Von Gerhard Wisnewski

Ha, ha – der Sarrazin. Hat er doch glatt ein Buch geschrieben über die Grenzen der Meinungsfreiheit – und jeder berichtet darüber! Urkomisch, der Mann, finden unsere Medien und schreiben einen hämischen Kommentar nach dem anderen. Dabei hat Sarrazin uneingeschränkt Recht. Denn erstens wird auch er behindert, wo es nur geht. Und zweitens: Wenn man nicht Sarrazin heißt, bekommt man die bundesdeutsche Meinıungsdiktatur gleich mit voller Härte zu spüren.

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München, 8. März 2014. An der Ecke Müller-/Fraunhoferstraße spielt sich eine gespenstische Szene ab. Zuerst weiß man gar nicht, worum es geht. Das Auffälligste sind wohl die beiden großen Flaggen, die von einigen schwarz vermummten Leuten hochgehalten werden – eine israelische und eine australische. Dazu schreien sie: »Nazis raus! Nazis raus!« Dazwischen hört man noch eine Lautsprecherstimme, die man jedoch nicht verstehen kann.

Nur: Wo sind die Nazis? Sind die Australier oder die Israelis die Nazis? Und dann wäre da noch die Polizei; etwa 30 bis 40 Beamte in Grün haben sich auf dem Bürgersteig aufgebaut, vermutlich Bereitschaftspolizei. Sind das etwa die Nazis? Weiter hinten steht noch eine Truppe in Schwarz: So eine Art Sondereinsatzkommando mit Knöpfchen im Ohr. Nur: Wo sind denn nun die Nazis? Ich will sie auch endlich mal sehen.

Aber das ist gar nicht so einfach. Dann fällt mir noch die rechteckige Absperrung auf dem Bürgersteig auf. Davor steht ein Polizeikordon. Dahinter, zwischen den Köpfen der Beamten hindurch, sehe ich ihn endlich, den Nazi. Man hat ihn mit seinen Lautsprechern in die rechteckige Absperrung eingesperrt, wie ein Baby in seinen Laufstall. Die israelische und australische Flagge schirmen sämtliche Blicke von der Seite ab, als wären sie praktisch das einzig richtige Gegengift gegen den Rechtsradikalismus. Der Polizeikordon behindert Blicke von vorne.


Tugendterror: Ein Stadtrat im Meinungskäfig

Ein Stadtrat im Käfig

Und da steht er nun, der Nazi, wie ein gefährliches Tier und versucht sich mit seinem Lautsprecher gegen das ständige Nazi-Gebrüll durchzusetzen. Bei ihm sind nur einige Helfer, die ihre Identität mit großen Sonnenbrillen verschleiern, wahrscheinlich, um nicht gleich auf irgendwelchen Websites als Rechtsradikale an den Pranger gestellt zu werden. Der einzige, der deutlich sein Gesicht zeigt, ist der Sprecher am Mikrofon. Der Münchner Stadtrat Karl Richter von der Bürgerinitiative Ausländerstopp. Womit wir auch schon bei Thilo Sarrazins neuem Buch Der neue Tugendterror  wären.

Die bizarre Inszenierung ist gelebte deutsche Meinungsfreiheit im Jahre neun des armseligen Merkel-Regimes. Die Demokratie wird lustig zu Tode verteidigt. Ein einzelner Demonstrant wird von der Polizei eingesperrt wie ein gefährliches wildes Tier und von anderen mit Flaggen gegen Blicke geschützt, als begehe er gerade eine besonders obszöne Handlung. Oder als sei hier gerade ein besonders schrecklicher Unfall passiert. Und das ist er ja auch, nämlich ein Meinungsunfall. Wobei nicht ganz klar ist, wen die Polizei hier eigentlich vor wem schützen muss: Die Öffentlichkeit vor dem bürgerlichen Stadtrat oder den Stadtrat vor den schwarz vermummten Demokraten mit der israelischen Flagge.


Tugendterror: Demo hinterm Gatter

Der neue Tugendterror

Während wir angeblich in einer Demokratie leben, werden die Meinungsvorschriften immer vielfältiger, bis hin zu einzelnen Wörtern, die stigmatisiert werden und die wir nicht mehr sagen dürfen. Und wer sich über den erwähnten Münchner Stadtrat Richter lustig macht: In Wahrheit stehen wir schon längst selber in einem Gatter wie der Münchner Stadtrat, egal in welcher Hinsicht, solange unsere Meinung nur von der Mainstreamlinie abweicht.

Die abwegigen Axiome der politisch Korrekten

Und Sarrazin selbst?* Wie kommt es dann, dass überhaupt noch über ihn berichtet wird? Nun, wie gesagt geschieht das in der Regel nicht ohne hämischen und hassvollen Unterton. Zweitens werden Veranstaltungen von ihm von »Demokraten« gestört und gesprengt. Drittens hat man ihn damit selbst schon in ein psychologisches Gatter eingesperrt – oder in einen rollenden Käfigwagen, in dem man ihn durch die Republik rollt. Nach dem Motto: Seht her, hier darf man wirklich alles anschauen, sogar ein derartiges Untier – allerdings nicht ohne ein paar geistige Gitterstäbe, sprich: Hinweise, wie man damit umzugehen hat. Nach dem Motto: Nicht füttern, nicht ernst nehmen und vor allem: Nicht nachmachen!

Auf etwa 350 Seiten nimmt Sarrazin die Lebenslügen und abwegigen Axiome der politisch korrekten Gesellschaft auseinander, als da wären:

  • Die menschlichen Fähigkeiten hängen fast ausschließlich von Bildung und Erziehung ab.
  • Ungleichheit ist schlecht, Gleichheit ist gut.
  • Völker und Ethnien unterscheiden sich nicht geistig, sondern nur körperlich.
  • Das Gleiche gilt für Männer und Frauen.
  • Kinder brauchen Vater und Mutter nicht.
  • Die Industriestaaten schaffen nicht etwa Jobs für die Armen in der Dritten Welt, sondern sind an deren Elend schuld.
  • Wer reich ist, sollte sich schuldig fühlen.
  • Usw.

Na wenn schon, dann eben die Reichen! Das Problem ist, dass wir in der alltäglichen Propaganda alle als reich dargestellt werden, und zwar gegenüber dem Rest der Welt. Friede den Hütten, Krieg den Palästen!, forderte einst der Revoluzzer Georg Büchner. Und das gilt heute wieder ganz besonders. Und das heißt: Friede kehrt erst ein, wenn auch die Deutschen wieder in Hütten hausen, woran bereits eifrig gearbeitet wird.

Tugendterror ist nicht etwa ein höherer Ausdruck der Demokratie, wie manche meinen, sondern ein Merkmal der Diktatur.

*…ist auch nur ein Darsteller in dem Schauspiel.

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Quelle (gekürzt): Kopp-Verlag

Verweise:
EU plant Massenimmigration aus Afrika
Gedankenverbrechen 1984 und 2014

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