Das Entsetzen der Großmacht über die kleine, neutrale Schweiz

Von Egon W. Kreutzer

Da sitzen die Eidgenossen als winzige Enklave mitten im Herzen der EU und befleißigen sich jenes Mittels der direkten Demokratie, das die Schweiz wohltuend von vielen anderen europäischen Staaten unterscheidet.

Dummerweise passt das Ergebnis nicht in die Pläne der EU, und so geben sich selbst jene entsetzt, die ansonsten mit feurigen Reden für mehr direkte Demokratie antreten.

Die Medien, die einen Sportler (so es denn einer der eigenen ist), der mit wenigen hundertstel Sekunden vor der Konkurrenz ins Ziel kommt, sofort zum absoluten Sieger hochjubeln, beginnen jedoch bei einer Volksabstimmung, die mit einer weit weniger knappen Mehrheit gewonnen wird, Zweifel anzumelden, ob es denn überhaupt eine Mehrheit sei. Man erklärt sogar, 50,3 Prozent seien nur ein Vorsprung von 0,3 Prozent, doch wenn dem so wäre, hätten die Gegner ja 50% erreichen müssen – und das ist, gelobt sei die Kenntnis der Prozentrechnung, eben nicht möglich, weil nun mal nicht mehr als 100% abstimmen konnten.

Der heimliche Regent und Zahlmeister der EU, Wolfgang Schäuble, konnte seinen Unmut schon gar nicht verbergen und erklärte, die Schweiz werde eine Menge Schwierigkeiten bekommen. Wahrscheinlich würde er den Schweizern am liebsten die Troika auf den Hals hetzen …

Was wir in der Schweiz erleben, entspricht nicht nur einer tief verankerten schweizerischen „Identität“, die sich das Alpenvolk nun einmal nicht nehmen lassen will, es ist geronnene geschichtliche Erfahrung aller menschlichen Gemeinschaften. Weltoffenheit, internationale Arbeitsteilung und internationale Handelsbeziehungen, Reisen in ferne Länder und Besucher aus fernen Ländern, das alles sind wunderbare Möglichkeiten, das Verständnis der Völker füreinander und damit den Weltfrieden zu fördern.

Das alles, auf freiwilliger Basis, unterscheidet sich wohltuend von der Situation, in der ein Staat hilflos zusehen soll, wie Scharen von Einwanderen die gewachsenen Strukturen, die Wertesysteme und letztlich die Identität beschädigen.

Die Mauer zwischen den USA und Mexiko, die Mauer, von der die Palästinenser eingeschlossen sind, selbst die von Deutschland so geschätzte Drittstaatenregelung im Asylverfahren zeigen, dass das Problem auch in den Köpfen der Verantwortlichen bekannt ist.

Multikulturelles Leben ist schön, wenn man den Menschen die Freiheit lässt, sich zu entscheiden. Wo es mit der Keule der Political-Correctness erzwungen werden soll, wird es im Fiasko enden.

Die EU sollte sich mit Kritik an der Schweiz zurückhalten. Dort funktioniert die Demokratie noch einigermaßen, während sie in der EU im Untergang begriffen ist – und, vor allem, die EU sollte nie vergessen, dass die Schweiz immer noch eigenständig ist, auch wenn sie ein paar Verträge mit der EU unterschrieben hat.

Die Thematik ist zu brisant, um sie mit diesem kurzen Tageskommentar ausreichend zu beleuchten. Ergänzend und vertiefend empfehle ich meinen hier verlinkten Aufsatz Mulitkulti – und das Paradies.

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Quelle: http://www.egon-w-kreutzer.de/ – Tageskommentar