Perbál ist laut Wikipedia ein ungarisches Dorf mit 2.000 Einwohnern in der Nähe von Budapest. Das Gedicht unten handelt auf selten rührende Weise von der Vertreibung der Volksdeutschen 1946 aus diesem einen Dorfe.

Die Hunde von Perbal

von Gerd Honsik

Als wir dereinst dem Dorf den Rücken kehrten,
da winkte keiner einen Abschiedsgruß,
nur unsre Hunde folgten unsren Fährten
und Fremde traten schon in unsre Gärten,
und wir mit Sack und Pack dahin, zu Fuß.

Perbal ade! Ein deutsches Dorf muß gehen,
und mancher hat sich nochmals umgeschaut!
„Den Kirchturm, Mutter, kann ich hier noch sehen!“
„Sei still mein Kind, du mußt jetzt weiter gehen:
es tut nicht weh, wenn man auf Gott vertraut!“

Nur Handgepäck! Haus, Hof zurückgeblieben!
Sagt es der Nachwelt, wenn sie später fragt:
„Wie war’s in Ungarn?“ „Nichts von Kolbenhieben
und Mord! Zum Glück! Wir wurden nur getrieben
bis Piliszaba, ehe es getagt!“

Im Exodus der achtzehn Millionen
war Perbal nur ein winziges Geschick.
„Des Deutschen Fleiß, sein Pflügen, Säen, Fronen,
– jahrhundertlang – so wollt ihr es uns lohnen,
als Bettler sollen wir – und fremd – zurück?“

Und dann am Bahnhof scheuchte man die Scharen
von Perbals Hunden rauh von uns hinweg,
die alle, alle mitgekommen waren.
Die Viehwaggons waren schon vorgefahren
uns aufzunehmen für den letzten Treck.

„Schließt auf! Rückt nach! Schon dampfen die Maschinen!“
Ich hört‘ durch Planken Stimmen fremd und roh,
und draußen lagern Hunde um die Schienen,
die alte Juju mitten unter ihnen,
indes wir, Kinder, Mütter, drin auf Stroh.

Es zischt und faucht: Schon kam die Lok auf Touren!
Im Riesenchor der Hunde schwoll das Leid.
Es dringt der Schmerz der treuen Kreaturen
in fensterlose Finsternis: Wir fuhren!
Ihr Lebewohl reicht bis zur Ewigkeit.

Der Kessel pfiff, schon drehten sich die Speichen:
die Riesenmeute folgt‘ dem Elendszug
gerad‘ so weit, wie Hundepfoten reichen,
bis auch der schnellsten Tiere Kräfte weichen,
den letzten Laut der Pusztawind vertrug.

Wir ließen still das Haus, wo wir geboren,
fast ohne Schmerz und fügten uns darein,
doch quält seitdem die Klage unsre Ohren
von Perbals Hunden, die wir einst verloren
und herrenlos gelassen und allein.

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Die Deutschen waren 1.200 Jahre lang Ordnungs- und Kulturbringer in Osteuropa.

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