu werden, wird in aller Regel als äußerst unangenehm empfunden.

Man hat seinen Teil einer Vereinbarung erfüllt, erwartet nun die versprochene Gegenleistung – und erhält stattdessen …?

Richtig. Einen Haufen Scheiße.

Besonders perfide wird der Beschiss, wenn man sich auch noch darüber freuen soll.

Bald ist wieder so ein Tag, an dem Freude aufkommen soll. Deutschland bekommt einen mächtigen Wachstumsschub.

Um drei Prozent wird das BIP steigen.
Ab sofort – aus dem Stand und ohne Anlauf. Wen kümmert es da, wenn das Statistische Bundesamt zum Abschluss des zweiten Quartals 2014 noch einmal melden muss, dass die Wirtschaftsleistung weder gewachsen, noch gleich geblieben, sondern geschrumpft ist?

Das sind Zahlen von gestern.

Ab dem 1. September 2014 wird endlich richtig gerechnet.

Aus den gesundgeschrumpften Wirtschaftsredaktionen hört und liest man dazu allerlei oberflächliches Schrumpfwissen zum BIP. Bemüht, zu erklären, dass wir uns damit ja lediglich den internationalen BIP-Ermittlungs-Gepflogenheiten anpassen, dass wir zwar pro Bundesbürger jährlich 1000 Euro mehr zum BIP beitragen – allerdings nichts davon sehen könnten, würden wir insofern ja nicht richtig beschissen, eigentlich überhaupt nicht, und bräuchten uns deswegen auch nicht aufzuregen.

Gabriel, Sigmar + MerkelNächstes Jahr, wenn die „Raute“ dann von den Erfolgen der Wirtschaftspolitik der Großen Koalition schwärmen wird und Sigmar Gabriel nicht nur sein politisches Gewicht ebenfalls um jene drei Prozent gesteigert haben wird (die Relation zum BIP muss ja erhalten bleiben), wird sich kaum jemand daran erinnern, dass dieses Wachstum nur auf geduldigem Papier stattgefunden hat. Und denen, die daran erinnern, wird man Miesepetrigkeit vorhalten und sie als Verschwörungstheoretiker abtun.

Unter dem Vorwand, wirklich alle Leistungen zu erfassen, die unsere Volkswirtschaft hervorbringt, wird also ab sofort noch mehr gelogen als bisher schon.

Es ist ja keineswegs so, dass im BIP nicht schon seit ewigen Zeiten Schätzwerte zur so genannten „Schattenwirtschaft“ enthalten wären. Die dürfen und sollen jetzt nur noch großzügiger bemessen werden.

Es ist ja nicht so, dass Aufwendungen für Forschung und Entwicklung nicht schon immer im BIP enthalten wären, allerdings wird man die künftig nicht erst dann einrechnen, wenn sie sich in Waren und Dienstleistungen niederschlagen, sondern schon dann, wenn sie angefallen sind – und später dann vermutlich – weil sich das nicht mehr trennen lässt – noch einmal.

Die Mehrwertsteuer geht voll und ganz ins BIP ein, sogar die Zinsdifferenz, die bei den Banken hängen bleibt, also der Unterschied zwischen den Kreditzinsen, die sie einnehmen und den Guthabenzinsen, die sie auszahlen, wird als „volkswirtschaftliche Leistung“ dem BIP zugeschlagen.

Absolut korrekt wird es in Zukunft sein, wenn auch Schätzwerte über den Umfang des Drogenhandels und des Zigarttenschmuggels ins BIP eingehen, was letztlich dazu führt, dass jeder zusätzliche Drogenabhängige zum Wachstumserfolg der Wirtschaftspolitik umdefiniert wird.

Nun ist die Umstellung der Ermittlung einer statistischen Größe an sich noch nicht zu kritisieren. Das Problem liegt darin, dass im Grunde auch alle von dieser Größe abhängigen Richtwerte und Kennzahlen ebenfalls korrigiert werden müssten.

So z. B. wäre es geboten, das Maastricht-Schuldenkriterium anzupassen. Unterlässt man das – und man unterlässt es zweifellos – dürfen, trotz faktisch gleichgebliebener Wirtschaftsleistung, nur aufgrund eines billigen statistischen Tricks, plötzlich auch mehr Schulden aufgenommen werden.

Da beginnt der Beschiss erst richtig — und ähnelt damit zugleich jenem Beschiss, der als „Kalte Progression“ bezeichnet wird.

Zehnte_AbgabenJa, die Steuerkurve müsste im Grunde jährlich in dem Maße verschoben werden, in dem die Inflation die Kaufkraft der Einkommen auffrisst. Doch dafür ist, meinen Herr Schäuble und Frau Merkel, schlicht kein Geld da — also unterlassen sie es und sonnen sich in der Gewissheit, die Steuern – wie versprochen – nicht erhöht zu haben und trotzdem mehr einzunehmen.

Und auch über die steigenden Steuereinnahmen sollen wir uns freuen, weil sie ja, genau wie das steigende BIP, anzeigen, dass wir uns auf einem guten Weg befinden.

Ausführlich zum BIP habe ich mich vor sieben Jahren im Paukenschlag „Das Signal von Meseberg“ geäußert.

Diese besonders perfide Form des Bescheißens funktioniert dann auch noch so prächtig, dass Infratest DIMAP aus der demoskopischen Glaskugel ablesen kann, die Deutschen seien von der derzeitigen Regierung so begeistert, wie nie zuvor.

Glücklicherweise hat es die Natur so eingerichtet, dass die Riechzellen* in unserer Nase sehr schnell ermüden. Wenn es nur lange genug stinkt, riechen wir es nicht mehr. Der Dauerbeschiss stinkt zwar zum Himmel, doch hier auf Erden haben wir uns so daran gewöhnt, dass es keinem mehr auffällt.

Das hat funktioniert, als die Arbeitslosenstatistik in Grund und Boden reformiert wurde, ohne dass man aufgehört hätte, die per statistischen Tricks radikal gesenkten Zahlen mit den vorherigen, statistisch höheren Zahlen zu vergleichen, und dies als Erfolg der Agenda-Politik und der Hartz-Gesetze zu verkaufen. Und es funktioniert nicht nur im Großen, mit dem ganz großen Beschiss,

… es funktioniert offenbar auch im Kleinen, mit dem ganz kleinen Beschiss.

Dazu muss man allerdings nicht die gesamte Bevölkerung auf einmal mit einem großen Zaubertrick hinter die Fichte locken,

dazu ist es erforderlich, möglichst viele Kunden, Partner oder Mitglieder, in vielen Kleinigkeiten zu bescheißen. Da kommt dann, unter dem Strich – die Masse machts – auch ein schöner großer Haufen zusammen.

Alles Beschiss?
Oder nur Business as usual?

[Anm.HD: Es folgen hier eine Reihe ganz persönlicher Erfahrungen und Erlebnisse“ – wem die im einzelnen interessieren, kann sie auf der Original-Seite nachlesen.]

* nicht nur die, Herr Kreutzer…

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TextQuelle: http://www.egon-w-kreutzer.de/001/PaD312014.html

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Siehe auch:
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Adolf Hitler – Ein Leben für Deutschland und Europa

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