Die Bedeutung der Muttersprache kann wohl nicht besser erklärt werden, als es H. St. Chamberlain in seinen “Grundlagen des 19. Jahrhunderts” (S. 736) gelang:

Die deutsche Sprache ist hier, wie so oft, unendlich tief; sie nährt uns mit guten Gedanken, die uns mühelos zufließen, wie die Muttermilch dem Kinde.”

Damit ist veranschaulicht, dass nur unsere Muttersprache uns erleben lässt, dass bei der Verwendung deutscher Begriffe unmittelbar ein Bild, ein inneres Erlebnis, eine Schau entsteht.

Die Eiche… – wer sieht da nicht diesen schönen Baum vor sich?
Heimat… – ein unendlicher Klang von Wärme, Schutz und Geborgenheit!
Weihnachten… – Erinnerungen an vergangene Stunden der Kindheit, Sehnsucht, Freude…

Und diese Schau ist bei den Menschen unserer Art gleich – denn wir sind seelisch Verwandte. Wer wollte ernsthaft von einem Fremden erwarten, dass er diese tiefe Verbundenheit “verstehen” kann? Denn was empfinden wir, wenn von “X-mas” die Rede ist?

Bei fremden Begriffen kann diese Verbundenheit, diese Übereinstimmung nicht entstehen. Wer über “Demokratischen Sozialismus”, “Ethno-Pluralismus”, “Dialektische Methodik” oder ähnliche Unsinn mehr spricht, muss anschließend stets erklären, was er darunter versteht. Ob er dann wirklich verstanden wird, ist aber immer noch nicht gesagt, denn die Verbindung dieser Begriffe mit einer dazugehörigen Vorstellung ist künstlich – hier wird nicht der Mensch als Ganzheit angesprochen, sondern nur der Verstand wendet sich an den Verstand. Unbewusst nehmen viele diese Worte ohnehin nicht ernst, nicken wohl mit dem Kopf, sind aber längst nicht mehr aufmerksam.

Die Folge aber ist immer eine geistige Verwirrung, niemals ein einheitliches und anschauliches Erlebnis. Auch fremde Sprachen können wir wohl übersetzen und dem Sinne nach verstehen – aber einen inneren Anklang können sie in uns nicht auslösen. Ebensowenig kann die deutsche Sprache in fremden Ohren mehr sein als bestenfalls eine gute Übersetzung.

Eine Gemeinschaft kann aber nur entstehen, wenn man sich seelisch versteht – und darin liegt auch die Erklärung, warum unsere Sprache heute so bewusst überfremdet wird. Sie soll nicht vereinen, sondern verwirren und trennen. Selbst die Menschen gleicher Art sollen sich verständnislos gegenüberstehen, die Alten den Jungen und die Jungen sollen über den Unverstand der Alten lachen.

Wer “Gesellschaft” statt “Volk” sagt, wer unsere Sprache vergewaltigt, wer sich für eine “Welteinheitssprache” einsetzt, der will nicht aufbauen, sondern Gewachsenes zerstören. Anerkennung unter den Völkern kann aber nur durch gegenseitige Achtung, niemals durch Aufforderung zur Aufgabe der anderen Art entstehen.

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Quelle: Muttersprache – Spreelichter – Wir sind keine Demokraten. Na und?

Siehe auch: Die deutsche Sprache – Zitate

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