Rede vom 23. Juli 1932 auf der NSDAP-Versammlung in Dresden Wahlplakat

Deutsche Volksgenossen und -genossinnen!

Sie sind hier in einer so überwältigenden Zahl zusammengekommen, daß diese Kundgebung allein schon der Beweis dafür ist, daß Sie den Sinn dieser Wahl begriffen und verstanden haben. Man kann 10- und 20mal vielleicht zur Wahlurne treten, aber einmal kann dieser Gang sich zu einer Bedeutung erheben, die vielleicht geschichtliche Ausmaße annimmt. Und das glauben wir dieses Mal. Wir glauben, daß die Wahl am 31. Juli eine Entscheidung bringen soll, ja bringen muß und, so Gott will, auch bringen wird, wer nun in Deutschland endgültig das Leben bestimmt, der Geist des internationalen Pazifismus, der demokratischen Zersplitterung, der Unterwürfigkeit oder der Geist einer nationalen Wiedergesundung, nationaler Ehre und eines wirklich brüderlichen Zusammenlebens unseres Volkes, ob am 31. Juli noch einmal die siegen, die uns immer wieder mit Vertrauen erfüllen wollen gegenüber einer anderen Welt oder die siegen, die glauben, daß die Basis alles Lebens nur in der Kraft der eigenen Rasse, der eigenen Nation liegt.

Die Sozialdemokratie und das Zentrum, sie beide sind heute sehr bescheiden geworden. Eine Partei, die 13 Jahre lang regiert, baut ihre ganze Propaganda nur auf auf der Kritik von sechs Wochen. Nur sechs Wochen interessieren plötzlich die Biedermänner. Sechs Wochen, in denen dem deutschen Volk Böses zugefügt worden sei, sechs Wochen, in denen die Freiheit bedroht gewesen sei, das soziale Glück und weiß Gott was noch. 13 Jahre haben sie demgegenüber vergessen, 13 Jahre sind ihnen plötzlich ganz und gar aus dem Gedächtnis entschwunden.

Heute rufen sie „Freiheit“ und vergessen ganz, daß sie 13 Jahre die Freiheit in Deutschland mit Füßen getreten haben.

Heute schreien sie von Freiheit und wollen auf einmal nicht mehr sich erinnern, daß sie die Freiheit des deutschen Volkes im Ganzen preisgegeben haben, daß sie unser Volk in diese unwürdige Rolle des Erfüllungssklaven gedrängt haben, daß sie es waren, die im Innern jede Freiheitsregung mit dem Zepter ihrer Republik, dem Gummiknüppel, niedergeschlagen haben.

Heute wollen sie das alles plötzlich nicht mehr wissen, heute reden sie mit einem Male von sozialen Notwendigkeiten. 13 Jahre haben sie gesündigt gegen unser Volk, 13 Jahre nicht den Wert der Arbeit gekannt, 13 Jahre sich vor der internationalen Hochfinanz gebeugt. Jetzt auf einmal, seit sechs Wochen, wissen sie auch, daß es nicht richtig war, in Lausanne 3 Milliarden zu bezahlen. Gewiß, das war nicht richtig, aber war es etwa richtig, daß diese gleichen Spitzbuben, die jetzt sich entrüsten gegen 3 Milliarden, vor zwei Jahren 134 Milliarden im Young-Plan unterschrieben haben?

War es damals vielleicht richtig, daß sie gegen uns, wie wir dagegen Stellung nahmen, alle Mittel der Gewalt, der Unterdrückung, der Konfiskation unserer Blätter usw. zur Anwendung brachten? Wenn in Deutschland jemand ein Recht hat, sich der Freiheit des deutschen Volkes anzunehmen oder gegen diesen neuen Reparationsvertrag Stellung zu nehmen, dann sind wir es, die wir 13 Jahre lang dagegen Stellung genommen haben, und nicht die Parteien, über die jetzt zu Gericht gesessen wird. So ist es auf allen anderen Gebieten auch.
Jetzt schreien sie auf einmal gegen die Zeitungsverbote. 10 Jahre lang hat man unsere Presse geknebelt, Verbote über Verbote hagelten nieder. In den Wahlkämpfen wurden wir nicht etwa vier Tage, nein, auf vier Monate verboten.

Jetzt soll das falsch sein. Die Herren haben so langsam nur eine Ahnung bekommen, daß eine Auseinandersetzung in Deutschland stattfindet, und zwar eine Auseinandersetzung, bei der nicht als Ergebnis wieder ein fauler Kompromiß herauskommen wird, das können wir ihnen garantieren. Eine Auseinandersetzung, bei der endgültig entschieden wird, ob Deutschland noch weiter diese 25 und 30 oder 40 Parteien behalten soll, oder ob Deutschland endgültig wieder zu einer Willensbildung zusammengerissen werden soll. Und das ist doch das entscheidende.

Was sie wirtschaftlich, politisch und moralisch in den 13 Jahren aus Deutschland gemacht haben, ist Ihnen bekannt. Auch diesen Parteien selbst ist es bekannt. Es ist so entsetzlich, daß sie selbst gar nicht wagen, sich darauf zu berufen. Sie selbst wagen gar nicht, ihre Propaganda damit zu führen, daß sie sagen: In 13 Jahren haben wir dem deutschen Volk das oder das geschaffen. Sie konnten gar nichts anderes dem deutschen Volk bringen, als was sie gebracht haben: das wirtschaftliche Elend, die Vernichtung aller Finanzen, den Ruin des Bauernstandes, die Auslöschung unseres Mittelstandes, die Überschuldung und Verpfändung und die Millionen Arbeitsloser. Sie konnten überhaupt nichts anderes erreichen, denn [wie] sollte überhaupt ein Volk die Möglichkeit zum Leben bekommen, wenn eine Willensbildung von 30 Parteien besteht? Wenn jeder Beruf, jeder Stand, ja jede Konfession am Ende eine eigene politische Vertretung oder Repräsentanz besitzt? Sie sagen uns Nationalsozialisten heute: Ihr seid unverträglich und ihr wollt nicht mit anderen Parteien zusammengehen. Ja, ein deutsch-nationaler Parteiführer geht durch die Lande und erklärt, wie undeutsch sind doch die Nationalsozialisten in ihrer Unduldsamkeit.

Meine Volksgenossen! Wir übernehmen die Verantwortung vor der Geschichte. Die Geschichte wird einmal feststellen, was denn eigentlich Deutschland war: die Bildung von 30 Parteihaufen oder die Beseitigung der 30 Parteihaufen.

Sie wird einmal feststellen, ob es wirklich eine deutsche Tat gewesen war, jedem zweiten Deutschen einzureden, daß er seine politische Spezialvertretung brauche: der Arbeiter die seine, und zwar nicht eine allein genügt, sondern zwei oder drei; der Mittelstand auch seine besondere Vertretung, und die Handwerker ebenfalls ihre besondere Vertretung; und die Wirtschaft muß auch eine besondere Partei noch haben, und die Angestellten desgleichen und selbstverständlich dann auch die Unternehmer; und dann selbstverständlich die Katholiken, und die Protestanten dürfen nicht zurückbleiben; und dann endlich die Hausbesitzer müssen natürlich unbedingt eine eigene politische Vertretung bekommen, und dann die Mieter usw.

Die Geschichte wird einmal urteilen, ob das Deutschland war oder ob es nicht deutscher gewesen war, diese ganzen Parteien zu beseitigen und an Stelle dieses Spuks wieder die deutsche Nation zu einer politischen Vertretung zu bringen.

Wir machen kein Hehl daraus, das ist unser Ziel. Wir wollen, daß dieses Volk wieder zu einer einheitlichen politischen Willensbildung kommt. Uns sagen natürlich die Gegner dann, daß das ja nicht möglich sei; das Leben allerdings zwingt die Menschen, miteinander zu gehen.

Freilich, wie sollen sie aber auch miteinander auskommen können, wenn die politischen Parteien sie belehren, daß sie nicht miteinander gehen können. Daß es anders geht, hat unsere Bewegung bewiesen, und wenn die Gegner sagen: Ja, bis zu einem gewissen Grade vielleicht, aber darüber hinaus geht es nicht. 13 Jahre lang haben sie uns das prophezeit. Vom Tage der Gründung an hatte ich dauernd die Propheten zur Seite, die erklärten, ja 100 können Sie vielleicht bekommen, 1.000 niemals. Und als wir 1.000 hatten, sagten sie, das ist ein Zufall, aber 10.000 sind ausgeschlossen. Und als es 10.000 waren, da sagten sie, man sieht schon, daß die Partei bereits den Höhepunkt erreicht hat. Und als es 100.000 waren, erklärten sie, der Höhepunkt sei jetzt schon überschritten. Und als wir eine Million zählten, da sagten sie, es geht bergab. Und als wir auf 6 Millionen angewachsen waren, erklärten sie, sie lösen sich jetzt auf.

Und wenn wir am 31. Juli 15, 16 oder 17 Millionen haben werden, dann werden sie erklären, wir seien geschlagen.

Gewiß gibt es in Deutschland auch heute noch Millionen Menschen, die sagen, wir können nicht aus unserer Klasse heraus. Andere sagen, wir können nicht von unserer gesellschaftlichen Stellung heruntersteigen und uns so plötzlich in das Volk einfügen. Hohe Herrschaften aus beiden Lagern: Ihr braucht das nicht tun. Aber bildet euch nicht ein, daß die deutsche Nation deshalb zugrunde gehen wird. Wenn ihr nicht wollt, dann wird die Geschichte über euch hinwegrollen.

Wir werden den Kampf weiterführen. Wenn wir bis heute gekommen sind, dann werden wir es auch vollenden können. Aus dem Kampfe wird dann endlich hervorgehen ein zusammengefaßter politischer Wille der deutschen Nation. Und dieser Wille wird beherrscht sein von dem Grundgedanken: Alle Zukunft liegt in uns, weil nur in uns allein die Kraft liegen kann, und in unserer Kraft liegt die Macht, und in der Macht liegt das Recht, und in dem Recht allein kann die Freiheit liegen, und in der Freiheit allein kann das tägliche Brot seine Wurzel finden.

Nicht die Zerfahrenheit unseres Volkes kann uns die Stärke geben, die wir zur Erfüllung unserer großen Aufgabe brauchen. Wir wissen genau, es ist nicht leicht, diese Erbschaft zu übernehmen. Die anderen hatten es einst leichter gehabt, sie haben einen Staat übernommen, der immer noch reich war.

Was übernehmen wir? Wir wissen, es ist nicht leicht. Aber gerade weil die Aufgaben heute größer sind denn je, muß die Kraft für diese Aufgaben größer sein als früher. Wenn das deutsche Volk früher glaubte, sich den Luxus dieser Zersplitterung leisten zu können, heute ist es unmöglich. Wenn die Gegner damit rechnen, daß es irgend etwas geben könnte, das uns von unserem Ziel wegbringen wird oder muß, sie mögen sich ja nicht täuschen! Sie sollen sich nicht täuschen in der inneren Sehnsucht des deutschen Volkes nach Ordnung und Disziplin und nach dem Zueinanderbewegen und Aneinandergewöhnen. Sie sollen sich aber auch nicht täuschen in uns! 13 Jahre haben sie geglaubt, durch ihre Mätzchen uns beseitigen zu können, haben in diesen 13 Jahren uns erst totgeschwiegen, dann verspottet, lächerlich gemacht und dann mit Lügen und Verleumdungen überschüttet, und am Ende uns verfolgt und mit den staatlichen Machtmitteln geknebelt. Und am Ende haben sie Terror angewandt und geglaubt, mit Blut uns vielleicht mürbe machen zu können.

Und heute? Auch ihre letzte Waffe, den Terror, werden wir ihnen zerhauen und zerbrechen.

Im übrigen, glaube ich, spricht die Geschichte von jetzt laut und deutlich und vernehmlich die Zukunft der Bewegung aus. Vor 13 Jahren haben wir mit sieben Mann begonnen. Die Gegner von heute, sie waren damals die Machthaber Deutschlands. Sechs Männer hatte ich damals um mich, und meine Gegner hatten unter sich fast alle deutschen Staaten, hatten unter sich die ganze deutsche Macht, die militärischen Mittel dieses Reichs, unter sich die Polizei und die Verwaltung. Alles hatten sie ja – sechs Menschen hatten wir.

Und heute? Herr Braun hat vor fünf Jahren erklärt, diese Pest, die nationalsozialistische, die kommt nicht nach Preußen hinein. Und Herr Severing hat versichert, er werde diesem Stunk Herr werden. Und Herr Grzesinski hat noch gemeint, mit der Hundepeitsche könnte man uns… (Stürmischer langanhaltender Beifall, Pfuirufe, Ruf: Halunke!)

Wo sind sie jetzt die Herren? Wir sind da, sind von sieben Mann viele, viele Millionen geworden, und vor uns liegt das Reich und die Zeit, in der es uns gehören wird.

Ich will auch diesmal selbst nicht um Stimmen bitten oder betteln. Ich will das nicht tun und habe das noch nie getan. Wer von Ihnen glaubt, daß das heutige System gut war, daß es richtig war, segensreich – der muß bei ihm bleiben. Aber er treffe dann auch eine klare Entscheidung. Wer aber glaubt, daß es nicht glücklich war, daß es so auf die Dauer nicht weitergehen kann, den bitte ich um eins: Treffen Sie dann auch keine halbe Entscheidung. Wir sind Männer gewesen und haben uns niemals maskiert. Wir sind Männer gewesen, sind eigene Wege gegangen durch Tod und Teufel. Sind Sie auch mal Mann und Weib und treffen Sie eine klare Entscheidung. Seien Sie überzeugt, daß es nichts Großes gibt auf der Welt, das einem Halben zuteil wird. – Und Größeres als mein Vaterland Deutschland kenne ich nicht.

Wenn Sie am 31. Juli zur Wahl gehen, dann bitte ich Sie vor allem darum, vergessen Sie auf wenige Stunden, vielleicht zum ersten Mal Ihren teuren Stand, Ihre hohe oder nicht hohe Herkunft, Ihre früheren Parteien. Vergessen Sie selbst einmal auch Ihre Konfession, vergessen Sie auch alles das, was Sie trennen könnte und denken Sie einmal in Ihrem Leben an das, was am Ende war und was sein muß für alle Zukunft, nämlich an unser Volk. Denken Sie an diese Millionenmasse, die zusammengehört, miteinander leben muß, kämpfen und ringen soll und für die Sie nun eintreten müssen. Sehen Sie einmal nicht vor sich Ihr Bürgertum, einmal nicht vor sich Ihr Proletariat, einmal nicht vor sich Ihren Mittelstand oder Ihren Bauernhof, sehen Sie vor sich Deutschland und sonst nichts. Dann marschieren Sie dorthin, wo seit 13 Jahren für dieses Deutschland die Fahnen getragen worden sind. (Stürmischer, minutenlang anhaltender Beifall und Heilrufe.)

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Quelle: Institut für Zeitgeschichte

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