von Gerd Junker

Für das deutsche Volk gibt es auf dem Weg zur politischen Einigung Europas keine gefährlichere Belastung als das Fehlen eines gesamtdeutschen Geschichtsbildes. Wie immer die Organisation eines zukünftigen Europas aussehen wird: Die derzeit bestehenden staatlichen Grenzen werden innerhalb des Bundes an Bedeutung verlieren. Diese Entwicklung, die angesichts der Notwendigkeit, sich gegenüber den beiden riesigen Weltmächten in West und Ost militärisch und wirtschaftlich zu behaupten, als unvermeidlich angesehen werden muss, macht das Bemühen widersinnig, den staatlichen Grenzen, die Deutschlands Teile voneinander trennen, mehr als vor­über­gehende Wirksamkeit zuzuschreiben.

Dass Österreich seit Beginn der deutschen Geschichte als Teil Deutschlands anzusehen ist, kann nicht bestritten werden. Seine derzeitige völkerrechtliche Selbständigkeit, die unter der Garantie des so genannten Staatsvertrages von 1955 steht, ist das Ergebnis bestimmter Machtverhältnisse, die durch außereuropäische Gewalten herbeigeführt wurden und aufrecht erhalten werden.

Die Politik muss gewiss mit dieser Tatsache rechnen. Das bedeutet aber keineswegs, dass im Bewusstsein des deutschen Volkes die Zusammengehörigkeit und Einheit aller deutschen Länder verblassen dürfte. Es wäre verhängnisvoll, wenn in unserer Zeit, da überall Grenzen abgebaut werden, künstliche Schranken zu einer Entfremdung zwischen Stämmen desselben Volkes führen würden.

Die deutsche Geschichte zeigt die tragischen Folgen von Grenzziehungen, die nach dem Willen fremder Mächte vorgenommen wurden, dann verhärteten und zur Absplitterung großer Teile unseres Volkes führten. Das Schicksal der Niederlande, Luxemburgs und der Schweiz sind warnende Beispiele. Gerade wegen der gegenwärtig betriebenen „Umerziehung“ der deutschen Jugend haben wir Grund, alles zu vermeiden, was die Trennung der Österreicher von ihrem Gesamtvolk als Normalzustand erscheinen und den Irrtum aufkommen lassen könnte, Österreich sei bloß durch die Machtpolitik Hitlers widerwillig und nur vorübergehend „angeschlossen“ worden.

Bis zum Frieden, der im August 1866 zwischen Preußen und Österreich in Prag geschlossen wurde, war das Kaisertum Österreich Teil des Deutschen Bundes, der trotz seiner losen Organisation eine Art Gesamtstaat war.(1) Die österreichische Regierung hat unter dem Druck der Niederlage bei Königgrätz und im Hinblick auf die Machtverteilung in Europa zustimmen müssen, dass Österreich aus dem Deutschen Bund austreten und auf die weitere Gestaltung des gegenseitigen Verhältnisses der übrigen deutschen Staaten keinen Einfluss mehr nehmen solle.

Während sich aber die österreichischen Regierungskreise verzichtend von der deutschen Frage abwandten, betonte die überwältigende Mehrheit der Deutschen in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie — also nicht nur der Bevölkerung des heutigen Österreich — den Gedanken der Zusammengehörigkeit aller deutschen Stämme. Gerade deshalb, weil man sich staatsrechtlich vom gesamtdeutschen Volkskörper abgetrennt sah, wurde das Bewußtsein der Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum immer stärker. Die Reichsgründung Bismarcks im Januar 1871 führte zu einem gewaltigen Aufschwung der deutschnationalen Kräfte auch in Österreich, und der Abschluß des Bünd­nis­vertrages mit dem deutschen Kaiserreich im Jahre 1879 fand bei ihnen begeisterte Zustimmung. Als im Jahre 1882 von den führenden nationalen Politikern als Grundlage der politischen Arbeit das sogenannte „Linzer Programm“ beschlossen wurde, enthielt es die Forderung, ein gemeinsames Zollgebiet Österreichs mit dem Deutschen Reich unter Einbeziehung Ungarns und der Balkanländer zu schaffen und das Bündnis mit dem Deutschen Reich durch Staatsvertrag in der Verfassung zu verankern! Obwohl nur ein Teil der deutschnationalen Kreise unter Führung Schönerers den unmittelbaren Anschluß an das Deutsche Reich forderte, war das Deutschbewußtsein Allgemeingut. Bismarck selbst hat mehrmals den Vertretern der Alpen- und Sudetendeutschen, die ihn in Friedrichsruh besuchten, dargelegt, „daß sie keineswegs die Aufgabe hätten, sich an irgend jemand anzuschließen, sondern berufen wären, in ihrer Heimat der Sache des Deutschtums zu dienen, und zwar in enger Zusammenarbeit mit den bestehenden Gewalten“.(2)

Die gemeinsamen Anstrengungen des Deutschen Reiches und der Österreich-Unga­rischen Monarchie im Ersten Weltkrieg führten zur Prüfung der Möglichkeit, das Bündnis zu erweitern; Endziel sollte die dauernde Verbindung beider mittel­euro­päischen Reiche zu einer wirtschaftlichen Einheit sein, mit Offenhalten des Vertrages für Dritte. Am 11. Oktober 1918 beendeten Verhandlungen in Salzburg das große Werk der Einigung: Die Zollfreiheit zwischen den verbündeten Reichen wurde als Endziel anerkannt; die unheilvollen Nachwirkungen des Jahres 1866 für die Einheit des gesamten deutschen Volkes schienen damit überwunden.

Als mit dem Ende des Ersten Weltkrieges die Monarchie Habsburg 1918 aus­ein­anderbrach, beschlossen die deutschen Abgeordneten Österreichs die Bildung eines Staates Deutsch-Österreich. Im Artikel 2 des Gesetzes über die Staatsform Deutsch-Österreichs hieß es: „Deutsch-Österreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik.“ Zur Erläuterung dieses Gesetzes erklärte der damalige Staatskanzler und spätere Bundespräsident der Zweiten österreichischen Republik, Renner:

Notwendig aber ist dieser Beschluß besonders in seinem Artikel 2, welcher sagt, daß die Deutsch-Österreichische Republik ein Bestandteil der Deutschen Republik ist, notwendig ist er im Verhältnis zu unserem Stammvolk. Unser großes Volk ist in Not und Unglück. Das Volk, dessen Stolz es immer war, das Volk der Dichter und Denker zu heißen, unser deutsches Volk des Humanismus, unser deutsches Volk der Völkerliebe, unser deutsches Volk ist im Augenblick tief gebeugt. Aber gerade in dieser Stunde, wo es so leicht und so bequem und vielleicht auch so verführerisch wäre, seine Rechnung abgesondert zu stellen und vielleicht auch von der List der Feinde Vorteile zu erhaschen, in dieser Stunde soll unser deutsches Volk in allen Gauen wissen: Wir sind ein Stamm und eine Schicksalsgemeinschaft.

Vom 27. Februar bis zum 2. März 1919 führten die Vertreter des Deutschen Reiches und der Republik Deutsch-Österreich Verhandlungen, deren Ergebnis in dem „Berliner Protokoll“ vom 2. März 1919 festgehalten wurden. Artikel 1 des Übereinkommens lautete:

Die deutsche Reichsregierung und die deutsch-österreichische  Regierung sind übereingekommen, mit tunlichster Beschleunigung über den Zusammenschluß des Deutschen Reiches und Deutsch-Österreichs einen Staatsvertrag abzuschließen.

Ferner wurde in diesem Protokoll u. a. vereinbart, daß der Reichspräsident für einen Teil des Jahres seinen Sitz in Wien zu nehmen habe und daß auch der Deutsche Reichstag alljährlich eine Sitzung in Wien abhalten solle.

Die Deutsche Nationalversammlung hatte dementsprechend in die Weimarer Verfassung vom 11. August 1919 Artikel 61 folgenden „Absatz 2″ eingefügt:

Deutsch-Österreich erhält nach seinem Anschluß an das Deutsche Reich das Recht der Teilnahme am Reichsrat mit der seiner Bevölkerung entsprechenden Stimmenzahl. Bis dahin haben die Vertreter Deutsch-Österreichs beratende Stimme.

Am 28. Juni 1919 war den Vertretern des Deutschen Reiches das Diktat von Versailles ausgehändigt worden. In Artikel 80 sollte sich das Deutsche Reich verpflichten, die „Unabhängigkeit“ Österreichs als unabänderlich hinzunehmen. Nach dem Bekannt­werden des Artikels 61 der Weimarer Verfassung, der die Zulassung Österreichs zum Reichsrat aussprach, drohten die Alliierten auf Drängen des Franzosen Clemenceau der deutschen Regierung mit der Ausdehnung ihrer Besetzung auf das rechte Rheinufer, falls der Artikel 61 Absatz 2 der Weimarer Verfassung nicht innerhalb von zwei Wochen aufgehoben werde. Am 22. September 1919 gab das Deutsche Reich dem Drucke Frankreichs nach und leistete durch Zurücknahme des Artikels 61 Absatz 2 der Verfassung von Weimar Verzicht auf das Selbstbestimmungsrecht unseres Volkes. Das Verbot des Zusammenschlusses Deutsch-Österreichs mit dem Deutschen Reich stand im Widerspruch zu den Waffenstillstandsabkommen zwischen den Mittelmächten und den alliierten Siegern, die die 14 Punkte des amerikanischen Präsidenten Wilson zur Grundlage hatten; denn das Selbstbestimmungsrecht der Völker war ja ein wesentlicher Grundsatz der Wilson’schen Erklärung. Wilson selbst hat während der Verhandlungen von Versailles im Rat der Vertreter der vier Hauptmächte mit aller Deutlichkeit ausgesprochen, daß die Verweigerung des Anschlusses in Widerspruch zu den vereinbarten Grundlagen des Friedens stehe. Er sagte:

Wir dürfen nicht vergessen, daß diese Prinzipien uns im Hinblick auf Deutschland binden, demgegenüber wir beim Abschluß des Friedensvertrages genaue Verpflichtungen eingegangen sind. Wenn wir uns nicht ins Unrecht setzen und unser Wort brechen wollen, dann dürfen wir unsere eigenen Grundsätze nicht zu großzügig zu unserem Vorteil interpretieren. Was Österreich anbetrifft, so scheue ich mich, das Prinzip der Völker, über sich selbst zu bestimmen, zu verletzen … Wir können eine Annexion untersagen, aber wir dürfen einem Lande nicht das Recht verweigern, sich mit einem anderen Lande zu vereinigen, wenn es dies will.

Wilson setzte seine Auffassung nicht durch. Lediglich in Kärnten kam es dank ame­ri­kanischen Einschreitens zu einer Volksabstimmung im Grenzgebiet gegen Serbien; sie führte zu einem Erfolg für Österreich.

Am 10. September 1919 erhielt die Republik Deutsch-Österreich den Text des Diktates von Saint-Germain zugestellt. Artikel 88 lautete: „Die Unabhängigkeit Österreichs ist unabänderlich.“ — Sogar der Name „Deutsch-Österreich“ wurde verboten. Die Wiener Nationalversammlung wandte sich mit einem Appell an die Öffentlichkeit:

Die Nationalversammlung erhebt vor aller Welt feierlichen Protest dagegen, daß der Friedensvertrag von Saint-Germain unter dem Vorwande, die Unabhängigkeit Deutsch-Österreichs zu schützen, dem deutsch-österreichischen Volke sein Selbstbestimmungsrecht nimmt, ihm die Erfüllung seines Herzenswunsches, seine wirtschaftliche, kulturelle und politische Lebensnotwendigkeit, die Vereinigung mit dem deutschen Mutterland, verweigert …

Am 21. Oktober 1919 erfolgte der erzwungene Widerruf der Anschlußerklärung. Einige Tage später erklärte der Parteitag der Sozialdemokratie in Wien:

Der Parteitag ist der Ansicht, daß Deutsch-Österreich als selbständiger Staat nicht leben kann und daher das Anschlußverbot unter die undurchführbaren Artikel des Friedensvertrages gehört.

In der Folge übernahmen die drei maßgebenden politischen Parteien Österreichs den „Anschluß“ in ihre Programme. So hieß es z. B. im Programm der Christlich-sozialen Partei, Artikel 8:

Die Christlich-soziale Partei als nationale Partei verlangt insbesondere auch die Gleichberechtigung des deutschen Volkes in der europäischen Völkerfamilie und die Ausgestaltung des Verhältnisses zum Deutschen Reich auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Völker.

Die Großdeutsche Volkspartei erklärte:

Der unverrückbare Leitstern unserer Außenpolitik ist der Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich.

Im Programm der Sozialdemokratischen Partei hieß es:

Die Sozialdemokratie betrachtet den Anschluss Deutsch-Österreichs an das Deutsche Reich als notwendigen Abschluss der nationalen Revolution von 1918. Sie erstrebt mit friedlichen Mitteln den Anschluss an die Deutsche Republik.

Auch nach dem Inkrafttreten des Friedensdiktats von Saint-Germain wurden die Bemühungen fortgesetzt, wenigstens durch Teilabstimmungen die Frage zu klären, ob dem Völkerbund ein Antrag zum Anschluss Österreichs unterbreitet werden solle. Am 24. April 1921 stimmten 98,8 % der Stimmberechtigten in Tirol für den Anschluss an das Reich. Am 29. Mai 1921 ergab die Volksabstimmung in Salzburg 99,3 % für den Anschluss. Die Durchführung der Abstimmungen in den übrigen Bundesländern wurde dann durch den Druck der Alliierten verhindert.

Im Deutschen Reich und in Österreich war man angesichts dieser Gewaltpolitik bestrebt, den späteren Anschluß durch Angleichung der Rechts- und Wirt­schafts­verhältnisse der beiden Staaten vorzubereiten. Sogar das öster­reichische Bundes­heer passte sich in seinen Uniformen und Rangabzeichen dem Vorbild der Reichswehr an. Unter Führung Frankreichs benutzten die Siegermächte jede Gewährung wirt-schaftlicher Hilfe an Österreich dazu, neue Verzichterklärungen in Bezug auf den Anschluss zu erpressen.

Im März 1931 veröffentlichte die österreichische Regierung trotzdem das so genannte „Wiener Protokoll“, das die Bildung einer deutsch-österreichischen Zollunion vorsah. Der Vertrag sollte eine Neuordnung der europäischen Wirtschaftsbeziehungen einleiten. Der Völkerbund, der von den Siegermächten wegen dieses deutsch-österreichischen Abkommens angerufen wurde, legte die Angelegenheit dem Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag vor.
Am 5. September 1931 erging der Schiedsspruch: Die geplante Zollunion wurde mit 8 gegen 7 Stimmen verworfen. Den Ausschlag bei der Abstimmung gaben die Vertreter von Kolumbien und San Salvador!

Das Scheitern des Projekts einer Zollunion löste in Österreich einen Aufstandsversuch der Heimwehr aus. Obwohl das Bundesheer sich dabei wohlwollend verhielt, mißlang die Volkserhebung, weil der Führer des Heimatschutzes von Oberösterreich, Fürst Starhemberg, sich für eine Habsburg freundliche separatistische Haltung entschied. Von diesem Zeitpunkt an stand die österreichische Entwicklung im Zeichen einer zu­nehmenden Verschärfung des Kampfes der kleinen Zahl von Anschlussgegnern gegen den Willen fast des gesamten Volkes. Bundeskanzler Dollfuß versuchte, gestützt auf ein autoritäres Staatssystem, vermittels einer Völkerbundanleihe die „Selbständigkeit“ Österreichs zu erhalten. Er und sein Nachfolger Schuschnigg sahen sich gezwungen, in ihren Erklärungen zwar zu betonen, dass Österreich „selbstverständlich“ ein deutsches Land sei, erbaten aber gleichzeitig und erhielten auch wiederholt von Frankreich, England und Italien Garantien für die „Unabhängigkeit“ Österreichs. Trotz aller Zwangsmittel gelang es ihnen nicht, die Anschlussbewegung zu unterdrücken. Als Schuschnigg im März 1938, durch englisch-französischen Druck nervös gemacht, versuchte, mit einer überstürzten Volksbefragung die Abmachungen mit Hitler vom 12. Februar 1938 einseitig aufzuheben, ließ er seine Fragestellung am 9. März für die vorgesehene Volksbefragung am 13. März bewusst verworren formulieren: „Für ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, für ein christliches und einiges Österreich.“

Die Antwort gab die Bevölkerung Österreichs, als sie in ungeheurer Begeisterung den deutschen Reichskanzler am 12. März 1938 in ihrem – in seinem – Heimatland begrüßte.

[…] Nach Auffassung des österreichischen Historikers Nikolaus von Preradovich war der Erfolg des Nationalsozialismus in Österreich nicht so sehr seinen programmatischen Punkten als der Tatsache zu verdanken, daß die NSDAP als der sicherste Garant des Anschlusses galt. Der Sozialdemokrat Renner, später Bundespräsident der Zweiten Republik, stellte fest, dass im März 1938 zwei Drittel der Bevölkerung Österreichs Hitler den Vorzug vor Schuschnigg gaben. Noch im Juli 1938 erklärte der emigrierte Führer der österreichischen Sozialdemokratie, Bauer, die Parole gegen die NSDAP könne nicht die reaktionäre Parole der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Österreichs sein, sondern nur ein Aufruf zur gesamtdeutschen Revolution. Am 18. März gaben die katholischen Bischöfe Österreichs einen Aufruf zur Volksabstimmung heraus, in dem sie ausführten, dass sie sich zu diesem Aufruf entschlossen hätten

angesichts der großen geschichtlichen Stunden, die das österreichische Volk erlebt, in dem Bewusstsein, dass in unseren Tagen die tausend-jährige Sehnsucht unseres Volkes nach Einigung in einem großen Reich der Deutschen ihre Erfüllung findet.

Am 10. April fand in Österreich und Deutschland eine Volksabstimmung für den Anschluss statt. Er wurde mit 99,7 % der Stimmen gutgeheißen.

Der knappe Überblick der Entwicklung von 1866 bis 1938 zeigt in aller Eindringlichkeit, wie unrichtig die Geschichte dieser Zeit in den meisten zeitgenössischen Werken dargestellt wird, wenn die Verfasser die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Reich 1938 als Ergebnis der Angriffspolitik Hitlers und des nationalsozialistischen Terrors bezeichnen. In Wahrheit ging es um die Erfüllung des Selbstbestimmungsrechtes, um die politische Einigung des deutschen Volkes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg scheint sich die Welt erneut daran gewöhnen zu sollen, daß fremde Großmächte das „Recht“ haben zu verfügen, daß und in welchem Maße Österreich ein eigenes Volk mit „zufällig“ deutscher Sprache sei. Doch wie sehr sich diese Mächte auch bemühen, den Glauben an eine „österreichische Nation“ zu züchten, in der die Schüler statt „Deutsch“ die „Unterrichtssprache“ lernen, — sie, die sie in einem zweiten ungeheuren Völkerringen Deutschland unter Vergewaltigung aller Völkerrechtsnormen gespalten, zerstückelt, Millionen von Menschen vertrieben und zu Tode geprügelt haben, können auf die Dauer die Welt nicht davon überzeugen, daß ausgerechnet ihre Konstruktion eines „unabhängigen Österreich“ rechtens und dem Volkswillen entsprechend, sozusagen humanitären Anliegen entsprungen sei.

.
Fußnoten:
(1) Huber „Deutsche Verfassungsgeschichte“
(2) N. v. Preradovich „Der nationale Gedanke in Österreich“

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Text-Quelle:  Deutschlanddokumente – Österreich von 1866 bis 1938

Siehe auch:

Advertisements