Von Egon W. Kreutzer

Allmählich dämmert es einigen Ökonomen, dass Reallohnsenkungen, staatliches Sparen und sprudelnde Konzerngewinne, die in den Finanzsektor abfließen, nicht nur verhindern, das Ziel von jährlich 2%-Inflation im Euro-Raum zu verfehlen, sondern dass aus alledem inzwischen die Gefahr einer respektheischenden Deflation entstanden ist.

Man braucht weder Volkswirtschaftsprofessor noch Bundesbankpräsident zu sein, um den Mechanismus zu erkennen, der zwangsläufig dazu führt, dass sich einerseits eine massive Spekulationsblase mit gewaltigem inflationären Potential auf den Finanz- und Anlagemärkten aufbauen muss, wenn sprudelnde Gewinne angelegt und drohende Verluste vom Staat ausgeglichen werden, und dass sich andererseits in der Realwirtschaft die immer schneller schwindende reale Kaufkraft zu einer Deflation auswachsen muss.  (Nur am Rande: Das ist genau das Szenario, vor dem ich seit vielen Jahren warne.)

Nun ist das Thema offenbar bei der EZB angekommen – und dort will man mit

„breit angelegten Wertpapierkäufen“

nicht nur Staatsanleihen von EU-Mitgliedern sondern gleich aller Staaten dieser Welt aufkaufen.

Herrlich! Überirdisch! Göttlich!

Und der alte Spruch aus Schülerzeiten robbt aus den Tiefen des Langzeitgedächtnisses wieder in den vorderen Stirnlappen:

„Was tun?, sprach Zeus, die Götter sind besoffen!“

Wem wollen sie diese Staatsanleihen denn abkaufen? Der Armutsrentnerin, dem Langzeitarbeitslosen, der alleinerziehenden Mutter im Sozialhilfebezug, den Millionen prekär beschäftigter Aufstocker, den kleinen und mittleren Unternehmern, denen die Banken die dringend notwendigen Kredite verweigern???

Nein. Da werden sie Pech haben, mit ihrem großzügigen Ankaufsangebot, in deren nicht existierenden Wertpapierdepots finden sich keine Staatsanleihen.

Oder wollen sie die Staaten selbst auffordern, weiter fröhlich Anleihen zu emittieren? Die EU- und Euro-Staaten sind von selbstauferlegten Schuldenbremsen und Sparprogrammen sowie von den Inquisitoren der Troika daran gehindert, sich mit neuen Schulden aus der Deflationsfalle zu befreien – und dass es Aufgabe der EZB sein könnte, Nicht-EU-Mitglieder mit frisch gedruckten EZB-Euros vor der Zahlungsunfähigkeit zu retten, kann ich mir auch nicht vorstellen.

Es gibt nur einen Kreis von Anbietern (maroder) Anleihen (maroder) Staaten: Die (maroden) Banken und die Spekulantenblase, die mit den Banken Hand in Hand arbeitet.

EZB-Geld, das gegen (marode) Anleihen an die Finanzsphäre abgegeben wird, kommt jedoch garantiert auch nicht da an, wo akuter Geldmangel herrscht und die Deflation mit ihren Gichtfingern an die Tür klopft.

Jens Weidmann, Chef der Deutschen Bundesbank, hält glücklicherweise wenig von diesen Plänen. Allerdings ist auch das kein Lichtblick, denn ihm geht es ja wieder nur um das Problem der „monetären Staatsfinanzierung“, die der EZB nach Meinung vieler Kritiker verboten ist, während die EZB – den Göttern gleich – nur ihre eigene Rechtsauffassung gelten lassen will.

Einen Beitrag zur Deflationsbekämpfung liefert Weidmann mit dieser Aussage jedoch nicht.

Derweil lässt unser allseits geliebter Finanzminister Wolfgang Schäuble schon wieder mal durchrechnen, wie sich ein neuer Schuldenschnitt für Griechenland auswirken würde.

Ja – Wolfgang Schäuble ist der heimliche Staatschef der EU. Er lässt durchrechnen, ob den Griechen ein neuer Schuldenschnitt verpasst werden soll.

Eigentlich wäre es Aufgabe Griechenlands, seinen Gläubigern einen Schuldenschnitt anzubieten, doch die griechische Regierung ist soweit entmündigt, dass selbst diese Entscheidung weder in Athen, noch in Brüssel, sondern in Berlin vorbereitet werden kann.

Ja, kein Wunder, die griechischen Staatsanleihen sind längst alle von den privaten Anlegern in die Bilanzen der staatlichen Banken, allen voran der EZB gewandert, da ist ein Schuldenschnitt etwas, das die Finanzminister trifft – naja nicht direkt – mehr die Steuerzahler.

Also wird, wenn bei den Modellrechnungen etwas herauskommt, dann jetzt womöglich der ganz große Schuldenschnitt herauskommen. Bis zur nächsten Bundestagswahl sind es noch dreieinhalb Jahre, bis dahin ist das längst vergessen und die Mehrwertsteuer-Erhöhung kommt ja nicht, es kommt ja nur ein Euro-Soli von 5 Prozentpunkten dazu, der dann direkt an die EU fließt.

Da werden die Bürger dann auf die EU schimpfen, und Schäuble wird sagen, gegen EU-Recht sei selbst er machtlos …

Ein Stier würde die Hörner senken und das neue Scheunentor kurz und klein hauen. Wir Ochsen stehen ängstlich staunend davor und lassen uns dann doch vom Knecht mit dem Strick um den Hals hineinzerren. Und die ganz Bockigen bekommen unterstützend den Knüppel des Bauern zu spüren.

Quelle: http://www.egon-w-kreutzer.de/

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Das einzige, dauerhafte Gegenmittel:

https://kopfschuss911.wordpress.com/2013/03/08/das-manifest-zur-brechung-der-zinsknechtschaft-des-geldes/

…aber das darf nicht sein, denn das ist ja Naziiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii

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