Archive for 13. Juli 2014



von Freeman

Habt ihr gewusst, in Deutschland können Gaffer, die zu Unfällen eilen und sich „an Toten und Verletzten aufgeilen„, wie ein Polizeisprecher diese abartige Neugier beschrieb, bestraft werden? Ja, das Gesetz sieht bis zu 5000 Euro Geldstrafe für Gaffer vor, wenn sie dabei die Rettungskräfte behindern. Statt daß Schaulustige den Verletzten helfen oder wenigstens den Rettern nicht die Arbeit erschweren, stehen sie herum und schießen Fotos mit ihren Smartphones, am besten ganz aus der Nähe.

Schlimm genug. Was sagt ihr aber zu den Berichten, auf den Hügeln unmittelbar vor Gaza sitzen Israelis herum, haben Campingstühle aufgestellt und schauen zu wie die Bomben und Raketen in Gaza einschlagen. Jede Explosion wird mit lautem Gegröle bejubelt, obwohl Menschen dabei sterben. Das ist kein böswilliges Gerücht, sondern das berichtete das Mainstreammedium „Huffington Post“ am vergangenen Donnerstag in seiner spanischen Ausgabe.

Sich am Tod und Leid von Menschen zu ergötzen, ist wohl das moralisch verwerflichste was man sich vorstellen kann. Die beiden Hügel von denen man einen guten Blick auf Gaza hat und das perverse Schauspiel der Bombenexplosionen betrachten kann heißen „Sderot Cinema“, Kino live so zu sagen. Dabei vermitteln uns die Medien, die Israelis haben so eine große Angst vor den „Raketen“ aus Gaza, sie sitzen in Schutzbunkern. Von Angst keine Spur, denn sie sitzen auf mitgebrachten Stühlen und beobachten das Massaker der IDF (die moralischste Armee der Welt), wie sie palästinensische Zivilisten ermordet.

Bei Nacht sind die Explosionen… Weiterlesen


Friedrich der Große 3Schon zu Lebzeiten (und erst recht nach seinem Tod) wurde der preußische König Friedrich II. mit Ehrungen überhäuft.

Man nannte ihn Friedrich den Großen oder gar Friedrich den Einzigen.

Im Volk sprach man mehr oder weniger liebevoll vom Alten Fritz.

Dieser Friedrich, der sich selbst als erster Diener des Staates bezeichnete, war in der Tat einer der faszi­nierendsten und fähigsten Herrscher der Frühen Neuzeit und trug wesentlich zum Aufstieg Preußens bei.

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Ein Offener Brief an Thomas Mann

Wie schnell auch die Gedanken rennen,
Kein Forschen und kein Grübeln frommt.
Der Geist kann nur den Geist erkennen,
Wenn ihm der Geist entgegenkommt!
(Lenau, Savonarola)

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Sehr verehrter Herr Thomas Mann,

wenn ich dies Schreiben an Sie richte, so geschieht es in dem sicheren Gefühle, daß Sie der Wahrhaftigkeit und Verehrung, die ich Ihnen entgegenbringe, vollauf vertrauen! Habe ich ja gerade in diesem schweren Kriegssommer meine Landeinsamkeit mir wohlig bevölkert und ließ, nach Jahren zum zweiten Male, die Schicksale Ihrer „Buddenbrooks“ an mir vorübergleiten. Sie werden sich vielleicht der Karte noch erinnern, mit der ich meiner tiefen Bewunderung für dies monumentale Menschenbuch in freudigen Worten Ausdruck zu verleihen, mich nicht enthalten konnte? — Und sehen Sie, gerade weil ich vor Ihrer eigensten Kunst so unbegrenzte liebevolle Verehrung verspüre, gerade deshalb drängt es mich jetzt, mich mit Ihnen über eine andere Frage offen auszusprechen.

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Vor einigen Monaten las ich Ihre Schrift, in der Sie – hauptsächlich aus dem Bedürfnis heraus, zu dieser unserer Zeit Analogien aus der Vergangenheit uns allen zu vergegenwärtigen, die Gestalt Friedrichs des Großen heraufbeschworen hatten; bei Ihnen erstand da vor meinen befremdeten Blicken ein hämischer, boshafter, verkalkter, skurriler Sonderling, der mein tiefes Unbehagen, mein staunendes Verwundern erregte.

Wie? Das also, was Sie mit so viel psychologisch-mißtrauischer Zergliederung da vor uns auszubreiten wußten, das soll der Geist jenes Mannes gewesen sein, den wir in vielleicht falschem Pathos der Distanz einen Großen nennen?! Ich war unbehaglich betroffen und gleichsam aus dem Gleichgewicht meiner unklaren aber ahnenden Stellungnahme herausgerissen. Aber ich kannte Sie als feinen Seelenzergliederer und brachte mein Unbehagen zum Schweigen. Weiterlesen