… oder Wer begründete das Christentum?

von Stefan A. Richter

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Na, Jesus Christus! Logisch, logo(s). Ist doch wohl klar!

Genauso reagiert die überwältigende Mehrzahl von Menschen auf die in der Überschrift gestellte Frage. Richtig ist, dass Jesus lebte und lehrte. Was er wirklich lehrte – damit befassen wir uns später. Wer aber begründete das Christentum?

Wulfing von Rohr schreibt dazu: „Paulus, der Jesus nach eigenen Angaben persönlich nie begegnet ist und sich dennoch (oder gerade deshalb?) zum energischsten Förderer der christlichen Sache machte, gilt als eigentlicher ›Stifter‹ und Begründer der heutigen Kirchenform des Christentums.“7)

Also jener Paulus, von dem Papst Benedikt XVI. sagt: „Paulus lebte und arbeitete für Christus, für ihn litt und starb er. Wie zeitgemäß ist heute sein Vorbild.“8) Also nichts von froher Botschaft; leben, arbeiten, leiden und sterben für Christus.

Bedeutsam ist auch die Aussage „für Christus“, also die Eliminierung des menschlichen Jesus, dem nachzufolgen ich als Mensch schon für möglich halten kann und damit auch Motivation habe, dies zu tun; einem Menschen, der mir versprochen hat, dass dies für mich auch wirklich möglich sei (und noch Größeres). Es einem fleischgewordenen Gott gleichtun zu müssen, schreckt wahrscheinlich die überwältigende Mehrzahl von Menschen ab, die dann lieber den leichteren Weg gehen, Eigenverantwortung abgeben und auf die Vermittlungsfunktion der Kirche bauen.

Die Autorin, Theologin und Pädagogin Dr. Christa Mulack zitiert dazu in ihrem Buch „Jesus – der Gesalbte der Frauen“ den anerkannten Altphilologen und Religionshistoriker Professor Wilhelm Nestle, der schreibt: „ ‚Christentum ist die von Paulus gegründete Religion, die anstelle des Evangeliums Jesu ein Evangelium von Jesu setzt‘, und ergänzend möchte ich hinzufügen: nicht nur ein Evangelium, sondern sein Evangelium von Jesus, das sich ja in beträchtlichem Maße von jenem der Evangelisten unterscheidet … und damit einem Pseudochristentum den Weg bereitet, an dem die Kirche bis heute krankt.“9)

An dieser Stelle müssen wir uns einmal mit der Person des Paulus beschäftigen.

Er litt an Anfällen, wahrscheinlich epileptischer Art2-Korinther 12,7 und mit halluzinatorischen Erlebnissen unter Verlust des klaren Bewusstseins bereits lange vor seiner „Christus-Erscheinung“ auf dem Weg nach Damaskus. Unter diesen litt er zeitlebens, erlebt sie „sowohl als sündhafte Selbstüberhebung wie als furchtbare Strafe … Paulus hatte es schwer, sich zu ertragen. Seine Geschichte war ›die eines sehr gequälten, sehr bemitleidenswerten, sehr unangenehmen und sich selber unangenehmen Menschen‹, wie Nietzsche mit Scharfblick bemerkte“10).

Rabbi Schaul (3–64 n. Chr.), der Saulus aus Tarsos, war Schüler des Hohepriesters und pharisäischen Schriftgelehrten Gamaliel und lernte vor allem die Halacha-Pädagogik, die mündliche Überlieferung des Talmuds. Er selbst erklärte in der Apostelgeschichte, er wäre „… mit aller Sorgfalt unterwiesen im väterlichen Gesetz zu Füßen Gamaliels und war ein Eiferer für Gott, wie ihr es heute alle seid … ihr Männer, liebe Brüder, ich bin ein Pharisäer und ein Sohn von Pharisäern“, zitiert der Urchristenforscher Michael Ritzer.11)

Aber dies bekenne ich dir, dass ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, so dem Gott meiner Väter diene, indem ich allem glaube, was in dem Gesetz und in den Propheten geschrieben steht.“Apostelgeschichte 24,14

Die Betonung der Gesetze und Propheten zeigt deutlich, dass Paulus mit dem, was Jesus gelehrt hatte, praktisch nichts am Hut hatte, nämlich: So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“Römer 13,10, obwohl er anderslautende Lippenbekenntnisse abgibt: „Denn Christus ist des Gesetzes Ende …“Römer 10,4

In seinem Büchlein „Der größte Betrogene aller Zeiten?“ schreibt Robert Kehl: „Etwas Schlimmeres konnte Jesus wohl nicht widerfahren, dass ein vollblütiger Pharisäer seine Sache in die Hand nehmen würde …“12) Was Jesus von den Pharisäern hielt, kann man im gesamten Kapitel 23 des Matthäusevangeliums nachlesen.

Eine durchaus sinnvolle Schlussfolgerung ergibt, dass Paulus einfach seine Taktik zur Vernichtung der Urchristen, an denen er viele Todesurteile vollstrecken ließ, änderte, als er merkte, dass die Gruppe stärker anwuchs, je mehr von ihnen man tötete. Durch seine Erscheinung, die ja ohne Zeugen passierte, konnte er die Urchristen überzeugen, „dass er jetzt zu ihnen gehöre. Nach einer Zeit der Überzeugungsarbeit wurde er dann auch von den Christen als Führer anerkannt. Es ist ja nicht neu, dass man eine Organisation, die man von außen nicht bekämpfen kann, von innen zerstört.“13)

Paulus begründete seine neue Religion also auf einen Jesuskult (und stand damit in Konkurrenz mit einem halben Dutzend anderer gleichwertiger Kulte). Grundlage war nicht die Lehre von Jesus, sondern eine Lehre über Jesus. Er machte den Tod Jesu zum Opfertoda) und damit zum Mittel zur Erlösung.

Der Religionsforscher Dr. Karlheinz Deschner beklagt: „Immer wieder predigt Paulus von Versöhnung und Erlösung, von dem Sühnemittel ‚in seinem Blut‘ der Erlösung ‚durch sein Blut‘ der Friedensstiftung, ‚durch sein am Kreuze vergossenes Blut‘.“14) „Durch Paulus ist das Ursprüngliche so grundlegend verändert worden, dass sich sein Sinn ins Gegenteil verkehrte.“15) An Jesu Leben und Lehre sei Paulus kaum interessiert gewesen, sehe auch nicht, was zum Tode Jesu geführt habe, sondern nur, was dieser Tod für ihn (Paulus) persönlich bedeutet.

Jesus hingegen hatte den inneren Pfad und die spirituelle Macht des Gottmenschen gelehrt und praktiziert. Davon hatte Paulus nicht die geringste Vorstellung, geschweige denn Verständnis.16)

Dazu mal ein paar Zitate von Paulus: „Denn wir kennen den, der da sagte: ‚Die Rache ist mein, ich will vergelten‘, und abermals: ‚Der HERR wird sein Volk richten.‘ Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“Hebräer 10,30-31 Im Gegensatz zu Jesus, der von einem liebenden Vater sprach, der seine Sonne über Gute und Böse gleichermaßen scheinen lässt.Matthäus 5,45

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a) „In der Bibel ist die Rede von einem Lamm, das zum Schlachten geführt wird und es heißt: ‚Durch seine Wunden sind wir geheilt.‘ (Jesaja 53,5-10) Das ist die alte Auffassung, dass die Sünden der Menschen durch das Opfer eines Unschuldigen gesühnt werden könnten. Das Problem ist nur, dass dies 700 Jahre vor Jesus aufgeschrieben wurde und nichts mit ihm zu tun hat. Es ging dabei um einen anderen Propheten. Später versuchte man, eine Prophezeiung daraus zu machen und auf Jesus anzuwenden. Dabei war der überhaupt nicht gemeint. Und dann wurde diese Auffassung Jesus übergestülpt, obwohl sie nichts mit seiner Lehre zu tun hatte, in der Annahme, er glaube wie sie an ein Denksystem von Sünde, Schuld, Angst, Leiden, Opfer und Tod … Als Jude, der an die alte Schrift glaubte, war es nicht erstaunlich oder schwierig für Paulus, die Ansichten aus den zitierten Versen in seine gerade entstehende Theologie über Jesus einzubauen. Das führte zu einer Religion, in der Jesus wahre Botschaft nahezu gänzlich verloren ging und durch ein eigenes Denksystem ersetzt wurde.“17) Er macht aus einem Menschen, der zur Versöhnung mit Gott ruft, den Erlöser selbst.18) „Mit dem Pazifisten Jesus war, nach Meinung von Paulus, kein Staat zu machen in der antiken Welt der Männer. Jesus als Gekreuzigter war für ihn ein Bestrafter, ein Versager. Und wie kann man daraus einen Sieger machen? Indem man ihn entpersonifiziert: Jesus ist gestorben, es lebe Christus.“19)
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Vollkommen lieb- und gnadenlos fällt er über einen Mann aus Korinth das Urteil, dass dieser im Namen Jesu dem Satan übergeben werden solle.1-Korinther 5, 1-4

Aber so auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen anders, denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht!“Galater 1,8

Das hat wohl nichts gemein mit der Liebesbotschaft von Jesus; das ist der alte „Eiferer“, heute würde man sagen, radikale Fundamentalist. Da galt das Motto: „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“ Einer der Gründe, warum sich das Christentum des Paulus langfristig gegen die anderen Kulte (die alles genauso zu bieten hatten wie das Christentum) durchsetzen konnte, war die rohe Gewalt der „Christen“, eigentlich Paulisten.20)

Paulus geht davon aus, dass das Christentum dem auserwählten Volk (AdV: der Juden) unterstellt ist und er damit das Alte Testament der ganzen Welt öffnet.“21) (Nochmals:) „Aber dies bekenne ich dir, dass ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, so dem Gott meiner Väter diene, indem ich allem glaube, was in dem Gesetz und in den Propheten geschrieben steht.“Apostelgeschichte 24,14

Was ihm ja auch glänzend gelungen ist. So schreibt z. B. Eugen Drewermann: „… zeigt sich mehr und mehr, dass das Christentum aufgrund seiner spezifisch semitischen, jüdischen Geistesart einen außerordentlich gewalttätigen und rücksichtslosen Charakter an sich trägt …“22)

Marcion, ein frühchristlicher Theologe, schließt daher auch logisch und konsequent, dass der alttestamentarische Gott der Judena) und der liebvolle Vater, von dem Jesus zu uns spricht, zwei verschiedene Gottheiten seien. Er verwarf also das Alte und die ›judaistisch verfälschten‹ Teile des Neuen Testamentes.

Da man aber den bösen alten Gott machtpolitisch braucht, wenn man Menschen mit Angst manipulieren möchteb), wurde Marcion 144. n. Chr. kurzerhand wegen Häresie exkommuniziert.

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a) Der, nach Marcion, mit der Schöpfung dieser Welt ziemlichen Scheiß im wahrsten Sinne des Wortes gebaut hat: inter urinas et faecas nascimur – zwischen Urin und Kot werden wir geboren.
b) So schreibt ein Hochgradfreimaurer: „Der Plan zur Weltkontrolle (so wie ihn auch di
e Freimaurer und die Illuminati heutzutage umzusetzen versuchen, AdV) entstand bei und durch Paulus.“24)
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Zur Meisterschaft innerhalb der Freimaurerei gehört die grundlegende Erkenntnis, „dass Jehova-Gott, der Gott des Alten Testamentes, keinen Erlösungsgedanken aufweist. Daraus schlussfolgert sich auch logischer weise, dass er nicht die höchste Gottheit sein kann, also der liebende Vater, wie Jesus ihn darstellt. Wenn er nicht der höchste Gott, also der ‚Oberchef‘ ist, wer ist er dann?

Jehova-Gott ist der Herr der Welt, der Herr der Materie. Er ist nicht derjenige, der dem Wunschgedanken des Menschen entspricht, also dass es ein barmherziger, ein liebender Gott ist. Es ist ein furchterregender Gott, ein strafender Gott, ein Rachegott …

Und das luziferische Prinzip ist schon der ‚Widersacher’‚ und der Herr der Welt – und die Bibel lässt da auch gar keinen Zweifel aufkommen, dass es einen Herrn der Welt gibt. Das ist durchgehend so vom Alten bis zum Neuen Testament bis in die Apokalypse hinein. Jehova-Gott ist nicht das göttliche Prinzip, wie Jesus es lehrte, das Barmherzige. Jehova-Gott ist zwar nicht Luzifer selbst, aber er repräsentiert das luziferische Prinzip.“23)

Im Gegensatz zu Paulus und den Kirchen, die auf ihn begründet wurden, verkündete Jesus selbst das Ende des Alten Testamentes (mitsamt seinem alten Jehova) und den Beginn von etwas Neuem: „Bis Johannes der Täufer zu predigen begann, hattet ihr nur Mose und die Propheten. Seitdem wird die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigt …“Johannes 16,16

Ich habe mich schon als Junge gefragt: Wenn Gott ewiglich ist, dann kann er ja wohl nicht heute so und morgen so denken. Wie kann also dieser herrschsüchtige, gnadenlose, grausame Gott des Alten Testamentes sich plötzlich zu einem liebenden Vater wandeln, der sogar seinen eingeborenen Sohn opfert aus Liebe und Mitgefühl zu den armen Menschen, die er dann aber paradoxerweise bei Nichtparieren nach seinem Willen ewiglich in die grausamsten Höllenqualen schickt. Schon als ziemlich kleiner Junge war mir klar, dass da was nicht stimmt. Und bei dieser Frage konnte mir auch kein Pfarrer und kein Pastor eine befriedigende Antwort geben (bis heute nicht).

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Freimaurer und die Illuminati heutzutage umzusetzen versuchen, AdV) entstand bei und durch Paulus.“24)
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Jetzt, da ich die Rolle des Paulus genauer kennengelernt habe, macht plötzlich vieles Sinn, obgleich es nicht sinnvoll ist.

Nach Holey25) führte Paulus ins Urchristentum offiziell die Diffamierung der Sexualitäta), die Zurücksetzung der Fraub), die Geringschätzung der Ehec) (AdV: Das führte alles zusammen zu der verschrobenen Idee des Zölibats, gegen die ausdrückliche Anweisung von Paulus!d)) und die Aufwertung der Askese ein.

Also können wir jetzt die Frage „Wer hat’s erfunden, das Christentum nämlich?“, sicher beantworten: Paulus.

Paulus wiederum hat gar nichts erfunden. Alles, wirklich alles, was im heutigen paulinisch-christlichen Kirchentum gelehrt und gelebt wird, hat es schon lange vor Jesus gegeben, und zwar in den hellenistischen Mysterienkulten, eleusinischen und orphischen Mysterien, Attiskult, Dionyskult, Isiskult, Mithraskult, bei den Azteken, bei Buddha, Zarathustra, Konfutse, Laotse, Tao-Te-King, Mo-Ti, usw.:e)

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a) „So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust und den Geiz.“Kolosser 3,5
b) „Wovon ihr aber mir geschrieben habt, darauf antworte ich: Es ist dem Menschen gut, dass er kein Weib berühre.“1-Korinther 7,1 Es wird also zwischen Menschen und Weibern unterschieden.
c) „Ich sage zwar den Ledigen und Witwen: Es ist ihnen gut, wenn sie auch bleiben wie ich.“1-Korinther 7,8
d) Paulus: Es soll aber ein Bischof unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittig, gastfrei, lehrhaft, nicht ein Weinsäufer, nicht raufen, nicht unehrliche Hantierung treiben, sondern gelinde, nicht zänkisch, nicht geizig, der seinem eigenen Hause wohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe mit aller Ehrbarkeit, so aber jemand seinem eigenen Hause nicht weiß vorzustehen, wie wird er die Gemeinde Gottes versorgen?1 Timotheus 3,2-5
e) Siehe und vergleiche: Kehl, Christentum, mit vielen zitierten Stellen anderer Literatur, z. B. Herzog, Trede, von Däniken, Kroll, Reitzenstein, Leipoldt, Brückner, Heiler, Jordan, Kahl, Deschner, alle a. a. O.
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die jungfräuliche Geburt der verschiedensten sprichwörtlichen „Gottessöhne“

der persische Zarathustra, der älteste uns bekannte Religionsgründer

der chinesische Philosoph Laotse

der indische Prinz Siddhartha, später Buddha genannt

der chinesische Adelige K’ung-fu-tzu, im Westen als Konfuzius bekannt

der griechische Philosoph Pythagoras

die zwölf kleinen Propheten der Israeliten

Bei der Geburt aller dieser Heilande geschahen immer Wunder, meist gab es auch den obligaten „Sonderstern“, es war auch von der Fleischwerdung Gottes selber die Rede.

Die Stifter all dieser Mysterienkulte waren durchwegs sterbende und auferstehende Retter-Götter bzw. Welt-Heilande, viele von ihnen waren zur Hölle niedergestiegen und hatten dort ihren Sieg „für die Menschheit“ errungen, ebenso war die Himmelfahrt bei ihnen durchaus bekannt.

– „Auch beim Tode dieser Heilande geschahen Zeichen und Wunder … erschienen Kometen, sprangen Türen von selber auf, verfinsterte sich die Sonne so sehr, als wäre es ewige Nacht, erschienen Gespenster, spaltete sich die Erde und standen Flüsse still.“26)

Sensationelle Wunderheilungen von Kranken sind in unabsehbarer Menge bezeugt, ebenso wie Auferweckungen von Toten etwas durchaus Geläufiges gewesen sind, z. B. soll Asklepios nicht weniger als zehn Tote auferweckt haben.27)

Auch nach der „Auferstehung“ des Apollonius von Tyana (bei dem der Stein vor dem Grab ebenfalls fortgeschafft worden war) ließ der zwei zweifelnde Jünger (gleich Thomas) seine Hände berühren.

Es gab den „Heiligen Geist“, die Trinität (Dreifaltigkeit), Osterliturgien, Erbsünde, Erlösungslehre, Sühneopfer (reingewaschen durch das Blut Gottes), (nur) von Priestern gespendete Sakramente, Abendmahl, Kommunion, Totenmessen, die Beichte, Firmung, Auserwählungsbewusstsein, Missionen, kanonisierte heilige Schriften, ein Gericht nach dem Tode, Himmel und Hölle, Auferstehung des Fleisches, den Fisch als Gottessymbol, den lammtragenden Heiland, Erntedankfest, Gnadenorte, Massenspeisungen, Wunderquellen, die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden über den Aufbau von Religionsgebäuden mit Sakristei, Chor und Mittelgang bis hin zur liturgischen Gestaltung des Gottesdienstes, Weihwasser- und Weihrauchgebrauch, Feiern eines Abendmahles mit Hostien und dem Kreuz, Verfinsterung des Himmels beim Tode des Erlösers usw., usw.

Warum schreibe ich so ausführlich über Paulus und seine Lehre, die Jesus Aussagen verdrehte bis ins Gegenteil?

Weil uns diese Irrlehre davon abhält, uns mit den wirklichen Aussagen von Jesus zu beschäftigen, weil sie den größten Teil der Christenheit über Angst manipuliert und den Weg zu eigenverantwortlicher Spiritualität verbaut. Wir mussten es in der Schule lernen, von der Kanzel wird es seit fast zwei Jahrtausenden gepredigt, und gesamtgesellschaftlich hat es die christlich geprägte Kultur zur zerstörerischsten geprägt, die je auf diesem Planeten existierte (mal von der Atlantischen abgesehen, die einen ganzen Kontinent versenkte).

Etwas vergessen lernen ist ebenso wichtig, wie etwas behalten lernen.“28)

Aber um es bewusst vergessen zu können, muss ich erst mal Bewusstsein darüber entwickeln, an was ich eigentlich wirklich glaube und dass ich es mal gelernt habe, nicht weil ich es für richtig hielt, sondern weil es mir so beigebracht wurde.

Abschließend möchte ich einen persönlichen Aspekt zu Paulus hinzufügen:

In seinem Buch „Der Wiederverkörperungsweg eines Menschen durch die Jahrtausende“ schildert Werner Meinold die Reise einer Seele durch die verschiedensten Stationen, angefangen von bloßer Gesteinsmaterie über Pflanzen, verschiedene Tierformen bis hin zu den verschiedenen Inkarnationen als Mensch. Die Informationen gewann Herr Meinold in Hypnosesitzungen mit einem Philosophiestudenten. Die Sitzungen erstreckten sich über mehr als drei Jahre.

In Verbindung mit diesem Kapitel ist es nun interessant, dass dieser junge Mann in der Hypnose ein Vorleben, eine Inkarnation als Paulus durchlebte. Ich kenne diesen Mann persönlich und versichere, dass seine Glaubwürdigkeit unantastbar ist. Er empfindet sein damaliges Wirken um den Aufbau einer männlich geprägten Kirche heute als katastrophal. Nach seiner eigenen Aussage musste er viele Leben hart dafür büßen.

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Wie entstand das heutige Kirchen-Christentum?

Die beiden ersten Bausteine des heutigen Kirchen-Christentums kennen wir ja jetzt bereits. Erstens Jesus, dessen Lehre von zweitens Paulus völlig ignoriert, umgedeutet und verdreht wurde. So weit, so gut, oder eben schlecht.

Aber die Geschichte ging ja weiter. Befassen wir uns mit Baustein Nummer drei.29) Flavius Valerius Constantinus Maximus, Kaiser Konstantin der Große, ein extrem machtbesessener, skrupelloser Mensch, herrschte, nachdem er seine drei Mitherrscher Diokletian, Maximilian und Constantinus ausgeschaltet hatte, als Alleinherrscher über das Römische Reich. Die wirtschaftliche Situation war damals desolat, die politische ebenso. Der Schweizer Professor Jakob Burckhardt, ein ausgewiesener Kenner Konstantins, „sieht diesen Kaiser als einen reinen Machtpolitiker, dessen Hinwendung zum Christentum nur politische Überlegungen gewesen wären“. Diese verzweifelte Finanzsituation des Reiches passt zu einem Satz von Hermann Wieland, der darauf hinweist, „… dass das jüdische Bankkapital Konstantin zwang, die jüdisch-christliche Anbindung ihres strafenden Gottes mit in die christliche Staatsreligion zu erheben“.

Dieser heidnische Imperator berief zum 14. Juni 325 eine Synode, das Konzil von Nizäa. Von den über tausend möglichen Bischöfen wurden nur 318 eingeladen (ja welche wohl). Diese katholischen Bischöfe feierten den Kaiser, der im Sonnenkleid der Mithras-Religion erschienen war, frenetisch und beteten ihn als den Prasentissimus Deus, als den allgegenwärtigen Gott an. Sie bescheinigten dem Kaiser Unfehlbarkeit, die päpstliche entstand erst im 19. Jahrhundert.

Einer der folgenreichsten Beschlüsse dieses Konzils war die Kanonisierung, welche Schriften und Evangelien in das Neue Testament der Heiligen Schrift aufgenommen wurden und welche nicht.

Den wenigsten Christen ist heute noch bekannt bzw. bewusst, dass wir heute kein einziges Original jener Handschriften mehr besitzen, sondern nur Abschriften, von denen nicht zwei miteinander übereinstimmen! Der heilige Optatus, Bischof von Mileve (im heutigen Algerien), dessen sechsbändiges Werk in koptischen Abschriften erhalten geblieben ist, soll erklärt haben: „Jedermann weiß, dass die Evangelien nicht von Christus und auch nicht von den Aposteln geschrieben sind, sondern lange Zeit nachher von Unbekannten. Diese wussten sehr wohl, dass man ihnen in Dingen, die sie nicht selbst gesehen hatten, keinen Glauben schenken würde, und sie setzten daher vor die Erzählungen die Namen von Aposteln und Jüngern jener Zeit.“

Der amerikanische Gehirnforscher, Therapeut und Autor Tom Kenyon ergänzt: „Es wurden viele heilige Texte jener Zeit aussortiert und nur die behalten, die zu den eigenen Interessen passten. So wurden auch die frühen mystischen Visionen der Christen den territorialen und politischen Bedürfnissen von Staat und Kirche angepasst.“ Unter den verbannten Schriften befanden sich viele gnostische Schriften und die von anderen urchristlichen Gemeinschaften, von denen viele gerade das Weibliche ehrten und die Reinkarnation lehrten. Sie waren gemäß Konzilbeschluss aufzuspüren und zu vernichten.

Der französische Philosoph und Theologe Jean-Yves Leloup erklärt: „Tatsächlich wurden auf dem Konzil diejenigen Bischöfe, die Konstantins Auswahl ablehnten, sofort verbannt.“ Ein weiterer Konzilbeschluss bestand in der Gleichstellung von Jesus mit dem „Vater“, entgegen allem, was Jesus selbst gepredigt hatte. Laurence Gardner weist in seinem Buch „Hüterin des Heiligen Gral – Maria Magdalena, die Frau Jesu“ auf eine erschreckende Erkenntnis hin: „Da Gott nun Vater und Sohn in einem war, hatte man Jesus als Person jegliche praktische Bedeutung genommen.“ Damit hatte die paulinische Theologie endgültig gesiegt.

Baustein Nummer vier: wieder mal ein Kaiser, Justinian I.

Das „5. Heilige und Ökumenische Konzil“ fand am 5. 5. 553 in Konstantinopel statt. Auf Druck des Imperators wurde als kaiserliches Edikt beschlossen, dass von nun an die Lehre von der Präexistenz der Seele endgültig als Ketzerei zu gelten habe und jeder, der sie vertrete, mit fünfzehn Bannflüchen verdammt sei. Von den zwischenzeitlich nahezu dreitausend Bischöfen des riesigen Imperiums waren ganze einhundertfünfundsechzig „Oberhirten“ anwesend, und die Wiederverkörperungslehre soll von diesem Gremium mit einer einzigen Stimme Mehrheit „verdammt“ worden sein (worauf dieser Bischof später ebenso verdammt wurde). Papst Vigilus weigerte sich, am Konzil teilzunehmen, weil das Konzil nach seinem Dafürhalten eine ureigene Sache des Kaisers Justinian war.30)

Insgesamt zeigt sich das Christentum, so wie es heute von den Kirchen gelehrt wird, also als das Konstrukt mehrerer Kaiser, die die christliche Lehre für ihre politischen Zwecke verformten, und eines Pharisäers, der den Gott des Alten Testamentes bei Nicht-Juden verbreiten wollte.a)

Klaus Berger, emeritierter Professor für neutestamentliche Theologie, Vertreter einer orthodoxen Lehre und weit entfernt vom Verdacht der Häresie, schreibt:

Neu ist ganz sicher Christentum als eine Art ›Judentum fur Heiden‹.“31) Übrigens ist ja Paulus der „Apostel der Heiden“.Römer 11,13 u. a.

Ich persönlich glaube deswegen, weil er bei den Urchristen, die im Judentum die geläufige Bezeichnung Nazoraer (njryM, srīm) erhielten, die ihren Glauben gnostisch empfanden, nicht landen konnte, weder mit dem alttestamentarischen Gott noch seiner fehlenden Gleichstellung der Frau.b)

Die mystische Gemeinschaft der Nazoräer, deren Haartracht auch Jesus trug, verunglimpfte Paulus als ‚Renegaten und falschen Apostel‘ und erklärte, seine götzendienerischen Schriften müssten vollständig verworfen werden.“ (Gardner)32)

Die Heiden, die keine Jesushistorie kannten, konnte er leichter mit seinen widersinnigen (wider den Sinn von Jesus Aussagen) Vorstellungen beeindrucken und überzeugen.

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a) Der britische Bestsellerautor Laurence Gardner schreibt dazu: „Konstantin kreuzte … das Christentum mit dem Sonnenkult und anderen heidnischen Überzeugungen zu einer Hybridform.“
b) Nach vielen gnostischen Schriften war Paulus übrigens mit seinem herabwürdigenden Frauenbild nicht alleine. In der Pistis Sophia klagt Maria Magdalena über Petrus: „Ich habe Angst vor ihm (zu sprechen), weil er das weibliche Geschlecht hasst.“33) „Die Ungerechtigkeit des Patriarchats ist natürlich nicht auf die Christen beschränkt. Ein Freund von mir macht Frauen gegenüber, die den Dalai Lama bewundern, gerne die scherzhafte Bemerkung, dass ihnen das Leben als tibetisch-buddhistische Nonne vermutlich nicht gefallen würde. Jüdische Frauen werden oft ähnlich eingeschränkt, vor allem im orthodoxen Judentum, ebenso wie die Frauen vieler Moslems und Hindus und Frauen in praktisch jeder religiösen Tradition. Es hat etwas Ironisches, dass Religionen oft eher in den Punkten übereinstimmen, in denen sie sündigen, als dort, wo sie tugendhaft sind.“34) Erinnert sei hier an einen Vorfall, bei dem 2002 (männliche) staatliche Glaubenswächter, Mitarbeiter der Behörde für die Förderung der Tugend und Verhinderung des Lasters, in Mekka, Saudi-Arabien, 15 Schulmädchen in eine brennende Schule zurückprügelten (wo sie dann jämmerlich verbrannten), weil diese in ihrer Panik versucht hatten, dem Feuer ohne Schleier und lange Gewänder zu entfliehen.
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Die Juden hingegen „haben diesen Mann als eine Pest befunden und als einen, der Zwietracht stiftet unter allen Juden in der ganzen Welt, als einen Anführer der ‚Sekte der Nazoräer‘ “.Apostelgeschichte 24,5

Also blieb ihm gar nichts anderes übrig, als sein Glück bei den Heiden zu suchen, wo er es (unglücklicherweise für die gesamte Menschheitsentwicklung ja dann auch fand.

Einfach so zur Gedankenanregung mal ein paar offizielle Zitate der paulinischen Heiligen Katholischen Kirche:

Wir haben auf dieser Erde den Platz des allmächtigen Gottes inne.“ Papst Leo XIII. in der Enzyklika vom 20. 06. 1894

Der Papst ist nicht nur der Stellvertreter Jesu Christi, sondern ist Jesus Christus selbst, verborgen unter dem Schleier des Fleisches.“ The Catholic National, Juli 1895

Diese richterliche Gewalt beinhaltet sogar die Macht, Sünden zu vergeben.“ The Catholic Encyclopaedia, Band 12, Seite 26, Artikel „Papst“

Der Priester besitzt die Schlüsselgewalt. Mit anderen Worten: Er hat die Gewalt, den Sünder vor der Hölle zu bewahren und des Himmels würdig zu machen; und er hat die Gewalt, ihn aus einem Sklaven des Satans in ein Kind Gottes zu verwandeln … Und Gott selbst ist verbunden, sich nach dem Urteil des Priesters zu richtena) … Der Herr folgt dem Knecht; und was dieser auf Erden entscheidet, das bestätigt jener im Himmel.“ Liguori, Betrachtungen über die hohe Würde und den Beruf des Priesters.

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a) Was die Bibel wirklich dazu sagt, siehe Kapitel „Hat Jesus Petrus als Stellvertreter auf Erden bestimmt?“
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Jesus Christus

Für mich hat es Bedeutung, dass ich in einer christlichen Kultur geboren bin, es ist bestimmt nicht durch einen blinden Zufall so bestimmt worden. Ich habe mich in vielen esoterischen und spirituellen Richtungen umgeschaut; das hat meinen Horizont erweitert und gewisse Verständnisvorgänge ermöglicht.

Nach einer langen Orientierungsphase bin ich wieder bei Jesus Christus angelangt.

Nachdem ich mich ein bisschen intensiver mit den Aussagen unseres „Heilands“ beschäftigt hatte, fragte ich mich, warum eigentlich so gut wie keiner das berücksichtigt, was Jesus gepredigt hat. Die Antwort ist simpel: weil es die Kirche ist, über die wir von Jesus und seinen Aussagen erfahren, bzw. die paulinisch umgedeuteten oder ganz unterschlagenen Botschaften.

Und dann gibt es zwei (unglückliche) Möglichkeiten: Entweder man bleibt im Kirchendenken (viele Menschen, die ich frage: „Glauben Sie an Gott?“, antworten mir: „Ich bin katholisch“). Dann erfährt man halt eben nichts von den wirklichen Lehren Jesu. Oder man verlässt die Kirche und schüttet das Kind mit dem Bade aus (wie ich es in der Jugend tat), tritt aus der Kirche aus, wendet sich von ihr und damit auch von Jesus ab (ich selber habe gleich Gott auch mit über Bord gehen lassen). Und dann gibt es noch die dritte (glückliche) Möglichkeit: Man lässt die Kirche hinter sich und findet zu Jesus!

Wer hält die andere Wange hin, nachdem er eine Ohrfeige bekommen hat? Wer segnet die, die ihn verfolgen? Die Politik nicht, auch wenn manche ein „christlich“ in ihrem Parteiennamen tragen; und die amerikanischen Politiker bezeichnen ihre Gegner sogar als den Teufel persönlich (was diese wiederum ebenso tun, also beide auf gleicher Ebene agieren) und rufen zum Kampf, sogar zur Vernichtung auf.

Aber auch die Kirchen handeln nicht wirklich im christlichen Sinne. In ihrem Alleinseligmachungswahn haben sie viele Kulturen und deren spirituelles Erbe vernichtet, Milliarden von Menschen grausam ermordet, z. B. in der Inquisition, die Sklaverei mit Bibelzitaten gerechtfertigt, an gegnerischen Fronten Kanonen gesegnet, stellen sie heute noch Militärpfarrer (anstatt den Krieg zu ächten), diffamieren sie heute noch Frauen und – das ist das Schlimmste – halten sie heute noch Milliarden von Menschen gegen besseres eigenes Wissen in Angst und Dummheit und damit von einem eigenverantwortlichen spirituellen Fortschritt ab.

Zum Beispiel wurde den Menschen jahrtausendelang erzählt, dass der Mensch nach seinem Tode „ruht“, bis er zum Jüngsten Gericht auferweckt wird (Auferstehung im Fleische am Jüngsten Tag). 1998 erklärte Papst Johannes Paul II. in Rom vor Pilgern: „Man sollte nicht meinen, dass das Leben nach dem Tode erst mit dem Jüngsten Gericht beginnt. Es herrschen ganz besondere Bedingungen nach dem natürlichen Tod. Es handelt sich um eine Übergangsphase, in welcher der Körper sich auflöst und das Weiterleben eines spirituellen Elements beginnt. Dieses Element ist ausgestattet mit einem eigenen Bewusstsein und einem eigenen Willen, und zwar so, dass der Mensch existiert, obwohl er keinen Körper mehr besitzt.“35)

Wenn der Papst unfehlbar ist, wusste er das schon vor Jahrtausenden. Dann hat er Milliarden Menschen bewusst „verarscht!“ Und wenn er nicht unfehlbar ist, dann „verarscht“ er heute noch Milliarden von Menschen mit seinem Unfehlbarkeitsanspruch. So einfach ist die Sache!!! Glauben heißt eben nicht, dass man seinen gesunden Menschenverstand über Bord werfen oder an der (Kirchen-)Garderobe abgeben muss.

Jesus hat uns alles erklärt, was wir wissen müssen, angefangen von einem Leben im Hier und Jetzt bis hin zur bedingungslosen Liebe. Warum hören wir nicht auf ihn? Vor allem, weil seine Aussagen die gleichen Wahrheiten ausdrücken, die jeder Erleuchtete gelehrt hat. Diese Frage beschäftigt mich bzw. die Antworten, die ich für mich persönlich gefunden habe. Deshalb ist das Kapitel über Jesus das längste geworden.

Von Jesus Leben wissen wir eigentlich erstaunlich wenig. Wir hören von seiner Geburt in einem Stall in Bethlehem. Als Nächstes hören wir, dass er als Zwölfjähriger drei Tage bei den Schriftgelehrten saß und sie mit seinem Wissen und Verständnis der Heiligen Schrift, seinen Fragen und Antworten erstaunte.Lukas 2,41 ff. Dann dauerte es noch mal 18 Jahre, bis er anfing zu predigen. Im „Evangelium des vollkommenen Lebens“ erfahren wir über seine Jugendzeit etwas mehr. Das Evangelium berichtet, dass er ein geschickter Schreiner war und dass er auch in dieser Zeit schon Wunder vollbrachte, z. B. Zwölf tote Sperlinge zum Leben wiedererweckte, und „man sah, wie Blumen unter seinen Füßen emporsprossen, dort, wo bisher unfruchtbarer Boden gewesen war“36) (ähnlich wie Buddha, der Lotosblüten in seinen Fußspuren hinterließ).

Außerdem erfahren wir, dass Jesus mit Mirjam verheiratet wurde, als er achtzehn Jahre alt war, die sieben Jahre später starb. „Und Jesus, da er das Studium des Gesetzes vollendet hatte, ging wieder nach Ägypten, auf dass er die Weisheit der Ägypter erlerne, ebenso wie es Moses getan hatte … Und nach einiger Zeit ging er nach Assyrien und Indien und nach Persien und in das Land der Chaldäer. Und er besuchte ihre Tempel und sprach mit den Priestern und Weisen viele Jahre hindurch, und er tat viele wunderbare Werke und heilte die Kranken, während er durch die Lande zog.“37)

Es gibt noch mehrere andere Büchera), die berichten und versuchen, den Nachweis zu erbringen, dass Jesus in diesen Jahren sowohl Ägypten als auch Indien (bis nach Tibet) besuchte, dort lernte und lehrte. Ebenso gibt es Theorien, dass Jesus seine Kreuzigung überlebte und danach (wieder) nach Indien ging. Ein moslemischer Autor namens Al-Thalab (um 1000 n. Chr.) geht in seinem Kommentar zur Passionsgeschichte sogar davon aus, dass Judas an Jesus Stelle gekreuzigt wurde.38)

Im Essäer-Brief, einem Brief vom Ältesten der Essäer zu Jerusalem an den Ältesten der Essäer zu Alexandrien, wird ausführlich darüber berichtet, dass Jesus ein Höchsteingeweihter des Geheimbundes der Essäerb) gewesen sei. Außerdem wird ausführlich geschildert, wie Jesus die Kreuzigung überlebte (mithilfe der Essäer).

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a) Holger Kersten, Jesus lebte in Indien Nikolas Notovitch, Das unbekannte Leben Jesu
b) Wer war Jesus, der Essäer-Brief, a. a. O., dagegen argumentiert Kehl: „Während zwischen Jesus und den Qumramleuten m. E. geradezu fundamentale und unüberbrückbare Unterschiede – ja Klüfte – bestanden haben – man denke nur an die Freude der Essener an äußeren Organisationen, an ihr Säbelrasseln, an die ständig wiederkehrenden Verfluchungen und noch mehr an ihre extreme Kulturstrenge und ihren Sabbatfanatismus … Es ginge m. E. zu weit, Jesus einfach als Essener abzustempeln – und ich würde sagen – ihn zu einem Essener degradieren zu wollen. Ob Jesus je formell zur Qumramgemeinschaft gehörte – vielleicht auch nur als Novize –, werden wir kaum je erfahren. Sicher ist für mich, dass er es dort nicht lange ausgehalten hätte, denn trotz der vielen Gemeinsamkeiten waren die Qumramleute doch eines ganz anderen Geistes Kinder als Jesus. Mit Recht wird z. B. von Stauffer angenommen, die Qumramleute hätten Jesus als ganz gefährlichen Ketzer ebenfalls zum Tode verurteilt, wenn sie dazu eine legale Möglichkeit gehabt hätten.“39)
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Im Gegensatz zur Literatur, in der Jesus seine Kreuzigung ebenfalls überlebte und dann „auswanderte“, wird in diesem Brief dargestellt, dass Jesus – nachdem er seine Jünger leiblich traf, nicht als Erscheinung, wie in den kanonischen Texten beschrieben – relativ kurze Zeit später doch noch an den Verletzungen, die er während seiner Kreuzigung erlitten hatte, verstarb. Außerdem wird in dem Buch darauf verwiesen, dass am Turiner Grabtuch (das nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen doch echt ist) Blutspuren gefunden wurden, was nur möglich ist, wenn Jesus noch lebte, denn „die Wunden beim Herausziehen der Dornen (AdV: von der Dornenkrone) hätten nicht so geblutet, dass Blutspuren hätten ins Gewand dringen können. Wunden, die an einer Leiche hervorgerufen werden, lassen kein Blut austreten.“40)

Außerdem gibt es eine Meinung, die besagt, dass der Heilige Gral die Blutslinie Jesusa) sei (Sang réal = königliches Blut verballhornt zu San Gr(é)al = der Heilige Gral), die von Templern geschützt wurde und bis heute wird, die Blutslinie von Jesus und seiner Frau Maria Magdalena über deren gemeinsame Tochter Sarah.

All diese Spekulationen sind äußerst interessant, berühren das Thema dieses Buches aber nur am Rande und sind deswegen hier nicht weiter ausgeführt. Schon interessanter stellt sich da die Frage nach der jungfräulichen Geburt Jesus Christi!

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a) Lincoln, Baigent, Leigh, Der Heilige Gral und seine Erben
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Auszug aus: Die Esoterik-Falle

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Quelle: http://www.allergien-phobien.de/buch/252119.pdf

Siehe auch:
Paulus: Der Erfinder des Christentums
Über Jesus Christus, die Kirchen, wahre Christen und Sozialismus
Weltanschauung und Seele

Hollywoods Krieg gegen Weihnachten
Wer sind die Kräfte hinter westlicher Entchristlichung?
Friedrich Schiller: Die Sendung Moses

Wie Paulus die Lehre des Jesus verfälschte

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