Vorbemerkung: Von Begriffen wie „unsere“ Regierung  u. ä. distanziert sich dieses Blog selbstverständlich!
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von Egon W. Kreutzer
publiziert am 4. Juli 2014
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Merkel-entzückt1Nun haben Sie es doch getan. Versicherte, deren Verträge in den nächsten beiden Jahren zur Auszahlung fällig werden, müssen auf Teile ihres bei der Versicherung angelegten und von der Versicherung verzinsten Vermögens verzichten, damit die Versicherungen ihren Verpflichtungen auch in fernerer Zukunft noch nachkommen können.

Bedenkt man, dass es sich um Verträge handelt, bei denen der eine Vertrags­partner, nämlich der Versicherungs­nehmer, über 20, 25 oder 30 Jahre seinen vertraglichen Verpflichtungen durchgehend vollständig nachgekommen ist, dann müsste man von Betrug sprechen, wenn der andere Vertrags­partner, nämlich der Versicherer, dann, wenn er seine Leistung zu erbringen hat, sich einfach weigern würde, die versprochene Leistung in voller Höhe zu erbringen.

Merkel - Mächtigste Frau der WeltAlso haben sich die ehren­werten Lebens­versicherer erinnert, dass sie von einer Regierung regiert werden, die auch ihre Ver­sicherungs­nehmer regiert, und haben diese Regierung gebeten, doch ein Gesetz zu erlassen, das sie geradezu dazu zwingt, weniger zu leisten als sie leisten müssten.

Die Absicht das zu tun, besteht ja seit ein paar Jahren, einige werden sich an meine dies­bezüg­liche Warnung erinnern, doch da fürchtete man sich noch vor dem Protest der Öffentlichkeit. Nun hat man das Thema abkühlen lassen, es öffentlich überhaupt nicht mehr erwähnt – und weil ganz Deutschland nun wieder einmal vom Fußball­fieber geschüttelt wird [wurde], wurde diese „Enteignung“ kurz vor dem entscheidenden Viertel­final­spiel Frankreich : Deutschland ins Gesetz­buch geschrieben, in der Hoffnung, dass die Geschädigten das erst merken (wenn überhaupt) wenn die Versicherung die reduzierte Leistung erbringt.

Natürlich hängt die Regierung dem ganzen das Mäntelchen der Gerechtigkeit um, erklärt also, man müssen den einen das nehmen, was ihnen zusteht, damit die anderen wenigstens so viel bekommen, wie den einen nun gerade noch zugestanden wird – weil alles andere ungerecht wäre.

Wenn das das herrschende Gerechtigkeitsprinzip in dieser Republik wäre:

Der Monatssatz der Grundsicherung müsste bei ungefähr 2.000 Euro liegen und der Mindest­lohn mindestens bei 16 Euro!

Es ist aber nicht das herrschende Gerechtigkeitsprinzip, es ist auch nicht ein ausnahms­weiser Anfall von Gerechtigkeits­liebe, es ist schlicht eine neue, vollkommen ungerechtfertigte Rettungsaktion.

Wir sind nach der Banken- und Euro-Rettung inzwischen bei der Versicherungs­rettung angekommen. Dafür werden allerdings (noch) nicht Steuer­gelder eingesetzt, sondern erst einmal nur die Beitrags­leistungen der Versicherten. So, wie es bei der staat­lichen Renten­versicherung schon lange der Brauch ist, nämlich jede Menge ver­sicherungs­fremder Leistungen einfach aus den Beitrags­einnahmen der Versicherten zu nehmen und als „Staatsknete“ auszugeben.Schäuble5 Das funktioniert bestens, und außer Gert Flegelskamp regt sich darüber kaum jemand auf.

Was da gerettet wird, ist nicht das Ersparte der Versicherten, es sind die Gewinne und das Vermögen der Versicherungen und ihrer Aktionäre!

Das Gesetz sieht vor, dass 90% der Gewinne der Lebensversicherer an die Versicherten ausgeschüttet werden müssen. Das ist ein gerechter Ansatz, denn schließlich entstehen diese Gewinne ja ausschließlich dadurch, dass die Versicherten den Versicherungen ihr Geld zur Verfügung stellen, damit diese damit spekulieren können.

Selbstverständlich haben die Versicherungen jede nur denkbare Möglichkeit, von ihren tatsächlichen Gewinnen nur kleine Teile in der Bilanz der Lebens­versicherung erscheinen zu lassen. 0-EuroDienst­leistungs­unternehmen aller Art, im Besitz verbundener oder befreundeter Unter­nehmen fakturieren Leistungen zu nicht markt­gerechten Preisen und schütten die Gewinne an ihre Eigentümer aus, um nur eine Möglichkeit der Gewinn­reduzierung anzusprechen.

Was jedoch, im Hinblick auf die jetzt angeblich drohende Zahlungs­unfähigkeit einiger weniger Versicherer – die meisten schütten nach wie vor prächtige Gewinne an ihre Aktionäre aus – von besonderer Bedeutung ist, ist Gerhard Schröders grandioses Gesetzes­werk zur Steuer­freistellung von Gewinnen aus dem Verkauf von Beteiligungen.

5 Reichsmark

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Das war lange genug vorher kommuniziert worden, um den Versicherungen die Möglichkeit einzuräumen, ihre stillen Reserven aufzulösen. Zum Teil noch aus Vorkriegs­zeiten stammendes Versicherten-Vermögen, das in Filet­grund­stücken in den Innen­städten der Metropolen aufbewahrt wurde und in den Bilanzen mit Werten ausgewiesen war, die nur einem Bruchteil des tatsächlichen Marktwertes entsprachen, hätten jeder Versicherung die Möglichkeit gegeben, auch nach der Versteuerung der Differenz zwischen Bilanzwert und erzieltem Verkaufspreis, jede Niedrig­zins­phase zu überstehen, ohne damit an den Rand der Zahlungs­unfähigkeit zu geraten.

Strichmännchen - ratlos (negativ)Nur – diese Reserven sind bei einigen Versicherern nach dem 1. Januar 2002 verschwunden. In den Bilanzen stehen zwar immer noch nahezu unveränderte Werte in der Zeile „Immobilienbesitz“, doch die Objekte, die dahinterstehen, sind ganz andere.

Strichmännchen - Idee (negativ)Das Prozedere war einfach. Der Immobilien­besitz wurde bis Ende 2001 zügig in eigens gegründete Tochter­gesell­schaften, zumeist Immobilien­fonds ausgelagert, um das Vermögen als „Beteiligung“ deklarieren zu können. Natürlich entstanden die Veräußerungs­gewinne dort und so, dass die 90%ige Beteiligung der Versicherten weitgehend vermieden werden konnte – und aus dem, was man – gewinngemindert – als Veräußerungs­erlös erzielte, wurden nagelneue, zum Teil auch überteuerte Immobilien erworben, die eine kontinuierliche Vermögens­entwicklung vorgaukelten, obwohl die Gans bei lebendigem Leibe inzwischen fast vollständig ausgenommen worden war.

Hinzu kam, dass die Vorschriften für die Sicherheit der Anlagen der Lebens­versicherer gelockert wurden, was es ermöglichte, den Anteil spekulativer Anlagen im Versicherungs­vermögen zu erhöhen. Auch das führte spätestens 2008 zu den Vermögens­verlusten, die jetzt beklagt werden.

merkelionette_731645Gut, dass wir eine so weise Regierung haben, die keine Versicherung pleite gehen lässt.

Den Versicherten würde das weniger schaden als die jetzt getroffene Entscheidung, denn so wie es bei den Banken einen Einlagen­sicherungs­fonds gibt, gibt es auch im Bereich der Kapital­lebens­versicherungen Sicherungs­maßnahmen, die das Vermögen der Versicherten vor der Zahlungs­unfähigkeit eines Institutes schützen.

Den Aktionären, Aufsichts­räten und Managern der Lebens­versicherung würde es allerdings zeigen, dass der allzu großzügige Umgang mit den Geldern der Versicherten auch einmal ins Auge gehen kann.auf-leute-scheissen

Das wiederum wäre für die große Masse der Versicherten ein größerer Vorteil als das jetzt verkündete Märchen von der „Generationen­gerechtigkeit innerhalb der Versicherteng­emeinschaft“.

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TextQuelle: http://www.egon-w-kreutzer.de/001/tk040714.html

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